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 | Kapitel 37 - Muss i denn zum Städele hinaus ... |
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"Paul, du, ich ...", begann Naike. "Merkst du nicht, dass du störst? Tu’ was ich eben angeordnet habe", fiel er ihr ruppig ins Wort.
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Naike tat konsterniert wie ihr geheißen und wandte sich den Männern im Speiseraum zu. Da erkannte sie Pfarrer Nicolas Kappe.
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"Mensch, Nic! Hätte dich beinahe nicht erkannt! Wie schaust du denn aus, ohne deinen obercoolen Pony?!" - "Wie mein Bruder Albert fürchte ich", grinste Nic, "dem haben sie sogar gleich die gesamte verfilzte Mähne gestutzt. Wurde auch Zeit!"
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Naike musste lachen, obwohl ihr deutlich mehr zum Weinen zumute war. "Mach doch nicht so ein Gesicht, Süße, wir kriegen das Kind schon geschaukelt. Habe mich freiwillig gemeldet und freu’ mich richtig, endlich ist mal wieder was los!!" - "Äh … ich fürchte, da bist du der Einzige, der das so locker sieht, Nic. Ich weiß ja, wie gerne du früher deinen Militärdienst abgeleistet hast, aber was jetzt auf dich zukommt, ist von ganz anderem Kaliber." Nicolas drückte fest Naikes Hand. "Ach, ich bin zuversichtlich, warte mal ab. Bald sind wir wieder da, vielleicht sogar viel schneller als gedacht." - "Dein Wort in Gottes Ohr", sagte Naike seufzend und bewunderte den Tatendrang und Mut, den ihr ehemaliger Mitbewohner an den Tag legte, hielt ihn aber gleichzeitig für leicht irre. Aber gut, das Lager würde eh Seelsorger brauchen, insofern war sein Einsatz sicher nicht umsonst. Sie kreuzte ihn auf ihrer Liste als anwesend an, nickte ihm und Doc Blythe noch einmal kurz zu und machte sich dann auf dem Weg nach draußen, um den Rest der Heimat-Truppe zu suchen.
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Vor der Baracke herrschte alles andere als Mut und Tatendrang. Joseph Tallis begrüßte Naike mit zerknirschtem Gesicht und Gerda Kappe schüttelte es regelrecht aufgrund eines ergiebigen Weinkrampfes, was wohl ein Zeichen dafür war, dass sie ihren Mann offenbar sehr liebte. Vielleicht hatte sie aber auch lediglich Angst, mit ihrer Kinderschar auf unbestimmte Zeit auf sich alleine gestellt zu sein?
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Naike hatte nicht die Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Ein Kreuzchen für Joseph Tallis, eines für Pfarrer Albert Kappe, Nicolas’ Zwillingsbruder.
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“Joe, wo ist Adam? Er steht hier mit auf meiner Liste für die letzte Gruppe." - "Ich habe ihn eben noch gesehen, vielleicht ist er im Waschraum? Du, wie viele von uns sind eigentlich schon weg?" Naike zählte ihre Liste durch. "Eine ganze Menge, alle Männer der Insel über 45 Jahre, dazu die in Downtown und Hohenfelde Wohnhaften." Gerda Kappe heulte laut auf und schrie, wie gemein doch die Welt sei, da ihr Albert in bereits drei Wochen 45 Jahre alt würde, und wie ungerecht sie es fände, dass man ihn ihr dennoch nahm. Dieser ungünstige Umstand tat Naike sehr leid, aber was sollte sie entgegnen? Die Altersgrenzen für Reservisten waren nun mal gesetzt und auch sie wurde dadurch nicht verschont, sich von geliebten Menschen, auch wenn es nur Sims waren, trennen zu müssen.
"Wo ist eigentlich General von Doberschütz abgeblieben, der mich damals hier gequält hat?", fragte Joe halb ernst, halb grinsend. "Er ist schon vor zwei Wochen abgeflogen und ...", Naike hielt einen Moment inne, um dann sehr leise weiter zu sprechen, "... er kam kurz nach seiner Ankunft im Krisengebiet bei einem Anschlag ums Leben." Joseph wurde blass. Er hatte den "ollen Feldwebel", wie er ihn damals frech nannte, zwar nicht ausstehen können, weil dieser ihn als ehemaligen Zivi auf dem Kieker gehabt hatte, aber diese Nachricht schockte ihn zutiefst. Sein Magen drehte sich einmal schwungvoll nach rechts, dann nach links, unangenehm verstärkt durch Gerda Kappes heftiges Geschluchze, mit dem sie ihrem Gatten um den Hals hing, der sehr bemüht alles dransetzte, seine hysterische Frau zu beruhigen.
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Naike war froh, sich der Situation dann entziehen zu können, um Adam zu suchen.
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Im San-Bereich war er nicht zu finden. Sie ließ für einen Augenblick erneut die Umgebung auf sich wirken, Erinnerungen drängten sich auf. Aber es blieb keine Zeit für nostalgische Gefühle.
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Schließlich fand sie den Gesuchten in einer Ecke hinter der Küchenbaracke … im Arm einer unbekannten Schönen.
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Trotz emsiger Knutscherei bemerkte Adam sie mit einem Auge sofort und lief auf sie zu.
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"Es tut mir leid, Schatz, aber vielleicht liege ich bald irgendwo mausetot im Dreck und darf dann bloß noch als Englein die holde Weiblichkeit anschauen, wenn ich zu Besuch auf Erden bin." Naike schmunzelte, das war mal wieder typisch Ad, und sah ihn unschlüssig an.
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"Warum sagst du denn nichts? Darf ich sie dir wenigstens vorstellen?" Naike zögerte. "Ist es denn was Ernstes oder wieder nur so mal eben vorübergehend?" Adam schüttelte lächelnd den Kopf, was auch immer das bedeuten mochte.
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"Naike, das ist Eva-Maria. Eva, Naike, die Mutter meines Sohnes." Die beiden Frauen gaben sich die Hand und Naike rätselte, warum Adam sich schon wieder eine Eva angelacht hatte, wenn auch diesmal eine mit einem "Maria" dran. Die Eva mit dem Maria dran lächelte freundlich. "Hallo, es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen, Adam hat mir schon viel von Ihnen erzählt." Bla bla, das Übliche, dachte Naike, aber sie musste sich eingestehen, dass die Neue nett wirkte und einfach bezaubernd aussah, sie verfügte über eine wundervolle Figur, hatte schwarze, kräftige lange Haare und ein klassisch geschnittenes Gesicht mit tief dunklen Augen, Adams typisches Beuteschema.
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Sie unterdrückte jegliche weiteren Gedanken, schnappte sich kurzerhand ihre Liste und machte ihr Kreuzchen bei "Tallis, Adam". "TALLIS!!! Spar' dir dein billiges Gesülze und beweg' dich zum Hubschrauber, es geht in Punkt zehn Minuten ab!!", nahte Paul plötzlich ungehalten heran, was Adams Coolness sichtlich minderte.
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Während Naike noch ein paar Worte mit Eva-Maria wechselte, die den Umständen entsprechend auch sehr besorgt und traurig wirkte, versuchte Adam Paul einzuholen, der auch schon wieder davon rannte.
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"Ich muss noch mal eben aufs Klo, Paul, komme dann gleich ..." - "Aber klar, geh nur. Leck' Naike ruhig noch mal ordentlich ab, vielleicht ist es das letzte Mal", erwiderte Paul böse und ließ Adam bestürzt stehen, als wäre diese Bemerkung für ihn völlig überraschend gewesen.
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"Worauf wartest du noch, ihr müsst los!!" Adam reagierte nicht auf Naikes Aufforderung, sondern sagte nur ohne sie anzuschauen und nähere Erklärungen: "Ich sehe dich in fünf Minuten im San." Sie seufzte, zögerte aber nicht weiter, sondern ging sofort über den Platz zu den Waschräumen. Adam sprach noch kurz mit seinem Bruder und verschwand dann ebenfalls in Richtung Sanitär-Baracke.
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"Was ist denn noch? Du musst jetzt wirklich los, wir haben uns doch schon gestern verabschiedet." - "Ich wollte dich noch einmal alleine sehen. Wie geht es Sean und Abi heute morgen?" - "Genauso beschissen wie uns allen, was erwartest du?", antwortete Naike steif.
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"Bist du sauer wegen meiner Freundin? Was soll ich denn machen, hm!? Für immer alleine bleiben und ab und zu mal auf deinem Balkon erscheinen? Verlangst du das wirklich von mir?!?" - "Ach, Adam“, sagte sie unbehaglich, „das ist doch jetzt überhaupt kein Thema, wir werden uns eine lange Zeit nicht sehen." - "Ja, ich weiß. Aber was wird in Zukunft sein? Irgendwann ist der Scheiß vorbei und wir sind alle wieder da. Und mit uns die alten Probleme." - "Ich mag jetzt nicht darüber nachdenken." - "Ach nein? Natürlich nicht!", schnaubte Adam. "Du magst dich nie den Dingen stellen, Mademoiselle Vogel-Strauss!!" Naike biss sich auf die Unterlippe, unter keinen Umständen wollte sie jetzt Schwäche zeigen.
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"Komm' Kleines, sieh mich an! Küss' mich noch ein einziges Mal. Ich bin bald wieder da und völlig unversehrt, das verspreche ich dir." Sie biss ihre Zähne so fest zusammen, wie sie nur konnte, und schaute in das Gesicht des Mannes, den sie so sehr liebte wie niemanden sonst auf dieser komischen Pixel-Welt. Ungewohnt sah er aus, so fast ganz ohne Bart. Aber einige Stoppeln hatten sich bereits eine Stunde nach der Rasur wieder den Weg nach Außen gebahnt. Sie legte ihre Hand auf seinen Arm und drückte ihn langsam von sich weg. "Gott schütze dich!", sagte sie leise und ging dann festen Schrittes an ihm vorbei aus der Baracke.
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Adam starrte für einen Moment betrübt zu Boden und eine nicht greifbare Angst klammerte sich wie eine kalte Hand um sein Herz. Matt schlich er hinaus, drückte auf dem Weg zum Hubschrauber noch einmal Eva-Maria, die mit Gerda auf der Strasse stand, und holte sich anschließend einen dicken Anschiss von Paul ab, weil man auf ihn hatte warten müssen.
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Nachdem Naike vergeblich versucht hatte, sich vernünftig von Paul zu verabschieden, sie erntete für ihren Versuch lediglich ein lahmes „bis dann“, hatte sie alle Mühe, Gerda zu beruhigen, und auch Eva-Maria nahm Adams letztes Winken nicht mehr wahr.
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Als die Männer dann endgültig in den Hubschrauber stiegen, der sie zum Flughafen bringen sollte, brach Gerda unvermittelt am Straßenrand zusammen.
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Naike konnte kaum gegen den Lärm des aufsteigenden Hubschraubers anschreien: "Eva-Maria, bitte lauf' ins Büro und ruf' einen Krankenwagen!" Gerda reagierte inzwischen kaum mehr auf Ansprache und wirkte völlig apathisch.
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Zum Glück war Doktor Blythe noch vor Ort und es dauerte keine fünf Minuten, bis der georderte Krankenwagen eintraf und Gerda ins Krankenhaus brachte. "Die Arme, hoffentlich ist es nur die Aufregung", sagte Eva-Maria besorgt. "Bestimmt. Sie hat vier Kinder, es wird nicht leicht für sie werden. Ich schlage vor, wir treffen uns nachher mit allen Frauen der Insel bei mir in der Simlane 10 und überlegen wie wir alles Weitere organisieren, ok?!" Eva-Maria nickte. "Gut, dann sehen wir uns … sagen wir um 13 Uhr, ich muss hier noch ein paar Dinge erledigen und warten, bis Ablösung kommt."
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Eva-Maria nahm sich ein Taxi und Naike ging ins Büro, um die Einsatzpläne für die nächsten Wochen zu sichten. Doch die Zahlen und Buchstaben begannen vor ihren Augen zu tanzen ...
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... und dann brachen sämtliche Gefühle hervor, die sie in den vergangenen Tagen und Stunden erfolgreich unterdrückt hatte.
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"NAIKEEEE!!!", schrie sie wutentbrannt und meinte damit nicht sich selbst, sondern die Frau, die ihre Geschichte schrieb. Doch niemand antwortete ihr.
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So einsam und verlassen, wie in diesem Moment, hatte sie sich das letzte Mal gefühlt, als sie Jahre zuvor die falsche Nachricht von Adams Tod bekommen hatte. Was sollte nur werden, wenn ihre Lieben wie General von Doberschütz niemals wiederkehrten? Würde je alles wieder so sein wie vorher?
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Jegliches Zeitgefühl war verloren gegangen, Naike wusste nicht, wie lange sie im Büro der Kaserne Blauseidigheide gestanden und geweint hatte, nachdem Paul mit seinen Männern die Insel verlassen hatte. Waren es nur fünf Minuten oder gar eine ganze Stunde gewesen? Sie schnäuzte sich die Nase und erinnerte sich dann an das Treffen, welches sie anberaumt hatte, um mit den anderen Frauen der Insel das weitere Vorgehen für die nächsten Zeit zu besprechen. Sie übergab einem Kollegen, der gerade eingetroffen war, die weitere Schicht, rief sich dann ein Taxi und fuhr zurück in die Simlane 10, wo sie bereits erwartet wurde.
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Man setzte sich zusammen und verbrachte nicht viel Zeit mit Klagen, denn das hätte eh niemandem weitergeholfen. Gerdas Verbleib war im Moment die wichtigste Frage, denn ihre Kinder konnten auf keinen Fall für längere Zeit sich selbst überlassen werden. Jessica machte den Vorschlag, mal im Krankenhaus anzurufen, aber da klingelte bereits Naikes Handy.
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"Hi Doc! Wie? ... Och, das ist ja'n Ding, echt jetzt?!"
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"Ja, natürlich werden wir uns kümmern, ich habe gerade fast alle Frauen hier bei mir und wir sprachen gerade eben über Gerda und ihre Familie. ... In Ordnung. Ciao!"
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"Also, meine Lieben, alles soweit ok mit Gerda, es ist nichts Schlimmes, sie ist schwanger und durch die emotionale Belastung heute morgen beim Abflug ihres Mannes zusammengeklappt." Alle sahen sich verwundert an und konnten kaum glauben, dass Gerda noch ein fünftes Kind erwartete. "Problem ist nur“, schilderte Naike weiter, „dass sie im Moment so geschwächt ist, dass sie einige Zeit in ärztlich-psychologischer Betreuung wird bleiben müssen, um wieder auf die Beine zu kommen und die Schwangerschaft nicht zu gefährden. Und das bedeutet, dass eine von uns in den sauren Apfel beißen und sich in der Zeit um ihre Kinder kümmern muss. Der Doc sprach von zwei bis drei Wochen, ich denke, das wird doch irgendwie händelbar sein, oder?!"
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Zuerst nickten alle eifrig, doch dann hatte jede irgendeinen guten Grund, weshalb dies gerade für sie nicht möglich war. Außer von Carla, die ja frischgebackene Mutter war, empfand Naike die vorgebrachten Begründungen teilweise als ziemlich an den Haaren herbeigezogen, aber bis auf Melissa, die natürlich gaaanz schrecklich viel Arbeit hatte, stand halt auch keiner der Familie Kappe besonders nahe. Auch Eva-Maria lehnte ab, weil es ihr im Moment nicht zuzumuten sei, denn sie sei ebenfalls schwanger.
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"WIE BITTE?", rief Naike viel zu laut. Sie dachte, ein Meteorit hätte sie unmittelbar getroffen. Eva-Maria lächelte versonnen. "Ja, Adam und ich werden Eltern. Schaut euch mal den entzückenden Wurm an!" Und mit diesen Worten kramte sie ein Ultraschall-Bild heraus, welches alle neugierig bestaunten.
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Naike spürte die Blicke der Anwesenden und wünschte sich in diesem Moment nichts mehr, als unsichtbar zu werden. Adam mit anderen Frauen sexuell teilen zu müssen war eine Sache, aber dass nun eine andere ein Kind von ihm trug, konnte sie kaum ertragen. Als Halina Eva-Maria dann auch noch mit den Worten "Hoffentlich kommt er heil zurück, Süße!" liebevoll über den Arm strich, sah sie sich gezwungen, die sandige Sitzung sofort zu beenden, um nicht unbedacht völlig blamabel zu reagieren.
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”Ok, ich mache es", verkündete sie kurzerhand. "Ich gehe gleich Koffer packen und nehme Sean und Abi mit. Jessica, du hütest derweil das Haus, wir bleiben in Kontakt. Danke für euer Kommen." Damit stand sie auf und ging schnellen Schrittes ins Haus, um sich wenigstens für fünf Minuten im Bad einschließen und ungehemmt heulen zu können.
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"Jetzt wird nicht genörgelt, es ist unsere Pflicht, den Kappes zu helfen, wenn es alle anderen nicht tun können“, sagte Naike und dachte dabei aber auch an sich selbst, denn in ihrem eigenen Zuhause lag, seit es zu der brutalen Auseinandersetzung zwischen Paul und Adam gekommen war, noch immer der stechende Gestank von Hass in der Luft. „Stellt euch vor, Jessica und ich könnten jetzt nicht für euch da sein, wärt ihr dann nicht auch froh, wenn sich jemand um euch kümmerte?!“ - "Ja, Maman, schon ...", nickte Sean kleinlaut, "aber die sind sooo doof, voll die peinlichen Loser, die geh’n echt gar nicht." - "Ach, warte mal ab!" Naike seufzte.
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Nach kurzer Fahrt am Pfarrhaus angekommen, klingelte sie an der spießigen Haustüre und wäre beinahe hinten über gefallen, als sie die Frau erblickte, die ihnen öffnete.
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"Ey Mann, da is ja endlich jemand, der mich von den Blagen befreit", stöhnte die hochgewachsene, äußerst unseriös gewandete Frau und ein leichter Whiskey-Geruch ließ Naike einen halben Schritt zurückweichen. "Ach so, tschuldigung, Manu ist mein Name, ich glaube, wir kennen uns von früher, ich muss dann jetzt mal los, denn im Dome is auch die Kacke am dampfen."
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Da gehörst du auch schnell wieder hin, dachte sich Naike, und hatte in diesem Moment eine unangenehme Ahnung, dass weitaus mehr Anstrengungen auf sie zukommen würden, als nur das Hüten von insgesamt sechs Kindern.
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"Ach, übrigens, kennen Sie sich zufällig mit Organisation, Buchführung und dem ganzen Kram aus?", wollte Manu noch wissen. "Nunja, ein bisschen, ich hatte das mal in der Berufsschule, ist aber schon ..." - "Bestens. Dann komme ich heute Abend vorbei und wir besprechen den Einsatzplan für nächste Woche, ja? Ich brauch' nämlich die Kohle und kann mir keinen Ausfall leisten." - "Äh, wie bitte?" - "Na, über 45 sind noch genug Männer da und ein paar Ausländer, wir halten den Laden schon am Brummen!" Und mit diesem Worten schlug Manu Naike kurz tatkräftig auf die Schulter und machte sich zufrieden vom Acker.
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Naike war heilfroh, dass es erst Vormittag war und die Kinder Schulunterricht hatten. So konnte sie sich erst einmal in Ruhe in dem fremden Haus umschauen, in dem sie mit ihren Kindern Sean und Abilene nun eine noch völlig unbestimmte Zeit verbringen musste.
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Wo mochte Paul jetzt gerade sein? Adam und die anderen Männer der Insel, die gestern in einen fragwürdigen Krieg gezogen waren und sich jetzt wohl bereits in einem weit entfernten Teil der Welt befanden? Noch hatte sie keinerlei Nachricht über ihren Verbleib erhalten.
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Aber es blieb ihr nicht viel Zeit, darüber nachzusinnen, und es hätte auch wenig Sinn gemacht. Jetzt warteten erst einmal hierzulande gleich zwei neue Aufgaben auf sie. Zum einen die Betreuung der vier Kappe-Sprösslinge, deren Mutter aufgrund einer problematischen Schwangerschaft das Krankenbett hüten musste, und deren Vater, Pfarrer Albert Kappe, zusammen mit den anderen Männern einzogen worden war. Zum anderen die Organisation des fragwürdigen Unternehmens von Gerda, von dem Naike nicht einmal wusste, ob es in deren Familie als Geheimnis gehütet wurde oder bekannt war. Aber eine Pfarrei und ein Nachtclub passten wohl kaum zusammen.
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Das Pfarrhaus der Kappes war, wie Naike zu ihrer Erleichterung feststellte, zwar sehr altmodisch eingerichtet und es roch auch ein wenig muffig wie in einem Museum, aber sehr ordentlich gepflegt. Die Atmosphäre erinnerte sie ein wenig an die Wohnung ihres früheren Pfarrers in der realen Welt. Du lieber Gott – fast 20 Jahre war es her!
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Zuerst fuhr sie zum Großeinkauf, denn ab jetzt galt es sechs Mäuler und ihr eigenes zu stopfen, keine leichte Aufgabe. Vor allen Dingen war fraglich, wie sich diese religiöse Familie wohl ernährte? Gab es vielleicht bestimmte Ernährungsvorschriften bei den Modernen Jesus Nachfolgern? Oder waren bestimmte Zeiten einzuhalten? In dieser Hinsicht stand Naike vor einem Nichts an Informationen, deshalb entschied sie sich für schlichte Hamburger, die eigentlich normalerweise jedem Kind gut schmeckten.
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Pünktlich um 14 Uhr kam der Schulbus und brachte Hans, Miranda, Desdemona und Elvira wohlbehütet nach Hause. Und auch Sean und seine Adoptivschwester Abilene waren natürlich dabei. Alle begrüßten Naike höflich und setzten sich gleich an den gedeckten Tisch. Bis auf Hans, der sich an das Rednerpult im Wohn- und Essraum stellte und dann wie selbstverständlich begann, aus der Bibel zu vorzulesen.
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Die drei Neuen im Haus empfanden dies als sehr befremdlich, schwiegen aber höflich, bis Lesung und Gebet abgeschlossen waren, auch wenn Sean dabei unruhig auf seinem Stuhl hin und her wippte. Obwohl Hans sich ganz offensichtlich auch danach noch nicht von seiner Bibel trennen konnte, gingen seine Geschwister nun zum Essen über und die Hamburger wurden dankend angenommen. Elvira lobte sie gar als "malerisch", worüber der Rest des Tisches leise kicherte.
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Die Chance zu einem ersten Gesprächsthema ergriff Sean, der sich plötzlich ausschweifend über den Krieg erging und erzählte, wie stolz er sei, dass seine beiden Väter daran teilnahmen, um den Feind – wie er es nannte – ordentlich eins vor den Latz zu knallen.
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Naike entgingen die pikierten Blicke der Kappe-Schwestern nicht, aber was sollte sie als Generalin dazu sagen? So blieb es bei einem ermahnenden Blick, der jedoch an ihrem Sohn vorbei ging.
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Aber Abilene hatte den Unmut ihrer Adoptivmutter nicht übersehen und lenkte das Thema nun geschickt auf die Schule um. Doch Sean interessierte das herzlich wenig, er wurde nun übermütig und begann, frech mit Salat um sich zu schmeißen.
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"Sean!", ermahnte ihn seine Mutter scharf, die seine Tischmätzchen daheim eigentlich schon ganz gut in den Griff bekommen hatte.
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Mehr brauchte sie aber gar nicht sagen, denn so lieb Desdemona auch wirkte, ärgern ließ sie sich nicht.
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"Hör zu, du kleine Ratte, du glaubst wohl austesten zu müssen, wie weit du hier gehen kannst, was?!", strafte sie den Jungen ab und hob dabei sogar drohend ihre Hand. Damit hatte der kleine Frechdachs nicht gerechnet und zog es überrascht vor, sich doch lieber wieder seinem Burger zu widmen. Naike räusperte sich. Na, das konnte ja noch was werden …
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Am Abend machte Sean sich erneut unbeliebt, indem er mit theatralischer Grabesstimme Hans imitierte: "Erstes Buch Mose, Kapitel 17, Vers 12: Jedes Knäääblein, wenn's acht Tage alt ist, sollt ihrrr beschneiden bei eurrren Nachkommen. Desgleichen auch alles, was an Gesinde im Haus geborrren oder was gekauft ist von irgendwelchen Frrremden, die nicht aus eurrrem Geschlääächt sind ..."
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"Und so soll mein Bund an eurrrem Fleisch zu einem ewigen Bund werrrden. Wenn aber ein Männlicherrr nicht beschnitten wirrrd an seinerrr Vorrrhaut, wird er ausgerrrottet werrrden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrrrochen hat!"
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"Äh ... Sean? - Alles klar bei dir?", fragte ihn Abi, die sich zu ihm ins Zimmer getraut hatte, obwohl er furrrchterregend klang. "Immer doch! Aber hör' dir diesen Käse hier mal an, das ist ja noch schlimmer als das beim Mittagessen heute. Dabei kann man doch seinen Burger nicht genießen!", stellte er grimmig fest. "Du, ich finde das auch alles andere als klasse, aber du solltest dir nicht anmaßen, darüber zu richten. Immerhin sind wir hier zu Gast", meinte Abi vernünftig.
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"Wie bitte? Die sollen doch froh sein, dass Mama und wir uns das antun. Hier kann man sich doch nicht wohlfühlen bei diesen Idioten!"
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"Ich fühle mich auch nicht besonders wohl, aber ich mache das Beste draus, vielleicht sind sie ja doch ganz nett und wir haben 'ne gute Zeit hier." - "Na, du hast Nerven!", brummte Sean und machte sich ungerührt über den nächsten Vers lustig.
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Desdemona beschwerte sich bitter über Seans Verhalten. Naike versprach hoffnungsvoll Besserung, schließlich war es der erste Tag und man musste miteinander erst einmal warm werden.
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Gleich nach dem Abendessen zog sich der Kapp'sche Nachwuchs von alleine um und man traf sich noch zu einer kleinen Lesung zur Nacht im Wohnzimmer.
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Und als die schwere Standuhr dann eine halbe Stunde später acht Mal schlug, gingen alle zum völligen Erstaunen von Naike, Sean und Abilene im Gänsemarsch zu Bett.
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Ein wenig neidisch sah Naike den Kindern nach, wie hatte Gerda das nur hingekriegt? Sie selbst musste sich hingegen jeden Abend mit ihren beiden herumärgern. Meist war es bereits nach 22 Uhr, bis sie endlich schliefen. Sean und Abi sahen sich ungläubig an.
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"Die haben doch'n Sockenschuß, oder?!", flüsterte er ihr dann ins Ohr. "Die verpassen ihr halbes Leben!" Abi kicherte.
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"Sean, damit eines mal klar ist, ich will nicht ab jetzt jeden Tag Klagen über dich hören, ja?! Wir sind hier im Haus zu Gast und haben uns so weit wie möglich anzupassen. Überlege doch mal, wie es den Kappes jetzt gehen mag, ihrer Mutter geht es schlecht, ihr Vater ist im Einsatz, die Zukunft dieser Familie ist völlig ungewiss." - "Und was ist mit unseren Papas bitteschön?", entgegnete er durchaus zu Recht. Naike seufzte. "Hast ja Recht. Wir kriegen die Zeit schon um, es wird alles gut werden. Gebt euer Bestes, ja?!" Die Kinder nickten. "Ihr dürft jetzt noch ein bisschen Fernsehen schauen, aber in spätestens einer Stunde möchte ich euch genauso brav im Bett verschwinden sehen, wie gerade die Kappe-Kids, ok?!"
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Sean und Abi hielten sich an die Abmachung. Bevor Naike selbst ins Bett ging, machte sie noch einen Rundgang durch das inzwischen totenstille Haus und sah nach dem Rechten.
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Die Kappe-Geschwister schliefen alle tief und fest. Sie hatten ihr Kinderzimmer im Keller, das sehr kahl und wenig einladend wirkte. Das änderte auch ein riesengroßer hässlicher Teddybär nicht, vor dem sich Naike ein wenig gruselte. Aber es war bis auf die Ballettstange an der Wand wohl auch eher als reiner Schlafraum gedacht.
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Da unten kein Platz für weitere Kinderbetten war, schlief Abilene auf einer Matratze im Wohnzimmer ...
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... während Sean bei seiner Mutter im Doppelbett des Elternpaares Kappe sein Nachtlager fand. Naike hob Darsweder auf, der aus dem Bett gepurzelt war, und legte ihn ihrem kleinen Sohn unter die Decke.
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Sie fühlte sich hellwach, obwohl es bereits weit nach 23 Uhr war. Die Nacht lag tief über der Insel und sie spürte augenblicklich, wie sich die tiefe Leere der Einsamkeit ihr ermächtigte.
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Wie gut, dass wenigstens Sean noch da war. Jeden Tag wurde er seinem Vater in Charakter und Aussehen ähnlicher. Und das bereitete ihr einerseits Freude und andererseits Kummer.
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Wie lange würde die Situation so bleiben, wie sie jetzt war? Wann würde sie das erste Mal ein Lebenszeichen von Paul und den anderen bekommen? Warum hatte Manuela Bretz sich nicht mehr gemeldet? Was würde sie morgen erwarten? Naike kuschelte sich zu Sean unter die Decke und nahm ihn in den Arm. Er war noch ein Kind und konnte ihr keinen Halt bieten, aber wenigstens ein klein wenig Geborgenheit. So schlief sie ein und träumte unruhig.
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In der Nacht wachte Sean ungewohnterweise auf und fühlte sich genauso einsam wie seine Mutter zuvor. Er krabbelte aus dem Bett, betrachtete nachdenklich die kleine Gebetsecke im Raum und kam dann auf die Idee, die Kerze anzuzünden.
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Sie spendete warmes, tröstendes Licht. Ob es tatsächlich einen Gott gab?, überlegte er. Aber wenn ja, warum nahm er Kindern ihre Väter und machte ihnen damit so sehr angst? Sean verwarf die Idee eines Gottes wieder, stellte sich aber fest vor, wie er eines Tages seinen Vater und Paul, den er auch sehr lieb hatte, wieder fest in seine Arme schloss. Dann blies er die Kerze aus und sofort legte sich wieder dunkle Kälte über den Raum.
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Sean versuchte seine Schwester zu wecken, aber sie schlief so fest, dass sie nur kurz knurrte und sich noch tiefer in ihre Decke kuschelte.
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So legte er sich aufs Sofa, hörte ihr beim Atmen zu, was ihn auf angenehme Weise beruhigte, und fiel dann irgendwann selbst wieder in traumlosen Schlaf.
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Einige Tage später war Naikes Urlaub, den sie sich zur Organisation der neuen Situation genommen hatte, vorbei und sie musste wieder zum Dienst. Noch immer hatte es keine Nachricht der Kompanie gegeben. Aber jetzt klingelte das Telefon.
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Mit klopfendem Herzen nahm sie den Hörer ab. "Le Normand bei Kappe", meldete sie sich vorsichtig. Aber es waren keine Militärs am Apparat, sondern Manuela Bretz.
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Sie entschuldigte sich höflich für ihre verspätete Rückmeldung und bat Naike am späten Nachmittag nach Downtown, wie sie es bei der Ankunft mehr oder weniger vereinbart hatten. Draußen knatterte bereits drängelnd der Hubschrauber, so sagte sie widerwillig zu und verabschiedete sich schnell wieder. Doch dann klingelte das Telefon erneut. Diesmal war es Gerda mit guten Nachrichten, sie musste zwar weiterhin im Krankenhaus bleiben, aber es ging ihr den Umständen entsprechend gut. Wenigstens etwas!
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Mit einem unwohlen Gefühl im Bauch machte sich Naike anschließend auf den Weg.
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Bedeutend lieber wäre sie im Bett geblieben.
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Kapitel 36 - 40 Grad Kapitel 38 - Kakophonien
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