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 | Kapitel 33 - The Power of the darrrk side! |
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Hoch Luisa legte sich über die Insel und brachte eine fast unerträglich schwüle Hitzewelle mit sich. Paul schwitzte bereits nach wenigen Hammerschlägen an seiner Werkbank so sehr, dass er sich einen Drink holen musste, und Jessica wurde ihre sonst so heiß geliebte Gartenarbeit zur Last, ließ aber dennoch nicht von ihren Plänen ab, unbedingt einen Preis für die besten Tomaten gewinnen zu wollen, was ihr prompt selbst die Farbe dieser Früchte einbrachte.
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"Haha - jetzt haben wir auch noch eine Rothaut im Haus", lästerte Adam, "bald kommt sicher auch noch ein Schlitzauge dazu." Naike machte ein paar bedrohliche Schritte auf ihn zu, was ihn sogleich veranlasste, seine Bemerkung als Witz herunterzuspielen und zum All-in-One-Shop zu fahren, um Jessica Quark für einen Wickel zu holen.
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Naike arbeitete gerade an einem Buch über Wahrsagekunst mit Spielkarten und konnte sich kaum noch auf ihr Werk konzentrieren, denn besonders im Obergeschoss rutschte das Thermometer kaum mehr mehr unter fünfunddreißig Grad im Schatten.
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Abilene schlief ohne Decke und Schlafanzug noch einigermaßen gut ...
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... während Sturkopf Sean partout nicht auf seinen Lieblings-Schlafanzug und seine kuschelige Decke verzichten wollte und sich so unnötigerweise nächtlichen Hitzekoller verschaffte ...
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... der natürlich auch seine gesamte Familie von wenigstens ein paar Stündchen erholsamem Schlaf abhielt.
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In einer Nacht träumte Naike, sie sei ein Brot und würde in einen Ofen geschoben. Dabei fiel sie aus ihrem Bett und konnte die Brüllerei aus dem Erdgeschoss zuerst gar nicht so recht einordnen. Zum Glück fiel ihr vor lauter Verwirrung auch nicht auf, dass ihr für ein paar Sekunden eine Hand fehlte. *g* Paul erschien mit hochrotem Kopf im Türrahmen ihres Zimmers und ordnete sofortigen Strandgang für die ganze Familie an.
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Hier draußen wehte zwar auch kein Lüftchen ...
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... das Meer lag beinahe still, aber wenigstens gab es keine angestaute Hitze wie im Haus, die beim besten Willen nicht auszuhalten war.
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"Wo bist du eigentlich vergangene Nacht herumgespenstert, Carla? Hast du etwa wieder einen Schatzi?", zwinkerte Naike am nächsten Morgen beim Frühstück ihrer Freundin zu.
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"Hey, spionierst du mir etwa nach?" - "Ach wo, das würde ich nie tun, ich dachte halt nur ..." Aber Carla war kein Wörtchen zu entlocken.
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Dann also nicht, dachte sich Naike und spielte ein bisschen mit Merlin, der sehr gelehrig war und inzwischen schon einige Kunststückchen präsentieren konnte. Zum Arbeiten war es eh bereits in der Frühe schon wieder zu warm.
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Erst nach gut zwei Wochen klang die Hitzewelle ganz langsam ab und jeder nahm sein Tagewerk oder Hobby wieder auf, außer Sean, der nun diesmal an der Reihe war, ordentlich Schlaf nachzuholen.
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Abilene langweilte sich und fuhr ein wenig mit dem Bobbycar umher ...
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... und ohne, dass jemand es bemerkte, dummerweise bis mitten auf die Strasse!
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Zum Glück war das einzig vorbeifahrende Auto an diesem Vormittag Adams Mercedes, dessen Fahrer so kräftig in die Bremsen trat, dass sie danach qualmten. Völlig verschreckt brachte Adam die kleine Ausreißerin sogleich schnell wieder in den Vorgarten zurück. "Grüß dich, Paul! Mensch, ihr müsst auf das Tor achten, da hätte ja wer weiß was passieren können!" Paul war ebenfalls entsetzt und nahm sich vor, das Tor umgehend mit einer Absicherung zu versehen, so dass es in Zukunft von selbst nach Benutzung zufiel. Adam dachte darüber nach, ob es nicht besser sei, wenn er Sean zu sich holte, verwarf die Idee aber zum wiederholten Male.
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"Na, was sagst du zu unserem Werk, Naike, ist er nicht wundervoll? Und so begabt, schau nur, wie schneller er den Dreh raus hat, wie man dieses Ding bedient!", sagte er später beim gemeinsamen Spiel mit vor Stolz geschwellter Brust.
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"Ja, du hast schon Recht, er hat eine sehr gute Auffassungsgabe. Aber ich muss dir leider auch sagen, dass er manchmal ordentlich austickert und das macht mir ein bisschen Sorge, denn das erinnert mich an jemanden", schmunzelte Naike. "Wie meinst du das - austickert?!" – „Nunja, er geht oft mit seinem Spielzeug nicht gut um, wenn es sich nicht so verhält, wie er sich das vorstellt, oder brüllt herum, wenn wir ihm nicht schnell genug etwas Gewünschtes bringen."
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"Ach, das machen doch alle Jungs, das ist ganz normal", wiegelte Ad ab. "Woher willst du das wissen, du hattest doch noch nie einen, oder?!" Er rieb sich nachdenklich den Bart. "Ähem, stimmt. Aber ich glaube dennoch, dass sowas nur eine Phase ist, das habe ich mal irgendwo gelesen." - "Gut, aber achte bitte mit drauf, wenn du bei ihm bist, ja?!"
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Naike hatte es ganz richtig beobachtet, Sean konnte furchtbar lieb und kooperativ sein, dann aber auch wieder jähzornig und trotzig. Paul war entsetzt, als er ein paar Tage später sah, wie der Junge Abilenes Kuschelhasen ein Ohr abbiss.
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"Aber Sean, das kannst du doch nicht machen, damit machst du Abi ganz traurig!", tadelte ihn sein Stiefvater und holte anschließend Nadel und Faden, um das Schlappohr wieder anzunähen.
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Doch Sean ließ sich von Pauls Ansprache keineswegs beeindrucken. Kaum war das Häschen wieder geflickt, schnappte er es sich am Abend erneut ...
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... was diesmal aber Adams Aufmerksamkeit nicht entging, der mit Babysitten dran war, weil Paul, Naike und Carla arbeiten mussten und Jessica eifrig an ihrem inzwischen siebten Roman schrieb. "FINGER WEG VON DEM HASEN", polterte er los und Sean ließ wie von Donner gerührt das Kuscheltier seiner Schwester fallen.
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Das saß. Nun traute er sich nicht mehr an den Hasen ran, zumindest nicht wenn sein Vater in der Nähe war.
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Langsam litt Abilene nun offenbar doch unter Seans Ignoranz. Die Erwachsenen fanden sie inzwischen häufiger vor der Haustür, als ob sie sich vorgenommen hatte ihre Bleibe mitsamt Merlin zu verlassen ...
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... und sie schlief auch nicht mehr so gut wie zuvor, wachte oft weinend auf. Aber Naike, Paul und Jessica hatten sich bereits auf eventuelle Schwierigkeiten durch Information vorbereitet, so dass sie ihr mit viel Liebe und Zuneigung durch diese Phase, in der wohl alte Erinnerungen hochkamen, hindurch helfen konnten.
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Und obwohl Sean weiterhin tat, als sei sein Schwesterchen Luft, näherte sie sich ihm von ihrer Seite aus plötzlich immer mehr an und schien ihn sogar regelrecht zu bewundern.
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Sie fand es augenscheinlich großartig, wie gut er seine Angehörigen entweder mit Charme oder aber vehementem Quengeln jonglierte, wenn er etwas haben wollte. Besonders Jessica hatte er stets schnell um den Finger gewickelt, aber wehe, wenn es mal nicht schnell genug ging ...
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... dann wurde er äußerst ungehalten. Eines Tages sagte er in einer solchen Situation doch tatsächlich "atte Ku" zu Jess, Naike dachte zuerst, sie hätte sich verhört.
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Aber er hatte es tatsächlich geäußert, denn nun wiederholte es auch Abilene: "Atte Ku, atte Ku", rief sie mit großer Begeisterung, als wäre es ein Lob.
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"Ja, sag mal, du kleiner frecher Zwerg, was redest du denn da? Das geht aber gar nicht!", tadelte ihn seine Mutter und sie überlegte, woher er das Schimpfwort bloß haben könnte?
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Dieses Geheimnis lüftete Sean dann sogleich von selbst: "Papa desagt, atte Ku!" Naike runzelte die Stirn. "Das ist gar kein schönes Wort, Sean." - "Sssuldigunk sagen!" - "Ja, richtig, mein Schatz, dafür solltest du dich bei Jessica entschuldigen. Sie beschloss, sich Adam bei nächster Gelegenheit mal ordentlich zur Brust zu nehmen. Doch dazu kam es vorläufig nicht mehr, denn mit einer unbedachten Kleinigkeit brach er in einer lauen Sommernacht Naikes heile Welt wieder völlig aus den Angeln - so wurde aus Gedeih wieder Verderb …
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Am nächsten Tag schien mitten im Sommer Weihnachten zu sein. Naike traute ihren Augen kaum, als sie nach einem angenehmen Nickerchen in der Strandhängematte zurück ins Haus kam.
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"Glauben Sie im Ernst, dass das das richtige Spielzeug für ein Kleinkind ist?", murmelte der Putzmann verständnislos. "Glauben Sie denn im Ernst, dass mir ihre Meinung auch nur einen Cent wert ist", entgegnete Adam empört, "wahrscheinlich haben sie als Kind mit Käthe-Kruse-Puppen gespielt!" Der Putzmann schnappte entrüstet nach Luft, ließ sich aber vorsichtshalber nicht weiter auf ein Streitgespräch ein, da Monsieur Tallis auf der Insel inzwischen berühmt-berüchtigt war und von den meisten vorsichtshalber wie ein rohes Ei behandelt wurde.
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"You don’t know the Power of the Darrrk Side!", bauchredete Adam gekonnt mit Darth-Vader-Imitationsstimme.
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"Adam, was ist das bitteschön?" - "Wie? Kennst du nicht Star Wars?" - "Natürlich kenne ich Star Wars, aber was willst du mit dem Ding? Der ist ja grauselig!"
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"Und was bedeutet diese Bescherung überhaupt? Hier kann doch kein Mensch mehr laufen", stellte sie verdattert fest. "Och, Sean hatte so wenig Spielzeug, man muss doch nicht immer erst auf den Geburtstag warten, um ein Kind zu beglücken, oder?!"
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"Aber doch nicht gleich mit einer ganzen Ladung. Der Berg hier reicht für ein ganzes Kinderheim!"
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Adam fühlte sich gänzlich missverstanden. "Was ist eigentlich mit dir los? Zick' doch nicht immer gleich so herum, ich wollte dem Jungen doch bloß eine Freude machen!" - "Mit Darth Vader??? Und was ist überhaupt mit Abi, hat sie keine Überraschung verdient? Du redest immer nur von Sean!", schimpfte Naike laut. "Paul hat ja wohl genug Geld, um ihr was zu kaufen, oder?!", meinte Adam trocken. Naike zeigte dem Vater ihres Sohnes einen Piepvogel und ertrollte sich daraufhin wieder einmal beleidigt aus dem Haus.
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"Seani, da freust du dich, hm?! Aber die Puppe hier ist fies, die tun wir weg, ja?!" - "Will Darsweder", sagte Sean und schüttelte entrüstet den Kopf. Seine Mutter seufzte und jetzt fiel ihr auch ein, dass sie mit Adam über das "atte Ku" hatte reden wollen, aber nun war er schon wieder weg. "Hör zu, Sean, du kannst deinen "Darsweder" behalten, aber einen Teil des Spielzeugs tun wir erstmal auf den Dachboden und du teilst das Übrige brav mit Abi, ok?!" - "Meins!" - "Nein, nicht nur deins, die Sachen gehören dir und deiner Schwester. Punkt. Und du kannst ruhig mal mit ihr spielen, merkst du denn eigentlich nicht, dass sie dich mag?!"
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Naike brachte Sean für den Mittagsschlaf zu Bett und musste sich leider seinem Wunsch fügen, die Darth-Vader-Puppe ganz in seiner Nähe haben zu dürfen.
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Dann packte sie den Rest der Kisten aus und fand in einer einen wirklich tollen Maltisch. Der Rest kam vorerst auf den Speicher.
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Sean hatte sich kurz darauf die Ansprache seiner Mutter offenbar zu Herzen genommen und begann, sich Abilene zuzuwenden. Allerdings nicht in der Form, die sich die Eltern gewünscht hatten. Zuerst versuchte er mit Charme an Abis lecker aussehendes Fläschchen zu kommen.
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Als sie darauf nicht reagierte, kam der hypnotische Blick zum Einsatz, den er eindeutig durch das Blut seines Vaters genetisch perfekt drauf hatte, ohne ihn erst üben zu müssen.
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Doch Abi ließ sich auch davon nicht beeindrucken und genoss weiter selbst die süße Vanillemilch, so dass sich Sean dann für Plan C, die Attacke, entschied.
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Naike beobachtete die Rangelei zwischen den beiden Kleinkindern, griff aber nicht ein, weil sie der Meinung war, dass Abi lernen musste, sich selbst zu behaupten.
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Und sie gewann das kleine Scharmützel auch prompt gegen ihr Brüderchen, das nur im ersten Schreckmoment verdutzt guckte, dann aber sehr sauer wurde.
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Seine Niederlage brachte ihn derart in Rage, dass er Abilene in die Hand biss.
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Jetzt musste Naike doch noch einschreiten und sie schimpfte sehr mit ihrem Sohn, denn sie war frustriert darüber, dass er so derart garstig reagierte.
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“Sean, Sean - den Gen-Test hätten wir uns echt sparen können", murmelte sie zu sich selbst, "ich hoffe, du wirst wenigstens ein halber Le Normand". Und dabei dachte sie auch sorgenvoll an den Vortag, als Sean den kleinen Merlin so ruppig behandelt hatte, dass dieser laut maunzend um Hilfe rief.
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Während sich Naike also um ihren Sohn sorgte, war Carla im Aufwind. Sie wirkte viel fröhlicher seit sie in der Simlane wohnte, und eine eigene Wohnung war zwar noch nicht in Sicht, aber sie verdiente inzwischen gutes Geld mit dem Schreiben von Artikeln für eine Zeitung und konnte sich dadurch nach und nach ein kleines Polster ansparen. Sie war eine wirklich angenehme Mitbewohnerin, packte mit an, wenn es nötig war und sorgte für gute Laune. Einzig auffällig war, dass sie sehr häufig am Computer saß und offenbar fleißig chattete. Hatte sie sich etwa bei einer Dating-Line angemeldet?
"Holla, die Waldfee! Du siehst ja völlig verändert aus!", rief Jessica erstaunt aus, als Carla eines Tages völlig neu durchgestylt in der Küche erschien. "Jo, ich gehe heute aus", grinste sie.
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"Die neue Brille steht dir echt toll, ich muss mich unbedingt auch mal nach was Neuem umsehen. Willst du mir nicht verraten, mit wem du verabredet bist?", flüsterte Naike verschwörerisch. "Das wirst du schon noch früh genug erfahren, du Naseweis!", zwinkerte Carla und verließ dann mit einem "Schönen Abend!" fröhlich winkend das Haus.
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"Was glaubst du mit wem sie sich trifft, hm?!" - "Woher soll ich das wissen, Nai, dir würde sie es wohl eher sagen als mir."
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“Aber wie wäre es, wenn wir mal wieder zusammen ausgingen? Wir leben ein bisschen nebeneinander her, findest du nicht auch?" - "Ja ...", seufzte Naike, "... das sollten wir wirklich nicht einreißen lassen."
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"Morgen Abend, ja?! Ich frage Jess, ob sie nach den Kindern schaut."
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Am nächsten Morgen versuchte Naike noch einmal aus ihrer Freundin herauszukitzeln, wer ihr neuer Angebeteter war, der ihre roten Bäckchen verursachte. Aber Carla blieb standhaft, irgendetwas stimmte da doch nicht. Aber da sie so positiv drauf war, machte sich niemand wirklich Sorgen, schließlich war ihre Mitbewohnerin erwachsen. Wie jeden Morgen hüpfte Naike anschließend die Post holen und wurde dabei von einem Passanten begeistert zur Kenntnis genommen. *g*
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"Schaut mal, Post aus Übersee!! Desdemonas und Vetos Baby ist da, Julia und Ramon haben jetzt eine Halbschwester, sie heißt Jasmina!", kam sie freudig zurück ins Haus geflitzt. "Guckt mal wie goldig sie ist!"
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Alle waren begeistert von dem mitgeschickten Bild, was für ein süßes Mädchen! Nur Carla verschluckte sich an ihrem Frühstück und verschwand für einige Zeit im Bad, was aber niemandem auffiel.
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Nachdem Abi bei Sean noch immer keinen Erfolg hatte, bat sie seinen Papa um Aufmerksamkeit.
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Aber Sturkopf Adam gelang es nicht, über seinen Schatten zu springen. Völlig fremd blieb ihm das Kind aus fernen Landen. Aber immerhin duldete er sie inzwischen und ging ihr nicht mehr gänzlich aus dem Weg.
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"Ad, du bist zwar manchmal unmöglich, aber ich möchte dir mal sagen, wie froh ich bin, dass es zwischen uns allen so super klappt und dass du Wort hältst und dich regelmäßig um Sean kümmerst." - "Es ist mir ein Vergnügen, er ist mein ein und alles", sagte Adam zärtlich und lächelte voller Zuneigung. "Na, denn ... dann sage ich mal bis morgen?" - "Morgen habe ich den ganzen Tag über Vorlesungen, aber übermorgen komme ich wieder zu euch.“
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„In Ordnung, geht klar. Also dann ... gute Na ..." Plötzlich küsste er sie. Und es war kein Kuss unter Freunden, sondern der innige, leidenschaftliche Kuss eines Liebenden. Viele Wochen waren vergangen, in denen sie sich nicht mehr näher gekommen waren, denn die Großfamilie und ihre Arbeit hatten sie permanent auf Trab gehalten. Immer war etwas los, man hatte sich wie die einzelnen Flicken einer Patchwork-Decke zusammengefunden und den Alltag weitgehend angenehm arrangiert. Bis zum heutigen Tage, an dem dieser verhängnisvolle Kuss alles veränderte ...
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Naike stand verwirrt im Vorgarten. Dutzende alter Erinnerungen und verdrängte Gefühle kramten die Affen aus der Versenkung hervor und stießen sie ihr mit aller Kraft ins Gemüt. Er hatte sie geküsst, einfach so. Ganz plötzlich und ohne Vorwarnung - und dann einfach stehen lassen. Ohne sie noch einmal anzusehen, war er gegangen.
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Sie taumelte ins Haus, zog sich ihr Nachthemd an und kroch unter Pauls Decke, um Schutz zu suchen. Doch lag es in seiner Macht ihr diesen Schutz geben zu können?
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In der Früh hatte Naike keine Zeit, weiter über alles nachzudenken, denn schon gleich nach Sonnenaufgang bekamen sie und ihr Verlobter überraschende Aufgaben, die nichts Gutes verhießen. Jessica konnte Naikes Worte am Handy nicht einordnen, aber sie hatte im Fernsehen vor kurzem einen Bericht gesehen, in dem es um ein Land ging, um das sich international heftigst gestritten wurde. Und auch Deutschland hatte die Finger mit im Spiel
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"Ja, klar, wir kommen sofort. - Blauseidigheide? Wieder öffnen? Ich hoffe doch, das wird nicht nötig sein. - Wie viele Soldaten werden benötigt? Hm … ist das bereits beschlossene Sache? - Ah, ok. Lassen Sie uns das vor Ort besprechen."
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In großer Eile verließen die beiden Generäle die Simlane 10. Jessica schaltete den Fernseher ein, aber nichts deutete auf ein größeres Problem, also machte sie sich keine weiteren Gedanken und nahm sich vor, später noch mal genau nachzufragen.
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Von oben sah das Haus richtig klein aus, dachte Naike, nachdem der Hubschrauber abgehoben hatte, und sie war nach wie vor sehr glücklich über ihr neues Heim, das dem alten in vielem glich, so dass sie sich nach dem Tausch kaum hatte umgewöhnen müssen.
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Während des Fluges fiel ihr plötzlich wieder der Kuss ein und er wollte trotz weitaus wichtigerer Überlegungen beruflicher Art einfach nicht mehr aus ihrem Kopf weichen.
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Naike fror ein wenig, obwohl es zu später Stunde auf der Insel noch mindestens fünfundzwanzig Grad warm war.
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Was zum Teufel machte sie hier eigentlich?
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Wie von einer unbekannten Macht angetrieben, schlich sie mit wild klopfendem Herzen um das Haus der Tallis-Brüder ...
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... und warf vorsichtig einen Blick in deren Küche.
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Alles war stockdunkel und sah verlassen aus, die Bewohner schienen ausgegangen zu sein.
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"BUH!!! - Ja, wenn haben wir denn da?!" Naike zuckte wie vom Blitz getroffen zusammen.
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"Joe ... um Himmels Willen, wie kannst du mich nur so erschrecken?!", brachte sie wegen akuter Kurzatmigkeit vor lauter Schrecken fast kaum verständlich hervor.
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Joseph Tallis nahm sie in den Arm, bis sie sich wieder beruhigt hatte. "Ja, was schleichst du denn auch um diese Zeit so einsam hier ums Haus herum, ich dachte zuerst, du wärst ein Einbrecher!" - "Nee, das nun nicht mehr", grinste sie dann wieder, "ich war nur ein bisschen spazieren und ..."
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"Adam ist nicht da, er ist ausgegangen", unterbrach Joe ihre Erklärung. "Wie kommst du darauf, dass ich ihn suche, ich ..." Joseph lachte sie frech, aber liebevoll aus. "Hallo? Neuerdings auf dem Märchentrip oder was?!" Naike war die Situation schrecklich peinlich, aber Joe war nun mal nicht dumm und roch ihr Begehren selbst einhundert Meter gegen den Wind. "Also gut, wo ist er, ich will nur mit ihm reden." Ihr Gegenüber schüttelte den Kopf. „ Geh' besser wieder heim, Nai, er ist mit Sicherheit ausgelastet." - "Ausgelastet? Was soll das heißen? SAG ES MIR SOFORT, HÖRST DU!!" Joe grinste. Gegen soviel geballte weibliche Vehemenz konnte er nicht an. "Also gut“, seufzte er, „aber denk dran: Ich habe dich gewarnt, du bist selbst Schuld, wenn du dir das antust!" Naike war sehr mulmig zumute, als sie sich von Joe verabschiedete, nachdem er ihr eine Adresse in Downtown genannt hatte.
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"Schön, dass du mal wieder da warst! Und viel Spaß beim "Reden"!", rief er ihr süffisant nach. Naike drehte sich noch einmal kurz um und streckte ihm frech zwinkernd die Zunge raus.
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Der Taxifahrer kannte die Adresse zuerst nicht, aber mit ein wenig Suchen hatten sie The Dome schließlich doch noch in einem ziemlich versteckt gelegenen, dunklen Teil der Stadt gefunden. Naike bezahlte die Fahrt, stieg aus und betrachtete dann staunend das große Gebäude. Ein Club offensichtlich. Und die Tür war verschlossen, also offenbar kein Treffpunkt für jedermann. Dennoch entschied sie sich zu klingeln ...
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... und fiel beinahe hinten über, als sie sah, wer ihr öffnete. "Sie wünschen?", fragte Gerda Kappe unbehaglich mit fehlendem Mienenspiel. Naike starrte ihre Nachbarin für einige Sekunden mit offenem Mund an und gewann erst allmählich wieder Fassung. "Äh ... ich bin hier verabredet ... mit Adam Tallis." - "Tallis? Der ist nicht hier."
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"Doch, das muss er, wir waren für Punkt 22 Uhr hier verabredet", log Naike, in deren Kopf die Gedanken rasten, um irgendwie einordnen zu können, was hier los war. Gerda zeigte sich weiter unwillig und wollte die Türe schon wieder schließen, da nahm Naike all ihren Mut zusammen und erwähnte mit fester Stimme mal so gaaanz nebenbei: "Weiß Ihr Mann eigentlich ..." Die Pfarrersgattin auf Abwegen unterbrach sie sofort mit einem bitterbösen Gesicht. "Kommen Sie schon mit!", forderte sie ihre ungebetene Besucherin mit schneidender Stimme auf und schubste sie durch die Tür.
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Das Haus war innen riesengroß und interessant eingerichtet. Einerseits sah es aus wie ein Hotel, an vielen Türen standen Nummern, aber Naike sah keinen einzigen Gast. Erst als sie eine lange Treppe hinauf in den ersten Stock kamen, hörte sie Musik und Stimmengewirr. "Er ist da hinten an der Bar, viel Spaß!", sagte Gerda Kappe in gehässigem Ton und verschwand um die Ecke, um sich wieder ihren Gästen zuzuwenden. Aber nicht ohne sie weiterhin im Auge zu behalten.
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Naike ging langsam in die gleiche Richtung, in die Gerda verschwunden war und blieb dann hinter einem Sichtschutz stehen, der eine Bar vom restlichen Raum abtrennte. Und dann zeigte sich ihr ein kurioses Schauspiel Tallis’schen Sozialverhaltens …
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Kapitel 32 - Das kleine Bündel Kapitel 34 - Rückfälle
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