Kapitel 32 - Das kleine Bündel



Lange Zeit hatte Naike keinen Kontakt mehr mit ihrem Alter Ego gehabt, aber an diesem Tag kam es wieder einmal dazu. Während sie gerade einen Beitrag im Sims-Forum schrieb, poppte plötzlich ein Skype-Fenster auf: "Hi Sister, wie geht es dir?" - "Das fragst du mich? Du siehst mich doch jederzeit." - "Oh ja, und oft beneide ich dich. Zum Beispiel jetzt gerade, denn in den nächsten Minuten wird sich für dich etwas sehr positiv verändern!"





Testbild 2 "Lass' mich raten, ein neues AddOn?" - "Wow, bingo! Du machst unserem Beruf alle Ehre." Sim-Naike lachte. "Wollten wir nicht immer schon mal ein Haus am Meer?" - "Wollten wir, ja." Sim-Naikes Herz machte einen kleinen Freudensprung. "Na, dann lass’ uns keine Zeit verlieren, bist du bereit?" - "Jederzeit, aber was ist mit meinen Leuten?" - "Keine Sorge, ich werde sämtliche Erinnerungen an das alte Haus bei ihnen löschen." Sim-Naike kratzte sich am Kopf. "Du? Würdest du bitte auch meine sämtlichen Erinnerungen an Adam löschen, dann kann ich mich hier ein bisschen besser ..." - "Willst du das wirklich?" Sim-Naike grinste. "Den Teufel werde ich tun, meine Süße!", grinste Real-Naike zurück ...





... und dann wurde es auch schon verdammt hell und grün im Raum.





Nach nur wenigen Sekunden zeigt sich Sim-Naike langsam wieder das gesamte Farbenspektrum und die Konturen von Möbeln in ihrem Gesichtsfeld. Alles waberte noch ein wenig ...





... und als sie sich von ihrem Stuhl erhob, schwebte sich noch für einige Augenblicke einige Zentimeter über dem Fußboden, aber dann war wieder alles normal und sie befand sich weiterhin am gleichen Ort, der aber nun ganz anders aussah als zuvor.





Sie rannte auf den Balkon und bemerkte, dass sich die gesamte Insel vergrößert hatte. Außerdem hatte sie nun einen Ausblick auf die kleine Taverne.





Unter ihr befand sich ein kleines, strohgedecktes Häuschen und erstaunlich viel Grün – ein sehr viel versprechender erster Eindruck.





Naike ging in ihr Zimmer zurück und bestaunte sämtliche Ecken. So schöne Farben und so viele Bücher! Und ihre Lieblingsgegenstände wurden ihr belassen, so dass sie sich nicht gänzlich fremd vorkam.





Ihre Tür führte hinaus in einen kleinen quadratischen Flurbereich, von dem aus man hinunter ins Wohnzimmer sehen konnte. Jessica und Paul hatten ebenfalls hübsche Zimmer in der ersten Etage bekommen und außerdem gab es auch noch ein weiß-grün gekacheltes zweites Bad.





Sie sprang die neue Wendeltreppe herunter und landete direkt in einem wunderschönen großen Erdgeschoß, das wie früher Wohnzimmer und offene Küche enthielt. Und auf dem Sofa saß - völlig nichts ahnend - der Paul! "Was guckst du denn so komisch, habe ich eine Nudel an der Oberlippe?", fragte er unsicher.





"Ach, Paul, wir haben es so schön hier, findest du nicht?!" - "Ja, klar haben wir das. Ich bin schließlich der allerbeste Hobby-Architekt!", zwinkerte er und ließ sich von seiner Verlobten knuddeln.





Lange hielt Naike es aber nicht auf dem Sofa aus, schnell wollte sie den versprochenen Strand sehen. Und tatsächlich - durch einen kleinen gemütlichen Wintergarten gelangte man direkt an einen weitläufigen Meereszugang mit allem Drum und Dran. Völlig überwältigt von dem wundervollen Anblick, setzte sie sich in den Sand, schaute den Wellen zu und flüsterte leise: "Danke Nai, damit machst du einiges wieder wett."

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In den kommenden Tagen gönnte sie sich an diesem Ort häufig kleine Sonnenbäder, auch wenn es noch recht kühl war. Heute war es besonders fröstelig, so schlüpfte sie schnell wieder durch den Wintergarten zurück ins Haus, wo sie auf Jessica traf, die sich gerade von Julia, Ramon und seinem Vater Veto verabschiedete.





"Könnt ihr nicht noch ein bisschen länger bleiben?", bat Jessica Ramon, aber dieser schüttelte den Kopf. "Vielen Dank, es war toll, dass wir zu Seans Geburtstagsparty kommen konnten, aber jetzt müssen wir schnell zurück zur Uni, morgen geht unser Flieger ganz früh und auf Vater warten die leidigen Geschäfte, du verstehst sicher.“





„Aber spätestens im Sommer kommt ihr wieder rüber, ja?!", herzte Jessica Julia. "Versprochen, machen wir! Und ihr seid auch herzlich eingeladen, mal nach Louisiana zu kommen! Und bitte grüße unbedingt Paul von uns. Wo steckt er eigentlich schon wieder?" - "Er ist heute früh zu einem Einsatz nach Äthiopien geflogen." - "Ach du liebe Zeit, so weit?!"
Vor lauter Gerede und Geknuddel hatte niemand Carla bemerkte, die die Treppe herunter geschlichen war ...





... und jetzt einen dicken Schrecken bekam, als sie Veto in der Gruppe erblickte. Veto Alvarez, Ramons Vater. Der Mann, der sie auf Seans Geburtstagsparty versehentlich auf der Toilette überrascht hatte - eine peinliche Angelegenheit, die sie natürlich nicht vergessen hatte.





Sie wollte sich gerade ungesehen davonstehlen ...





... als sie auch schon entdeckt wurde. "Hey Carla, wo kommst du denn jetzt her?", rief Naike verwundert. "Sie hat eben noch mit mir oben Schach gespielt", erklärte Jessica. "Komm' und verabschiede dich, du kennst doch Ramon, Julia und Herrn Alvarez."





Carla blieb nichts anderes übrig als Jessicas Aufforderung zu folgen und prompt hatte sie auch schon Vetos Blick im Nacken.





Und dann kam er auch noch auf sie zu, Carla brach der Schweiß aus, hoffentlich hatte er die peinliche Szene im Bad vergessen. Aber falsch gehofft. "Ahhh, Senorrrita von Doberrrschütz! Wie schön, dass ich Sie sehe, ich möchte mich noch einmal bei Ihnen entschuldigen, das hätte wirklich nicht passieren dürfen." Jessica, Ramon und Julia sahen sich fragend an und trollten sich dann lieber Richtung Tür, da die blonde junge Frau puterrot im Gesicht wurde. Naike aber hielt Stellung und grinste. "Senorrrita von Doberrrschütz, ich möchte Sie gerne als Entschuldigung nachher zum Essen einladen, ich lasse Ihnen in einer Stunde eine Limousine vorbeischicken, ja?!" Das war zwar eigentlich nur ein Angebot, aber die Art, wie er es vorbrachte, schloss von vorneherein eine Ablehnung aus. Und so nickte Carla nur verschüchtert, was Veto ein zufriedenes Lächeln entlockte. Dann verließ er freundlich winkend mit seiner Familie das Haus.





“Äh ... Naike?" - "Was guckst du wie ein Auto? Klar gehst du hin. Veto macht mir einen sehr seriösen Eindruck, er ist ein Mann von Welt und wird dich sicher absolut schick ausführen, das würde ich mir an deiner Stelle nicht entgehen lassen. Und morgen ist er doch eh weg, das wirst du schon überstehen!", zwinkerte Naike und ihre Freundin nickte völlig verunsichert.

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Eine weitere Woche später war es deutlich wärmer geworden. Naike hatte Urlaub und so vergnügte sie sich mit ihrem Sohn Sean und Jessica beim Burgenbauen am Strand.





Das heißt, nur sie und Jessica bauten die Burg, Sean lieber den Sand. Nach einiger Zeit hörten sie Hubschrauber-Geknatter. Das konnte nur eines bedeuten: Paul war von seinem Einsatz zurück!





Und da kam er auch schon durch den Wintergarten. Doch was hatte er da für ein Bündel im Arm?





"Paul? Was ... äh ... wer um Himmels Willen ist das?", vergaß Naike völlig verdattert, ihren Verlobten erst einmal zu begrüßen.





Auch Jessica war sehr verwundert über Pauls Überraschungsgast, denn es handelte sich bei dem kleinen dunkelhäutigen Mädchen bei näherem Hinsehen nicht, wie zuerst vermutet, um Halinas Tochter Susanne.





„Naike", fiel Paul gleich mit der Tür ins Haus, "die Kleine stammt aus einem Heim in Badme, das ausgebombt wurde, sie hat als Einzige überlebt, Unteroffizier Herrmanns hat sie gefunden und mit ins Lazarett gebracht. Es gab nirgendwo Platz für sie, wir haben alles abgeklappert, da habe ich beschlossen, sie mitzunehmen. Wir haben doch hier eh genug Platz und Sean wird sich sicher ..."





Naike blieb zuerst nur der Mund offen stehen. Dann polterte sie ohne nachzudenken los: "Ja, bist du denn von allen guten Geistern verlassen, hier einfach ein fremdes Kind anzuschleppen, ohne vorher auch nur ein Sterbenswörtchen mit mir darüber zu reden und mich zu fragen, ob ich das überhaupt will?! Viel Platz ist doch kein Grund für eine Adoption, du bist nicht der einzige hier im Haus Lebende, ich will kein weiteres Kind, Sean macht Stress für drei, das reicht mir vollkommen!!!"





"Ja, du hast ein eigenes Kind und ich muss meines teilen!", erwiderte Paul ebenso unbedacht. "Aha, daher weht der Wind, Sean reicht dir nicht, wie?! Dabei bist du doch eh kaum zu Hause, das wird alles an mir hängen bleiben! Jessica, verdammt, jetzt steh' doch nicht so teilnahmslos herum! Sag doch auch mal was dazu!" Die alte Dame kratzte sich am Kopf, murmelte etwas von "verrückter Paul" und lächelte ein bisschen schräg, was Naike als passive Zustimmung deutete und sie gleich noch wütender machte.





"Ach, leckt mich alle sonst wo!", rief sie völlig aufgebracht und rannte ins Haus.





Im Wohnbereich fiel sie beinahe über ein pelziges Knäuel und erschreckte sich im ersten Augenblick furchtbar. Doch dann fiel ihr auf, dass es sich nicht etwa um eine Ratte handelte, wie sie im ersten Moment entsetzt gedacht hatte, sondern um ein kleines weißes Kätzchen mit blauen Augen.





"Paul O'Meara - was BITTE ist das hier nun wieder?" - "Äh ... der Merlin." - "Der MERLIN?" Naike schien der Ohnmacht nahe. "Ja, der Kater war auch in dem Heim, die Kleine hatte ihn ganz eng an sich gekuschelt, als man sie fand. Ich konnte die beiden doch jetzt nicht einfach trennen", jammerte er.





Naike bekam nun das Bedürfnis laut zu schreien, was sie aber unterdrücken konnte, denn dem armen Kater Merlin hatten sich schon die Nackenhaare aufgestellt und das kleine Findelkind kuschelte sich ängstlich an ihren großen blonden Engel.





"Ich glaube, ich lege das Mädel und mich mal hin", sagte Paul müde, "wir hatten eine lange Reise." Seine Verlobte gab nur noch Knurrlaute von sich. "Willst du denn nicht wenigstens wissen wie sie heißt?" Naike reagierte nicht, sondern starrte nur aus dem Fenster. "Ich habe sie Abilene genannt."





"So, meine Süße, jetzt kannst du dich erstmal richtig ausschlafen und morgen zeige ich dir dann alles, hm?!"





Paul zog Abilene einen von Seans Schlafanzügen an und legte sie in sein Bett.





Das kleine Mädchen schien sich wohl zu fühlen und schaute ihren Retter dankbar an. Paul fühlte sich bei ihrem Anblick sehr warm ums Herz und er wünschte sich in diesem Augenblick sehr, dass es auch den restlichen Familienmitgliedern bald so ginge.





Naike hingegen fühlte sich derart überrumpelt, dass sie sich die Decke über den Kopf zog und von der Welt erstmal gar nichts mehr sehen wollte.

*





Noch am gleichen Abend besorgte der frischgebackene Ziehvater statt sich selbst auszuruhen schnell ein zweites Kinderbettchen, ein Kuscheltier und ein paar hübsche Kleidungsstücke für seine neue Tochter.





Interessiert beobachtete Sean, wie Paul das neue Bettchen in sein Zimmer schob. Sein Stiefvater nahm ihn anschließend auf den Arm und ging mit ihm ins Kinderzimmer, denn auch für den kleinen Jungen war nun die Bettzeit gekommen.





"Schau mal, Sean, du hast jetzt eine kleine Schwester. Ihr werdet bestimmt ganz viel Spaß miteinander haben." Sean aber schien sich nicht für Abilene zu interessieren, sondern rief nur laut "Kaka demacht!", was Paul geruchstechnisch eh nicht ignorieren konnte.





Er wickelte Sean und setze ihn noch einmal zur Vorsicht aufs Töpfchen, was dem Kleinen offenbar nicht recht war, denn er protestierte laut krakeelend.





Natürlich wurde Abilene davon wach und brüllte ungehalten. Da wurde Paul klar, dass es sooo einfach wohl doch nicht werden würde, wie er sich das vorgestellt hatte. Und er begriff auch endlich, dass zukünftig viel mehr Arbeit auf Naike zukommen würde.





Nachdem er beide Kinder gebettet hatte, beschäftigte er sich noch eine Weile mit seiner neuen Werkbank, um ein paar Spielzeuge zu kreieren. Dabei ließ sich in Ruhe nachdenken und er beschloss, sich am nächsten Tag bei Naike zu entschuldigen und irgendwie zu versuchen, dass Beste aus der nun unumkehrbaren Situation zu machen.

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Am nächsten Morgen bestand erstmal keine Möglichkeit zur Aussprache, denn Adam beglückte die Simlane 10 mit einem frühen Besuch, polterte mit einem fröhlich geschmetterten Hallo ins Wohnzimmer und stürzte sich auf seinen Sohn.





"Moin Paule! ... Ja, und wen haben wir denn da?!"





Sean war begeistert, seinen Vater zu sehen, der sich weiterhin viel Zeit für ihn nahm und sich jede Menge Blödsinn einfallen ließ, um ihn zu unterhalten. Adam wollte gerade eine Grosskitzelaktion starten, als er Abilene erblickte, die sich interessiert bunten Duplo-Steinen widmete und sie genüsslich beknabberte.





Ein paar Sekunden starrte er sie an, dann wendete er sich an seinen Kumpel: "Paul, wer bitte ist das?"





Paul lächelte versonnen und erzählte Adam stolz die Story von Abilenes Rettung und dass sie nun zur Familie gehörte.





Wie Naike reagierte Adam negativ, wenn auch aus anderen Gründen: "Sach mal, bist du völlig verrückt, hier einfach ein Negerkind einzuquartieren?! Wer weiß was sie alles anschleppt, Ungeziefer oder viel schlimmer, irgendwelche Krankheiten!! Ist das Kind auf AIDS getestet? Nachher wird Sean noch krank!!!", platzte es aus ihm heraus.





Naike setzte gerade eine Maschine Wäsche auf, als sie die plötzlich aufgebrachten Männerstimmen im Wohnzimmer hörte.





"Das kommt überhaupt nicht in Frage, ich hole Sean zu mir nach Hause, bis du einen Heimplatz für das Kind gefunden hast ...





... sie ist mit Sicherheit traumatisiert und außerdem spielt Sean ganz bestimmt nicht mit einem Negerkind!!!", knurrte Adam verächtlich. Seinen letzten Satz hatte Naike deutlich mitbekommen und unterbrach nun ihrerseits aufgebracht das sehr unschöne Streitgespräch.





"Sag mal, hast du sie noch alle auf dem Apfelbaum?!" - "Das heißt Christbaum, Naike, Christbaum!" - "Das ist mir scheißegal, welcher Baum, Adam, du bist ein verdammter Rassist, wie kann man nur so grausam sein??!!" Paul sah seine tobende Verlobte überrascht an.





Naike ließ Adam nun überhaupt nicht mehr zu Wort kommen, beinahe wäre ihr die Hand ausgerutscht, aber zum Glück hielt sie sich weiter an verbale Zurechtweisung. "Ich geb dir gleich "Negerkind", das hier ist ein kleiner Mensch, der in Not ist, ich lasse nicht zu, dass du sie nach deinen lächerlichen Wertmaßstäben aburteilst und beschimpfst. Sean ist überhaupt keiner Gefahr ausgesetzt und bleibt hier, damit das mal klar ist!" Dann nahm sie Abi schützend in ihre Arme.





Adam zeigte wenig Einsicht und diskutierte weiter über medizinische Fragen, nannte das kleine Mädchen aber wenigstens nicht noch einmal Negerkind. Paul versicherte ihm, dass er noch am gleichen Tag zur Klinik nach Downtown fahren und Abilene dort untersuchen lassen würde, was ja auch wirklich wichtig war, aber er machte Adam gleichzeitig auch klar, dass er weder bereit war, Abi zukünftig irgendwohin abzugeben noch ihm Sean zu überlassen, weil es dafür in seinen Augen keinerlei Grund gab.





Nach diesem Vorfall war Naikes Wut auf Paul vom Vortage völlig verraucht. Sie wusste mit einem Mal, dass sie die Aufgabe hatte, der kleinen Waisen aus Äthiopien ein Heim zu geben, und war fest entschlossen es auch zu tun.





Adam nahm seinen Sohn auf den Arm, der das laute Theater verwundert verfolgt hatte, und drückte ihn fest an sich. "Mensch Ad, komm, lass uns noch mal in Ruhe darüber reden." Doch er reagierte nicht auf Pauls gut gemeintes Angebot, sondern verließ düster dreinblickend das Haus Richtung Strand.





"Naike, es tut mir alles so leid, es war unmöglich von mir, dich mit vollendeten Tatsachen zu konfrontieren. Ich werde mich bemühen, so oft wie möglich daheim zu sein und mich um Abi zu kümmern, ja?! Und wir stellen ein Kindermädchen ein, wenn du willst. Ach Mensch komm, jetzt schau doch nicht so traurig", sagte Paul ganz verzweifelt.





"Es ist nicht mehr wegen Abilene, das schaffen wir schon gemeinsam. Aber ich bin stinkwütend auf Adam. Mein Gott, Paul, er ist ein Rassist!! Das darf einfach nicht sein!"





Naike begann ein bisschen zu weinen und Paul nahm sie zärtlich tröstend in seine Arme. "Macht dir mal keine Gedanken, Schatz, er wird gewiss aus der Sache lernen. Vielleicht schafft Abilene es ja sogar auf längere Sicht, seine beschissene Einstellung zu ändern. Du müsstest doch eigentlich am besten wissen, dass er eigentlich gutherzig ist, oder?!" Naike nickte schniefend und hoffte sehr, dass Pauls Einschätzung zutraf. Dann sprachen die beiden noch eine Weile über ihre Gefühle und die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft. Abilene krabbelte auf dem Teppich herum und legte ihr kleines Köpfchen erstaunlich zutraulich an Naikes Bein.

*





Adam schaute Richtung Meer, ohne es richtig wahrzunehmen, und fühlte sich einsam und hoffnungslos. So wie damals in seiner Kindheit, als drittes Rad am Wagen neben den von seinem Vater favorisierten Geschwistern. Selten fand er damals Gehör, nie konnte er es ihm recht machen und hatte sich seine Würde und sein Selbstbewusstsein erst in späteren Jahren mühevoll aufbauen müssen.





„Papa!", rief Sean in die unheilschwangere Stille hinein, und es war das erste Mal, dass er es bewusst tat. Dieses kleine Wort riss Adam jäh aus seinen trüben Gedanken und sein Herz wurde wieder weich.





Zärtlich nahm er seinen kleinen Sohn an die Hände und dieser versuchte doch tatsächlich, sich daran aufzurichten, um ein paar wackelige erste Schrittchen zu wagen. "Ja, sag mal, du stehst ja schon perfekt, kleiner Mann. Na, komm' ... komm' zu mir!"





Doch das war noch ein bisschen zu schwierig für Sean, deshalb ließ er sich schnell wieder in den Sand plumpsen, was so lustig aussah, dass Adam lachen musste und in diesem kleinen Augenblick echtes Glück empfand.





Dann spielten sie noch eine Weile zusammen und er ging später zwar ohne Abschiedsgruß an den Rest der Familie, aber wenigstens deutlich besseren Befindens nach Hause.

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Großen Krach gab es auch im Hause Chez Poulain. Fiona machte ihre Schwester Carla aufgrund einer unbedeutenden Kleinigkeit zum wiederholten Mal vor versammelter Kundschaft ihres Lädchens zur Schnecke, was diese dieses Mal endgültig nicht mehr hinnahm.





Wutschnaubend nahm Carla all ihren Mut zusammen, putze ihre völlig überraschte Schwester herunter, dass es sich gewaschen hatte, und ließ sie dann in dem an diesem Tage ziemlich vollen Laden einfach alleine sitzen.

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“Komm' Junior, ich habe fertig gepackt, wir gehen jetzt. Wir werden schon nicht verhungern und uns eine eigene Bleibe suchen."





"Wovon denn, Carla, häh?! Mit den paar Pennies, die dein Vater dir zurückgelassen hat? Du wirst es doch nie zu etwas bringen, lass’ wenigstens den armen Hund hier!" - "Das ist noch immer mein Hund, und ich nehme ihn mit wohin ich will!" Carla weinte, als sie das Haus verließ, denn ihre Zukunft war ohne die finanzielle Unterstützung ihrer Schwester in dr Tat äußerst ungewiss, denn sie ging schon lange nicht mehr auf Diebestour und hatte ihre Einkünfte aus dieser Zeit aus Reue gespendet. Aber sie hatte Freunde und die würden ihr helfen, da war sie ganz sicher.

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Kurz darauf schüttete sie Jessica ihr Herz aus und erzählte ihr von ihrer plötzlich eingetretenen Obdachlosigkeit. Für Jessica war keine Frage, dass Carla Gast in der Simlane 10 sein würde, bis sie eine eigene Unterkunft gefunden hatte.





Naike und Sean waren gerade mit Töpfchen-Training beschäftigt, als das Haus erneut Zuwachs bekam, ohne dass zuvor alle Mitglieder gefragt wurden.





Aber diesmal war die Hausherrin erfreut über die neue Mitbewohnerin, denn erstens war sie ihre Freundin und zweitens auch eine weitere Unterstützung für den Haushalt, denn Naike fürchtete nichts so sehr, wie im Kinderalltag zu versinken, ohne die Zeit zu haben, auch ihren persönlichen Interessen weiter nachzugehen.





Auch Paul begrüßte aus den gleichen Gründen Carlas Einzug und er war an diesem Abend so gut gelaunt, dass er gleich ein paar Scherze über angeblich übliche schlechte Verhaltensweisen aller Bewohner machte und Carla dadurch fast gleich wieder vertrieb.





Sean genoss die gute Stimmung im Haus und fühlte sich bisher nicht durch Abilene gestört, da sie viel Schlaf nachzuholen hatte und ihm somit sein Terrain noch nicht streitig machen konnte.

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Naikes und Adams Sohn entwickelte sich prächtig, er konnte sich nun schon über eine längere Zeit konzentriert alleine beschäftigen ...





... das Töpfchengehen klappte auch zunehmend besser ...





... und er war auch gerne jederzeit zu albernen Scherzchen seiner Betreuungspersonen bereit.





Für sein neues kleines Schwesterchen interessierte er sich jedoch überhaupt nicht, obwohl sie immer wieder versuchte, ihn auf sich aufmerksam zu machen.





"Na, Seani, was sind das denn für Manieren, du gibst Abi nichts von deiner Milch ab?"





Nein, das machte er nicht. Er tat einfach so, als wäre er ein kleiner König und völlig alleine in seinem Palast, egal ob sie in seiner Nähe war oder nicht.





Mit der Zeit kam mehr und mehr auch seine andere Seite zum Vorschein. Wenn etwas nicht so klappte, wie Sean sich das vorgestellt hatte, wurde er schnell ungeduldig ...





... und es kam öfter vor, dass er vor lauter Wut heftig auf sein Spielzeug einschlug.





Zum Glück beruhigte er sich immer wieder schnell, sobald etwas anderes seine Aufmerksamkeit fesselte.





Und innerhalb weniger Minuten konnte er dann wieder strahlen und aufmerksam einer spannenden Geschichte lauschen, die Carla ihm erzählte.





Obwohl Abilene Schlimmes durchgemacht hatte und nun auch noch von ihrem Geschwisterchen nicht beachtet wurde, war sie meist sonniger Laune. Oft sah man sie verträumt fremd klingende Liedchen singen ...





... oder sie knuddelte ihren besten Freund, den kleinen Kater Merlin. Paul hatte eindeutig die richtige Entscheidung getroffen, die beiden nicht zu trennen.





Er war entwurmt und geimpft worden und auch Abi hatte sich als kerngesund herausgestellt, lediglich ein paar Würmer hatten ihren Darm bevölkert, ein Problem, was mit der Gabe eines Medikaments schnell aus der Welt geschafft werden konnte. Die Patchwork-Familie befand sich also alles in allem auf erstaunlich gutem Wege, nun benötigte Abilene nur noch eine Audienz bei ihrer Majestät, König Sean, um den Weg zur heilen Welt zu ebnen. Aber konnte es sowas überhaupt geben?



Kapitel 31 - Bis(s) in alle Ewigkeit
Kapitel 33 - The Power of the darrrk side!