Kapitel 54 - Ein Kinderzimmer voller Geheimnisse



Halina Fiechter, einst Opfer der Untaten von Armins Sims, lebte inzwischen mit ihrer gemeinsamen Tochter Susanne in einem kleinen hübschen Haus mit Garten unweit der Kirche der Modernen Jesus-Nachfolger, die es ihr aus echter Barmherzigkeit geschenkt hatten, nachdem sie sich mutig entschieden hatte, ihr Kind trotz der unglücklichen Umstände zur Welt zu bringen. Und diese Entscheidung schien ihr Glück gebracht zu haben ...





“Mensch, Naike, grüß dich! Unglaublich, wie schlank du noch bist, bist doch eher dran als ich, oder?”, fragte Halina ihre Freundin überrascht.
Naike drückte die ebenfalls Hochschwangere an sich. “Tja, ich weiß auch nicht, bei mir wächst immer nur der Bauch, beim Rest tut sich nichts, erst später, wenn es dann an die Brei-Reste geht. Aber du mußt erst mal meine Schwägerin sehen! Eva-Maria isst allerdings auch kaum was.”
Sean hatte keine Lust auf Frauengespräche und hielt nach Susanne Ausschau. Und da nahte sie auch bereits verstohlen heran.





“Hi Su, ewig nicht gesehen, hm?!”, zwinkerte Sean ihr aufmunternd zu. Sie lächelte zaghaft. Der Junge nahm sich vor, das schüchterne Mädchen gleich aufzutauen, inzwischen hatte er aus seinen Patzern nämlich eine Menge gelernt und setzte sein einnehmendes Wesen nun deutlich geschickter ein.





Und dann lugte noch jemand neugierig hinter einer Tür hervor, wurde aber sogleich von den Damen entdeckt. “Lu, komm' zu uns!”, rief Halina eifrig, denn sie hatte sich schon sehr darauf gefreut, ihrer Freundin ihren Liebsten vorstellen zu können. Ludwig, kurz Lu, Chang kam heran und lachte gleich so offen und freundlich, dass Naike keinerlei Fremdheit verspürte.
“Na, dann schält euch mal aus den Daunen, ich habe uns einen kleinen Snack vorbereitet”, lud er alle in die Küche ein, und dann sah Naike auch, warum er so belustigt war.





“Lu ist ein Witzbold”, schimpfte Halina gespielt, als sie vor seinen liebvoll zubereiteten Nutellabroten mit Gurkenauflage saßen.
“Na, hör mal”, protestierte er mit leichtem Akzent, “wenn ich schon gleich zwei werdende Mütter verköstigen darf, dann doch gleich mit etwas Passendem, oder?! Schließlich bin ich vom Fach!”
“Vom Reisfach zumindest”, kicherte Halina und kam dann der Frage ihrer Besucher zuvor, indem sie erzählte, unter welchen Umständen sie Lu kennengelernt hatte.
“Ja, also Susanne und ich hatten eines schönen Tages abends noch Hunger und bestellten zwei Portionen Eierreis mit Hühnerfleisch beim Chinesen in der Stadt. Weißt du, der neben dem Naniwa.
Nelumbo heißt der Laden, besser bekannt als Lotosblüte, dem Sinnbild für Reinheit, Treue, Schöpferkraft und Erleuchtung!“, warf Lu wissend ein.
„Ja, genau“, lächelte Halina ihren Schatz zärtlich an, „also, ihr könnt es euch sicher denken, den Eierreis brachte dann der liebe Lu, mein Chinamann mit ebenso leuchtend rotem Haar, wie ich es habe. Da hab' ich aber schön blöd geguckt, das kannste mir glauben.“
„Oh ja, das hat sie!“, lachte Lu. Naike und Sean grinsten.
„Bin auch nur Halbchinese“, erklärte er dann, „meine Mutter ist Engländerin.“
Naike fand das sehr spannend und erkundigte sich gleich noch nach seiner Familiengeschichte, auch um den Moment des Brotanbeißens noch ein wenig rausschieben zu können.





Doch irgendwann kam er, dieser Moment. Halina und Sean bissen herzhaft hinein, Naike zögerte schaudernd. „Pfui Teufel“, motzte Sean, „das schmeckt ja wie die Omma unterm Arm!“ Susanne, die sich in weiser Voraussicht mit einer Tüte Chips von vornherein der Kreation verweigert hatte, bemühte sich sehr, nicht loszuprusten.





“Also bitte, reiß dich mal am Riemen, das kann man doch nun wirklich auch anders sagen”, tadelte Naike ihren Sprößling, obwohl auch sie durchaus lieber ein Stückchen Kuchen bekommen hätte. Lu tat zuerst beleidigt, begann dann aber plötzlich wie zuvor zu lachen und setzte wenige Augenblicke später eine köstlich aussehende Torte vor die Augen seiner Gäste. ”Überraschung!”, freute er sich wie ein kleiner Junge über die erleichterten Mienen am Tisch und schnitt jedem ein riesiges Stück ab, während dazu jetzt auch frischer Kaffeeduft die Küche erfüllte. Lediglich Halina kaute weiter schmatzend auf ihrer Lieblingsschnitte herum und hatte sich fix zu ihrer auch noch die gemiedenen der anderen geschnappt.





Nach dem Kaffeeklatsch verabschiedete sich Lu unter tausend Küssen von Halina zur Spätschicht ins Nelumbo und die Kinder verzogen sich nach draußen zum Spielen. Drinnen ging der Klatsch ohne Kaffee weiter, denn Halina hatte eine überraschende Neuigkeit.





“Rate mal, wer Melissa Fuller eifrig umwirbt!”
“Hoffentlich nicht wieder Armin”, fragte Naike besorgt und dachte an Jessica.
“Gott bewahre, nein, es ist der olle Gieke!”
“Gieke? Gerd Gieke? Dieser klemmige Nerd mit altmodischer Brille im roten Shirt?”
Halina lachte laut auf. “Jo, er scheint einen ganzen Schrank voll dieser labbrigen Dinger zu haben. Also, ich hoffe zumindest, dass es nicht immer das gleiche ist.”
Naike prustete. “Ich fass es ja nicht, hoffentlich kriege ich die beiden bald mal zu sehen.”
“Dann müßteste schon zu einem unserer Gemeindetreffen kommen, einen richtigen Balztanz führt er dort immer auf. Aber ich könnte ja auch mal 'ne Party geben, wenn das Kleine da ist.”
“Au ja”, rief Naike schwer begeistert, “das wäre ein Spaß!!”
“Ok, gebongt”, kicherte Halina.





„Ich will bei Susanne übernachten“, kam Sean mit seiner neuesten Eroberung plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes mit der Tür ins Haus gefallen, „darf ich, bitte?!“
„Also, nee, so spontan geht des jetzt nicht, Halina braucht doch nachts ihre Ruhe, wenn ihr dann da rumtobt ...“
Sean zog einen Flunsch. “Ich hab' dir ja gesagt, sie ist voll unflexibel“, raunte er Susanne zu. die auch enttäuscht aussah.
„Aber nein, das würde mir nichts ausmachen, bin eh immer lange wach und warte noch auf Lu“, meinte Halina.





Ohrenbetäubendes Jubelgeschrei gellte durchs Wohnzimmer, dann trollten sich die Kinder wieder nach draußen. Naike runzelte die Stirn.





“Gut, wenn das wirklich ok für dich ist. Ich bringe dann gleich seine Sachen rüber. Aber bitte schau ab und zu mal nach den Kids, Sean ist jetzt fast 13 und nicht ganz ohne in Sachen Mädels.”
“Hab ich letztens von Pfarrer Kappe gehört, ja. Aber ehrlich gesagt halte ich ein Küsschen für völlig normal. Albert hat bloß so 'ne Show gemacht, weil es um seine eigene Tochter ging, du weißt ja selbst, wie streng er seine Kinder erzieht.”
“Ja, das schon, aber Sean übertreibt's schon manchmal und läßt Sachen los, da sträuben sich selbst Adam die Nackenhaare.”
“Na, er ist halt seines Vaters Sohn”, stellte Halina unbekümmert fest. “Aber solange er niemanden verprügelt, bleibt es doch überschaubar.”
Naike schluckte unbehaglich.
“Oh, du, sorry, das war jetzt wirklich blöd von mir, bitte verzeih.” Halina errötete.
“Wird er noch immer als Monster betrachtet?”, fragte Naike konsterniert.
“Du, ich ...”
“Na, sag schon!”, drängte sie, denn sie wußte, dass ihre Freundin überall ihr Ohr hatte.
“Nunja, Geschichten gehen halt rum, du kennst das doch. Wenn du selbst keine Angst hast, kann dir das doch egal sein, oder?! Über mich haben sie sich auch lange die Mäuler zerissen, aber ich hab's irgendwann einfach ignoriert und dann verstummte der Pöbel.”





“Nein, ich habe keine Angst”, bestätigte Naike, aber irgendwie fühlte sich das nicht ganz so richtig an, wie sie es sich eigentlich gewünscht hätte.



*





Derweil hatte sich Jessica, ohne zuvor auch nur einen Tropfen Eierlikör zu sich genommen zu haben, endlich ein Herz genommen und Armins Nummer gewählt, um mit ihm das gefürchtete Treffen auszumachen.





Ihr Herz pochte hart gegen den Brustkorb und setzte dann für einen Moment aus, als sich am anderen Ende der Leitung eine Frauenstimme in gebrochenem Deutsch meldete. Jessica brauchte mehrere Anläufe, um von der Dame, die sich nach und nach als Putzfrau der Apartments herausstellte, wo er jetzt lebte, zu erfahren, dass Herr Sims zu einer mehrwöchigen Reise zu einem Familienangehörigen aufgebrochen war und leider über kein Handy verfügte.





Sean tobte noch mit Susanne aufgekratzt über die Matratzen und Naike lag längst in Adams Arme gekuschelt im Bett, da schlich Jessica noch immer ruhelos umher und fand einfach keinen Schlaf. Warum nur hatte sie so lange gezögert? Hatte die Qual denn nie ein Ende? Und so blieb ihr nur wieder das gewohnte zähe Warten auf seine Rückkehr. Hätten ihr die Karten nicht gesagt, dass es schon sehr bald sein würde, wäre sie wohl endgültig verrückt geworden.



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Zwei Wochen später gab Adam seiner neugeborenen Tochter ihre Mittagsmahlzeit und sah sie verliebt an.





Gierig schnappte ihr kleiner Mund immer wieder nach dem Flaschensauger, der noch ein bisschen zu groß für ihre winzigen Lippen war, um ihn dauerhaft zu umschließen.
“Sie schnappt zuviel Luft, halt die Flasche mal ein bißchen schräger”, korrigierte Naike, die sie dabei beobachtete, ihres Mannes Tun.
“Ja ... jaaa, der Papa macht das schon sehr, sehr gut”, lobte dieser sich selbst, kam dem Tipp seiner Frau dabei aber dennoch nach, denn er wollte unbedingt alles richtig machen. Entspannt wiegte er das kleine Mädchen dabei in seinem Arm und eine warme Welle voller Zuneinung umschwappte sein Herz. “Sag mal, erinnerst du dich eigentlich noch an die olle Wahrsagerin damals am Museum, als wir uns in aller Heimlichkeit trafen?”
“Natürlich”, bestätigte Naike, “wie könnte ich das vergessen haben?”





Sie erinnerte sich sogar noch sehr lebhaft. Die Wahrsagerin hatte sehr geheimnisvoll getan, zuerst Adams Handfläche betrachtet, dann ihre und anschließend das Übliche für ein verliebtes Paar prophezeit, eben dass sie heiraten und viele Kinder bekommen würden. Sie hatten sich sehr darüber amüsiert, waren jedoch stutzig geworden, als ihnen die alte Dame im Zigeunerkostüm plötzlich auch noch die Namen ihrer zukünftigen Kinder nannte.
“Erinnerst du dich auch noch, was sie zum Abschluss sagte?”





„Natürlich“, antwortete Adam. „Seht euch vor, ihr werdet ein Leben lang um eure Liebe zueinander kämpfen müssen, wenn ihr keinen vernünftigen Weg findet, eure unruhigen Geister zu zähmen! - Das haben wir jetzt geschafft, oder?!" Naike lächelte.
„Ach, ist sie nicht wunderbar? Zärtlich liebkoste Ad Johannas Wange. „Sie duftet einfach unbeschreiblich und ist so wunderwunderschön!“





“Aber Ad, du wirst sie doch nicht etwa bevorzugen?”





“Du kommst vielleicht auf Ideen, niemals!!”, entrüstete er sich. “Aber beide gleichzeitig zu knuddeln ist ein bißchen schwierig, oder?”
Naike legte ihm Marie in seinen noch freien rechten Arm und lachte, wie hilflos er plötzlich dreinblickte. Schnell befreite sie ihn wieder von den beiden Mini-Mädchen und legte sie nacheinander in ihre Wiegen, was sie sich nach den leckeren Mahlzeiten bereitwillig gefallen ließen.





Naike war zwar nicht ganz so duftig wie seine Töchter, aber im Gegensatz zu den Säuglingen wußte er, wie er sie zu fassen hatte. Das Paar schmiegte sich eng aneinander und sie küssten sich gegenseitig die Tränen des Glücks von den Wangen.

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Und wieder gab es einen kleinen Empfang in der Simlane 10, dieses Mal natürlich zur Geburt der Tallis-Zwillinge.





Alles staunte, sogar Abilene war begeistert und näherte sich Adam ausnahmsweise mal ohne übermäßige Scheu. Kurz dachte sie darüber nach, ob sich fdenn ein böser Mann so liebevoll einem kleinen Kind annehmen könnte und tendierte mehr zum Nein, was sie milde stimmte. Johanna grinste verschmitzt über die Faxen ihres großen Bruders, was Sean so süß fand, dass er regelrecht aus dem Häuschen geriet.





Völlig entzückt spielte auch Joe mit seiner kleinen Nichte und freute sich insgeheim schon auf seinen eigenen Nachwuchs, der bald ebenfalls zur Welt kommen würde. Naike fühlte wieder diesen starken Sog, der vom jüngeren Bruder ihres Mannes ausging, mit dem sie einst für einige Zeit zusammengelebt hatte. Aber dieses Mal war es ihr angenehm, ihn und alle anderen so sehr vertrauten Gesichter um sich zu haben. So gerne sie auch alleine war, so sehr liebte sie ebenfalls die inzwischen regelmäßigen fröhlichen Zusammenkünfte von Familie und Freunden, die sich heute alle mitfreuten, aber ebenso auch immer zur Stelle waren, wenn der Haussegen mal schief hing.





Jessica hatte ihre Auszugspläne in dem Moment vergessen, als sie Johanna und Marie das erste Mal in ihren Armen hielt. Und sich auch endlich damit abgefunden, die Rolle der Großmutter in der großen Patchwork-Familie zu spielen. Was sollte es auch? Schließlich gab es ja auch junge Omas, hatte sie sich gesagt und dann gleich nicht mehr ganz so alt gefühlt.
“Hach, hoffentlich kriegen wir nicht auch noch Zwillinge”, meint Eva-Maria plötzlich betrübt. “Also, 'tschuldigung, versteht mich bitte nicht falsch, sie sind wirklich absolut entzückend, aber ich sähe dann bestimmt aus wie eine Tonne.”
“Na, du hast Nerven!” Joe schüttelte verständnislos den Kopf. “Ist Naike etwa dick? Hier guck sie dir an, sie klappert doch fast!” Unbekümmert griff er seiner Schwägerin an den Hintern, was Nathaniel amüsiert zur Kenntnis nahm und Jessica wachsam werden ließ. “Und außerdem haben wir bereits einen Sohn, mein Schatz”, fuhr Joseph fort, “er hat dich sogar noch viel hübscher gemacht, als du es vorher schon warst.”
Eva-Maria errötete und Naike zwinkerte ihr zu. Jessica zog ihr Argusauge wieder ab und ließ es unauffällig zu Nathaniel hinübergleiten, wo es nun offenbar dringender gebraucht wurde, denn im linken Teil des Wohnzimmers begann heftig die Luft zu knistern. Die Seniorin war nur eine halbwegs gute Wahrsagerin, aber ein sehr gutes Gefühl für die energetischen Verhältnisse in ihrer nahen Umgebung hatte sie schon immer gehabt.





Sie sah, dass Nathaniels Aura orange-rötlich schimmerte und kräftig vibrierte. Aber auch jeder ungeschulte, aufmerksame Beobachter hätte seine innere Erregung erkennen können, den erhöhten Widerstand, mit dem er sich zu kontrollieren versuchte.





“Entschuldigung, wenn ich so unverschämt frage, Doktor Blythe, aber wie kann es sein, dass Sie noch nicht unter der Haube sind?”, fragte ihn Halina frei von der Leber weg, und Gilbert antwortete auf die ganz offensichtlich mit ehrlichem Interesse gestellte Frage auch ganz offen: “Hm, wohl weil ich die Richtige noch nicht gefunden habe?”
“Dann müssen wir aber unbedingt mal nachhelfen, hm?! Sie wären ein so wunderbarer Vater, da bin ihn ganz sicher.”
Gilbert fühlte sich sehr geschmeichelt und sah kurz scheu zu Boden. “Ach, ich alter Junggeselle! Habe zwar schon einige Geburten begleitet, aber ich glaube', ich hab zwei linke Hände, was das angeht, die kleinen Wesen sind doch noch so zerbrechlich.”





“Ach wo, kein Stück, die sind zäh wie Leder, nur nicht fallen lassen!”, widersprach Adam, der sich inzwischen an den Umgang mit den Säuglingen gewöhnt hatte, und drückte prompt die kleine Johanna ohne Umschweife in des Doktors Arme. “Uuuuah”, erschreckte sich Gil und grinste, als sie sich gleich an ihn kuschelte, genoß die Zuwendung aber sehr. Dennoch war er heilfroh, als Adam sie dann wieder entgegen nahm. Manuela und Halina zwinkerten sich verschwörerisch zu.





Marie war inzwischen bei ihrer Halbschwester Julia gelandet und wurde von deren Freund Ramon bespielt, der voll in seiner Rolle aufzugehen schien.
“Duziduzi”, murmelte Nat verächtlich und starrte auf das breite Kreuz des Mannes, der im wahrsten Sinne des Wortes dem im Wege stand, was er unbedingt wollte. Jessica warf ihm einen warnenden Blick zu, den er aber überhaupt nicht bemerkte ...





... was auch nicht verwunderlich war, so wie er seine Nichte fixierte. Komm zu mir, signalisierte sein eindringliches Kopfnicken. Aber Julia lächelte nur irritiert und wandte sich dann wieder Ramon und Marie zu. Kurz darauf machte es sich ein Teil der Besucher im Wohnzimmer gemütlich, während Jessica und Naike damit begannen, ein paar Häppchen für die Hungrigen unter ihnen bereitzustellen und die Fläschchen für die Zwillinge zuzubereiten.

*





“Du spinnst! Ich hab dir schon tausend Mal gesagt, du sollst die Finger von diesen krummen Touren lassen.”
“Ach, mach dir mal keinen Kopp”, beschwichtigte Joe seinen Bruder, “die wissen, was sie tun.”
“Das hoffe ich für dich”, erwiderte Adam zweifelnd, bevor er das Thema wechselte. “Sag mal, hast du schon über die andere Sache nachgedacht?” Joe grinste breit.





“Hab ich, bin natürlich dabei. Und mit welchen Argumenten willst du sie überzeugen?”
“Haben wir etwa nicht zwei sehr überzeugende?”, bemerkte Adam süffisant, hielt dann jedoch inne, als er herannahende Schritte hörte.





“Lass uns da später noch mal in Ruhe drüber reden, heute ist es wirklich ungünstig”, flüsterte er schnell, als sein Zweitgeborener herein kam.





„Na, ihr Schlümpfe, was treibt ihr hier im Dunklen? Habt ihr ein Geheimnis? Das ist mein Zimmer, ich darf es also wissen!“
„Ich geb dir gleich Schlümpfe, du Sackratte“, raunzte Adam. Joseph sah ihn bestürzt an. „Männersprache“, erklärte sich sein Bruder achselzuckend, so klein ist er doch nicht mehr, aber dafür saufrech.“
„Na, sagt schon, ansonsten werde ich es herausfinden, das garantiere ich euch!“, drohte Sean unbeeindruckt.





Ebenso unbeeindruckt verließen die Tallis-Brüder das Kinderzimmer und ließen ihn einfach stehen. Sean beschloß unbedingt herauszufinden, was seinen Vater und seinen Onkel umtrieb, und das erst recht, als sich die beiden Herren im Flur gegenseitig lachend, wie seine Kameraden aus der Quarta, boxten und sich dabei ganz offensichtlich köstlich amüsierten.

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Zaghaft biss Eva-Maria von ihrem eh schon fast fettfreien Häppchen ab - sie hatte sich ihren eigenen Light-Käse mitgebracht - und seufzte dabei, während alle anderen kräftig zulangten, wenn auch niemand so sehr wie Johanna und Marie, die ihre Milch regelrecht aussoffen.





“Geht das jetzt etwa schon wieder los, Eva?!”, schimpfte Joe. “Ich will kein halbes Hähnchen zum Kind und schon gar keine Frau, die es dann nicht einmal halten kann!”





Eva-Maria sah verschämt auf ihren Teller, was sie aber nicht vor einem eindringlichen Tischgespräch zum Thema “Gesunde Ernährung in der Schwangerschaft” verschonte, das sie mit ihrem unüberhörbaren Seufzer ausgelöst hatte.
Nat nervte das Affentheater, sollte die Frau doch essen, was sie wollte! Bedeutend interessanter war für ihn eine ganz andere Person am Tisch. Nur mit großer Mühe gelang es ihm, seinen Blick von ihren reizend im kuscheligen blauen und sehr engen Pullover präsentierten Brüsten abzuwenden. Er fluchte leise, als er sich dabei heftig auf die Zunge biss.
“Kann ich dir helfen?”, erkundigte sich Ramon freundlich, während auch Adam die Szenerie schon länger beobachtet hatte und nun von einer gewissen Unruhe überfallen wurde, da ihm siedeheiß einfiel, dass er noch nicht mit seiner Tochter über seine Sorge betreffend des jungen Studenten und seinen vermuteten Absichten ihr gegenüber gesprochen hatte.
“Nee”, murmelte Nathaniel abweisend und ließ seine Zunge im Mund kreisen. Trotz leichtem Blutgeschmack tat sie es offenbar noch.

*





“Du strahlst schon den ganzen Abend über, Julchen, gibt es dafür einen Grund, wenn ich frage darf?”





“Ja, Papa. Aber versprich mir, es niemandem zu sagen, ja?!” Adam zog neugierig seine Augenbrauen hoch. “Ramon hat mir eben, bevor wir zu euch kamen, ganz offiziell einen Heiratesantrag gemacht.”





Adams Miene hellte sich auf. “Und du ... hast du ja gesagt?!”





„Aber du bist doch nicht etwa schwanger, oder?“





“Aber nein”, lachte Julia. “Was du gleich wieder denkst! Natürlich habe ich ja gesagt - und das, weil ich ihn liebe, ganz einfach.”





Adam jubilierte innerlich, denn erstens mochte er Ramon und wußte, dass seine Tochter bei ihm in besten Händen war, und außerdem war dadurch endlich die latente Gefahr namens Nathaniel gebannt. Und letztlich blieb ihm jetzt auch das Gespräch mit ihr über ihn erspart, dass er schon seit Ewigkeiten hatte führen wollen, doch in der letzten Zeit hatte eines das andere ergeben, so dass er einfach nicht dazu gekommen war.
Ein wunderbares Heim, eine Frau, die er liebte, dazu vier der wunderbarsten Kinder und jetzt noch ein bald sicher glücklich verheiratetes Julchen, zu der er in den Jahren trotz übelster Startbedingungen ein enges Verhältnis hatte aufbauen können - soviel Glück war Adam Tallis schon fast unheimlich. Er nahm sich fest vor, auch weiterhin keinerlei Schatten in seiner Umgebung zuzulassen, koste es was es wolle.

*





Sean staunte nicht schlecht, als er sein Zimmer zum zweiten Mal besetzt vorfand. Adam hatte die Neuigkeit von Julia natürlich nicht für sich behalten können und sie zumindest Naike mitgeteilt, die sich auch so sehr freute und daraufhin meinte, dass sie dann sicher bald Opa und Oma werden würden, was zu einer kleinen Rangelei mit ihrem empörten Mann führte, die alsbald in wilde Knutscherei überging.





“Also, meine Herrschaften, da hört ja wohl langsam der Spass auf, beim nächsten Mal verlange ich Miete!”, moserte Sean, der eigentlich mal ein paar Minuten ungestört in seinem Reich verbringen wollte. “Worüber freut ihr euch eigentlich so?”
“Och, nichts, du. Ich werde doch wohl mal die Mama drücken dürfen, oder?!”
“Ja, ja, drücken, alles klar.” Sean machte eine großmütige Handbewegung, doch seine ruhigen Minuten bekam er dennoch nicht, da Jessica nun zum gemeinsamen Anstoßen ins Wohnzimmer rief ...





... und dort war noch jemand, der seine Mutter ganz offensichtlich gerne “drücken” wollte.
“Tse, tse - wie hat er das nur bloß wieder hingekriegt, diesmal gleich zwei”, fragte sich Joseph ein wenig neidisch, “kann mich jetzt nicht erinnern, dass er eine Doppelrohrflinte besitzt.”





Naike lachte amüsiert, verstummte jedoch und wurde leicht nervös, als Joseph ihr noch einmal gratulierend zuprostete, dabei übertrieben eindringlich in ihre Augen sah und mit den Lippen ein Wort mit sechs Buchstaben formte, das mit einem F begann. Naike prustete den Schluck Champagner, den sie gerade zu sich genommen hatte, durch die Nase wieder aus, woran er sich kurz weidete, dann wandte er sich seiner Freundin zu, die wie alle anderen im Raum leicht irritiert guckte.





“Meinste, wir schaffen das auch, Evchen?” Die Angesprochene sah in fragend an.
“Na, vielleicht sind es zwei”, mutmaßte Joe, aber seine Freundin verwies ihn sogleich auf das Ultraschallbild, dass sie zusammen vor kurzem hatten anfertigen lassen, auf dem definitv nur eine Leibesfrucht zu sehen war.
“Na, auch egal”, kommentierte Joe mit einer abweisenden Geste in leicht geschwollenem Tonfall, der Naikes Verdacht bestätigte, dass er zumindest ein halbes Gläschen Champagner zuviel getrunken haben mußte. Um ihm mögliche Peinlichkeiten zu ersparen, winkte sie ihn kurz beseite.

*





Sean ärgerte sich, dass er wieder nur O-Saft abgekommen hatte und trat mit seinem Fuß einmal kräftig gegen seine Zimmertür, um nun endlich die sehnlichst gewünschten paar Minuten auspannen zu können, denn die „Frauengespräche“ von Abi und Susanne hatten ihn ziemlich gelangweilt.





Dieses Mal jedoch bekam er keinen lockeren Spruch über die Lippen, als er seine Mutter und seinen Onkel verdächtig nah beieinander an der inzwischen üblichen Stelle für merkwürdige Besprechungen vorfand, und vergaß darüber sogar die geplante finanzielle Forderung für die unfreiwillige Vermietung seiner Räumlichkeiten.





Joseph und Naike stoben, unmittelbar nachdem die Tür aufgegangen war, gut zwei Meter weit auseinander, wobei Joe über Darsweder stolperte und der Puppe dafür eine Tritt verpasste, so dass sie unters Bett flog, was Sean dazu veranlasste, das erste Mal in seinem Leben seine Augenbrauen exakt wie sein Vater düster zusammenzuziehen.
“Äh ... tschuldigung, wir mussten mal eben ...”
“... was bereden, ja”, vollendete Sean den Satz seiner Mutter und hielt dann doch noch die Hand auf. Naike versprach ihm einige Simoleons und verließ dann schnell den Raum, während ihr Joseph flink folgte und dabei seinem Neffen zuzwinkerte. Sean zwinkerte nicht, da er bereits damit begonnen hatte zu mutmaßen, was die Erwachsenen bloß alle permanent in seinem Zimmer trieben. Wobei ihm die letzte Zusammenkunft das schwerste Rätsel aufgab, denn eine Beziehung seiner Mutter zu seinem Onkel hielt Sean für ausgeschlossen, schien sie doch schließlich rundherum superglücklich mit seinem Vater.

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"Aber mein Geschwisterchen und ich haben doch dann gar nicht den gleichen Papa”, erklärte Susanne betrübt.





“Na, und?”, entgegnete Sean. “Julchen und ich haben auch nicht die gleiche Mutter.”
“Wie jetzt, dein Vater ist auch Julias Vater? Von der großen Frau da?!”
“Ja, klar!” Sean lächelte. “Das wusstest du nicht?” Susanne schüttelte erstaunt den Kopf.





“Und ich weiß nicht mal, wer meine richtigen Eltern sind, that' life”, sagte Abi und sah, wie Susanne langsam wieder zu lächeln begann.
“Du kannst dich also tutto completti auf deinen Bruder oder Schwester freuen”, legte Sean noch nach und klopfte seiner Freundin dabei auf die Schulter, “du magst Lu doch, oder?!”
“Sehr”, bejahte Susanne und fühlte sich sehr erleichert. Die Kinder spielten dann noch ein bißchen mit Johanna und Marie ...





... während Eva-Maria und Manu Naike und Jessica beim Aufräumen der Küche halfen, denn langsam war es Zeit geworden, die kleine Geburtstagsparty zu beenden.





“Du wirst dieses aufgeblasene Michelin-Männchen also wirklich heiraten?”
“Woher weißt du das?”, fragte Julia völlig überrascht, nachdem Nathaniel sie zu einem kurzen Gespräch unter vier Augen gebeten hatte.
“Nicht von deinem Vater, ich habe einfach nur sehr gute Ohren.”





„Und das werde ich nicht zulassen, du gehörst zu mir!“
„Was?? Du spinnst doch!“, lachte Julia laut auf. Sie drehte sich auf dem Absatz um und tat einen Schritt Richtung Tür, doch Nathaniel hielt sie zurück.
„Lass mich los und beleidige nie wieder meinen Verlobten, ist das klar?!“
„Warum hast du mich dann geküsst als gäbe es kein Morgen, häh?!“, ging er überhaupt nicht auf ihre Forderung ein und nagelte sie mit durchdringendem Blick fest.





“Ach, Nat, du glaubst doch nicht etwa, dass jedes Mädchen, das dich mal küsst, dich auch gleich heiraten will, oder?!”, sagte Julia sarkastisch.
“Ich rede überhaupt nicht vom Heiraten”, schnaufte Nathaniel gereizt und sah dabei blöderweise verdammt anziehend aus.





“Sag mal, hast du Julchen gesehen?”
“Äh ... eben im Bad”, stammelte Sean, der inzwischen vorsichtiger geworden war und nicht mehr ohne vorher an der Tür zu horchen in sein Zimmer stürmte. Und tatsächlich hatte er vertraute Stimmen gehört. Und nicht nur das, sondern auch jedes einzelne Wort. Er dachte kurz darüber nach, ob es nicht besser sei, bei Abi zu übernachten, hatte aber keine Lust mehr, mit einem dieser vermeintlich “Erwachsenen” zu reden, um sich die Erlaubnis zu holen. So schlich er nach oben ins Babyzimmer und legte sich dort auf das kleine blaue Sofa und träumte nur wenige Minuten später, wie seine Mama Doktor Blythe küsste und Papa Onkel Joe.

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“Mußt du denn jetzt wirklich unbedingt noch weg?” jammerte Julia, als Ramon sich daheim angekommen gleich wieder auf den Weg machen wollte.
“Du weißt doch, das Maik mich braucht, ohne Türsteher ist sein Club aufgeschmissen, als der Hänfling, der er ist, kann er sich jedenfalls nicht davor stellen. Komm doch einfach mit!”
“Du, sonst immer gern, aber ich bin viel zu müde heut'.”
Ramon nickte verständnisvoll.





“Komm nicht ganz so spät ja?!”
“Natürlich nicht, sobald ich abkömmlich bin. Kannst gerne bei mir im Bett schlafen, dann habe ich was Warmes zum Kuscheln, auf das ich mich freuen kann.”
Julia lächelte und gab ihrem Ramon einen dieser wunderbar vertrauten Küsse, die sie beide so liebten, und pustete beim Hinausgehen gleich noch ein paar durch die Luft hinterher.





Anschließend machte sie sich frisch und schlüpfte in ihren Schlafanzug.





Aber warum war sie nur plötzlich wieder so wach?





Sie griff zum dritten Band von Vampire Diaries, den sie aktuell verschlang, aber so rechte Freude daran mochte an diesem Abend nicht aufkommen ...





... denn Julia hatte gerade nur eines im Kopf, die stechenden braunen Augen ihres Vaters Gärtner. Zu übermächtig war seine Präsenz, als wäre er noch immer ganz in ihrer Nähe. Sie beschloss trotz später Stunde, noch ihre Freundin Lara anzurufen und sich auszuquatschen. Und nachdem diese ihr versichert hatte, dass es ganz normal sei, dass man trotz geplanter Hochzeit durchaus auch auch mal Gefühlsanflüge für einen anderen haben könnte, entspannte sie sich zusehends und wurde endlich schläfrig.
Nachdem sie sich bei Lara bedankt und ihr eine gute Nacht gewünscht hatte, ging sie noch kurz um ein Glas Wasser Richtung Küche ...





... und blieb wie vom Donner gerührt stehen, als sie eine dunkle Gestalt vor der Terassentür stehen sah, die sie unverhohlen anstarrte.





“Mach auf, ich muss mit dir reden”, vernahm sie dumpf Nathaniels Stimme hinter dem Glas und seinen hypnotisierenden Blick, der sie wieder an irgend jemand erinnerte.





Julia beschlich leise Angst, aber da die verschlossene Tür sie voneinander trennte, wagte sie den Kopf zu schütteln und ihn zum sofortigen Gehen aufzufordern. Sie lief, ohne sich noch einmal umzudrehen, in Ramons Zimmer und zog sich die Decke über den Kopf, bis sie sich beruhigt hatte. Doch dann mußte sie aufs Klo, setzte sich wieder auf und erschrak beinahe zu Tode.





“Süßes Teil hast du da an, aber mir wäre lieber, du schliefest nackt”, gab Nathaniel unverblümt preis.
“Wie ... wie bist du hier reingekommen??”, stotterte die junge Frau panisch. Ihr Herz raste.
“Na, durch die Tür natürlich. Glaubst du allen Ernstes, dass ich mich durch ein lächerliches Schlößchen daran hindern lassen, bei meiner Traumfrau zu sein?” Er ließ einen Universalschlüssel direkt vor ihrer Nase baumeln. Julia schluckte trocken und sprang dann blitzschnell auf, um in den Flur zu gelangen, doch Nathaniel stellte sich ihr in den Weg.





“Hey, warum denn gleich flüchten? Ich tu' dir doch nichts.”
“Und woher soll ich das wissen?”, warf Julia ihm weinerlich vor. “Wer bist du überhaupt? Woher kommst du? - Und vor allen Dingen, was willst du von mir???”
“Das tut nichs zur Sache. Im Moment will ich nur einen Kuss. Oder vielleicht auch zwei? Gibst du mir sogar drei?”
„Verschwinde oder ich rufe die Polizei!“, brüllte Julia als Antwort auf diese blöde Anmache viel zu heftig, da ihr gerade dämmerte, dass sie nichts lieber täte, als seinem Wunsch nachzukommen. Doch das durfte einfach nicht sein!





Nathaniel grinste breit, ging zunächst gemächlichen Schrittes hinter ihr her, nachdem er sie zum Flurtelefon hatte laufen lassen, lehnte sich gelassen an den Türrahmen und sah ihr seelenruhig dabei zu, wie sie die 110 wählte.





Erst als sie zu sprechen begann, nahm er ihr den Hörer aus der Hand.
„Entschuldigen Sie bitte die Störung, meine Frau ist ein wenig hysterisch heute Abend, es geht ihr aber absolut gut, sie ist in besten Händen. - Ja, vielen Dank, Ihnen auch. Auf Wiederhören!“
Nathaniel hängte den Hörer wieder zurück auf die Gabel und nahm dann sein stocksteifes Gegenüber in seine Arme. “Und was nun als nächstes? Rennst du schreiend auf die Straße oder bekomme ich eine Vase auf den Kopf? Nur zu!” Er presste sich eng an ihren Körper und begann ihren Hals zu küssen. Die letzten Reste ihres Widerstands zerflossen unter seinen heißen, über ihren Nacken wandernden Lippen.





Sie taumelten ins Wohnzimmer und fielen wie ausgehungerte Tiere übereinander her.





“Letzte Chance für dich. Fordere mich auf zu gehen, dann bin ich augenblicklich verschwunden und werde nie wieder kommen”, flüsterte Nat. Doch Julia nutzte ihre Chance nicht, schloss stattdessen die Augen und streckte ihm ihre nackten Brüste entgegen, in die er wolllüstig sein Gesicht versenkte.





Vor dem Haus knirschten feste Schritte im Sand.





Nathaniel sah sich am Ziel seiner Träume. Zumindest von einem Traum, den er noch nicht allzu lange gehabt hatte, und vergaß dabei wie jeder Mann, dessen Blut sich gerade auf Wandersschaft in südlicheren Gefilden befand, jegliche sonst so sorgsam kultivierte Vorsicht.





“Ich muss die Insel bald verlassen, komm' mit mir, Julia!”, flüsterte Nat unvermittelt.
“Waas?”, fragte sie völlig verblüfft. “Aber ... ich bin verlobt, ich ...”

Ein schwarzer Herrenschuh, Größe 43, trat mit voller Wucht gegen die Haustür. Unzählige Glassplitter verteilten sich auf dem orange gestreiften Teppich und eine geschickte Hand griff durch das entstandene Loch zu dem kleinen Schlüssel, der von innen steckte, löste dessen Arretierung, und ein zu allem entschlossener Mann betrat ohne jegliche Zurückhaltung den schwach beleuchteten Flur ...



Kapitel 53 - Verfrühte Frühlingsgefühle