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 | Kapitel 50 - Big Brother is watching you |
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Geräuschlos schlich Jessica am nächsten Morgen an Naikes Zimmer vorbei. Einerseits hatte sie Kopfweh, das sich durch jede gröbere Bewegung noch verschlimmerte, andererseits fürchtete sie sich vor der nächsten Begegnung mit dem vielleicht noch immer entblößten Hausherrn.
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Sie ging zum kleinen Strand hinter dem Haus und verspürte umgehende Erleichterung durch die frische Morgenbrise, die in ihre Lungen strömte. Gedankenverloren hob sie ein paar Muscheln auf ...
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... bis sich Naike zu ihr gesellte und sie zuerst eine Weile schweigend miteinander auf das Meer hinausblickten.
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Es war dann Naike, die das Wort ergriff, als sie zu ihrer langjährigen Freundin hinüber sah und eine kleine Träne bemerkte, die ihr über die Wange rollte. “Jess, bitte denke nicht, dass mir unsere Probleme hier entgehen. Ich hatte gehofft, dass es möglich sei, miteinander auszukommen, dass alle meine Lieben unter einem Dach vereint wohnen würden, nachdem wir uns verheiratet hatten. Aber das war offenbar nur Wunschdenken.”
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„Warum er, Naike? Warum ausgerechnet er?“ Jessica zog die Nase hoch und Naike suchte nach einem Taschentuch, fand aber keines in ihrer Jeans. „Und warum Armin? – Was ich damit sagen will, Jess, du weißt doch selbst nur zu gut, dass man sich seine Liebe nicht mit dem Verstand aussucht. Und dass sie sich immer Wege zur Erfüllung sucht, egal wie sehr man sich auch dagegen sperrt.“ „Aber Paul war so wunderbar, wir waren eine richtige Familie! Das gibt man doch nicht für den schnöden Eros auf!!“
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Jessicas Stimme war lauter geworden. Es schmerzte sie selbst im Kopf, aber es tat auch Naike weh, die begriff, dass ihre beste Freundin einfach nicht verstehen wollte, dass nunmal Adam der Richtige für sie war und es keineswegs allein um erotische Aspekte ging. “Ich schlage vor, wir setzen uns alle mal in Ruhe zusammen und finden Lösungen, ja?! Jessica winkte sogleich mit hoffnungsloser Miene ab. Aber so leicht wollte Naike keinesfalls aufgeben.
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Auch Adam hatte seine Probleme mit dem Alltagsgeschehen. Weniger Jessica als Nathaniel war ihm inzwischen zum Dorn im Auge geworden, da dieser sich in seinen Augen viel zu ausgiebig um Sean kümmerte und er ihn stattdessen viel lieber nur im Garten gesehen hätte. Und überhaupt fragte er sich, warum dieser junge Mann überhaupt ausgerechnet in der Simlane wohnen musste? „Nathaniel, haben Sie vielen Dank, aber ich bin ab jetzt für den Französisch-Unterricht meines Sohnes zuständig“, sagte Adam kühl. „Wie Sie ja sicher wissen, bin ich Professor für …“ „Ja, das ist mir nicht entgangen“, fiel der Student ihm grummelnd ins Wort, denn dies war nicht das erste „Amt“, dem er in den Tagen seit Rückkehr des Hochzeitspaares enthoben worden war.
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Nathaniel verließ laut seufzend das Kinderzimmer, was Adam, der sogleich mit seiner Lehrtätigkeit begonnen hatte, jedoch in keinster Weise zu stören schien.
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“Du konjugierst prendre völlig falsch, mein Junge, so wird dich daheim niemand verstehen.” “Ich weiß”, jammerte Sean, “bin halt zu Höherem geboren.” “Und was soll das bitteschön sein, wenn weder Französisch noch Mathe?”, fragte sein Vater schmunzelnd und lächelte in sich hinein. Sean dachte an seinen Tanzunterricht und stockte. “Äh ... ja, also ...”
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Adams Blick fiel auf ein kleines Bild an der Wand. “Ach, schau, das hat Abi bei ihrem Auszug wohl vergessen”, mutmaßte er und Sean zuckte erschreckt zusammen. “Magst du es ihr nicht nachher mal rüberbringen? Auch die Stange können wir bei der Gelegenheit dann gleich mal abnehmen.” “Bin gleich mit Selina verabredet”, log Sean spontan, was Adams Aufmerksamkeit umgehend von seinem Vorhaben ablenkte. “Selina? Ist das deine Freundin?, fragte er neugierig. “Ach, eine von vielen”, versuchte Sean seinen Vater nun zu beeindrucken. Und das gelang ihm auch. Adam nahm diese Bemerkung wohlwollend zur Kenntnis und vergaß darüber die Ballettsachen vorerst wieder. Sean war erleichtert und sein Magen beruhigte sich wieder. Er wußte aber dennoch genau, dass er seine Ambitionen nicht für ewig würde geheimhalten können.
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Naike freute sich ein paar Tage später sehr, als sie nach der Arbeit Abilene im Vorgarten entdeckte, die gerade mit Sean Körbe warf. Ballsportarten hatten der kleinen Äthiopierin schon immer sehr gelegen, an Ballett hingegen lag ihr überhaupt nichts.
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Sie ging vorsichtig lächelnd auf sie zu und breitete ihre Arme aus, obwohl ihre Intuition sie davor warnte, denn zuvor hatte sich ihre Adoptivtochter noch kein einziges Mal seit der Rückkehr von der Hochzeitsreise in der Simlane 10 blicken lassen, und Jessica hatte Naike geraten, sie lieber erst einmal in Ruhe und dann von selbst kommen zu lassen.
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Und es kam dann auch, wie es kommen mußte, Abilene wich aus und zeigte keinerlei Interesse an einem Körperkontakt. Noch schlimmer sogar, sie stieß ihre Mutter weg und sagte kein einiges Wort. Sean seufzte, als Naike sichtlich geknickt zurück ins Haus ging und Abi sich den Ball wieder schnappte und ihn sichtlich erregt mit aller Kraft Richtung Korb schmiss, was natürlich keinen Treffer zur Folge hatte.
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“Ach, hierhin hast du dich verkrümelt!”, stieß Sean aus, nachdem er das halbe Haus nach seiner Mutter durchkämmt hatte. Naike lächelte kläglich. “Mach’ dir mal keinen Kopf, sie kriegt sich schon wieder ein. Mit mir hat sie’s zuerst auch so gemacht, einfach so getan, als wäre ich nicht da. Dabei konnte ich ja nun wirklich nichts dafür, hab’ ihr dann ordentlich die Leviten gelesen, dann hat sie’s endlich geschnallt.”
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„Für mich wird das nicht so einfach sein, Sean, denn ich kann ja schließlich was dafür, dass ihr Leben nun ein anderes ist, und sie bestimmt nicht glücklich damit.“ „Man kann auch ohne verheiratete Eltern glücklich sein“, meinte Sean, „schließlich hab’ ich das jahrelang praktiziert. Und das werde ich ihr verklickern, kannst dich ganz auf mich verlassen.“ Naike lächelte gerührt, und sie überlegte, dass es nun wohl auch endlich an der Zeit war, wieder mit Paul in Kontakt zu treten. So sehr sie sich auch davor fürchtete, aber es war für alle wichtig, um einen weiteren Teil Normalität ins Leben zurückzubekommen.
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“Und jetzt bist du wieder fröhlich, klar?!”, kommandierte Sean wie ein kleiner General. Mit großen Augen sah seine Mutter ihn an. “Hast du mich denn wenigstens noch lieb? So richtig, meine ich, ganz ohne Einschränkungen?” Sean legte seinen Kopf schief und setzte den berühmt-berüchtigten Hundeblick seines Vater auf, den er von Natur aus schon immer beherrscht und inzwischen fast perfektioniert hatte. “Aber hallo, du bist immerhin die schärfste Mami von allen. Wenn ich mir die meiner Kumpels so anschaue ... oh Mann, echt! Aber du hast dich bestens gehalten, nehme dich gerne überall mithin.” Na, das beruhigt doch enorm, dachte Naike amüsiert, und grinste kopfschüttelnd in sich hinein, während Sean seine schon erstaunlich kräftigen kleinen Arme um ihren Hals schlang und ihr einen dicken Schmatzer auf die Wange verpaßte.
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Wenig später bestätigte auch Adam Seans und Jessicas Ansicht, dass man Abilene Zeit lassen müsse und ein Gespräch mit Paul dringend anzuraten sei.
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“Es ist noch so herrlich warm um diese Zeit, von mir aus könnte der Winter dieses Jahr ausfallen. - Ach Ad, es könnte alles so schön sein”, seufzte Naike. Adam betrachtete den kleinen Leberfleck auf der Wange seiner Frau und streichelte zärtlich ihre Brust, die sich ein wenig größer und fester anfühlte als sonst. “Wir haben jetzt soviel durchgemacht und überstanden, da wird auch der Rest bald noch, da bin ich mir ganz sicher.” “Dein Wort in Naikes Ohr”, erwiderte Naike erneut seufzend und biss sich sofort erschreckt auf die Lippe.
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Adams Blick wechselte blitzschnell von Zuversicht zu Irritation. Ein dickes Fragezeichen prangte nun auf seiner Stirn. “Was ist?”, kicherte sie auflockernd. “Dein Wort in mein Ohr halt, damit ich alles bestens meistern werde!” Adam hob zwar seine Augenbrauen, aber das Fragezeichen war kaum noch zu sehen. Und um es gänzlich zum Verschwinden zu bringen, drückte Naike ihm einen dicken Kuss auf die Nase, woraufhin er mit seiner Zunge ihre Lippen suchte, sie schließlich fand und verlangend durchdrang.
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Von Natur aus war Adam Tallis eher wenig eifersüchtig veranlagt, doch im Moment außergewöhnlich empfindlich. Nats Geturtel mit seiner Frau ging ihm jedenfalls gehörig auf den Zeiger.
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Mit einem einzigen Blick ließ er den Spaß verstummen und rauschte derart knapp zwischen beiden vorbei, dass er sie beinahe gestreift hätte.
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Aber als er dann auch noch mitbekam, dass Nat nicht uninteressiert an seiner Julia zu sein schien, begann er Pläne zu schmieden, um den jungen Studenten baldmöglichst aus dem Haus zu entfernen.
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Grimmig schnappte er sich ein kaltes Bier und ließ sich vor dem Fernseher nieder, statt mit den anderen und seiner Tochter, die an diesem Tag einmal wieder zu einem Besuch vorbei geschaut hatte, gemeinsam am Tisch zu essen.
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“Schatz, was soll das denn, bitte?! Jetzt sei doch nicht sauer, Nat hat nur einen Spaß gemacht. Warum bist du bloß so empfindlich im Moment? Schwanger?!"
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“Ha ha, sehr witzig”, schnaufte Adam leise und flüsterte dann: “Hast du den Typen mal beobachtet? Der macht euch alle an, nicht mal vor Jessica kennt er ein Halten!” “Aber Ad, das ist halt seine jugendliche Art, er denkt sich nichts dabei. Das sorgt doch für eine lockere Atmosphäre hier. Und außerdem freut sich jede Frau über die Aufmerksamkeit eines attraktiven Mannes.” ”Attraktiv? Schleimig isser! Erinnert mich nicht wenig an meinen Vater - Gott hab ihn nicht selig - der jeder, aber auch wirklich jeder Tussi Honig um den Bart geschmiert hat und meine Mutter damit in den Wahnsinn trieb.” Naike sah ihren Mann mitleidig an, empfand seine Reaktion aber nach wie vor übertrieben. ”Lass uns bitte ein andermal darüber reden, wenn wir alleine sind, ja?!” Adam grunzte verächtlich, ging hinüber in die Küche, warf seine leere Bierdose in den Müll und trug anschließend die gesamte volle Tüte hinaus, um den anderen Anwesenden wenigstens für ein paar Minuten zu entkommen.
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“Nat, hör auf”, lachte Naike, die später am Abend bereits zwei Glas Wein intus hatte, “Ad sieht es nicht gern, wenn du ...”
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“Wenn man vom Teufel spricht ...”, grinste Nathaniel und machte zunächst keinerlei Anstalten zu gehen, denn es begann ihm Spaß zu machen, seinen Bruder zu reizen. Doch Adam tat ihm den Gefallen dieses Mal nicht, sondern wirkte plötzlich traurig, und Naike schickte ihren Mitbewohner mit einem ernsten Blick aus dem Badezimmer.
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“Lass los, Adam! Höre auf mich zu kontrollieren. Du hast keinerlei Grund, eifersüchtig zu sein, denn ich liebe dich und nur dich, hörst du?!!”, schüttelte sie ihn leicht. “Ich dachte, das wäre dir klar, wir haben doch auf der Hütte darüber gesprochen, wie wir das halten wollen, hm?” Adam nickte und ließ seinen Kopf an Naikes Schulter sinken. Liebevoll strich sie ihm über sein männlich duftendes, weiches Haar, vergrub ihre Nase darin, und er genoß es in diesem Moment sehr, sich geborgen wie ein kleiner Junge zu fühlen. Dann nahm er wieder Haltung an, strich sich kurz wie sortierend über seinen dichten Bart und ließ seine Frau dann mit zumindest halbwegs froher Miene alleine im Bad zurück.
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Im Wohnzimmer fiel sein Blick aus dem Fenster, und er sah, wie Nathaniel und Julia in ein Gespräch vertieft waren und dabei ganz offensichtlich heftig miteinander flirteten.
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Seine Vernunft hielt ihn davon ab, augenblicklich nach draußen zu stürzen und dem unangemessenen Treiben ein Ende zu bereiten. Er wusste, hier war Fingerspitzengefühl angesagt, ein wohl kalkuliertes Vorgehen zum Wohle seines Kindes.
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Bereits am nächsten Nachmittag führte Julias Weg wieder in die Simlane 10. Statt sich zu freuen, schnaubte Adam und zog den Vorhang mit zuviel Kraft vor die Scheibe, so dass sich durch den Ruck ein Teil der Aufhängung löste.
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Auch Jessica war nicht entgangen, dass Adams Tochter seit kurzem öfter zu Besuch kam als sonst und sich dabei zunehmend Nathaniel zuwandte.
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Und sie schienen sich nicht nur über Studium oder das Wetter zu unterhalten.
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Seans Fröhlichkeit war ansteckend und lenkte seinen Vater davon ab, über seinen diversen Problemen in Grübelei zu verfallen.
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Der beginnende Herbst war noch wunderbar warm und lud zum gemeinsamen Strandvergnügen ein.
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Nachdem Vater und Sohn um die Wette Burgen gebaut hatten, ging es nun um die Verteidigung der Prachtbauten, und Adam sparte nicht mit Sandwürfen, was Sean überhaupt nicht mochte und schließlich zur Kapitulation zwang. Nörgelnd stapfte er davon, um sich zu duschen, denn beim letzten Mal hatte ihn der Sand die halbe Nacht über in der Poritze gejuckt. Adam lachte schallend, als Sean sich wie auf rohen Eiern gehend verdrückte …
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... und ließ sich dann in die nassen Fluten gleiten, um sich ein wenig abzukühlen.
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Er genoss die himmlische Leichtigkeit, mit der sich sein Körper durchs Wasser bewegte und ließ sich treiben. Dann schwamm er mit großen Zügen Richtung Horizont …
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... bis ihn plötzlich etwas bremste. Zuerst vermutete Adam eine Strömung und schwamm dagegen an. Aber nach einigen weiteren Versuchen an anderen Stellen gab er auf. Sobald er eine gewisse Entfernungsgrenze vom Strand aus zu überschreiten gedachte, scheiterte er an einer Art unsichtbaren Mauer.
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Es fühlte sich an wie eine nur leicht nachgebende Wand, die von der Meeresoberfläche bis auf den sandigen Boden führte, und die selbst durch Tauchen unüberwindbar zu sein schien.
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Als er spürte, daß seine Kräfte nachließen, stieg er aus dem Wasser ...
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... und ließ sich verwirrt im warmen Sand nieder. In seinem Gehirn ratterten zig kleine Rädchen, aber es kam ihm keine einleuchtende Erklärung in den Sinn, außer der irren Vermutung, die ihn schon seit langem quälte, nachdem er versehentlich an Naikes Laptop ein merkwürdiges Chat-Protokoll gelesen hatte.
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Was zum Teufel ging da mit ihm und allen anderen vor? Er ließ eine Handvoll Sandkörner durch seine Finger rieseln und sie fühlten sich vollkommen real an, verhielten sich akkurat so wie erwartet.
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Adam wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als sich Naike plötzlich wie aus dem Nichts gekommen ein paar Meter neben ihm laut johlend ins Wasser stürzte. Er sprang auf und rief nach ihr. Sie dreht sich kurz um, winkte ihm lächelnd zu ...
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... und paddelte dann ein wenig herum. Adam beobachtet sehr aufmerksam ihre Reaktion, als sie sich der zuvor von ihm erlebten Grenze näherte. Doch sie tauchte einen guten Meter davor ab, ließ sich einige Sekunden nicht blicken und schoss dann viel näher bei ihm plötzlich wieder aus den Wellen hervor.
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„Was ist? Was guckst du so prüfend? Fällt meine B-Note so schlecht aus in deinen Augen?“, mutmaßte Naike und schüttelte ihren Kopf ein wenig, um das Wasser aus den Ohren zu entfernen. „Ich bin eben auch geschwommen. Wollte eigentlich ein Stück weiter raus, aber plötzlich hielt mich etwas zurück, kein Stück ging es mehr vorwärts“, erklärte Adam offen. „Eine Strömung wahrscheinlich“, vermutete sein pitschnasses Gegenüber, während Adams Haut schon wieder wie im Backofen dampfte. „Nein, das kann es nicht gewesen sein, ich hätte sie spüren müssen. Und außerdem zeigte sich an anderen Stellen das gleiche Phänomen. Hier stimmt etwas nicht - und du weißt das!“
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“Ach, Ad, jetzt spinn’ doch nicht wieder. Ich dachte, wir hätten das längst geklärt. Du hast viel zu viel gelesen, dein Gehirn spielt dir Streiche. Du weißt doch, Erwartungen gestalten die Realität, nicht wahr?! Wer von uns ist denn hier der Gelehrte?!” Naike betete innerlich, überzeugend zu wirken und tätschelte liebevoll den dichten weichen Bart ihres Mannes, dessen Miene aber ernst blieb. Sehr fest griff er nach ihrem Handgelenk. “Komm’ mit mir ins Wasser, jetzt sofort! Dann wirst du es selbst merken!”, forderte er sie auf, doch in diesem Moment flog ihm ein Ball ein den Kopf, so dass er Naike augenblicklich losließ und die Verfolgung des kleinen, rabenschwarzen Haarschopfes aufnahm, der gerade in Windeseile hinter dem ehemaligen Geräteschuppen verschwunden war. Naike stieß einen erleichterten Seufzer aus und wieselte flink ins Haus.
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Für sie war die Sache damit zumindest vorerst wieder einmal erledigt, aber Adam ließen die Gedanken an sein merkwürdiges Erlebnis keine Ruhe.
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Ähnlich erging es auch Jessica, die in der Zwischenzeit ihre Detektivarbeit aufgenommen hatte, etwas über Nathaniel Richard Tallis herauszufinden.
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Doch die Recherchen gestalteten sich zunächst fruchtlos, im sims’schen Internet schien er außer wenigen Infos über Aktivitäten an seiner Uni und einem Eintrag bei Simbook relativ unbekannt zu sein. Jessica beschloss, eine Anfrage an das Standesamt in Thionville zu schreiben ...
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... aber würde man ihr dort so einfach Auskunft geben? Ein Versuch war es in jedem Falle wert.
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“Och, da schau an ... da schau an ...”, murmelte Adam und fixierte beim Abendessen die Zeilen des aktuellen Lokalblättchens. “In Uni-Nähe sind einige neue Apartement-Blocks entstanden und richtig günstig, das ist ja praktisch! Wir sollten Nat mal vorschlagen ...” Jessicas Kopf sauste erschreckt herum.
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“Nein, nein, nein, nein”, jammerte sie weinerlich und zog ein Schippchen, “der bleibt hier bei uns, sonst ... sonst ziehe ich auch aus ... ja.” Der Suppenlöffel in ihrer Hand zitterte stark.
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„Aber Jessi, jetzt bleib’ doch ruhig, warum denn das jetzt? Es war doch klar, dass Nat irgendwann ausziehen wird, das Ganze war von Anfang an nur als vorübergehende Lösung gedacht, weil die Studentenheime überfüllt waren. Und er hat eh bald Prüfungen.“
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“Nein, nein, nein”, jammerte Jessica weiter, die den jungen Mann trotz seiner offensichtlichen Herkunft noch immer gern hatte und ihn außerdem als ihre persönliche Absicherung gegen den neuen Hausherrn empfand. Vielleicht war er tatsächlich der Einzige, der Adam die Stirn bieten konnte? Schließlich schienen sie gleichen Blutes zu sein. “Sehen wir ihn denn dann noch?” fragte Sean und schien auch nicht besonders glücklich über die Auszugsidee. “Sean, noch steht überhaupt nichts fest, Nat zieht nicht gleich aus, nur weil dein Herr Vater ein freies Apartment erspäht hat.” Sie warf einen ernsten Seitenblick nach rechts, aber Adam grinste. “Genau”, jamselte Jessica und löffelte leise schniefend ihre Gemüsesuppe weiter.
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“Glaube mir, es ist auf längere Sicht wirklich das Beste, wenn wir uns auf unsere Kernfamilie konzentrieren. Man sollte nichts beisammen lassen, was nicht zusammen gehört.” “Ah, ja, Ad, und du weißt ganz genau, was zusammen gehört oder wie?!”, grummelte Naike. “Bitte verstehe mich doch, ich war es gewohnt, mich frei entfalten zu können. Ohne dauernd unter Argusaugen zu wandeln. Auf Dauer ist das echt keine Option. Nat hat jetzt eine Möglichkeit, die ihn nicht mehr kosten würde als bisher, und Jessica könnte doch zum Beispiel zu Paul ziehen, mit ihm hat sie sich laut ihren Aussagen doch immer allerbestens verstanden!” “Wenn das mal so einfach wäre ...”, seufzte Naike und erhob sich aus der Wanne. Adam eilte und nahm ihr vorgewärmtes Handtuch vom Heizkörper, hielt ihre Hand beim Aussteigen und kuschelte sie anschließend in das weiche Frottee ein.
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“Ich möchte uns ein Haus bauen, für dich, mich, Sean und unser Baby. Ein richtig großes, mit viel mehr Platz.” Naike überlegte. “Würde da auch ein Klavier reinpassen? Ich möchte sehr gerne spielen lernen.”
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“Natürlich, warum nicht?! Denk’ drüber nach, ja?!” “Das werde ich tun, aber gib mir Zeit, ich möchte für alle die beste Lösung finden.” “In Ordnung. Und jetzt ab nach oben, ich hab’ dir da etwas hingelegt”, verwies Adam sie verheißungsvoll ins Schlafzimmer ...
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... und küsste seine Frau als kleinen Vorgeschmack innig.
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“Eigentlich schade, dass es dir noch immer paßt.” “Wieso das denn jetzt?”, fragte Naike irritiert, wußte dann aber sofort, was er meinte. “Tja, gib dir halt ein bißchen mehr Mühe, mich in die Breite zu kriegen!”
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Adam tat entrüstet, schritt aber gleich zur Tat, als plötzlich Sean ins Schlafzimmer platzte. „Uuups, da komme ich wohl ungelegen“, grinste er breit und sein Vater wies ihn mit sogleich mit einem kurzen Nicken zur Tür, aber der Junge rührte sich nicht von der Stelle. „Oder kann ich zugucken?“, fragte er rotzfrech und klimperte dabei gespielt bittend mit seinen Augendeckeln.
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Adam gab ein gefährlich grollendes Geräusch von sich, tat dabei einen großen Satz nach vorn und hätte seinen Junior beinahe noch zu packen gekriegt, doch der kleine Schlingel war schneller und hatte bereits blitzschnell das Weite gesucht. „Wenn ich den in die Finger kriege!“, fluchte er aufgebracht, aber Naike lachte. „Warum schließt du auch nicht ab? Komm’, beruhige dich mal wieder, ist doch nix passiert.“
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Sean hatte sich unter Jessicas Schreibtisch versteckt und traute sich keinen Mucks, als seine Oma ins Zimmer kam, die Tür verriegelte, bis auf eine Kerze alle Lampen löschte und sich setzte. Er hörte, wie sie Karten mischte, dabei etwas murmelte und anschließend mehrmals tief seufzte. Zu seinem Glück dauerte der Spuk nur etwa zehn Minuten, obwohl es ihm derart eingepfercht beinahe wie eine Stunde vor kam, bis Jessi das Zimmer endlich wieder verließ, um sich einen kleinen Eierlikör mit Schuß zu kippen.
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Sean krabbelte unter dem Tisch hervor, flitzte unbemerkt quer durch die Wohnküche nach draußen, einmal halb ums Haus herum und erklomm anschließend geschickt die kleine Palme an der Ostseite des Hauses. Auf dem Balkon seiner Mutter angekommen, sah er so einiges ...
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... was er besser nicht hätte sehen sollen, und war nach erstem Schrecken hochzufrieden, ärgerte sich nur ein wenig, seine Kamera nicht mitgenommen zu haben.
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Kurz drauf kam wieder einmal Seans Ballettmitschülerin zu Besuch, denn erneut hatte Sean seine Klamotten im Tanz-Saal liegen lassen, worüber die kleine Selina sehr glücklich war. Aber völlig überrascht war sie nun, gleich zwei Tallis in der Simlane vorzufinden, denn Sean hatte ihr gegenüber bisher nichts vom Einzug seines Vaters erzählt. Adam, der Selina für Seans Freundin hielt, begrüßte sie aufs Allererzlichste.
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“Bonjour, Monsieur!”, demonstrierte das kleine Mädchen schüchtern seine Kenntnisse in Französisch, denn dass der Vater ihres Schwarms aus Frankreich kam, wußte sie bereits. Sie schmiegte sich für einen Moment an seine Brust. Wie gut er sich doch anfühlte. Und wie wohl er roch! Selina, die ohne ihren Vater aufwuchs, war hin und weg und Sean für sie sogleich nur noch halb so interessant. “Bist du in Seans Klasse?”, fragte Adam neugierig und Selina wurde rot, weil sich dieser überaus attraktive ältere Herr offenbar für sie interessierte. “Nein, wir kennen uns vom Ba ...” “Vom Ba ... BALLSPIELEN!!”, fiel Sean ihr lauthals ins Wort.
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Entsetzt starrte er auf die heimelige Szene, die sich vor seinen Augen abspielte. Hatte Heidi jetzt endlich ihren Großvater wieder, oder was?!, dachte er grimmig und war heilfroh, sein “Tanz-Outing” gerade noch abgewendet zu haben.
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Als Selina kurz zur Toilette gegangen war, stellte er seinen Vater zur Rede. “Vielen, vielen Dank, Professor! - Sag mal, hast du noch alle?! Was war das denn jetzt für ‘ne Show?!”, raunzte er ihn an, “nu werd’ ich die doch nie wieder los!” “Sachte, sachte, mein lieber Sohn, ich verbitte mir diese Wortwahl. Aber wieso regst du dich so auf, ich dachte, du fändest es gut, wenn deine Freundin hier herzlich aufgenommen wird?!”, wunderte sich Adam leicht verwirrt.
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„Sie ist nicht meine Freundin“, knurrte Sean, „und selbst wenn sie es wäre, hättest du sie nicht anzufassen, schließlich hast du doch schon Mama!“ Sean war sichtlich aus dem Häuschen und Adam schmunzelte amüsiert, entschuldigte sich aber höflich bei seinem Sohn und ging dann kopfschüttelnd nach draußen, während Sean sich überlegte, wie er sich Selina zukünftig am besten vom Leibe halten könnte. Für den ersten Kuss musste etwas viel Hübscheres gefunden werden, dachte er bei sich, und hatte dann auch schon eine Idee.
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Ein paar Tage später traf Adam eines Morgens beinahe der Schlag, als er beim Postholen entdeckt, dass der kleine Shakespeare wie einbetoniert im Boden vor dem Haus steckte. Schnell rannte er rüber zur Laube ...
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... schnappte sich Nathaniels Spaten und grub den Hund damit langsam und vorsicht aus, während er nach Naike rief.
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Nachdem ihm bewußt geworden war, dass Shakespeare sich nicht selbst eingegraben haben konnte, da um ihn herum keinerlei aufgewühlter Sand und Erde lag, stellte sich sein üblicher Verdacht augenblicklich wieder ein. Hier konnte es einfach nicht mit richtigen Dingen zugehen!
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Als Naike, die gerade am Strand Gymastik gemacht hatte, endlich kam, war ihr Hund bereits befreit und kam fröhlich bellend auf sie zu. Adam ärgerte sich, dass es nun zu spät war, ihr seinen Zustand zuvor zu zeigen. Aber hätte er den armen Hund denn noch länger leiden lassen sollen?
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“Was erzählst du da wieder für einen Unsinn?!”, meinte Naike und klopfte Adam Erde von seinen Klamotten, als wäre er ein kleiner Junge, der gerade hingefallen war. “Was geht denn hier schon wieder ab?, fragte Sean im Vorbeigehen neugierig, da der Schulbus gerade vorgefahren war, wurde aber von seinen Eltern gar nicht bemerkt.
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“Du hältst es also für vollkommen normal, dass ein Hund ohne jegliche Spuren von Buddelei einfach so im Boden feststeckt und sich nicht mehr bewegen kann, ja?!”, blaffte Adam Naike an, die händeringend nach einer möglichst überzeugenden Erklärung suchte. Da ihr partout nichts einfallen wollte, wagte sie dann eine riskante Flucht nach vorn.
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“Ok, ok, ich gebe es zu. Adam, du hast Recht. Wir befinden uns hier in einem PC-Game und dass Shaky feststeckte, ist ein Bug, der öfter mal vorkommt, seit ein neues Add-On installiert wurde. Mit dem Cheat “boolprop controlPets on” wird er wieder beweglich und steuerbar, alles klar?!” Naike starrte Adam unbeweglich in seine Augen, die mit jedem Wort größer geworden waren. Beider Herzen schlugen wie die gejagter Kaninchen. “Das ist ... das ist ... unmöglich!”, unterbrach Adam dann die Stille und sein schneller Atem wurde mit jedem Zug mehr zu einem Stottern, das langsam in ein Lachen überging. Dann schüttelte es ihn regelrecht. “Boolprop controlPets on?“, stieß er sich auf die Schenkel klopfend aus, “ich mache gleich mal “move-Objects on” und klemme dich dann zwischen zwei Möbelstücke, so dass du nur noch “Ella ganda” rufen kannst!”, prustete er mit Lachtränen in den Augen. “Meine Süße, du hast wohl ein bißchen zu viel Sims gespielt, wie??! - Dr. Blythe, sie werden gebraucht!”, flötete er dann noch laut, bevor es sich langsam wieder einbekam. Eigentlich hätte Naike erleichtert mitlachen können, aber irgendetwas hielt sie davon ab, denn diese Situation war keineswegs lustig, sondern im Gegenteil - äußerst tragisch.
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Die Marseillaise ertönte. „Tallis?“ Doch am anderen Ende der Leitung wurde aufgelegt. Adam sah, dass er eine neue Nachricht auf seine Mailbox bekommen hatte und wählte sie an. Sie stammte von einer unbekannten Nummer, es meldete sich eine weibliche, säuselnde Stimme: Ich weiß, es ist alles schon sehr lange her, aber wir sollten uns wiedersehen und endlich reinen Tisch machen. Du kennst sicher noch das Dome? Ich erwarte dich dort heute um 22 Uhr. Irgendwo in deinem Büro müsste ein Schlüssel mit einem orangefarbenen Anhänger liegen, ich habe ihn vor einigen Stunden einer Frau Jung überreicht, die dir wohnt, damit hast du Zugang ins Gebäude. Sei bitte pünktlich, du weißt, es wäre ungünstig für dich, nicht zu erscheinen. Ich liebe dich noch immer und für immer.
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Adam sah sich verwirrt im Raum um und entdeckte den Schlüssel auch tatsächlich sofort auf seinem Sideboard. Fahrig griff er danach, betrachtete ihn kurz nachdenklich und ließ in dann in seine Tasche gleiten.
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Er überlegte angestrengt, während er sich kurz nach 21 Uhr einen Espresso aufbrühte. Frauen hatte es in seiner Vergangenheit viele gegeben. Und mit sicher einigen davon hatte er zumindest in deren Augen noch gewisse Rechnungen offen. Während er an der Bar saß und an seinem Kaffee nippte, fiel ihm eine bestimmte ein, die gewisse Informationen besaß, mittels derer sie ihn theoretisch hätte erpressen können. Aber welchen Grund sollte diese Frau dafür haben? Sie waren damals in gegenseitigem Einvernehmen auseinander gegangen. Zumindest nachdem er ihr gab, wonach sie verlangt hatte.
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Plötzlich klingelte erneut sein Handy. “Ob ich kommen werde? Aber selbstverständlich werde ich das tun, ich freue mich seit Jahren auf nichts anderes”, sagte Adam sarkastisch. Nach einigen weiteren ungehaltenen Äußerungen legte er auf, wurde jedoch nachdenklich. Wenn es tatsächlich sie war, mußte er sich schleunigst anhören, was sie ihm zu sagen hatte. Die Sache auszusitzen, wäre in diesem Fall definitiv keine Option gewesen.
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Niemand war zuhause, als Adam sich seine Autoschlüssel schnappte und noch einmal das Haus verließ. Sean übernachtete bei einem Schulfreund und Naike war mit Jessica und Voodoo Mum in die Stadt gefahren. Hoffentlich liefen sie ihm nicht über den Weg.
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Gerda Kappes Etablissement, wie sie es selbst gerne nannte, lag an diesem Abend fast gänzlich im Dunkeln, denn montags war Ruhetag. Adam rupfte hektisch den Schlüssel mit dem orangefarbenen Anhänger aus seiner Hosentasche und steckte ihn ins Schloß. Einmal gedreht und die Tür sprang sofort auf.
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Beinahe wäre er beim Eintreten gegen einen Tisch gelaufen, auf dem ein mit Hand beschriebener Zettel lag. „Folge rasch der Rosenspur, nie vergaß ich deinen Schwur. Sie wird dich führen zurück zu mir und uns wieder binden zu dem einen Wir.“
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Adam schluckte unbehaglich, als er die ersten Blätter vor der Treppe entdeckte, und stieg sie hinauf.
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Oben angekommen erwartete ihn bereits die zweite Spur, doch zuerst warf er noch einen Blick in die Bar. Alles war still, niemand schien anwesend zu sein. Er war kein ängstlicher Mann, aber die Atmosphäre im Haus, in dem es sonst immer ziemlich laut und meist lustig zuging, empfand er an diesem Abend als beinahe gruselig, was sicher auch an den Umständen lag, aufgrund derer ihn sein Weg hergeführt hatte.
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Beklommen nahm er auch die nächste Treppe ins Obergeschoß, in dem sich Der rote Salon und der Dungeon befanden. Die nächste Rose lag vor dem Salon, wie Adam ein wenig erleichtert entdeckte. Bevor er klopfte, fühlte er in seiner Jackentasche nach dem kleinen Springmesser, das er sich beim Verlassen der Simlane noch schnell eingesteckt hatte. Es befand sich an Ort und Stelle, für alle Fälle. Dann holte er tief Luft und trat nach deutlicher Aufforderung einer Frauenstimme ein, die er sofort als die erkannte, mit der er vorhin telefoniert hatte.
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Die dazugehörige Person stand in knapper Bekleidung und fast kniehohen Stiefeln unbewegt vor dem Fenster und kehrte ihm den Rücken zu. “Hören Sie, ich habe keine Lust auf Spielchen. Sagen Sie mir, wer sie sind und was sie von mir wollen, ich werde sehen, was sich machen läßt. Aber ich werde mich auf nichts einlassen, was meine Ehe oder Familie gefährdet”, sagte er laut und bestimmt, obwohl höchste innere Unsicherheit seinen Puls in schwindelnde Höhen trieb.
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Gemächlich drehte sich sein Gegenüber zu ihm um und lächelte ihn amüsiert an. Adams Kinnlade senkte sich langsam aber sicher gen Boden.
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Kapitel 49 - Des Platzhirschs Area Kapitel 51 - Wider des Drachen Natur
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