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 | Kapitel 43 - Genug ist genug |
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Voodoo Moms Trank blieb in den folgenden Wochen gänzlich wirkungslos, Paul saß weiterhin in sich gekehrt in seinem Rollstuhl. Naike startete hier und da einen Annäherungsversuch, der aber stets mit unschönen Worten endete, wenn Paul überhaupt darauf einging.
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"Lass uns doch mal einen schönen Ausflug machen, von mir aus auch gleich einen richtigen Urlaub, ich könnte ein paar Tage frei nehmen. Die Kinder würden sich so freuen und du kämst in eine andere Umgebung, vielleicht mal in die Berge? Das wäre doch schön." – „Ob ich nun hier oder in den Bergen hocke, macht doch keinen Unterschied", grummelte sich Paul in seinen Bart. "Aber ..." - "Nichts aber, hol mir lieber Nat, ich will ein bisschen frische Luft schnappen." - "Ich kann dich aber doch auch rausfahren."
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"Ich will aber, dass Nat das macht." Naike biss sich auf die Lippe und erhob sich hastig aus ihrem Stuhl. Es fiel ihr zunehmend schwerer, Verständnis für ihren ewig grantelnden Verlobten aufzubringen, der sich langsam zu einer echten Last entwickelte, auch wenn sie es sich noch nicht eingestehen wollte.
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Wie gewünscht, brachte Nathaniel Paul kurz darauf an den Strand, wo er anschließend trotz strömenden Regens an diesem grauen Tag seine Zeit damit verbrachte, auf das aufgebrachte Meer zu starren.
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Auch Naike ignorierte das Wetter und stocherte wütend im Gemüsegarten herum, von dessen Pflege sie überhaupt keine Ahnung hatte. "Sag mal, spinnst du?! Die Tomaten sind doch top gepflegt und außerdem regnet es!" - "Hab ich auch schon gemerkt", antwortete Naike genervt. Jessica seufzte und trollte sich zurück ins Haus. Kein Wunder, dass der Himmel weint, dachte sie bei sich, und beschloss diese Redewendung für ihren neuen Roman zu verwenden.
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Paul hatte bisher jegliche Hilfe von Naike verweigert und stattdessen Nathaniel dafür gewonnen, sich um seine notwendigsten Belange zu kümmern, was dieser auch gerne tat, denn er mochte den Hausherrn, der sehr intelligent und witzig sein konnte, wenn er es ihm denn zwischendurch mal gelang, seinen Kummer für einige Augenblicke beiseite zu lassen.
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"Ja, ja, soweit ist es nun schon gekommen, ich muss gebadet werden wie Klein-Shakespeare." - "Ach, das dürfen Sie nicht so sehen, Paul, es gibt eben Situationen im Leben, da braucht man mal Hilfe, ich bin mir sicher, dass Sie eines Tages wieder laufen können."
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"Danke für den Salat, genau darauf hatte ich gerade Appetit. Übrigens sollten wir uns langsam mal duzen, wir kennen uns ja nun schon eine Weile." Dann lenkte Paul das Gespräch auf Nathaniels bisherige Lebensgeschichte, aber der junge Mann blieb wie immer bei diesem Thema recht wortkarg.
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Als er stattdessen vorsichtig wagte, Paul auf sein Verhalten Naike gegenüber anzusprechen, machte dieser umgehend zu und verbat sich ausdrücklich jegliche weitere Einmischung."
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Julia wunderte sich ebenso wie Naike, als sie Nathaniel das erste Mal begegnete. Irgendetwas in seinem Blick weckte diffuse Erinnerungen, aber sie hatte ihn definitiv noch nie vorher gesehen.
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"Hi, ich bin Nat, willst du zu uns?" - "Ja", lachte Julia fröhlich, "ich habe hier sogar selbst mal gewohnt, lange Geschichte." Sie drückte seine kräftige, raue Hand, die sich so ganz anders anfühlte als die ihres Freundes Ramon, löste sich dann von seinem Blick und ging ins Haus ...
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... während Nat sich fragte, ob die junge Frau wohl zur Familie gehörte.
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"Jessi!" - "Hallo, Julchen, wie schön, dass du mal vorbei schaust, hab dich vermisst!", rief Jessica sehr erfreut und schloss ihre Wahl-Enkelin herzlich in die Arme.
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"Alles klar bei euch?" - "Alles bestens, es ist wundervoll, mit Ramon zusammenzuleben, du musst uns unbedingt mal in unserem neuen Haus besuchen. Und gute Jobs haben wir beide auch nach der Uni ergattert." - "Das freut mich sehr zu hören, Kleines!"
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"Und wie geht es dir?" - "Ach, man wird nicht jünger", klagte Jessica und rieb sich mehr gespielt als echt den Rücken. "Und die Sache mit Paul lastet natürlich auf uns allen." Julia nickte mitfühlend. "Wer ist denn eigentlich der junge Mann, den ich eben vor der Tür getroffen habe?" Jessicas Gesicht färbte sich zartrosa und ihre Mundwinkel hoben sich zu einem ganz kleinen Lächeln, was Julia zum Grinsen brachte. "Das ist doch nicht etwa dein neuer ..." - "Aber Kind, wo denkst du hin!"
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"Na, na, du wirst rot, ich sehe das!", kicherte Adams Tochter, und dann kam Sean seiner Oma unfreiwillig zu Hilfe ...
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... indem er seine Halbschwester von weiteren Nachfragen mit großem Begrüßungsjubel und einem dicken Küsschen ablenkte. "Meiomei, du bist ja riesig geworden und siehst Papa immer ähnlicher …
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… aber was hast du da bloß an?" Sean grinste verschmitzt. "Ich mach' jetzt Ballett und werde der berühmteste Tänzer, den die Welt je gesehen hat!" Julia war völlig verdutzt, eine Liebhaberei dieser außergewöhnlichen Art hätte sie nie bei ihrem kleinen Bruder vermutet, fand die Idee aber ganz witzig, da sie Ballett auch gerne mochte. "Weiß Papa davon?" - "Nee, der ist ja einfach abgehauen", berichtete Sean bitter, "angeblich nach Frankreich …
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… aber ich glaube, er sitzt mal wieder im Knast und Mama will mir das nur nicht sagen."
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"Aber Sean", rief Jessica entrüstet, "wie kannst du sowas nur denken?! Natürlich ist dein Vater umgezogen, du wirst ihn doch in den Sommerferien besuchen." Sean schien noch immer nicht überzeugt, aber dies versuchte dann Julia weiter, indem sie ihn zur Seite nahm, während Jessica die zuvor begonnene Zubereitung des Mittagessens wieder aufnahm.
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Kurze Zeit später stand eine köstlich duftende und noch dampfende Suppe auf dem Tisch, die bis auf Paul alle Hausbewohner und deren Gast umgehend anlockte.
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Auch Naike gesellte sich freudig dazu, als sie aus der Kaserne kam, und während alle nun in Gemeinschaftsaktion versuchten, Sean vom tatsächlichen Umzug seines Vaters zu überzeugen ...
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... fühlte sich Julia intensiv von Nathaniel beobachtet. Er lächelte freundlich, als sie es kurz wagte, ihm ins Gesicht zu schauen.
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"Hallo? Hallo ... wer ist denn da, bitte?! Melden Sie sich doch!" Aber wieder war nur kurz ein kaum hörbares Atmen am anderen Ende der Leitung auszumachen, bevor schließlich aufgelegt wurde. Naike dachte nach. Eigentlich war Adam für derartige Mätzchen nicht der Typ. Und warum machte sie sich überhaupt Gedanken, dass er es sein könnte? Sie ärgerte sich über sich selbst und beschloss, sich keinen weiteren Spekulationen dieser Art hinzugeben.
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"Nat! Nat, schau! Ich hab einen genialen Aufsatz hingelegt und in Mathe war ich sogar heute Kopfrechen-König", kam Sean freudig angehüpft.
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"Lob, Lob, junger Mann, hab ich mir doch gedacht, dass du keine Niete bist, nur an gewissen Dingen uninteressiert und verdammt selbstverliebt." Sean grinste, er hatte großen Respekt vor Nathaniel und erlaubte ihm daher auch harte Urteile. "Na, dann geh mal schnell ins Haus", fuhr Nat dann fort, "du hast Damenbesuch!"
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"Ui!", rief Sean begeistert und flitzte los, war aber dann ziemlich enttäuscht, dass es bloß seine Ballett-Mitschülerin Selina war, ein eher unscheinbares Mädchen, das er bisher kaum beachtet hatte. "Hey, was zum Teufel machst du da?", begrüßte er sie ziemlich unfreundlich, denn er konnte es partout nicht ausstehen, wenn sich jemand an seinem Darsweder verging, auch nicht auf liebenswürdige Weise.
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"Entschuldigung", wisperte Selina mit ihrem leisen Stimmchen erschreckt und Sean nahm ihre Bitte gnädig an. "Was machst du überhaupt hier? Ich wüsste nicht, dass wir verabredet waren."
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Jetzt wurde sie puterrot. "Äh ... ich wollte dir nur deine Sachen bringen, du hast gestern dein Trikot und die Trainingsschuhe im Saal vergessen."
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Seans Miene hellte sich unmittelbar auf. "Oh, das ist aber sehr freundlich von dir! Damit hast du verhindert, dass ich meine Übungen heute ausfallen lassen muss und somit die große Karriere gefördert, die mir zukünftig bevorsteht. Selina, du bist ein Schatz!" Das blonde Mädel färbte sich von Puterrot in Dunkelrot und traute sich nun nicht mehr, Sean noch in die Augen zu schauen. Würde er sie jetzt wohl zu einem Eis einladen?, dachte sie hoffend. "Na, dann mal Salut, Martina, wir sehen uns dann! Ich muss jetzt mein Französisch optimieren, mein Papa wohnt nämlich jetzt in Frankreich, er ist Halbfranzose und wartet seeehnsüchtig darauf, dass ich ihn endlich besuchen komme." - "Selina heiß' ich", sagte sie daraufhin enttäuscht und verließ zu Seans Erleichterung mit einem knappen Tschüss das Zimmer.
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Im Wohnzimmer wurde sie von Jessica abgefangen, weil ihr aufgefallen war, dass das Kind irgendwie verstört aussah. "Komm mal zu mir, wie heißt du denn?" - "Selina." - "Bist du in Seans Klasse?" - "Nein, Ballettschule", entgegnete sie verschüchtert einsilbig. In diesem Moment kam Sean aus der Kinderzimmertür geschossen und bemerkte genervt, dass seine Mitschülerin noch immer da war, schaute dann aber gebannt auf die Fernsehnachrichten, wo gerade von einem Flugzeugabsturz berichtet wurde.
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Sogleich benutze er diese Information für eine Ein-Mann-Show, erzählte begeistert in den buntesten Farben von den Flugkünsten seines Vaters, der im Krieg nur knapp einer Katastrophe entgangen war, und übertrieb seine Schilderung derart mächtig, als wäre Adam Der rote Baron persönlich.
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Als er dann vom Thema abkam und auch noch unbedingt mitten vor dem Fernseher seine Turnkünste zum Besten geben musste, schüttelte Jessica nur noch den Kopf. "Junge, ich weiß nicht, ob du es merkst, aber du stehst uns im Bild."
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"Was ist schon eine langweilige Sendung gegen Sean TV live!", brachte der kleine Lauser gepresst hervor, da er sich gerade um Balance bemühte.
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"Sehr witzig", sagte Jessica trocken, aber Selina war schwer begeistert.
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Dann setzte er endlich dazu an, sich wieder in Normalposition zu begeben ...
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... schlug aber schnell noch ebenso ungebeten ein Rad, um seinen Akrobatikkünsten die Krone aufzusetzen.
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"Na, wie war ich?"
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"Du bist bekloppt", konnte Jessica jetzt nicht anders als lachen. "Aber er kann das doch prima!", meinte Selina und Sean freute sich über die erfolgreich erhaschte Aufmerksamkeit der holden Weiblichkeit. Doch dann sah er durch das Fenster, dass draußen der Militärhubschrauber mit seiner Maman landete und flitze eiligst hinaus.
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"Du solltest ein bisschen cooler sein, Selina", meinte Jessica dann lebenserfahren zu dem Mädchen. "Solche kleinen Showmaster wie Sean brauchen Widerworte, sonst heben sie eines Tages noch gänzlich ab." - "Aber dann beachtet er mich doch recht nicht mehr", sagte Selina betrübt. "Aber nein, glaube mir, er wird nur dann aufmerksam, wenn er auf Granit beißt." Dieser Rat war zwar durchaus richtig, aber nicht unbedingt hilfreich für ein Mädchen in Selinas Alter. Und so verstand sie ihn auch nicht, so gut Jessica es auch gemeint hatte.
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"Maman!!", schmiss sich Sean in Naikes Arme. "Ich hab' einen klasse Aufsatz geschrieben! Jetzt wird Papa mich sicher endlich sehen wollen, nicht wahr?!"
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"Aber Schatz, was machst du dir denn bloß immer für krude Gedanken?", sagte Naike langsam ziemlich besorgt. "Es hängt doch nicht von deinen Noten ab, ob Papa dich liebt, er wird dich immer sehen wollen, selbst wenn du eine Fünf nach der anderen hättest." - "Aber warum ruft er denn dann nicht an?" Sean sah traurig aus. "Tue du es doch einfach", schlug seine Mutter vor, denn etwas Besseres fiel auch ihr nicht ein.
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"Dir geht's nicht gut, oder?! Äh ... ich meine ... wenn ich fragen darf?
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"Nein, mir geht es überhaupt nicht gut, Nat", antwortete Naike und konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. "Sean vermisst seinen Vater, ich habe einen Verlobten, der nur noch herumhängt und mich nicht mehr an mich heran lässt ... ach, Scheisse ..."
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Nathaniel legte seine Hand auf Naikes Schulter und drehte sie sanft zu sich herum. "Ich hab schon probiert mit Paul zu reden. Gut, eigentlich geht es mich nichts an, aber ich mag euch beide und fühle mich hier eigentlich sehr wohl, aber es ist wirklich furchtbar, dass so viel unausgesprochener Hass im Raum ist." Naike war erstaunt, wie vernünftig der noch recht junge Mann dachte, und wünschte sich im Stillen, dass Paul auch nur annähernd so reif mit seiner Situation und dem Geschehen umgehen könnte. "Würdest du noch einmal versuchen, mit ihm zu reden, wenn ich dir den Hintergrund erkläre?" Nat nickte. "Zumindest könnte ich es versuchen. Ich glaube, er mag und akzeptiert mich."
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Naike nickte hoffnungsvoll und drückte ihn dann wortlos an sich. Und wieder spürte sie irgendetwas ungemein Vertrautes. Was zum Henker machte ihn bloß so einnehmend?
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Nat hielt Wort und gab sein Bestes. Zu seinem Erstaunen hörte Paul diesmal wenigstens zu, als er ihm seine Meinung darlegte ...
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... und wirkte nach dem Gespräch auch nachdenklich. Der junge Mann hoffte sehr, mit seinen Worten wenigstens etwas Grundlage für eine neue Sichtweise der Dinge bei seinem Gegenüber hinterlassen zu haben.
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Sean hörte sich zunächst in Ruhe alles an, was sein Vater ihm zu sagen hatte.
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Doch dann verschaffte er seinem angesammelten Unmut deutlich Ausdruck: "Ich will aber nicht bis zu den Ferien warten, entweder du kommst sofort oder ich. Ich bin dein Sohn und du hast dich um mich zu kümmern!!", schimpfte er laut.
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Naike staunte nicht schlecht, als sie hörte, wie vehement ihr Sohn forderte, was ihm zustand. "Gib ihn mir bitte gleich auch noch mal, bevor du auflegst, ja?!", flüsterte sie leise rein. "Nein, Papa, ich verstehe das ganz und gar nicht ... ach Mann ... ja, weiß ich." So ging das Gespräch noch geschlagene fünf Minuten weiter, so dass Naike langsam ungeduldig wurde.
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"Ja, ok, und tschüss!" Sean hatte auf den roten Aus-Knopf gedrückt und marschierte mit dem Hörer zu dessen Station. "Äh hallo? Ich hatte dir doch gesagt, dass ich ihn auch noch sprechen will!" - "Er wollte nicht, weil du dann zickst", sagte Sean trocken und hängte den Hörer auf die Gabel.
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Völlig konsterniert starrte Naike vor sich hin. Was fiel dem Kerl ein, sie derart abzuservieren?
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Abends klingelte erneut das Telefon. "Ja, hallo, hier Jessica Jung bei Le Normand, wer da?!"
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Und wieder ließ sich das bereits bekannte Atmen am anderen Ende der Leitung vernehmen. "Armin, bist du es?", flüsterte sie leise.
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Doch weiterhin meldete sich niemand, es wurde wieder eingehängt. "Verdammt noch mal, was soll der Mist?!", beschwerte Jess sich laut, während Naike mit ihrem Ohr an der Tür horchte und über die Installation einer Fangschaltung nachdachte.
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Sie ging in ihr Zimmer und betrachtete die Fotografie an der Wand, die sie und ihren früheren Verlobten Armin Sims in ihrer schönsten gemeinsamen Zeit zeigte. Damals waren sie beide noch einige Jahre jünger gewesen, unendlich glücklich ...
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... und sie hatte tatsächlich geglaubt, es würde immer so weitergehen. Doch dann lernte er Melissa Fuller kennen, die es schaffte, dem leicht beeinflussbaren Mann die Beziehung zu ihr auszureden, um ihn anschließend für sich selbst zu gewinnen. Doch die neue Beziehung tat Armin auf Dauer nicht gut und er entwickelte ungeahnte Triebe, die ihm einen langen Gefängnisaufenthalt einbrachten. Was mochte wohl aus ihm geworden sein?
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Schon seit Jahren schrieb Jessica Romane, in denen es in den verschiedensten Formen eigentlich immer nur um das Eine ging, die unverdaute Beziehung zu ihrer großen Liebe. Und sie hatte großen Erfolg damit, ihre Leser liebten das oft recht kitschige Hin und Her, von dem sie stets schrieb. Sie setzte sich an den PC, um ihre aktuellen Gefühle sogleich in die neue Geschichte mit dem Arbeitstitel Was der Wind verweht einfließen zu lassen, so lange sie noch frisch waren. Diesmal hieß Armin Rett Büttner und bombardierte seine Liebste mit anonymen Anrufen voll ungelebter Sehnsucht.
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Nachdem sie völlig in ihre Geschichte versunken war, war es ihr plötzlich, als wäre sie nicht mehr allein im Raum.
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Sie drehte sich vorsichtig um und sah über ihre Schulter ihren Armin hinter ihr stehen. Er war jung, sah haargenau so aus wie früher und schaute ihr unbeweglich, aber mit einem zarten Lächeln auf seinem Gesicht in ihre hellblauen Augen.
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Jessica genoß es zutiefst, wie seine warme Hand über ihre Wange streichelte ...
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... und erst recht seinen anschließenden leidenschaftlichen Kuss.
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Doch die Illusion hielt nicht lange stand und löste sich genauso unvermittelt wieder auf, wie sie gekommen war.
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"Schau mal, Abi, es schneit!!"
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"Waaas, wo?!" Sean hatte schnell die Schachfigürchen seiner Schwester zu seinen Gunsten vertauscht und lachte sich nun kaputt: "Mensch, du Intelligenzbestie hast nur Einser und Zweier auf dem Zeugnis, aber auf so einen Schmarrn fällst du mitten im Frühling herein?!"
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"Du Arschgeige, na warte", lachte Abilene, "das passiert mir nicht noch mal! Du weißt, dass du ohne fiese Tricks nicht die geringste Chance gegen mich hast." Und damit hatte sie absolut Recht.
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"Menschenskinder, müsst ihr am frühen Morgen denn so lärmen?!", kam Jessica plötzlich aus ihrem Zimmer geschossen. "Ihr wisst genau, dass ihr leise sein sollt, wenn Paul nach dem Frühstück ruht."
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"Äh ... 'tschuldigung, da hatten wir nicht dran gedacht", sagte Sean, der sich über das unerwartete Erscheinen und die herrische Stimme seiner Oma ziemlich erschreckt hatte.
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"Weißt du was, Seani, ich hab langsam die Nase voll von dem Theater. Papa benimmt sich wie ein schwer kranker Greis, spricht mit Naike kaum ein Wort, jagt Nathaniel durch die Gegend, wir sollen immer Rücksicht nehmen und dass, obwohl er eigentlich überhaupt nichts hat, jedenfalls nichts, was derartige Schonung verlangt", wütete Abilene plötzlich los. "Hm, wo du Recht hast, haste Recht", stellte ihr Bruder fest ...
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... was Abi endgültig veranlasste, sofort aktiv zu werden.
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"Ich geh' da jetzt rein und sag ihm meine Meinung, hab lange genug geschwiegen." - "Tu das, Süße, viel Glück!", seufzte Sean.
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Paul lag wie so oft auf seinem Bett und starrte an die Decke. "Papa?" Abilene zitterte.
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"Hallo, mein lieber Schatz, magst’ mir was erzählen? Komm und setz' dich zu mir!"
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Das kleine Mädchen zögerte noch einen kurzen Moment, dann fasste sie sich ein Herz und sagte: "Ja, ich will dir etwas erzählen - und zwar wie ich mich fühle." Und dann redete sie sich wie ein Wasserfall ihren ganzen Kummer von der Seele. Paul wurde blass und hörte ihr mit offenem Mund zu.
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Nachdem sie geendet hatte, rannte sie aus Angst vor der Reaktion ihres Adoptiv-Vaters aus dem Zimmer.
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Bis zum Hals klopfte wild ihr Herz und sie befürchtete, den größten Fehler ihres noch jungen Lebens gemacht und nun für immer den ihr nahestehendsten Menschen verloren zu haben.
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Kapitel 42 - Nichts als Scherben Kapitel 44 - Pech im Spiel, Glück in der Liebe
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