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 | Kapitel 40 - Valse Sentimentale |
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Nachdem das Weihnachtsfest eher ruhig, fast nur nebenbei verlaufen war, kam der Januar mit viel Schnee. Mal wieder auf dem Weg zum Dome kam Naike am ehemaligen Café Petit vorbei, dass bereits seit einigen Wochen leer stand.
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Sie hauchte gegen die gefrorene Türscheibe, spähte ins Innere und stellte sich vor, welch ein hübsches Wahrsage-Café man daraus machen könnte. Immer schön Pläne schmieden! Das hielt sie davon ab, vollends in trüben Gedanken zu versinken.
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Sie war froh, als sie dann den Club erreichte, denn sie hatte sich viel zu dünn angezogen und fror wie ein dürres Schneiderlein.
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"Hi Herta, weißt du, wo Manu ist?" - "Ich glaube, sie säubert gerade die Bar, jedenfalls wollte sie das vorhin", antworte "Fleur de jour", die zwar noch immer nicht besonders nett zu Naike war, sie inzwischen aber zumindest zu dulden schien.
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Naike warf noch einen kurzen Blick in die beiden Zimmer im Erdgeschoß, bevor sie in den zweiten Stock ging, fand dort Manuela Bretz aber nicht vor.
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"Willst du mich für dumm verkaufen? Hier ist sie auch nicht!", bemerkte Naike ärgerlich, als sie wieder auf Herta stieß. "Musste halt suchen gehen", entgegnete diese gleichgültig. "Und sag’ ihr auch gleich Bescheid, dass es was zum Futtern gibt, ja?!" Naike schnaubte verächtlich. Dann erklomm sie die Treppe in die oberste Etage, öffnete die Tür zum Roten Salon und ...
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Uaaahhh!!!
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Schauder!
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Herrgott, wie peinlich!, ärgerte sie sich über ihre Unvorsichtigkeit. Zum Glück hatten Katharina und ihr Gast sie nicht bemerkt.
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Ganz leise und vorsichtig klopfte sie nun gegen die Tür des Dungeons. Richtig laut hingegen klopfte ihr Herz! Bitte jetzt nicht noch so ein fragwürdiges Erlebnis, schickte sie als Stoßgebet zum Himmel. Aber da hörte sie auch schon Manus Stimme, die hinein bat.
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Wie siehst du denn aus?", fragte Mistress "Gina-Lisa" verwundert und sah ziemlich müde aus.
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"Du glaubst nicht, was ich gerade gesehen habe", antwortete Naike und ließ sich erschöpft seufzend den Stuhl plumpsen. "Ich wette, du warst im Roten Salon, nicht wahr?!", grinste Manu und Naike nickte matt. "Und warum liegst du hier auf dieser Folterbank herum?", lenkte sie schnell ab. "Kurze Pause, meine Süße. Ich hatte hier eben 'nen Typ, der hat ..." - "Äh, bitte verschon' mich mit Einzelheiten, ja?! Mein Bedarf ist für heute absolut gedeckt." - "Allein durchs Zuschauen?", wunderte sich Manu. Naike wechselte erneut schnell das Thema und bat Fräulein Bretz in die Küche, um ein paar geschäftliche Dinge abzuklären.
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Auf dem Weg nach unten öffnete sich gerade die Tür des Roten Salons. Naike erstarrte. "Armin???"
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"Hallo, hallooo!“, flötete der dunkelhäutige Mann, tatsächlich Armin Sims, „unsere Naike Le Normand! Also, dich hätte ich ja am wenigsten hier erwartet!"
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"Du kennst diesen Mann?" fragte Manu überrascht. "Jetzt komm’ aber nicht auf die Idee, ihn wie deinen Professor so einfach mitzunehmen!", baute "Gisele" Katharina unnötigerweise schon mal vor. "Nein ... sicher nicht", murmelte sich Naike noch völlig perplex in ihren nicht vorhandenen Bart.
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Dann rannte sie wie gehetzt schnellen Schrittes die Treppe hinunter, bloß weg von dieser völlig überraschenden und höchst unangenehmen Konfrontation, von der sie Jessica später vorsichtshalber nicht berichtete.
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Wenig später wich der Winter langsam dem Frühling und es zeigten sich die ersten Schneeglöckchen und Krokusse. Die Nachrichten aus dem Krisengebiet kamen spärlich, es zeigten sich aber die ersten Anzeichen auf ein baldiges Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen. In einer Woche würde Gerda mit ihrem kleinen Eduard entlassen und ihr Bordell lief auch endlich wieder besser, da die ersten Kriegsheimkehrer großen Bedarf an den dortigen Angeboten hatten, sofern sie bei ihrer Rückkehr keine Ehefrau oder Freundin in ihre Arme schließen konnten. "Du, Mama! Wo gehst du eigentlich dauernd hin, seit wir hier wohnen? Triffst du dich mit einem Kerl?", wollte Sean unbedingt wissen.
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"Sean", antwortete Naike scharf, "ich bitte dich! Wie kommst du nur auf diese dumme Idee?" Ihr Sohn sah sie traurig an.
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"Ach Schatz, bald sind Paul und Papa doch wieder da, mach' dir nicht so viele Gedanken!", sagte sie dann liebevoll und gab ihrem Sohn einen zärtlichen Kuss ...
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... der Sean ein bisschen zu nass geriet. Naike lächelte. "Du langweilst dich, nicht wahr?! Wollen wir uns heute Abend mal zusammensetzen und eine Beschäftigung für dich finden? Irgendein schönes Hobby, vielleicht Fußball? Oder ein Kampfsport? Dabei könntest du dich prima austoben. "Ja, is gut", nickte er und schlurfte gähnend aus der Küche.
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Ziellos schlenderte er durchs Haus und fand im Kinderkeller Desdemona wieder einmal an der Ballettstange vor.
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Leise schlich er dir Treppe hinunter ...
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... und schaute ihr unbemerkt beim Training zu, wie er es in den vergangenen Wochen schon oft getan hatte. Doch dann beendete das Kappe-Mädchen seine Übungen, zog sich an, packte seine Tasche und verließ das Haus. Da Sean gerade nichts Besseres zu tun hatte, beschloss er Sherlock Holmes zu spielen und ihr zu folgen.
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Ihr Weg führte ihn zu einem kleinen Haus, in dem nach und nach auch noch andere Mädchen verschwanden. Sean linste durchs Fenster und sah dann, dass es sich um eine Ballettschule handelte. Es war noch ziemlich kalt draußen und er fror erbärmlich, wie er da im dünnen Pullover stand, aber die leise Musik, die durch die Scheibe drang, klang wundervoll in seinen Ohren, und irgendetwas faszinierte ihn an den Darbietungen der Mädchen.
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"Madame Beretton! Schauen Sie, ich glaube, da ist jemand am Fenster und beobachtet uns!", rief Desdemona plötzlich. Die Ballett-Lehrerin drehte sich um und entdeckte tatsächlich einen schwarzen kurzen Haarschopf zwischen den Lamellen.
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"Jacques, gehst du bitte mal nachsehen, wer draußen vor dem Fenster steht!" - "Oui, maman!"
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Der langhaarige Mann, der die Mädchen bei ihren Bemühungen auf dem Klavier begleitete, verließ den kleinen Saal und ging neugierig nach draußen. Sean erschrak, als er merkte, dass er entdeckt worden war.
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"Salut, junger Mann. Brauchst dich nicht erschrecken. Ich bin Jacques Beretton und Tänzer. Meine Maman unterrichtet hier. Gefällt dir Ballett?", stellte er sich vor und streckte Sean zur Begrüßung freundlich seine Hand entgegen. Sean wusste gar nicht, was er sagen sollte. Aber da dieser Jacques ihn sehr offenherzig ansah, nickte er schüchtern. "Na, aber dann brauchst du doch nicht hier draußen in der Kälte stehen, komm doch herein." Und ehe der Junge es sich anders überlegen konnte, hatte Monsieur Beretton ihn auch schon an die Hand genommen.
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"Ja, wen haben wir denn da?!", rief Madame Valentine Beretton entzückt. Alle Mädchen starrten Sean an, der zart errötete. Desdemona grinste schadenfroh.
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Die Ballettlehrerin, die ungefähr so alt war wie Jessica, stellte sich vor und fragte nach Seans Namen. "Magst du zuschauen? Setz' dich doch auf die Bank dort drüben." Sean nickte stumm und wieselte auf den ihm zugewiesenen Platz. So brav hatte ihn noch keiner erlebt.
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Jacques setzte sich wieder ans Klavier und spielte aus Schuberts Valses Sentimentales. Die Schülerinnen bewegten sich elegant nach der wunderschönen Musik und Sean durchflutete vor Vergnügen ein warmer Schauer nach dem anderen.
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Dann setzte sich Madame Beretton zu ihm. "Hast du es schon einmal probiert?"
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"Was?" - "Na, das Tanzen!", sagte die Lehrerin. Sean schüttelte entrüstet den Kopf. "Aber nein! Ich bin doch nicht schwul!" Madame Beretton musste unfreiwillig grinsen. "Es wäre mir neu, dass alle Tänzer schwul sind. Und selbst wenn, wäre das schlimm?" Sean sah zu Boden und biss sich, wie seine Mama es in solchen Situationen auch immer tat, auf die Unterlippe. Offenbar hatte er wieder falsche Informationen aufgeschnappt. "Sean, du hast einen schlanken Körper und bewegst dich recht anmutig für einen Jungen." - "Was, ich??" - "Ja, probiere es doch einfach mal!" Er war völlig verdutzt, was sollte er denn jetzt davon halten? "Jetzt? Hier?? Aber ich hab doch gar kein Kostüm."
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"Na, komm schon, Seani", rief Desdemona begeistert, "zier' dich nicht so, hier frisst dich keiner!"
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"Also was jetzt? Ich meine es absolut ernst", erklärte Madame Beretton ermunternd, "jetzt oder nie!" Sean nickte strahlend, sprang auf und nahm dann das erste Mal in seinem Leben an der Stange Aufstellung.
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"So?!" - "Ja, so ist es recht. - Jacques?! Den Valse Sentimentale 34 von eben bitte noch einmal!"
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Als die Musik erklang orientierte sich Sean an dem größeren Mädchen vor ihm und bemühte sich mit Hingabe, die kleine Übung korrekt auszuführen, was ihm auch auf Anhieb gelang. Madame Beretton nickte ihm zufrieden lächelnd zu.
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Nach der Ballettstunde verließ er zusammen mit Desdemona den Saal. "Junge, Junge, du bist echt immer wieder für Überraschungen gut", lachte sie, „alles hätte ich vermutet, aber nicht das!" Sean grinste verlegen. "Nachher fragen wir deine Mom, ob du teilnehmen darfst, ja?!"
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"Und in vielleicht zehn Jahren tanzen wir dann gemeinsam in der New Yorker Metropolitan Opera", prophezeite sie übermütig, nahm ihren kleinen Beinahe-Bruder an die Hand und beide drehten sich laut kichernd mit elegantem Schwung um ihre eigene Achse.
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Obwohl es bereits Frühling war, kam der Winter noch einmal für zwei Tage zurück. Bibbernd stapften die Damen der Insel die Treppen zum Haus von Eva-Maria Velasquez hoch, um ihren neugeborenen Sohn zu begrüßen.
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Sogar Melissa Fuller hatte sich her bemüht und äußerte sich ihrer Natur gemäß gleich abschätzig über Manuela Bretz, während sie auf Eva-Maria warteten, die schnell noch ihr Kind wickeln musste.
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Doch Manu ließ sich nichts gefallen und schlug gleich verbal zurück. Naike ging das Gezicke der beiden tierisch auf den Keks. Sie hatte bereits seit dem Aufwachen am Morgen Kopfweh und einen völlig verspannten Nacken, was sich dadurch nur noch verschlimmerte. Aber dann verstummten Melissas spitze Bemerkungen plötzlich, sie schaute zur Treppe und stieß einen entzückten Seufzer aus.
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Eva-Maria kam formvollendet damenhaft die Treppen hinunter spaziert und präsentierte ihren Milo Richard. Alle staunten über die Winzigkeit des Neugeborenen. Wie schnell man das doch immer wieder vergaß!
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Milo Richard? Ach du Scheiße, dachte Naike, denn Adams Vater hieß Richard und er hasste ihn für sämtliche Verfehlungen in seiner Kindheit wie die Pest. Sie betrachte den kleinen Jungen und suchte nach Ähnlichkeiten zu seinem Erzeuger, aber es dominierten eindeutig die mütterlichen Gene.
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Wie Melissa zeigte sich auch Jessica schwer begeistert. Sie war selbst nie Mutter geworden und Seans Babyzeit nun schon viele Jahre her.
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Naikes Kopfweh wurde bei dem Trubel immer schlimmer. Ihre Nackenmuskeln waren derart verspannt, dass jede noch so kleine Drehung heftig schmerzte. Aber der seelische Schmerz überstieg noch bei weitem den körperlichen. "Ganz der Papa!", rief Jessica ohne zu überlegen entzückt, was ihr einen strengen Blick von Voodoo Mom einbrachte und sie veranlasste, einen um Vergebung bittenden Seitenblick auf Naike zu werfen, die fast keinerlei Farbe mehr im Gesicht hatte.
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"Ich find’s supi lieb, dass ihr alle gekommen seid! Bitte seid mir nicht böse, dass ich nicht gebacken oder gekocht habe, aber das lässt mein kleiner Liebling gerade beim besten Willen nicht zu. Stattdessen habe ich uns Pizza und ein bisschen was vom Chinesen kommen lassen, greift nur jederzeit zu!", bot die frischgebackene Mutter großzügig ihren Gästen an, die übrigens äußerst fit wirkte und ihre neue Aufgabe ansonsten mit Links zu meistern schien.
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Das war natürlich auch Naike aufgefallen. Eva-Maria war wunderschön und dazu auch noch nett, Milo Richard ein unzweifelhaft sehr hübsches Baby. Während sich alle anderen auf die verfügbaren Leckereien stürzten, konnte sie nicht anders als das Kind anzustarren, das den gleichen Vater hatte, wie ihr über alles geliebter Sohn.
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"Wirst du eigentlich mit Adam zusammen ziehen?", fragte sie vorsichtig, in der Hoffnung auf eine ganz bestimmte Antwort.
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"Ja, klar. Milo braucht doch seinen Vater!" - "Sean lebt aber auch nicht bei ihm", bemerkte Naike kühl.
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"Das stimmt. Und seine Tochter Julia hat er auch nicht aufgezogen. Deshalb wird er jetzt endlich eine richtige Familie haben", meinte Eva-Maria völlig unbekümmert. "Adam sagte mir, ich wäre die erste Frau in seinem Leben, die ihm wirklich gibt, wonach er sich schon immer sehnte."
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Naikes hilfloser Kummer wandelte sich nun langsam in Wut. Hatte er das tatsächlich gesagt? Oder waren das nur die Hirngespinste einer noch vom Hormondurcheinander geprägten frisch gebackenen Mutter?, fragte sie sich bitter. Jessica warf ihrer sehr erschöpft wirkenden Freundin einen sorgenvollen Blick zu, als diese sich wegen ihres Unwohlseins entschuldigte und die Runde vorzeitig verließ.
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"Was ist denn mit dir los, du siehst ja aus wie ein Gespenst. Willst du nicht bei uns im Dungeon anfangen?", spaßte Manu. Aber als sie dann sah, dass Naike geweint hatte, wusste sie, dass es nichts zu lachen gab.
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"Es ist alles ok, bitte lass mich eben die Februar-Abrechnung zu Ende bringen, dann kann ich nach Hause gehen." Manu schüttelte energisch den Kopf. "Du hast uns geholfen, jetzt helfen wir dir, wenn wir können. Komm’ mit rüber in den Wellness-Bereich, es ist gerade kein Gast im Hause und wir gönnen uns ein bisschen Entspannung, geselle dich doch einfach dazu". - "Manu, danke, aber ich ..." Doch die rothaarige Frau ließ keinen Widerspruch gelten, klappte den Laptop einfach zu und zog ihr verheultes Gegenüber mit sich.
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Während Naike sich auszog, gab Manu ihren Kolleginnen einen kleinen Wink und bat sie eindringlich, sich nicht mehr von ihrer hässlichen Seite zu zeigen. Aber Herta und Katharina hatten sich in den vielen Monaten eh schon an die Frau gewöhnt, die bei ihnen ein und aus ging, um den Laden organisatorisch am Laufen zu halten. "Hi! Mann, du siehst ja schlimm aus!", entfuhr es Herta ehrlich erschreckt, "was ist denn los?"
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Und dann erzählte Naike ihnen einfach ihre ganze Geschichte, von Anfang an bis zum heutigen Tage, an dem sie das neue Kind des Mannes sehen musste, den sie doch liebte. Die Frauen waren sichtlich erschüttert. Alle drei kannten Adam Tallis, der zwar in größeren Abständen, aber durchaus regelmäßig in den Club kam, den Umständen entsprechend gut. Aber eine solch schicksalhafte Geschichte hatten sie hinter seiner herrischen und teilweise auch brutalen Fassade nie vermutet.
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"Hätt’ ich doch lieber weiter Psychologie studiert", bedauerte Herta. "Ich fürchte, ein solcher Hintergrund wäre bei so manchem Besucher hilfreich, besonders in den Situationen, in denen man sie einfach nur für ihr Verhalten hasst." - "Aber wir sind keine Therapeuten", gab Manuela zu bedenken, "solch hohe Ansprüche solltest du nicht an dich stellen." Herta begriff, was ihre Kollegin meinte, aber sie hatte nun mal ihre Werte und Ideale und nahm sich vor, über das Thema später noch weiter nachzudenken. "Aber Naike, eins verstehe ich nicht", warf dann Katharina ein, "warum heiratest du ihn nicht einfach? Nach dem, was du uns erzählt hast, liebt er dich und nicht diese Eva! Und schließlich hast du doch auch einen Sohn von ihm!" - "Es ginge nicht gut", antwortete Naike spontan und frei heraus, "ich fände es schrecklich, wenn wir irgendwann ein Ehepaar wären, das sich gegenseitig anödet und nur noch über Banales redet, wenn überhaupt. Ein Paar, dem die Magie der Liebe verloren gegangen ist, wie es sie zu Tausenden gibt, wo dann einfach nur zwei Menschen übrig bleiben, die zusammen wohnen, sich aber nichts mehr zu geben haben."
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"Ach, Mensch, so darfst du das doch nicht sehen. So ergeht es vielleicht schon leider vielen Paaren, aber es wird sicher auch welche geben, die es anders machen und eine lange Beziehung meistern", sagte Katharina für ihr Alter sehr weise. "Lass dich doch nicht ausgerechnet vom schlechtesten Beispiel abschrecken". - "Und gewachsene Liebe ist etwas sehr Wertvolles", stimmte Manu zu, die zwar inzwischen geschieden war, aber einige sehr glückliche Jahre mit ihrem Mann erlebt hatte.
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Naikes Körper hatte sich durch das herrlich warme Wasser und die Freundlichkeit, mit der die ihr ehemals feindlich gesinnten Huren jetzt begegnet waren, inzwischen angenehm entspannt und ihr Kopf war fast wieder klar. Das Gespräch hatte sie sehr nachdenklich gemacht, aber ihr gleichzeitig auch in Erinnerung gebracht, dass Adam und Paul sich noch immer an einem ihr völlig unbekannten Ort und wohlmöglich sogar in Gefahr befanden.
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Um 23.23 Uhr Ortszeit war die kleine einmotorige Maschine, die während des Fluges aufgrund einer Beschädigung zunehmend Kerosin verloren hatte, nicht mehr in der Luft zu halten gewesen, der Kampfpilot musste unverzüglich notlanden. Es gelang ihm gerade noch, sie am Boden aufzusetzen, aber unglücklicherweise befand sich ein Felsen in der Ödnis, die ihn in alle Himmelsrichtungen umgab, ausgerechnet auf der Zielgeraden.
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Als er ihn auf sich zu rasen sah, war es bereits zu spät, obwohl er die Bremsen mit aller Kraft zum Glühen brachte und auf diese Weise die Chance erhöhte, wenigstens einen mit Sicherheit tödlichen Totalcrash verhindern zu können. Aber das Kampfflugzeug vom Typ Bf 109 prallte dennoch heftig gegen das harte Gestein und sein Vorderteil explodierte. Der Insasse schlug mit seinem Kopf hart gegen das Armaturenbrett und verlor augenblicklich sein Bewusstsein.
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Die Nachmittagsonne stand bereits im Zenit und brannte erbarmungslos auf seinen Kopf nieder, als Adam Tallis erwachte und verstört um sich blickte.
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Dann fiel ihm nach und nach ein, was geschehen war. Er befühlte seinen schmerzenden Kopf und sah sich anschließend um. Sand, nichts als Sand, soweit das Auge reichte. Und seinem Flugzeug fehlte der Propeller. Langsam richtete er sich auf und zog sich aus dem Cockpit, welches keinen Piep mehr von sich gab.
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Er kletterte auf die linke Tragfläche, glitt dabei aus, rutschte unaufhaltsam hinab ...
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... und stürzte in den heißen Sand.
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Kurze Zeit später hatte er sich wieder aufgerappelt und bemühte sich zu retten, was nicht zu retten war.
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Die Luft um ihn herum stand. Sein Mund war ebenso trocken wie der Sand, und er fühlte sich beinahe so kraftlos wie damals nach seiner Schussverletzung, als seine Schwester in ihrem Wahn versucht hatte, ihn zu töten. Kleine, glitzernde Sternchen tanzten vor seinen Augen ...
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... dann brach er erneut zusammen.
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Eine gute halbe Stunde war vergangen, als sich ein Militärfahrzeug dem Unfallort näherte. Ein bewaffneter Mann stieg aus. Er war blond.
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"Los, Tallis, spiel' hier nicht die Memme und steh' auf!", brüllte er den Ohnmächtigen an und hielt dabei sein Gewehr im Anschlag.
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Um Adam war es schwarz wie die Nacht. Aber dann durchbrach plötzlich Licht die vermeintliche Dunkelheit und aus der Ferne hörte er jemanden seinen Namen rufen. Langsam richtete er sich auf und erkannte seinen Standort wieder, der Negev.
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Er brachte seinen staubtrockenen Mund kaum auf, als er sah, dass er nicht mehr alleine war. "Pppp ... Paul?"
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"Hey, richtig erkannt, Professor Dr. Adam Tallis! Die Sonne scheint dir dein Hirn wohl doch noch nicht völlig verbrannt zu haben! Und ich habe endlich einmal großes Glück, denn hier gibt es keine Naike und keine Jessica, hier sind wir beide ganz unter uns", tat General Paul O’Meara hämisch kund.
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"Oh, mein Gott, Paul", seufzte Adam und senkte völlig erschöpft seinen Kopf.
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"Was soll ich jetzt mit dir machen, häh?", fuhr dieser in gleicher Weise fort und hob bedrohlich sein Gewehr. Plötzlich waren aus der Ferne Motorengeräusche zu hören. "Soll ich dich jetzt gleich erschießen oder hier einfach verdursten lassen? Ersteres wäre wohl gnadenvoller“, stellte er fest, „was meinst du?" Paul sah dem am Boden hockenden Mann, den er vor einem Dreivierteljahr mit seiner Verlobten in flagranti im Gartenhaus erwischt hatte, mit irrem Blick in die Augen.
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Adams Blick jedoch war inzwischen auf den Himmel gerichtet und die nackte Überlebensangst, die ihn bereits durch Pauls Drohungen überkommen hatte, weitete sich nun zur Panik aus, die seinen gesamten Körper mit Adrenalin überschwemmte. "Paul, da kommt ein Flugzeug! Und es sieht nicht nach einem der unseren aus!!!", schrie er so laut er noch konnte, aber Paul stierte ihn nur weiterhin wie ein Wahnsinniger an und ging dabei völlig in seiner Überlegenheit auf. "PAUL! Verdammt, schmeiß das Gewehr weg und leg dich hin!!!" Adam sprang auf und riss seinen Peiniger zu Boden, kurz bevor die Bombe ihres echten Feindes auf den Wüstenboden traf.
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Kapitel 39 - Back home? Kapitel 41 - Das Lied des Soldaten
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