 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
            |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 | Kapitel 39 - Back home? |
|
|
|
|
|
|
|
Nachdem die Frauen gegangen waren, rief Naike bei Carla an, aber die Leitung war seltsamerweise tot.
|
|
|
|
|
|
Der Ruf zu Gilbert Blythe hingegen ging durch, aber seine Arzthelferin meldete ihn auf Patientenbesuch außer Haus, eine Carla schien sie seltsamerweise überhaupt nicht zu kennen.
|
|
|
|
|
|
Da ihr die Sache höchst merkwürdig vorkam, machte sich Naike auf den Weg zu Carlas Schwester, die noch immer das kleine Geschäft Chez Poulain betrieb. Dachte sie zumindest. Aber als sie dort ankam, stand das Haus verlassen.
|
|
|
|
|
|
Das Geschäftslokal war fast völlig ausgeräumt und die kleinen Fenster der angrenzenden Wohnung teilweise vernagelt.
|
|
|
|
|
|
Sie lief zum Zaun hinüber, um auf das Grundstück zu spähen. Der Badesee mit der kleinen Holzplattform stand unverändert. Hier hatten sie sich oft getroffen, über Gott und die Welt im Allgemeinen und Männer im Besonderen gesprochen und dabei viel gelacht oder sich gegenseitig Trost gespendet, wenn es nötig war. Ein paar keine Regentropfen holten sie aus der Erinnerung zurück. Es war schon spät.
|
|
|
|
|
|
Völlig irritiert ging Naike den Weg nach Hause. Kurz bevor sie das Pfarrhaus erreichte, kam ihr eine Idee.
|
|
|
|
|
|
Dort angekommen schaltete sie sogleich den PC an und loggte sich mit ihrem Nicknamen Naike Simlane bei Skype ein. Die Person, die sie zu sprechen wünschte, war zum Glück online und trug den Namen Naike Le Normand. Real-Naike hatte bereits auf ihr Alter Ego gewartet, denn sie wusste genau, dass sie kontaktiert werden würde und warum. Nach einer kurzen Begrüßung äußerte Sim-Naike jedoch zuerst eine ganz andere Frage:
Naike Simlane: Naike? Naike Le Normand: Ja? Naike Simlane: Wirst du einen von beiden töten? Naike Le Normand: Was genau meinst du damit? Naike Simlane: Tu nicht so, du weißt, wen ich meine. Naike Le Normand: Was glaubst du? Naike Simlane: Bitte nicht, ja?! Naike Le Normand: Ich habe mich noch nicht entschieden. Naike Simlane: :o( Naike Le Normand: *lächel* Kopf hoch! Du schlägst dich tapfer und du wirst bald heiraten! Naike Simlane: Ja, ich weiß. Aber wen? Naike Le Normand: Wolltest du nicht wissen, wo Carla ist? Naike Simlane: Ach ja, stimmt, das war mein eigentliches Anliegen. Naike Le Normand: Sie hat das Spiel verlassen und wird nicht zurückkehren. Naike Simlane: Wie bitte?? Was ist passiert? Naike Simlane: Naike? Naike Le Normand: Ich habe zuerst Gilbert und dann auch allen anderen sämtliche Erinnerungen an sie gelöscht. Naike Simlane: Aber mir wirst du es nicht? Naike Le Normand: Nein, denn du bist ein Teil von mir, wir gehören zusammen. Stattdessen werde ich meine Erinnerungen mit dir teilen. Mache deine Augen zu und begib dich auf Delta-Frequenz, ok?! Naike Simlane: Ich weiß gar nicht, ob ich das noch kann. Naike Le Normand: Tue es einfach, du kannst es! Ich zähle dich runter und dann auch wieder hoch.
|
|
|
|
|
|
Sim-Naike schloss ihre Augen und fand sich tatsächlich recht schnell in die erforderliche tiefe Trance ein. Zuerst sah sie Bilder, die sie nicht einordnen konnte, hörte Töne, die sie nicht erkannte, aber dann setzte sich alles nach und nach wie bei einem Puzzle zusammen, und es kam der Punkt, an dem sie verstand. Zuletzt spürte sie eine tiefe Enttäuschung, die sich wie eine kalte Hand um ihr Herz legte, dann war es vorbei, Real-Naike zählte sie zurück. Langsam fühlte sie wieder ihren Po auf dem Schreibtischstuhl, und nach und nach baute sich auch das Wohnzimmer der Kappes mosaikartig vor ihren Augen auf, bis es komplett war.
|
|
|
|
|
|
Sim-Naike verabschiedete sich zutiefst belastet, legte sich deshalb noch ein wenig aufs Sofa, bevor sie sich dem Abendessen widmete, und dachte nach.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Bald war es ihr wieder leichter ums Herz, denn ihr Leben als Sim würde trotz der Geschehnisse, die sie nun mit ihrem Alter Ego teilte, und ohne Carla weitergehen, aber leider gab es auch schon wieder neue Sorgen in der Sim-Welt. Der Briefkasten vom Dome quoll vor Rechnungen und Mahnungen nur so über.
|
|
|
|
|
|
"Manu, hast du getan, was ich dir geraten hatte? Also Werbung gemacht? Den Club auch für Frauen geöffnet?
|
|
|
|
|
|
"Äh ... nein, noch nicht, ich dachte ..." - "Du dachtest??? Mensch, schau dir mal eure Verbindlichkeiten an, ihr könnt bald Konkurs anmelden!!!" - "Und jetzt?", fragte "Madame Gina-Lisa" kleinlaut. "Auf zu Gerda! Sie kann von mir aus die Karre aus dem Dreck holen, ich kann euch weiß Gott keine Freier herzaubern!"
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Gesagt, getan. Naike schnappte sich noch am gleichen Tag Miranda und sie besuchten ihre Mutter im Krankenhaus.
|
|
|
|
|
|
Gerda war ein wenig blass um die Nase, aber sie freute sich riesig über den Besuch. Eine Krankenschwester schaute ins Zimmer und mahnte sie, sich umgehend wieder hinzulegen. Während Miranda zwei Kaffee holte, knöpfte Naike sich die Puffmutter, wie sie Gerda insgeheim nannte, umgehend vor.
|
|
|
|
|
|
Zum Glück stellte sich bei dem Gespräch heraus, dass Frau Kappe noch ausreichend Erspartes besaß, was sie in den weiteren Erhalt ihres Etablissements investieren konnte, wenn die Durststrecke nicht mehr allzu lange dauerte. "Bis zum Frühling, Anfang Sommer, müsstet ihr damit auskommen, wenn die Damen gehaltlich ein wenig kürzer treten. Was danach ist, werden wir sehen, wenn die Männer bis dahin nicht zurück sind", sagte Gerda und sah dabei traurig und abgespannt aus. "Sie werden bald wiederkommen", versprach Naike, obwohl sie es selbst nicht wusste, und drückte für einen Moment bestärkend Gerdas Arm, die Tränen, die sich anbahnten, tapfer hinunter schluckend. Und dann erzählte Gerda ihr noch mal eben so ganz nebenbei, dass für nächste Woche der Direktor einer Privatschule angesagt sei, um über eine Aufnahme ihrer Kinder an seiner Einrichtung zu entscheiden. Naike war "hochbegeistert", dies zu hören. Nicht auch das noch!!
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Sean fand Miranda von allen Kappe-Mädchen am attraktivsten. Während die gesamte Familie blond war, hatte sie als einzige schwarze Haare, was ihm sehr merkwürdig vorkam. "Was ist, was starrst du mich so an?", wunderte sich das fast erwachsene Mädchen.
|
|
|
|
|
|
"Warum hast du eigentlich als einzige deiner Familie schwarze Haare?", fragte er neugierig, was Miranda misstrauisch machte. "Was führst du jetzt wieder im Schilde, hm?!" Sean schüttelte den Kopf. "Aber nein, gar nichts, interessiert mich nur, ist doch recht ungewöhnlich." - "Ach, eigentlich gibt es in fast jeder Generation unserer Familie jemand Dunkelhaarigen, offenbar ein Gen, was sich immer mit weitervererbt." - "Ach so, na da hast du dann ja Glück gehabt." - "War das jetzt ein Kompliment?", lachte Miranda überrascht und Sean wurde ein bisschen rot.
|
|
|
|
|
|
Wenige Tage zuvor war er Zeuge geworden, als Miranda ein Bad genommen hatte.
|
|
|
|
|
|
Auch wenn sie nicht die erste Frau war, die er ohne Kleidung sah - seine Mutter und Jessica waren alles andere als prüde, und außerdem hatte er ja Papas DVD entdeckt - aber dieser direkte Anblick einer fast Fremden war doch etwas ganz anderes gewesen. Irgendwie hatte es seltsam in seinem Leib gekribbelt, aber sich keineswegs unangenehm angefühlt, im Gegenteil.
|
|
|
|
|
|
"Ja, klar war das ein Kompliment", erklärte er mutig. Aber als Miranda ihn daraufhin warmherzig anlächelte, schätzte er sich und seine Situation völlig falsch ein und schob gleich noch ein gewagteres hinterher.
|
|
|
|
|
|
"Wie kannst du es wagen???", brauste sein Gegenüber entsetzt auf und verpasste ihm im Affekt eine dicke Backpfeife ...
|
|
|
|
|
|
... für die sie sich wenig später bei Naike verantworten musste. "Es tut mir wirklich leid, ich hatte mich so erschrocken und da ist mir die Hand ausgerutscht. Es war wirklich keine Absicht, ich haue sonst nie Kinder!", bedauerte Miranda den Vorfall bedrückt.
|
|
|
|
|
|
Sie berichtete, was Sean zu ihr gesagt hatte und Naike war ebenfalls erschüttert. Wo konnte der Junge das bloß aufgeschnappt haben? Sie machte sich ernsthafte Sorgen.
|
|
|
|
|
|
"Überhaupt ist Sean sehr ungezogen, Sie haben ihn nicht im Griff", warf Miranda Naike vor, die sich aufgrund der Tatsachen leider eingestehen musste, dass Gerdas Älteste Recht hatte, wenn sie auch ein wenig übertrieb. "Wenn Sie mich fragen, der kleine Kerl braucht ein Hobby, irgendetwas, für das er sich begeistern kann. Dann würde er seine unbändige Energie besser kanalisieren können." Naike fand diese Idee sehr gut und beschloss, die Augen für ihren Sohn aufzuhalten. Vielleicht ließ sich ja eine schöne Beschäftigung für ihn finden.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Langsam wurde der Stresspegel für die junge Frau zu hoch. Die permanente Sorge um ihre Männer, die anstrengende Arbeit in der Kaserne, Probleme im Puff und jetzt auch noch der Ärger mit Sean. Sie nahm sich einen Nachmittag Urlaub, um ihn einfach mal daheim zu verbringen, sich ein bisschen auszuruhen und von Jessica verwöhnen zu lassen. Nachdem sie ihren Wagen in der Einfahrt geparkt hatte, entdeckte sie eine fremde Person in Jessicas Gemüsegarten, der bisher noch nie Früchte getragen hatte.
|
|
|
|
|
|
Vor dem Haustor lagen etliche nasse Zeitschriften und Zeitungen. Naike hoffte, dass ihre Mitbewohnerin wenigstens im Inneren des Hauses mehr Ordnung hatte walten lassen und räumte die Schweinerei grummelnd in die Mülltonne.
|
|
|
|
|
|
Dabei fiel ihr Blick wieder Richtung Gemüsegarten - wer mochte das dort hinten bloß sein? Naike überlegte, ob sie zuerst zu Jessica hineingehen oder gleich den Fremden nach seiner Herkunft und Funktion befragen sollte. Sie entschied sich nach einigem hin und her Überlegen für die zweite Option.
|
|
|
|
|
|
"Salut!", begrüßte sie der junge Mann, der gerade im Begriff war, junge Pflänzchen zu gießen, flapsig, aber sehr freundlich. Wie alt mochte er sein? Mitte, maximal Ende 20? Das Alter eines Sim war oft sehr schwer einzuschätzen.
|
|
|
|
|
|
"Äh ... hi! Darf ich fragen, wer Sie sind und was Sie hier machen?" - "Klar, ich bin der Gärtner und kümmere mich um das Grünzeug hier auf dem Grundstück. Mein Name ist Nathaniel. Und mit wem habe ich die Ehre?", erkundigte er sich mit leicht französischem Akzent.
|
|
|
|
|
|
”Zufällig mit der Besitzerin dieses Hauses, Naike Le Normand. Und ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, Sie eingestellt zu haben." Der junge Mann wirkte sehr überrascht. "Nein, das war auch Frau Jung, die ältere Dame, die hier wohnt. Sind Sie ihre Tochter?" Irgendwie kam Nathaniel Naike bekannt vor, aber es gelang ihr partout nicht, ihn einzuordnen.
|
|
|
|
|
|
"Nein, wir sind befreundet und wohnen nur zusammen, eine Art WG sozusagen. Ich fürchte, ich muss mal mit Frau Jung reden, eigentlich brauche ich nämlich keinen Gärtner." - "Schade", meinte Nathaniel, "aber Sie können es sich ja noch mal überlegen, ich bin wirklich gut und mache es Ihnen hier viel schöner, versprochen!" Naike ertappte sich dabei, wie sie bei dem Stichwort "schöner" weniger an ihre Grünanlagen, als an die "Bepflanzung" der Brust ihres attraktiven Gegenübers dachte und beschloss deshalb, lieber ins Haus zu flüchten und die Sache schnell aufklären zu lassen.
|
|
|
|
|
|
Nachdem Naike in den Hausflur getreten war, kam sogleich der kleine Shakespeare angeflitzt. Welch eine Freude! Sie hatte ihn so vermisst und er sein Frauchen ganz offensichtlich auch.
|
|
|
|
|
|
"Da bist du ja!! Wie schön, dass du mal vorbei kommst, ich fühle mich so alleine hier in dem großen Haus", freute sich auch Jessica.
|
|
|
|
|
|
"Na, so einsam wirst du wohl nicht sein, wo jetzt hier kräftig gegärtnert wird", bemerkte Naike leicht spitz und beobachtete ihre Mitbewohnerin genau.
|
|
|
|
|
|
"Ach so, ja, der Nathaniel", lachte Jess, "ist er nicht schnuckelig?! Ich traf ihn vor kurzem beim Einkaufen, er ist Franzose und erst seit kurzem auf der Insel. Ein Student auf Jobsuche. Wir unterhielten uns ein bisschen und als er mir davon erzählte, dass er gut mit Pflanzen umgehen kann, habe ich mir gedacht, ich nehme ihn hier auf, wo das Haus doch eh im Moment fast leer steht." Naikes Augen wurden mit jedem Wort, das aus Jessica sprudelte, größer, doch ihre Freundin fuhr ungerührt fort: "Ich hab’ ihn in Pauls Zimmer einquartiert, er fühlt sich sehr wohl hier und macht sich stets nützlich, sogar ein paar Worte Französisch hat er mir schon bei gebracht! Ma chérie!", flötete Jessica gleich überschwänglich, um ihre neuen Sprachkünste zu demonstrieren. "Was ist, was guckst du so? Keine Sorge, er nimmt nicht viel, das zahle ich aus der Portokasse, du hast gar nichts damit zu tun. Komm leg' ab und setz dich, hab Kuchen gebacken. Gâteau!"
|
|
|
|
|
|
"Na, hör mal, du kannst doch nicht einfach einen fremden Mann in unser Haus holen und das auch noch ohne mich zu fragen! Was weißt du denn schon von ihm? Nachher räumt er uns bei sich bietender Gelegenheit plötzlich das Haus aus oder ähnliches." - "Och Naike, du bist aber auch immer misstrauisch! Such' doch nicht immer gleich den Haken an guten Gelegenheiten. Er ist wirklich ein Schatz, glaub mir." Naike blieb skeptisch. "Ich weiß nicht recht, irgendetwas stört mich an ihm. Er hat so was ... hm, wie soll ich es sagen ... etwas Abgründiges in den Augen, ich ..." - "Ach, papperlapapp", widersprach Jessica und tätschelte ihre Hand, "das legst du dir jetzt nur so aus. Ich werde schon ein Auge auf ihn haben, keine Sorge." Naike kratzte sich nachdenklich am Kopf, sollte sie sich durchsetzen oder Jessica ihren Willen lassen?
Dann schnitt sie aber erst einmal andere Themen an, z. B. das geplante Wahrsage-Café, was beide sich schon so lange wünschten, mangels ausreichender finanzieller Mittel bisher aber noch nicht umsetzen konnten. Vor kurzem hatte Jessica entdeckt, dass ein geeignetes Lokal zur Verfügung stand, das ehemalige Café Petit war zu verkaufen. Die beiden Freundinnen und Kolleginnen beschlossen, sich auf jeden Fall darum zu bemühen, sobald sich ihr Land wieder im Frieden befand.
|
|
|
|
|
|
"Und Sean hat zu Miranda wirklich ... ach, hallo Nat, da sind Sie ja! Setzen Sie sich doch zu uns, Kaffee ist frisch aufgebrüht, können sich gerne einen nehmen." - "Danke, den kann ich jetzt gut vertragen, es wird langsam kühl", freute sich der junge Student.
|
|
|
|
|
|
"Nathaniel, erzählen Sie Naike doch mal, wo Sie her kommen und was Sie studieren!" Naike zog die Nase kraus, eigentlich wollte sie das gar nicht wissen, sondern viel lieber, dass er so schnell wie möglich wieder verschwand, auch wenn sie gar nicht so genau wusste, warum. Viel ließ er sich nicht aus der Nase ziehen, sondern gab lediglich preis, dass er aus Frankreich stammte - das wusste sie bereits - und dass er Kunst studierte. Reichte sein deutscher Wortschatz nicht aus oder war er von Natur aus so einsilbig?
|
|
|
|
|
|
Als Jessica ihm spezielle Fragen über Pflanzen stellte, wurde er sichtlich nervös. Naike kaute an ihrem Kuchen herum und sagte nicht viel, denn es war ihr viel zu anstrengend, sich gleich noch ein neues Problemthema an den Hals zu binden. "Es war sehr nett, Sie kennen zu lernen, Nathaniel, bitte entschuldigen Sie mich jetzt, ich möchte mich gerne ein wenig zurückziehen. Dort wo ich gerade vorübergehend wohne, ist das wegen einem Haufen Kinder kaum möglich. Und übrigens, sollten Sie zufällig mal Druck auf der Pfeife haben, ich kann ihnen einen sehr schönen Club empfehlen, die Mädchen dort erfüllen jeden noch so ausgefallenen Wunsch und warten dringend auf Kundschaft." Jessica starrte Naike mit offenem Mund an. Nathaniel brauchte erst ein paar Sekunden, bis er verstand, was sie gemeint hatte. Dann grinste er breit wie ein kleiner Junge, der gerade einen gelungenen Streich verübt hatte, und erinnerte Naike dabei irgendwie sehr an Sean.
*
|
|
|
|
|
|
In ihrem Zimmer überprüfte sie als erstes ihre Besitztümer, ob nicht schon irgendetwas davon weggekommen war. Aber der Bestand schien komplett, lediglich eine zarte Staubschicht hatte sich darüber gelegt. Sie schnappte sich einen heiteren Frauenroman und setzte sich damit ans Fenster.
|
|
|
|
|
|
Irgendwann kam Jessica herein. "Alles klar bei dir, kann ich dir noch etwas Gutes tun?" - "Danke, das ist lieb, aber mir geht es prächtig, es ist herrlich ruhig hier. Ein Stündchen habe ich noch Zeit." - "Du, wenn es dir lieber ist, kann ich Nathaniel auch im Motel unterbringen, es war wirklich nicht ok von mir, ihn einfach ohne dich zu fragen hier einzuquartieren. Aber weißt du was? Armin wurde vor einigen Tagen entlassen und ich habe ein bisschen Angst, dass er hier aufkreuzt. Mit Nat im Haus ist mir da gleich viel wohler."
|
|
|
|
|
|
"Ach jee, Jessica!! Warum hast du mir das denn nicht viel früher gesagt? Du liebe Zeit, der Armin??!! Aber wieso bereits jetzt?" - "Ich glaube, da sind so einige vorzeitig entlassen worden, weil inzwischen einfach nicht mehr genug Justizvollzugsbeamte zur Verfügung stehen, da sie zum Teil eingezogen wurden." Naike seufzte. "Na, dann lass den Jungen mal hier wohnen, wenn du wirklich Vertrauen zu ihm hast. Aber wenn Paul, die Kinder und ich zurück sind, muss er woanders hin, klar?!" Jessica nickte zustimmend.
|
|
|
|
|
|
Als Naike das Haus verließ, war er bereits wieder bei der Arbeit und bemerkte ihren Fortgang nicht. Einerseits war es gut zu wissen, dass Jessica nicht allein im Haus war, immerhin war der kleine Shakespeare kein ernstzunehmender Wachhund. Aber andererseits wollte das komische Gefühl, das sie bereits hatte, als sie im das erste Mal in die Augen sah, nicht so schnell verschwinden.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Wie Gerda im Krankenhaus angekündigt hatte, kam wenig später der Direktor einer renommierten Privatschule in Downtown zu den Kappes, um zu entscheiden, ob er deren Kinder aufnehmen würde. Naike kannte das Szenario bereits, da sie vor ihrem Eintritt in die virtuelle Welt ja selbst Sims gespielt und die Kinder ihres ersten Sim Jonas erfolgreich in einer solchen Einrichtung untergebracht hatte. Also wusste sie genau, worauf es ankam, gute Wohnungsausstattung, der obligatorische Hummer und passende Unterhaltung. Die Kinder hatten sich alle in Schale geschmissen und waren bis auf Miranda, die sich in angespannten Situationen immer kaum bewegen konnte, sehr zappelig.
|
|
|
|
|
|
Den Hummer in der virtuellen Realität aktiv zuzubereiten, war allerdings doch noch etwas ganz anderes, als dies bloß am Bildschirm zu veranlassen. Zumal sie sich vor den toten Dingern ekelte. Aber mit Hilfe von Gerdas Universal-Rezeptebuch schien er dennoch zu gelingen.
|
|
|
|
|
|
Naike war gerade bei der Nachwürzung des fertigen Gerichts, als der Wagen von Direktor Kasper Jacoby bereits vorfuhr. Deshalb wies sie schnell Hans an, ihn herzlich willkommen zu heißen.
|
|
|
|
|
|
So schwer es dem Pfarrerssohn auch fiel, mit Mädchen umzugehen, reden konnte er, wenn es darauf ankam. Schließlich wollte er eines Tages eine hohe Position bei den Modernen Jesus Nachfolgern bekleiden und eiferte seinem Onkel Nicolas in dieser Hinsicht nach, seit dieser auf Besuch bei der Familie gewesen war.
|
|
|
|
|
|
Entweder hatte Direktor Jacoby einen Riesenkohldampf oder schlechte Manieren, dachte Naike, als sie ihn den Hummer unmittelbar nach Betreten des Pfarrhauses und dem Tischgebet regelrecht in sich hineinschaufeln sah. Aber es schien ihm zu schmecken und das war an die diesem entscheidenden Tag schließlich die Hauptsache.
|
|
|
|
|
|
Während Miranda, Desdemona, Abilene und Sean gerne den Hummer probierten, hatten sich Hans und seine kleine Schwester Elvira von Anfang an geweigert, die Viecher auch nur anzulecken. So gab es für sie als Ersatz Tacos und man war erleichtert, dass Naike die gesamte Konversation bestritt und sie sich so über "Wichtigeres" unterhalten konnten.
|
|
|
|
|
|
Naike unterrichtete Herrn Jacoby vom aktuellen Stand des Kriegsverlaufs.
|
|
|
|
|
|
Der Direx zeigte sich sehr beeindruckt, dass sie Generalin war und sehr erschüttert, dass sowohl ihr Verlobter, General Paul O'Meara, als auch Pfarrer Kappe gerade fern der Heimat dem Vaterland dienten und sich tapfer in große Gefahr begeben hatten.
|
|
|
|
|
|
An Shakespeares Dramen schien er jedoch weniger interessiert zu sein ...
|
|
|
|
|
|
... denn plötzlich sprang er ohne ein Wort auf und lief unmotiviert im Zimmer herum. Aber so waren sie nun mal, die Sims, dachte Naike, und wusste, was jetzt zu tun war. Die Wohnungsbesichtigung war natürlich angesagt!
|
|
|
|
|
|
"Ja, wunderbar, wunderbar!", klatschte der halbglatzköpfige Mann in seine Hände, als er das Wohnzimmer erblickte. Offenbar hielt er es für würdig, obwohl Naike vergessen hatte, die Bügelstation wegzuräumen.
|
|
|
|
|
|
"Sean, wäre das nicht wunderbar, wenn wir diese Chance erhielten? Die Privatschule bietet viel mehr Möglichkeiten und ist bedeutend umfangreicher ausgestattet als unsere jetzige! Ach, wenn es doch nur gelänge!", hoffte Abilene, die eine sehr eifrige Schülerin war. "Es wird gelingen", meinte Sean ehrlich überzeugt, "unser aller Voraussetzungen sind gut und Mama hält sich wacker. Mach' dir mal keinen Kopf!"
|
|
|
|
|
|
Beinahe wäre Direktor Jacoby im Schlafzimmer über Darsweder gefallen. Naike brach der Schweiß aus.
|
|
|
|
|
|
”Ja, um Himmels Willen, was ist das denn für ein schreckliches Ding?!", rief er entsetzt. So etwas hatte er in diesem tief christlich geprägten Haushalt nun nicht vermutet. Doch Naike behielt trotz seines nun sehr ablehnenden Gesichtsausdrucks die Nerven und beschloss, einfach bei der Wahrheit zu bleiben. "Die Puppe gehört meinen Sohn Sean, mein Mann hat sie ihm geschenkt, als er noch ganz klein war. Ich war zuerst auch dagegen, aber dann hat er sie gleich beim ersten Anblick umschlungen und wollte sich anschließend nicht mehr davon trennen. So haben wir uns mit der Zeit an das zugegebenermaßen wenig kindgerechte Spielzeug gewöhnt. Wir konnten es dem Kleinen doch nicht herzlos wieder entreißen", drückte sie geschickt auf die Tränendrüse. Herr Jacoby nickte und ... lächelte! Naike war erleichtert, aber sie lächelte nicht. Denn was hatte sie sich da gerade eben sagen hören? Ihr Mann habe Sean die Puppe geschenkt? Ihr Mann??? Ein dickes Kloßgefühl bildete sich in ihrem Hals und sie schluckte schwer.
|
|
|
|
|
|
"Was machen die da drin bloß so lange, das dauert ja ewig", beklagte sich Sean derweil und Abilene wusste auch nicht, ob sie den relativ langen Aufenthalt ihrer Mutter mit Herrn Jacoby im Schlafzimmer als positiv oder negativ werten sollte. Aber dann kamen sie endlich heraus. Ihre Mutter war ein bisschen blass um die Nase, schaute aber recht zuversichtlich drein.
|
|
|
|
|
|
Und dann kamen sie endlich aus dem Schlafzimmer und der Direktor sprach die Worte, auf die alle so sehr gehofft hatten. Er drückte sein uneingeschränktes Wohlwollen aus und bestellte alle sechs Kinder direkt ab kommenden Montag in seine Schule.
|
|
|
|
|
|
Er lobte auch noch einmal extra Naike für ihren selbstlosen Einsatz und sie freute sich sehr, dass dies endlich mal jemand zur Kenntnis nahm. Herr Jacoby winkte den Kindern zu, ließ ein fröhliches "Bis Montag dann, seid pünktlich!" verlauten und wurde dann von Hans zur Tür begleitet.
|
|
|
|
|
|
"Ist das wirklich wahr, Miranda?" Elviras große Schwester nickte. "Ja, Vater und Mutter werden unglaublich stolz auf uns sein, das hatten sie sich schon so lange gewünscht und immer kam etwas dazwischen."
|
|
|
|
|
|
Miranda drückte Elvira, Desdemona bedankte sich herzlich bei Naike, und Sean und Abilene fielen sich ebenfalls glücklich um den Hals. Hans beschloss, den denkwürdigen Augenblick mit einem kleinen Freudenkonzert zu feiern, als er wieder nach oben kam und alle im Taumel vorfand.
|
|
|
|
|
|
Sean ruderte hilflos mit den Armen, als Elvira nach ihrer Geige griff und alle Kappe-Kinder ein lautstarkes "Lobe den Herrn" anstimmten, gefolgt von "Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt" und "Macht hoch die Tür". Aber seine Laune war zu gut, um an diesem Abend in irgendeiner Weise ausfallend zu werden. Dann klingelte zur Rettung der Musikgeplagten Naikes Handy und sie freute sich schon, dem Anrufer von der guten neuen Nachricht zu erzählen - wer immer es auch war.
|
|
|
|
|
|
"Ja, ich verstehe. Wie sollte es auch anders sein", sagte Naike bitter. "Was ist, Mama?" - "Psst, sei leise, Sean. Geht bitte wieder ins Wohnzimmer!"
|
|
|
|
|
|
Doch die beiden Kinder spürten, dass etwas nicht in Ordnung war und rührten sich nicht von der Stelle. "Ja, warten wir es ab, wir können jetzt doch nichts tun. Danke für die Information und einen schönen Abend noch", sagte sie matt in den Hörer und drückte den kleinen roten Knopf, der das Gespräch beendete.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Inzwischen war es Winter geworden und Gerda erhielt die wundervolle Nachricht, dass ihre Schwangerschaft so stabil war, dass sie die letzten beiden Schwangerschaftsmonate - und somit Weihnachten - zuhause verbringen konnte.
|
|
|
|
|
|
Ihre Kinder waren derart außer sich vor Freude, dass Naike sie zum Spielen nach draußen befördern musste, damit Gerda nicht gleich alles wieder zuviel wurde.
|
|
|
|
|
|
Ausgelassen spielten sie daraufhin in der Wintersonne ...
|
|
|
|
|
|
... während drinnen ein weniger fröhliches Damenkränzchen stattfand, denn Gerda las die neuesten Nachrichten aus dem Kriegsgebiet vor, die alles andere als rosig klangen. Längst waren auch die Reservisten im Kampfeinsatz und die BILD berichtete von grausigen Szenarien, die sich angeblich vor Ort abspielten.
|
|
|
|
|
|
"Gerda, leg' das Schmierblatt weg, du weißt doch, wie sehr die immer übertreiben beziehungsweise sogar Stories einfach erfinden. Das ist doch nun wirklich hinreichend bekannt!", bemerkte Naike vorwurfsvoll, aber Gerda las die Zeilen wie gebannt und betrachtete die Bilder grausam zugerichteter Soldatenleichen.
|
|
|
|
|
|
Eva-Maria, die inzwischen im sechsten Monat war, wusste dies auch, aber was Gerda vorgelesen hatte, war einfach so schrecklich, dass die Angst in ihr immer höher und höher gekrochen war, bis sie nun kurz vor einem Panikanfall stand. Sie sprang auf und begann zu hyperventilieren.
|
|
|
|
|
|
Sie wollte aus dem Haus laufen, aber Naike hielt sie zurück, hielt ihre Handgelenke fest wie im Schraubstock und redete im Stakkato beruhigend auf sie ein, bis sie sich endlich lockerte und wieder durchatmete. Auch Gerda wurde es kurz schwummerig, aber sie fing sich schnell wieder und steckte die BILD-Zeitung anschließend schnell ganz tief in den Müll.
|
|
|
|
|
|
Eva-Maria ging es nun zwar wieder deutlich besser, aber sie wollte dann doch lieber nach Hause, um sich ein bisschen hinzulegen. "Ruf' bitte kurz durch, ob du gut angekommen bist und dann noch mal ein bis zwei Stunden später, ja?! Pass auf dich auf!" - "Jo, mache ich!", sagte Eva dankbar.
|
|
|
|
|
|
Naike winkte ihr erleichtert nach und schwor sich, die BILD noch am gleichen Tag abzubestellen.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Als die anderen Frauen gegangen waren, setze sie sich noch kurz mit Gerda zur Haushaltsübergabe und dem Austausch der neuesten Informationen in Sachen Bordell zusammen. Noch war zwar kein Ende der Durststrecke in Sicht, aber immerhin waren keine neuen finanziellen Belastungen dazugekommen und es fanden sich nun Dank einiger Werbeaktionen regelmäßig ein paar Gäste mehr aus den umliegenden Gebieten ein.
|
|
|
|
|
|
"Und Sie sind sich ganz sicher, dass Sie den Haushalt wirklich alleine geregelt kriegen?" Gerda nickte. "Drei meiner Kinder sind doch schon groß und werden mir das Gröbste abnehmen, das schaffe ich schon."
|
|
|
|
|
|
Als die Mehrfachmutter jedoch gerade zu einer Dankesrede ansetzten wollte, fuhr sie plötzlich zusammen und sprang mit schmerzverzerrtem Gesicht auf.
|
|
|
|
|
|
Auch Naike sprang auf und lief ganz automatisch Richtung Telefon. Doch dann hielt sie noch einmal inne. "Meinen Sie wirklich, es kommt ... äh ... jetzt?
|
|
|
|
|
|
"Ja, ich fürchte schon. Ist ja nicht mein erstes Kind, das war gerade unzweifelhaft eine kräftige Wehe." Und als sie ihren Satz zu Ende gesprochen hatte, bahnte sich sogleich sichtbar die nächste an.
|
|
|
|
|
|
Naike rief umgehend einen Krankenwagen, der zum Glück zehn Minuten später auch schon eintraf.
|
|
|
|
|
|
Und so wurde an diesem Tag zum zweiten Mal eine Schwangere aus der Simlane 1 abtransportiert, aber dieses Mal auf direktem Wege ins Hospital. Eine knappe Stunde später erblickte Eduard Kappe als Frühchen das Licht der Welt und kam in den Brutkasten. Seine Mutter hatte die Geburt den Umständen entsprechend gut überstanden, war aber noch ebenso schwach wie ihr Sohn und würde deshalb die nächsten Wochen noch im Krankenhaus verbringen müssen. Naike packte ihre Koffer wieder aus.
|
|
Kapitel 38 - Kakophonien Kapitel 40 - Valse Sentimentale
|
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
  |
 |
 |
 |
|
|