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 | Kapitel 38 - Kakophonien |
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Auch in der Kaserne angekommen, gab es endlich gute Neuigkeiten, die Einheit war wohlbehalten am Zielort gelandet und bereits zu relativ ungefährlichen Wachdiensten eingeteilt worden. Mit dieser beruhigenden Nachricht konnte Naike dann am Nachmittag relativ guten Mutes The Dome aufsuchen, wie Gerdas Etablissement hieß, von dem sie bisher nur Eingangs- und Barbereich kannte, nachdem sie dort vor einiger Zeit nach Adam gesucht und ihn dort auch gefunden hatte.
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Manuela Bretz war schnell an der Tür und hieß sie freundlich willkommen.
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"Finde ich total anständig von dir, dass du dich drauf einlässt. Das rechne ich dir hoch an!" – „Ist schon ok, worum geht's denn eigentlich genau?" Manu nahm kein Blatt vor den Mund: "Ich fürchte, wenn das hier so weiter geht, sind wir in wenigen Wochen Pleite, meine Süße, und Gerda kann das Ding für'n Appel und'n Ei verhökern!"
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"Dann zeig mir doch mal die Bücher. Oder habt ihr die Abrechnung schon auf dem PC?" – „Beides, Gerda war gerade in Umstellung. Ich versteh' nix davon, außer dass ich rote Zahlen lesen kann, aber ich soll dir alles geben, was da ist. Kommste mal mit in die Küche? Dann stelle ich dich den anderen vor."
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In der kleinen Küche des Hauses saßen zwei schrill gemusterte Damen, eine davon kannte Naike bereits, Herta Tellermann. Manu gab ihr schon mal eines der Abrechnungsbücher und ergriff das Wort: "Das hier ist Naike Le Normand, sie kümmert sich derzeit um Gerdas Kinder und wird uns auch hier helfen und die Buchhaltung machen. Naike, Herta Tellermann und Katharina Landgraf. Letztere nennt sich hier „Gisele“, Herta "Fleur de Jour" und ich „Gina-Lisa“. Unsere Künstlernamen stehen auch so in den Unterlagen, also nicht, dass du dich wunderst." Künstlernamen? Naike schmunzelte.
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"Le Normand?", wandte sich Katharina-Gisele an Naike, "kommt mir irgendwie bekannt vor."
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”Klar, kommt dir die bekannt vor, dass ist die Olle von Herrn Du-machst-jetzt-was-ich-will-Tallis", fiel Herta ein. "Vor einiger Zeit ist sie abends einfach hier aufgekreuzt und hat ihn abgeschleppt, bevor wir zur Sache kommen konnten", erklärte sie ihrer Kollegin offenbar noch immer sauer über die entgangene Einnahme. Katharina zog angewidert ihre Nase kraus. "Das ist ja eine tolle Begrüßung", sagte Manuela stinkig, "vergrault sie nur, dann könnt ihr gleich in Downtown auf den Straßenstrich gehen!"
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"Hör nicht hin, die kriegen sich schon wieder ein", knurrte sie dann und warf ihren beiden Kolleginnen einen tadelnden Blick zu. Naike war froh, die beiden nicht anschauen zu müssen, um wohlmöglich noch mehr ungebetene Kommentare zu erhalten, und blätterte stattdessen eifrig in Gerdas Abrechnungen, ohne sie wirklich zu lesen. Dann zog Manu sie aus dem Raum, um ihr das Haus zu zeigen.
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"Das hier ist unser "normales" Zimmer. Für die, sagen wir mal, eher nüchternen Männer, denen es nicht so aufs Ambiente ankommt, also die auf Deutsch gesagt einfach nur poppen wollen", erklärte Manu.
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"Und hier der Badebereich!" - "Wow, das ist aber schön hier!", staunte Naike beeindruckt, denn der Raum wirkte warm und einladend.
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"Und diese Riesenwanne!!" - "Ja, die teure Anschaffung hat sich wirklich gelohnt, in guten Zeiten ist sie immer belegt."
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"Und wie sieht es im Moment aus, kommen überhaupt Gäste?" - "Wenig", bedauerte Manu frustriert, "ältere Männer vereinzelt und wenige Ausländer, die nicht einzogen wurden. Komm, wir gehen mal weiter!"
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"Hier war ich schon mal, wirklich sehr geschmackvoll und gepflegt." Manu freute sich sichtlich über Naikes Kompliment. Offenbar fühlte sie sich für das Haus verantwortlich und hing mit ihrem Herzen daran.
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"Und jetzt zeig' ich dir unser Schmuckstück", kündigte sie begeistert an, als ginge es um das Bescherungszimmer am Heiligen Abend.
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Sie liefen ein Stockwerk höher. Naike war heilfroh, dass sie zu einer Zeit gekommen war, wo noch kein Gast im Hause war.
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Manu hatte wirklich nicht zuviel versprochen, der Raum mit dem wohlklingenden Namen Roter Salon war wirklich wunderschön und hatte Flair. "Nicht anfassen, hier wurde noch nicht gereinigt!!", rief sie plötzlich und Naike hätte beinahe vor Schreck ein längliches Ding auf dem Nachttisch umgestoßen, das sie gerade eingehender betrachten wollte.
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Das Zimmer verfügte auch über einen lauschigen Bade-Bereich und Naike stellte sich vor, wie es wohl wäre, in so einer schönen Umgebung ihre Hochzeitsnacht zu verbringen.
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Im nächsten und letzten Raum des Hauses hingegen wäre sie auf diese Idee allerdings keineswegs gekommen.
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"Was zur Hölle ist das???"
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"Na, wonach sieht es denn aus?", schmunzelte Manu.
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"Darüber mache ich mir lieber keine Gedanken", murmelte Naike unbehaglich.
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Eine Ecke, die ein Vorhang von der seltsamen Folterstube, dem so genannten Dungeon, trennte, war noch gruseliger. Naike räusperte sich. "Äh ... wie oft musste hier schon ein Arzt kommen, um euren Gästen das Leben zu retten?" Manu grinste. "Du weißt doch, dass ich damals beim Militär eine Krankenschwester-Ausbildung gemacht habe, ich hab' das schon ganz gut im Griff. Aber du glaubst nicht, was alles so verlangt wird, vor kurzem ..."
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Naike unterbrach sie schnell. "Du, erzähl' es mir besser nicht, ja, mir ist schon schlecht genug.“ – „Na, sooo schlimm ist es nun auch wieder nicht", wunderte sich die Domina. Aber dann spürte sie intuitiv, dass es ihrem Gegenüber nicht wirklich um die Einrichtung ging. "Du willst wissen, ob dein Adam hier drin war, oder?!", fragte sie gerade heraus. Naike schwitzte, als wären es 40 Grad im Raum, und sie nickte in Erwartung des Schlimmsten.
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Verschmitzt überlegte Manu, ob sie sie erschrecken sollte, aber Naike war ihr ein wenig zu blass um die Nase für derbe Scherze. "Professor Tallis war noch nie hier in diesem Raum, er nutzt immer nur den Roten Salon", erklärte Manu deshalb wahrheitsgemäß und lächelte. Naike nickte und biss sich auf die Lippe, um nicht vor Erleichterung loszuheulen.
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Wenig später saß sie in der Küche und verschaffte sich eingehenderen Überblick über die Unternehmensbilanzen.
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"Deiner Mimik nach zu urteilen, sieht es noch schlechter aus, als ich vermutete, oder?" – „Es geht so, aber ihr solltet vielleicht ein bisschen Werbung im größeren Umkreis machen und das Haus auch für männliche und weibliche Gäste öffnen, die einfach nur einen schönen Abend an der Bar und beim Tanz verbringen möchten. Das wäre so meine erste Idee." Manu nickte einsichtig und Naike war froh, den Laptop vorerst schließen zu können.
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Draußen vor der Tür vertraten sich "Fleur de Jour" und "Gisele" derweil gelangweilt die Beine.
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"Ach, sieh an, sieh an ... die Tallis-Schlampe! Na, wirst du uns retten oder untergehen lassen, weil wir mit deinem Schatzi geschlafen haben?"
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Die "Fleur" mit ihrer alles anderen als blumigen Sprache raunzte noch weitere Unverschämtheiten, aber Naike beschloss sie zu ignorieren.
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Strammen Schrittes verließ sie das Bordell, als gerade der erste Gast des Tages erschien, ein junger Mann, offensichtlich ein nicht wehrpflichtiger Ausländer. Er taxierte sie, als würde er überlegen, ob sie zu den Damen des Hauses gehörte.
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Peinlich berührt sah sie nach einem kurzen Blick in sein unbekanntes Gesicht zu Boden und gab Hackengas.
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Die Betreuung der Kinder verlief wider Erwarten relativ unkompliziert.
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Miranda, die älteste der drei Kappe-Schwestern, unterstützte Naike nach besten Möglichkeiten in ihren Bemühungen und so nahm im Hause Kappe alles seinen fast gewohnten Gang, auch wenn nicht immer alle frisch gebadet zur Schule gingen.
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Vormittags blieben Naike sogar ein paar ruhige Minuten und sie konnte sich einfach mal ein wenig entspannen und lesen oder fernsehen. Von letzterem schien allerdings die Fernbedienung kaputt zu sein, denn sie wählte lediglich drei Programme an, auf den restlichen Plätzen gab es nur Schnee.
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Ob dies Absicht war? Sie schaltete hin und her, aber es zeigten sich immer nur die gleichen, allesamt religiös anmutenden Programme.
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Naike ging zum Telefon und rief die Gesellschaft an, die auf der Insel für den TV-Empfang zuständig war, gab sich als Gerda aus und bestellte den vollen Umfang an Free-TV-Programmen plus Simiere-Pay-TV mit den neuesten Kinofilmen.
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Schließlich schenkte sie der Familie ihre Zeit, so durfte sie sich ruhig auch mal dafür belohnen, fand sie. Und den Kappe-Kindern konnte es sicherlich auch nicht schaden, sich langsam mal mit dem Rest der Welt vertraut zu machen.
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"Maman, müssen wir uns das jetzt wirklich geben?", protestierte Sean am Nachmittag verständnislos.
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"Ach, Schatz, jetzt lass sie doch. Ist doch sehr lieb, dass sie uns mit ihrer Musik beglücken wollen, selbst wenn es etwas schräg ist", flüsterte Naike ihrem Sohn zu, der einen ziemlich gequälten Eindruck machte.
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Elviras Gefidele traf kaum einen Ton, sie spielte die Geige aber mit großem Eifer. Hans bediente nicht nur wie versunken das Keyboard, sondern lobte dabei auch noch besonders schmetternd den Herrn, während seine Schwestern eher leise, leicht kratzende Töne von sich gaben, als benötigten sie dringend ein Halsbonbon.
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Abilene war ebenfalls sichtlich nicht begeistert, ließ das Konzert aber tapfer über sich ergehen. Sean hingegen war weniger genügsam, saß stocksteif neben ihr auf dem Sofa und dachte permanent an Flucht.
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"Abi, ich halt' das jetzt nicht mehr aus, lass uns flüchten, ja?!" - "Aber dann ist Naike sauer und unhöflich ist es auch. Komm, das hältst du die fünf Minuten noch aus, bitte", versuchte sie ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen. Für den Moment klappte das auch, aber als die geschätzten fünf Minuten vorbei und die Kakophonien noch immer nicht verklungen waren, sprang ihr Bruder plötzlich auf.
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"Hör endlich auf mit dem Scheiß, du lockerst mir noch alle Zähne!", sagte er zu Elvira. "Mama!", rief Abilene erschreckt zum Eingreifen auffordernd, als hätte diese nicht selbst Augen und Ohren.
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Doch Sean setzte sogar noch einen drauf. "Das hält doch kein Schwein aus!", wütete er weiter. Elvira stellte ihre Geige in den Ständer und begann zu weinen.
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Naike war entsetzt über Seans Verhalten und knöpfte sich ihren Junior umgehend streng vor, auch wenn sie in Wahrheit auch ein bisschen erleichtert war, dass das Konzert nun endlich ein Ende gefunden hatte.
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Sie forderte ihn auf, sich sofort bei Elvira und den anderen "Musikern" zu entschuldigen. Er überlegte einen Moment und wandte sich dann an die kleine Pfarrerstochter. Naike wollte schon aufatmen, doch ...
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"Tschuldigung, ich wollte nicht, dass du weinst, aber du spielst echt so beschissen, das hätte ich keine Minute länger ausgehalten." Sean war ehrlich, aber eine solche Entschuldigung befriedigte weder seine Mutter noch die Betroffenen. Hans war besonders wütend und forderte energisch Bestrafung.
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So bekam Sean drei volle Tage Hausarrest und durfte nicht mit den anderen zusammen am Tisch essen. Diese Situation veranlasste ihn, in seinem Exil ganz in Ruhe einen Racheplan zu schmieden.
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Bereits wenige Tage später war ein gewitzter Plan ausgeheckt und wartete nur noch auf einen günstigen Zeitpunkt zur Umsetzung. Sean hatte Hans erzählt, dass angeblich das Hausmädchen auf ihn stünde, was Hans sehr überrascht hatte und ihn so nervös machte, dass er seitdem immer wieder zum Kühlschrank ging und sich etwas Leckeres daraus stibitzte, um seine Nerven auf diese Weise ein bisschen zu beruhigen. Hätte es Zigaretten im Haus gegeben, hätte er wahrscheinlich mit dem Rauchen begonnen. Mit Mädchen hatte der Teenager nämlich noch keinerlei Erfahrung, der kleine Sean aber durch das Vorbild seines viel und gerne flirtenden Vaters durchaus, und so hatte er Hans auch noch gleich mit ein paar gezielten Tipps versorgt, wie am besten vorzugehen sei.
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Dem Hausmädchen aber steckte er kurz darauf, dass Hans sehr schüchtern sei und unter Selbstwertproblemen litt, und bat sie, ihm doch einfach mal ein nettes Kompliment zu machen, um ihn etwas aufzubauen, was die hilfsbereite junge Frau gerne zu tun versprach.
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"Na, los jetzt gleich!", forderte er forsch.
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"Daaa, jetzt ist die Gelegenheit, in der Küche seid ihr allein!", drängelte Sean weiter. Abilene wunderte sich, was führte ihr Bruder nur jetzt wieder im Schilde?
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Das Hausmädchen tat wir ihr geheißen und machte Hans ein wirklich nett gemeintes, völlig unverfängliches Kompliment. Da dieser aber Dank Sean glaubte, sie sei in ihn verliebt, nahm er es wie verabredet als Zeichen, alles auf eine Karte zu setzen, und lobte überschwänglich ihre „Möpse“ als die Schönsten unter der Sonne!
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Das Hausmädchen war ob dieser plumpen Anmache einfach nur entsetzt und ergoss einen für die Anwesenden nicht zu verstehenden, da spanischen Redeschwall über den armen Hans, der in seiner Unschuld überhaupt nicht wusste, was er falsch gemacht hatte. Und auch Miranda hatte alles mitbekommen und war hoch entzürnt über die Unverfrorenheit ihres jüngeren Bruders.
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Nachdem sich das Hausmädchen beleidigt schnell wieder ihrer Arbeit zugewandt hatte, kassierte Hans für sein ungewollt schlechtes Betragen eine kräftige Watschen.
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Miranda schimpfte wie ein Rohrspatz und Sean war begeistert. Sein Plan hatte wie am Schnürchen geklappt, nun musste Hans sein Essen vorerst abseits der anderen einnehmen.
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Abilene verstand sich von Anfang an gut mit Elvira. Sie spielten gemeinsam mit ihrem Kater Merlin, der inzwischen ziemlich groß und leider auch recht fett geworden war ...
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... oder versuchten ihr Taschengeld mit selbst gemachter Limonade aufzubessern.
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"Sagt ma, habt ihr nur so'n schlabbriges Kindergesöff oder auch was mit Schuss drin?", fragte Sean mit ernster Miene, begann dann aber zu kichern, als die Mädels ihn verständnislos anschauten.
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"Labere nicht, her mit dem Taschengeld", konterte Abi, "sonst kannste Wasser saufen."
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Sean versuchte noch, mit einem tiefen Blick in Elviras Augen ein Gratis-Getränk abzustauben, aber seine Schwester forderte unerbittlich ihren Obolus. Die Limo war aber auch tatsächlich sehr lecker und ihr Geld wert, so zog er damit zufrieden schlürfend von dannen.
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"Du hast es gut, ich hätte auch so gerne eine Katze. Leider erlaubt Mama es nicht. Dürfen Katzen eigentlich auch Limo trinken?", fragte Elvira ihre neu gewonnene Freundin naiv, was Abi zum Anlass nahm, ihr ganz viel über Katzen und ihre tierischen Bedürfnisse zu erzählen.
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Derweil bekam Naike diesmal weniger gute Nachrichten. Zwar ging es Gerda nach wie vor recht gut, aber es stand nun fest, dass es vorläufig zu keiner Entlassung aus dem Krankenhaus kommen würde, sie eventuell sogar bis zur Geburt im Bett bleiben und überwacht werden musste. Da im Hause Kappe alles ordentlich lief, war das zwar kein Drama, aber Naike sehnte sich nach Hause und wäre eigentlich lieber heute als morgen zurückgekehrt.
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Sean sorgte in den kommenden Wochen weiterhin selbst für ausreichendes Amusement. Sein nächstes Opfer war Desdemona, deren Lieblingshobby der Ballett-Tanz war und die deshalb jeden Tag fleißig an der Stange übte.
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Ein paar Minuten sah er ihr regungslos zu.
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“Was hältst du da Maulaffen feil? Hast du nichts anderes zu tun?", meckerte Desdemona genervt, die es nicht mochte, so eindringlich beobachtet zu werden.
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Sean begann frech zu lachen und machte sich über ihre Pliés lustig, die seiner Meinung nach aussahen, als suche das Kappe-Mädchen Abhilfe gegen akute Darmverstopfung.
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Aber Desdemona blieb gelassen. "Du bist doch nur neidisch, weil du kein Hobby hast! Und überhaupt bist du ein richtiger Langeweiler, weißt du das!?" Patsch, das hatte gesessen. Sean streckte ihr die Zunge heraus und trollte sich beleidigt, um sich ein passenderes Opfer für seine fragwürdigen Späße zu finden.
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Und das fand er auch einige Abende später, als ihm der Zufall hold war. Es war schon ziemlich spät, und der Rest der Familie sah sich im Wohnzimmer gerade Jane Austens Stolz und Vorurteil an, was Sean als Mann, wie er gesagt hatte, natürlich überhaupt nicht interessierte. Gelangweilt streifte er ums Haus herum und entdeckte plötzlich Hans mit einem hübschen Mädchen tuschelnd. Hatte der blasse Vogel etwa Dank seiner guten Tipps in Sachen Hausmädchen nun doch einen echten Fang gemacht?
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Zu gerne wollte er wissen, was da abging. Und so rannte er ins Haus, holte sich ein Einmachglas ...
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... ging unbekümmert zu den beiden Jugendlichen hinters Haus und tat so, als ob er eifrig an dem Fang von Glühwürmchen interessiert wäre. Dabei hatte er seine Lauscher natürlich ganz weit aufgesperrt.
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"Äh ... hallo?? Was willst du denn hier?", fragte Hans knurrig, als er ihn entdeckte. "Kannst du bitte woanders weitersuchen, wir möchten gerade allein sein." Seans Versuch, Hans davon zu überzeugen, dass es nur an genau dieser Stelle Glückwürmchen gab, ging leider daneben und er wurde stattdessen nur noch eindringlicher verscheucht: "Jetzt verzieh' dich endlich, sonst mache ich dir Beine!"
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Sean tat dann zwar wie ihm geheißen, kam aber nach ein wenig Abwarten wieder zurück hinter das Haus und staunte nicht schlecht über das, was er dann sehr genau zu sehen bekam. Sein Blick war messerscharf und die Szene kam ihm nicht unbekannt vor, da er vor einiger Zeit, als er mal bei seinem Vater übernachtet hatte, in dessen Schränken herumgekramt und eine DVD gefunden hatte, auf der nackte Frauen abgebildet waren. Natürlich hatte er sie gleich neugierig in den Rekorder gesteckt, was damals unentdeckt geblieben war. Sean grinste bei der Erinnerung daran und genoss nun seine herrlich günstige Position.
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Doch das Schauspiel währte nur kurz, denn plötzlich begann Hans' Freundin wüst zu schimpfen und ließ ihn anschließend einfach stehen.
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Sean hatte jedes Wort gehört und lachte sich ins Fäustchen, flitzte wie der Blitz ins Haus und zog sich schnellstens seinen Schlafanzug an.
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Wenig später betrat er gespielt gähnend das Badezimmer, wo Hans sich gerade seine Pickel zur Nacht salbte. "Was willst du denn hier so spät noch?", fragte der ältere Junge grimmig. "Hat man denn hier nicht mal spät abends im Bad seine Ruhe?!"
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"Naaa", begann Sean schließlich mit schleimigem Unterton in der Stimme, "was habt ihr denn da eben eigentlich getrieben, häh?" Hans stand wie vom Donner gerührt und wusste gar nicht, was er ob dieser unglaublichen Dreistigkeit sagen sollte. "Da hat der kleine Hans aber schnell schlapp gemacht, war wohl'n Rohrkrepierer, was?!", kicherte Sean und setzte noch einen drauf: "Kann deine Freundin gut verstehen, dass sie so schnell verduftet ist." Hans' Miene begann zu beben, für Sean das Zeichen zum sofortigen Abflug.
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Hoch amüsiert flitze er aus dem Bad die Treppe hinauf, vorbei an den Damen und den letzten Minuten von Stolz und Vorurteil, und kuschelte sich schnell unter seine Decke.
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Sean hatte den pubertierenden Hans buchstäblich an seiner empfindlichsten Stelle getroffen.
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Nur wenig später schlief er seelenruhig, als könne er kein Wässerchen trüben, und träumte von Papas DVD-Damen, die ihm lächelnd und lediglich mit Küchenschürzen bekleidet seinen morgendlichen Haferbrei servierten.
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Am gleichen Abend, ein wenig früher, hatte Dr. Gilbert Blythe einen Besuch bei seiner neuen Freundin Carla und deren Tochter Henriette gemacht. Gegen 20 Uhr wurde Hund Junior unruhig und wollte wie immer noch einmal vor der Nacht Gassi geführt werden.
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Carla zog sich und ihre Tochter daher an, um den nötigen Spaziergang noch schnell zu erledigen. "Warum nimmst du Henny mit? Ich bin doch hier und kann auf sie aufpassen." – „Das ist lieb von dir, aber ich denke, dass sie besser schlafen wird, wenn ich ihr jetzt noch ein bisschen Frischluft gönne. Zwar steht der Herbst vor der Tür, aber die Nächte sind noch angenehm mild, es wird ihr gut tun." - "In Ordnung, dann bis gleich. Bleibt nicht so lange, ja? Ich hab’ morgen Frühschicht im Krankenhaus und muss spätestens um 22 Uhr heim." Carla nickte zustimmend und gab Gilbert einen zärtlichen Kuss.
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Dann verließ sie mit Henny und Junior das Haus ...
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... und verschwand in der Dunkelheit.
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Nur wenige Tage später war es bereits so kalt geworden, dass es den Inselbewohnern angeraten war, die Sommergarderobe einzumotten. Naike hatte zum Kaffeeklatsch geladen, um mit den anderen Frauen bei Kaffee und Kuchen das Allerneueste zu bekakeln. Auch Eva-Maria war gekommen, deren Bauch Adams Kind inzwischen schon deutlich erahnen ließ, was Naikes Laune einen heftigen Dämpfer verpasste.
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Ansonsten waren alle guter Laune, denn es gab derzeit keinen Grund zur Sorge, die Männer waren nach wie vor gesund und munter, Naike stand in regelmäßigem Kontakt mit dem Militär vor Ort und man verfolgte natürlich auch sämtliche Nachrichten. Mit Paul hatte aber sie seit seinem Abflug kein einziges Gespräch geführt, er war einfach nicht ans Telefon zu kriegen. In Wahrheit aber vermied er den Kontakt, denn die tiefe Enttäuschung, seine Verlobte mit einem seiner besten Freunde erwischen zu müssen, hatte er noch nicht einmal im Ansatz überwunden.
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"Ja, sag mal, Eva-Maria, warum sitzt du denn hier nur bei Kräutertee? Magst du dir denn kein Stück der herrlichen Beerentorte holen? Oder ist dir noch immer übel?“, fragte Jessica die junge Schwangere.
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“Nein, das nicht", antwortete Eva, "aber schau doch, wie dick ich jetzt schon bin. Ich bin Model, ich will nicht nach der Geburt monatelang mein Gewicht wieder abtrainieren müssen." Die Frauen sahen sich betreten an. "Du, das ist aber nicht gut für dein Baby", mahnte Jessica dann, "es braucht viele Nährstoffe zum Wachsen, die darfst du ihm oder ihr nicht vorenthalten. Schau Carla an, sie hatte ihre zusätzlichen Pfunde auch sehr schnell wieder runter, obwohl sie in der Schwangerschaft ordentlich gefuttert hat, unser Kühlschrank war dauernd leer", erinnerte sich Jess noch, als wäre es erst gestern gewesen.
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"Apropos Carla, wo ist sie eigentlich?", fragte Naike in die Runde. "Hast du sie denn nicht eingeladen?", hakte Halina nach. Naike überlegte. "Nein, ich dachte, der Termin geht wie immer rund." - "Bei mir war es auch so", sagte Voodoo Mom und auch die anderen nickten bestätigend.
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"Das ist ja komisch, ich rufe nachher mal bei ihr an, ok?! Hoffentlich ist sie nicht sauer, aber es war wirklich ein Versehen. So was Blödes aber auch!"
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"Naike, kann ich dir helfen?" - "Aber nein, lass ruhig, setz' dich lieber hin und ruh' dich aus."
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"Hey, ich bin zwar schwanger, aber nicht krank. Ich fühle mich klasse, gestern hat er das erste Mal gestrampelt!", berichtete Eva-Maria strahlend.
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"Es wird ein Junge?" - "Ja! Ist das nicht herrlich! Ich hab' mir immer einen Jungen gewünscht. Und deinen Sean wird es sicher auch sehr freuen, einen Halbbruder zu bekommen." Naike schluckte unhörbar und bejahte dann, denn sie musste sich endlich mit den Tatsachen abfinden, ob sie wollte oder nicht, denn schließlich hatte sie Adam verlassen und nicht er sie, so blieb ihr nun nichts anders übrig, als sich mit den gesamten Konsequenzen ihrer Entscheidung zu arrangieren, so unmöglich es ihr im Moment auch erschien.
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Kapitel 37 - Muss i denn zum Städele hinaus ... Kapitel 39 - Back home?
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