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 | Kapitel 28 - Kariöse Träume |
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Erst am nächsten Morgen kam Paul nach Hause. In der Kaserne war das Noro-Virus ausgebrochen und deshalb wurde er als Mediziner natürlich rund um die Uhr gebraucht. "Hey, da bist du ja endlich!", begrüßte Adam seinen völlig übermüdeten Kumpel. Ich hoffe, es war nicht so schlimm?" - "Ach, solche Phasen gehen vorüber. Und wie geht’s Sean?" - "Bestens, die erste Nacht ohne Husten. Und Naike habe ich eben auch schon ins Bad huschen sehen, es dürfte jetzt wieder aufwärts gehen." Adam übergab Sean an Paul, der ihn dankbar anlächelte. Dann lief er nur in Schlafanzughose bekleidet aus dem Haus ...
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... denn er hatte aus dem Augenwinkel heraus den Schnee entdeckt, der über Nacht die gesamte Insel dick zugeschneit hatte.
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"Bist du völlig irre?", kam Naike aus dem Haus gerannt, "du fängst dir noch sonst was ein!" - "Ich bin ja nicht so ein Frierpitter wie du", lachte Adam, "ist der Schnee nicht herrlich?!" - "Los, rein mit dir, du Kindskopf, mit Klamotten ist er genauso schön!"
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Ad flitzte folgsam ins Haus, denn jetzt hatte er doch ordentlich kalte Füße bekommen. Warm eingepackt und zusammen mit Julia kam er nach ein paar Minuten wieder heraus, in der Zwischenzeit hatte Naike schon drei große Schneebälle gerollt. Sie starteten einen Schneemann-Bauwettbewerb ...
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... und freuten sich über die Ergebnisse wie kleine Kinder. Naike war nach der Anstrengung ein wenig wackelig auf den Beinen, aber sie fühlte sich schon wieder bedeutend besser, die lähmende Müdigkeit war endlich aus ihren Knochen gewichen.
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"Du?" - "Ja? Was denn?" Naike fühlte sich plötzlich zutiefst unsicher in Adams Anwesenheit, denn er fixierte sie auf einmal mit festem Blick. Was kam nun? Er kam noch einen Schritt näher an sie heran, was sie regelrecht erstarren ließ und das nicht wegen Kälte. Er wollte doch nicht etwa ...
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"Du, schau mal da hinten!" Sie drehte sich verwirrt um.
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Und mit einem Mal ...
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... hatte sie einen fetten Batzen nass-kalten Schnee im Nacken! "Boah, du Arsch, wage es ja nicht noch mal, ich hasse das, mir ist eh schon kalt genug", wütete sie, konnte aber nicht umhin, dabei zu lachen, zumal sie sehr erleichtert war, da sie befürchtet hatte, dass er sie anfassen würde.
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"Beweg' dich, dann wird dir auch warm!", rief Adam, entfernte sich ein paar Schritte von ihr und sammelte erneut Schnee vom Boden auf. "Na warte!" Doch ehe Naike werfen konnte, hatte sie bereits den zweiten Treffer am Kopf. Dies war der Beginn einer ausgedehnten Schneeballschlacht, für die die beiden Kämpfer das gesamte Grundstück nutzten. Wann gab es auf der Insel schon mal eine solche Gelegenheit!?
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"Ach, das ist so wundervoll hier, ich möchte nie wieder woanders wohnen", strahlte die junge Mutter mit roten Wangen.
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"In den vergangenen Tagen hat das aber noch ganz anders geklungen. Was doch so ein bisschen frische Luft und Bewegung ausmacht, hm?! Schau mal, mein Engel!"
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"Danke, Ad, heißer Kakao ist jetzt genau das Richtige."
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Adam setzte sich und lächelte zufrieden. "Und, was meinst du jetzt? Bin ich so schlimm im Alltagsleben, wie du dir das vorgestellt hast?"
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„Was soll das denn jetzt?“ Naikes gute Laune schmolz dahin, wie Schnee an der Sonne. „Wir haben draußen Spaß gehabt, na und?! Was willst du eigentlich?"
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"Ach, gar nichts. Vergiss es!"
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"Na, Ziehmutter. Wenn man euch hier so sieht, mag man fast glauben du wärst mit meinem Herrn Vater statt mit Paul liiert", raunzte Julia vorwurfsvoll, die plötzlich wie aus dem Nichts gekommen in der Küche stand. "Julia, was fällt dir ein", polterte Adam los.
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"Ach, macht doch was ihr wollt!", winkte sie grimmig ab, "ich bin ja bald eh raus aus diesem Chaoten-Haushalt hier, wo sich jeder für den hält, der er gerne sein möchte." Adam wollte aufspringen, aber Naike packte ihn am Arm und schüttelte den Kopf. "Lass sie bitte, sie ist zurecht verwirrt." Dann stand sie auf und ging Richtung Kinderzimmer, weil Sean weinte. Adam lief ihr hinterher.
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"Ja, Junior, was schreist du denn so, Mama und Papa sind doch daaa." Naike warf Adam einen säuerlichen Blick zu.
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"Lass uns bitte jetzt allein“, sagte sie dann, „ich kriege das jetzt auch eigenständig wieder hin. Vielen Dank für deine Hilfe." Sie legte Sean zurück in die Wiege und steckte ihm seinen verlorenen Schnuller in den Mund, an dem er sofort eifrig sog.
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"Nai, bitte. Lass uns reinen Tisch machen. Du weißt es doch auch. Ich bin sein Vater und wir gehören zusammen." Naike griff Adams Hand, die zärtlich über ihre Wange streichelte, hielt sie für einen Moment fest, stieß sie dann aber von sich.
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"Bitte geh' jetzt, fang' nicht wieder von vorne mit etwas an, was wir längst beendet hatten", sprach sie leise. Sean gab einen glucksenden Laut von sich und Adam schloss für einen Moment seine Augen.
"Adam?! ... Adaaam!" - "Moment ... ich komme, Paul!" Er sah Naike betrübt an, seufzte leise und verließ das Zimmer.
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Naikes Beine fühlten sich an wie Pudding. Sie ließ sich in den Sessel plumpsen und starrte ins Nichts …
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... während Sean selig schlief und ein klein wenig dabei schnarchte.
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In einer unbequemen Position wachte Naike wieder auf. Wie lange hatte sie so krumm im Sessel geschlafen und wirres Zeug geträumt? Ihr Nacken war völlig verspannt. Als sie ins Wohnzimmer kam, saßen Paul und Adam in trauter Zweisamkeit auf der Terrassenbank, die sich die beiden offenbar als provisorisches Sofa geholt hatten, weil das neue noch immer nicht geliefert worden war, und spielten hochkonzentriert GTA IV. "Wollt ihr nicht mal langsam Schluss machen und vor allen Dingen ein bisschen leiser sein?! Wir haben bereits 23 Uhr." Paul reagierte auf die Bitte seiner Freundin lediglich mit einem kurzen "Moment!" und drückte weiter wie wild auf den Tasten seines Pads herum.
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Naike zuckte mit den Schultern und schmunzelte über die beiden Kindsköpfe. Dann ging sie ins Bad und bereitete sich auf die Nacht vor.
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„Ich sag' dann mal gute Nacht! Bitte macht mal langsam Schluss", bat sie gähnend, als sie die beiden Herren nun die Spaghetti-Reste vom Mittag kauend in der Essecke vorfand. "Ja, ich hab' sowieso gewonnen!" triumphierte Adam und Paul grummelte gespielt. "Willst du nicht auch noch was mitessen?"
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“Nein, danke, ich bin schon rund genug, nach 23 Uhr zu essen ist doch irre!" - "Aber nein, das wurde inzwischen medizinisch widerlegt", wusste Paul. "Du, wir gehen gleich noch ein bisschen auf die Piste, ja? Sind noch gar nicht müde." Naike tippte sich an die Stirn. "Na dann viel Vergnügen!"
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Ein paar Minuten später fuhren die beiden Männer tatsächlich los und das auch noch mit Naikes Wagen. Sie legte sich stinkig ins Schlafzimmer. Es war ihr ganz und gar nicht recht, dass die Freundschaft zwischen Paul und Adam immer enger zu werden schien.
Naike wälzte sich im Bett herum und stutze mehrere Male ihr Kissen neu zurecht. Aber dann schlief sie endlich ein und alles um sie herum war plötzlich unheimlich grün ...
http://www.youtube.com/watch?v=s07EQqRj1pA
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"Wo ... wo bin ich?"
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Nur langsam sehr realisierte sie, wo sie war. Was um Himmels Willen war das jetzt für ein Haufen bunter Kitsch, in den sie da geraten war? Davon bekam man ja Zahnschmerzen.
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Langsam erhob sie sich mit noch deutlicher verspanntem Nacken als vorher. Ihr wummerte der Kopf wie bei einem Kater und sie taperte müde Richtung Tür. Dabei blieb ihr Blick entsetzt an der Staffelei hängen, ein kalter Schauer des Entsetzens lief ihr den Rücken herunter ...
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... wer um alles in der Welt hatte diese grausigen Clowns gemalt? Naike hasste Clowns! Jetzt wunderte sie sich nicht mehr, dass sie einen solch absurden Traum gehabt hatte, die "Clown-Energien" in ihrem Zimmer mussten ihn ausgelöst haben. Sie schleppte das Bild schnell hinüber in Pauls Zimmer und schob es hinter den Schrank. Sein Bett war noch immer leer, obwohl die Uhr auf dem Nachttisch bereits drei Uhr anzeigte. Mit einem dicken Seufzer legte sie sich wieder ins Bett und schlief dann bis sechs durch, als Sean zu krähen begann.
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Als sie die Treppe herunter kam, war Julia bereits dabei, den Kleinen zu füttern. "Moin Nai, kannst ruhig noch ein bisschen schlafen, wir sind alle wach." Paul aß Instant-Chili, Adam trank einen Espresso und sie wirkten auf den ersten Blick frisch wie zwei junge Götter. Naike vermutete von beiden konsumierte Amphetamine, musste aber über diese absurde Idee gleich selbst grinsen. Na prima, freute sie sich über den Einsatz ihrer Lieben und gönnte sich ein heißes Bad für ihren wehen Nacken.
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Sooo frisch waren Paul und Adam aber doch nicht, sie waren nämlich erst vor zwei Stunden zurückgekommen und hatten nur ein kurzes Nickerchen hinter sich. Ein bisschen Restalkohol im Blut war zumindest Adam anzumerken. "Sach' ma Paul, ich frach mich schon immer warum du mir so bekannt vor komms, irgendwie ausm Fernsehen oder so."
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"Oder ausm Kino vööleich?" Adam kratzte sich nachdenklich am Kopf und blickte seinen Freund grenzdebil an, hatte dann aber eine Idee: "Ja, Moment ... da war doch son Killerehepaar, was sich gegenseitig beschossen hat, bevor die gebumst haben." Paul grinste. "Schlaf dich erstmal aus, mein Junge, dann reden wir noch mal drüber." - "Nee echt jetz", kicherte Adam, "du siehs genauso aus." Paul schüttelte lachend den Kopf.
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Nach einigen weiteren Wochen stand Julias Auszug kurz bevor und ihr Vater war nach wie vor sehr häufig Gast im Hause. "Hier, Paps. Da du ja jetzt offenbar beschlossen hast, dich komplett hier einzunisten und Fünf-Sterne-Vater zu spielen, habe ich auch gleich ein Frühstück mehr zubereitet", sagte Julia unfreundlich und knallte eine Schüssel Müsli auf die Kommode. Adam beschloss, nicht auf diese Provokation zu regieren und malte entspannt weiter.
Paul war inzwischen erneut befördert worden und auch Naike hatte sich wieder an regelmäßiges Arbeiten in Teilzeit gewöhnt. Wenn nur das Kindermädchen nicht so unzuverlässig gewesen wäre. Naike vermutete allerdings, dass sie mit Adam einen "Zusammenstoß" gehabt haben musste, denn immer wenn er auftauchte, bekam das ältere Fräulein ängstliche große Augen und suchte das Weite.
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"Du, ich wollte dich mal was fragen, Paul!" - "Nur zu, mein Schatz, was liegt dir auf dem Herzen?!" - "Du weißt ja, dass es mit Mathilda nicht so gut klappt, oft ist sie unzuverlässig und auch nicht gerade billig. Deshalb wollte ich dich fragen, was du davon hältst, jemanden bei uns aufzunehmen, der sich um Sean kümmert, wenn wir arbeiten." - "Und wer schwebt dir da vor?" - "Jessica." Paul überlegte. "Nunja, ich kenne sie noch nicht sehr gut, finde sie aber recht nett und sie geht ja auch immer sehr bedacht mit dem Kleinen um, wenn sie hier ist." – „Eben. Deshalb möchte ich sie gerne mal fragen. Ich weiß ja nicht ob sie überhaupt will." - "Aber sie kann nicht besonders gut mit Adam, oder?!", gab Paul zu bedenken. "Ja und? Es ist zwar sehr lieb, dass er soviel hilft, aber eigentlich ist das ja dann gar nicht mehr nötig." Paul sah seltsam abwesend auf den Tisch. "Paul?" - "Ja ja, dann mach' du mal, ich bin einverstanden." Naike fragte sich, was ihrem Freund diesem Moment wohl im Kopf herum ging.
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"Nun eröffne doch schon, das dauert ja ewig heute", drängelte Naike. "Na hör mal, während du gemütlich geschlafen hast, bin ich stundenlang mit Sean herumspaziert. Er wollte pausenlos bespielt werden, statt zu schlafen wie ein vernünftiger Mensch um eine solche Zeit." Naike lachte. "Er ist doch erst ein paar Monate alt!"
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"Du ... ich ... du ...", wusste sie zuerst nicht, wie sie es am besten formulieren sollte. Adam sah sie fragend an und ahnte irgendwie nichts Gutes. "Paul und ich haben beschlossen, Jessica bei uns aufzunehmen, wenn sie mag. Mathilda ist oft unpünktlich oder fällt ganz aus, das kann ich mir zukünftig nicht mehr leisten, wenn ich in meinem Job etwas erreichen will. So wäre immer jemand im Hause und Jess hatte eh schon geäußert, dass Voodoo Mom die Enge in ihrem kleinen Haus mit zwei Personen langsam zuviel wird." Adam sah sie völlig verdattert an.
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Dann machte er ein derart enttäuschtes Gesicht, dass es ihr im Herzen wehtat. Er schien offenbar wirklich fest von seiner Vaterschaft überzeugt zu sein. "Ad, ich ..." - "Ist schon gut, du hast ja Recht, so kann das nicht weitergehen. Du solltest jetzt endlich diesen Test machen, ich halte das nicht mehr länger aus." - "Ach bitte, jetzt fang nicht wieder mit dieser alten Leier an. Ich verstehe ja, dass du eine feste Bindung an Sean hast, schließlich warst du bei seiner Geburt dabei, aber ich habe mich entschieden, mit Paul zu leben, bitte respektiere das doch endlich!" - "Ja, weiß ich, aber dennoch habe ich das verdammte Recht zu erfahren, wer der biologische Vater ist!!!" Adam war wütend aufgesprungen und hatte mit einem Schlag sämtliche Spielfiguren vom Tisch gefegt. Dann griff er sich Schuhe und Jacke und lief aus dem Haus.
Die Königin war in Naikes Schoß gefallen. Sie drehte die hölzerne Figur in ihren Fingern und betrachtete sie nachdenklich. Sie hatte das Spiel in der Hand, der nächste entscheidende Zug musste der Ihre sein.
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Am Nachmittag kam Jessica wieder zu Besuch und war froh, mal keinen Adam anzutreffen. "Schläft Sean?" - "Ja, ganz fest, ich habe ihm eine spannende Geschichte vorgelesen und hatte richtig das Gefühl, dass er verstand was ich ihm erzählte." Naike lächelte. "Das kann gut sein, er ist ja schon kräftig gewachsen. Jessica, ich möchte dich etwas fragen. Und fühle dich dabei bitte völlig frei in deiner Entscheidung, ich akzeptiere Ja und Nein." Jess hob fragend ihre Augenbrauen. "Möchtest du wieder bei mir, also bei uns meine ich, einziehen?"
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Nichts hatte Jessica seit langem mehr gehofft, als diese Frage endlich zu hören. Nie hätte sie sich selbst getraut, um Wiederaufnahme zu bitten, sie war einfach nicht der Typ, der sich in solchen Dingen aufdrängte.
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"Ihr wollt mich wirklich bei euch haben?" - "Gerne, ja, du kommt doch prima mit Sean klar und hier hast du doch auch viel mehr Platz, in Ruhe deine Romane zu schreiben. Und außerdem ist das Haus ohne dich nicht mehr dasselbe gewesen!"
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Mit diesen Worten sprangen sich die beiden in die Arme und ein paar Tränchen rollten über ihre Gesichter. "Aber unter einer Bedingung", warnte Jessica, "nennt mich bloooß nicht Oma!" Herzliches Lachen erfüllte den Raum.
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"Aber nein", lachte Naike, "ihn kannst du leider nicht mitnehmen".
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"Aber er ist sooo weich und sooo duftig und sooo lieb!" Julia hätte Sean tatsächlich am liebsten mitgenommen, die Trennung fiel ihr unheimlich schwer.
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"Sei nicht traurig, Julchen, du wirst bald so viel Neues erleben, wieder bei deiner Mutter sein und Ramon wiedersehen, dann kommst du gar nicht mehr dazu an uns zu denken", sagte Paul.
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"Ach, sag das nicht. Ich hab' euch alle so lieb!" Julia hatte sich vorgenommen, auf keinen Fall zu weinen, aber das war in dieser Situation verdammt schwer durchzuhalten.
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"Kommt jetzt, das Taxi ist bestimmt schon da", rief Naike, die es keine Minute mehr länger aushielt, von Adam ununterbrochen angestarrt zu werden.
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Es war tatsächlich bereits vorgefahren und Julia stieg schnell ein, damit ihr das Herz nicht noch schwerer wurde. "Grüß' deine Mama ganz herzlich!", rief Jessica noch. Und dann fuhr das Taxi auch schon davon.
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"Ich hoffe, meine Augen täuschen mich. Das darf doch wohl jetzt nicht wahr sein, oder?!", fasste Paul sich an die Stirn, nachdem er sich der beiden dicken Koffer vor seinen Füßen gewahr geworden war. "Ach du jemine", jammerte Jessica, "so ein Unglück!" - "Quatsch Unglück, ich fahre jetzt einfach hinterher. Wo hatte Ad nur seine Augen?"
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Inzwischen waren Adam, Naike und Julia bereits gut in der Zeit am kürzlich neu erbauten kleinen Flughafen der Insel angekommen.
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"Naike, Papa! Die Koffer!!!", rief Julia plötzlich erschrocken.
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"Ob sie während der Fahrt aus dem Auto gefallen sind?", fragte Naike, die eine Neigung zum Absurden hatte.
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"Aus dem Auto gefallen??? Aber nein, ein Alien hat sie aus dem verschlossenen Kofferraum gestohlen!", blaffte Adam ironisch und tippte sich dabei an die Stirn. "Ihr habt sie in der Simlane stehen lassen - das ist passiert! Ich fahre jetzt sofort zurück und ihr checkt schon mal ein, sonst ist der Flieger nachher ohne Julia über'n Teich!" Die beiden Frauen sahen sich an. "Wieso wir? Er hat doch auch nicht dran gedacht", meinte Julia und Naike nickte kopfschüttelnd.
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Keine fünf Minuten nachdem sich die beiden Frauen in den Warteraum gesetzt hatten, kam Adam bereits mit den vermissten Koffern an. "Paul hat sie hinterher gebracht, der Gute", erklärte er erleichtert. "Dann bleiben wir ja jetzt doch planmäßig."
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"Wann geht der Flug?" - "In einer knappen Stunde erst." - "Na, dann können wir ja noch was trinken", schlug Naike vor. "Das schaffen wir doch nicht mehr", kritisierte Adam die Idee. Irgendwie wirkte er nervös und hatte zwei steile Falten zwischen den Augenbrauen. Aber dann ging er doch Kaffee und Saft holen.
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Naike checkte die Anzeigetafel. "Nun setz' dich doch noch mal hin, der Flug ist noch nicht einmal aufgerufen worden!"
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"Ist aber bestimmt jeden Moment soweit." Adam steuerte, statt sich zu setzen, einen sich in der Nähe der Sitzgruppe befindlichen Zigarettenautomat an.
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Kurz darauf hörte man einen dumpfen Bums und leises Fluchen. "Papa spinnt heute mal wieder ein bisschen, hm?!", grinste Julia, die überhaupt nicht aufgeregt war. "Ich glaube, der Apparat ist gleich in mehrere Teile zerlegt, wenn er in den nächsten Sekunden weder Münze noch eine Schachtel ausspuckt", kicherte Naike leise. Aber dann fielen doch noch ein paar Luckys heraus, was offenbar in Adams Augen auch nicht richtig war, denn er fluchte erneut, was einen anderen Fluggast sehr empörte. "Seit wann raucht Papa eigentlich?" - "Keine Ahnung, ich habe ihn bisher nur ganz selten mal mit einer Zigarre gesehen."
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Eine Viertelstunde später wurde Julias Flug aufgerufen, jetzt ging es also nun endgültig los.
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"Mach's gut, mein Kleines, und pass' auf dich auf, ja?!" Naike und Julia drückten sich so fest sie konnten. Eine sehr lange Zeit hatten sie gemeinsam miteinander verbracht und viel Aufregendes zusammen erlebt.
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"Tschüss, Papa, komm' mich bald besuchen. Und ärgere Naike nicht, ja?!", zwinkerte Julia und drückte auch ihren Vater ein letztes Mal eng an sich.
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"Duuu ... !", drohte Adam gespielt. "Ich wünsche dir einen guten Flug. Vielleicht komme ich sogar sehr bald schon, ein alter Freund von mir hat mich eingeladen, dann mache ich einen Abstecher zu dir, ok?!" - "Au ja, das wäre schön!", freute sich Julia. Adam setzte dann noch zur einer Litanei an, wie sich Julia in Sachen Jungs drüben zu verhalten habe, was Naike aber mit einem vorwurfsvollen Blick gleich unterbrach.
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Und dann standen sie da wie ein altes Elternpaar, das seine einzige Tochter gerade auf eigene Füße gestellt hatte. Zumindest für Außenstehende sah es so aus. Julia winkte noch einmal kurz und war dann im Gate verschwunden.
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Naike und Adam gingen zu einem der Aussichtsfenster und beobachteten wie sich das Flugzeug füllte ...
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... und schließlich zur Startbahn rollte und sicher abhob.
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"Und was machen wir zwei Hübschen jetzt?"
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"Wie - und was machen wir jetzt? Na, du nimmst dir ein Taxi und ich nehme mir eines – das machen wir jetzt! Oder hast du Angst, dass mich auf der Heimfahrt ein Alien entführt?", grinste Naike süffisant.
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"Ach komm, jetzt sei doch bitte nicht sauer wegen eben, ich war total nervös, man bringt schließlich nicht jeden Tag sein Kind zum Flughafen, das anschließend mutterseelenallein nach Amerika fliegt. Lass uns wenigstens noch was trinken, ich geb einen aus, ja?!“ Achtung, Dackelblick-Alarm, dachte Naike, aber sie hatte nach dem starken Kaffee von vorhin ziemlichen Durst. "Na, von mir aus. Weißt du wo hier die Toiletten sind?"
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Sie fanden die Damentoilette und Adam zündete sich zum Zeitvertreib eine der zuvor erworbenen Zigaretten an. Irgendwie fühlte er sich noch immer innerlich unruhig.
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Naike ließ sich extra Zeit um noch einmal darüber nachzudenken, ob sie tatsächlich noch mit ihrem Ex an die Bar gehen sollte.
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Was zur Hölle treibt sie bloß da drin, fragte sich Adam ungeduldig und trat von einem Fuß auf den anderen. Es kamen ihm Gedanken, die er auf keinen Fall denken wollte, aber wenn die Affen einmal da waren, kam er nach wie vor nur sehr schwer gegen sie an. Zu oft hatte er sie in den vergangenen Monaten vertröstet. Ein Affe hatte heute sehr überzeugende Argumente. Adam spürte sein Herz unangenehm hart pochen. Dann folgte er dem Impuls, legte die Zigarette in einen Aschenbecher und schaute sich kurz um. Der Flughafen war menschenleer, denn direkt nach Julias Maschine hatten gleich noch mehrere andere abgehoben. Nur in weiter Ferne tummelten sich ein paar wenige Leute im Café.
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Er drückte mit schweißfeuchter Hand entschlossen auf die Klinke der Toilettentür und trat ohne weiteres Zögern ein ...
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Kapitel 27 - "Papa" versus "Oma" Kapitel 29 - Lost
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