 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
            |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 | Kapitel 27 - "Papa" versus "Oma" |
|
|
|
|
|
|
|
Während Naike ein bisschen einnickte, ging Adam mit dem Baby ins Kinderzimmer, um ein paar Anziehsachen zu suchen. Aber wo waren sie bloß gelagert?
|
|
|
|
|
|
„Ich leg' dich jetzt mal hier auf diese ganz ganz weiche Decke, ja?!“, redete er beruhigend auf ihn ein. „Bitte nicht weinen, ich bin sofort wieder bei dir.“
|
|
|
|
|
|
Noch ein wenig ungelenk legte Adam den kleinen Jungen auf seine neue Krabbeldecke. "Nicht weinen!", betonte er noch einmal ein wenig nervös, als sich der klitzekleine Babymund zu einem Schnütchen verzog ...
|
|
|
|
|
|
... und durchwühlte eine Truhe am Fenster, die aber dummerweise bloß Spielzeug enthielt.
|
|
|
|
|
|
"Guck mal hier, das feine Auto!" Aber der kleine Junge gurrte nur leise, noch war es für ein Autospiel wohl ein wenig zu früh.
|
|
|
|
|
|
Adam fand die Babyklamotten schließlich doch noch in Naikes Kleiderkommode, weil sie offenbar noch keinen Extra-Schrank dafür angeschafft hatte, und badete dann das Neugeborene.
|
|
|
|
|
|
"Jaaa, das ist fein, nicht wahr?! Gaaanz warm, wie bei der Mami im Bauch, gell?! Es war ihm, als würde ihn der kleine Wurm anlächeln.
|
|
|
|
|
|
Ganz vorsichtig und aufmerksam verrichtete er jeden Schritt, obwohl er nie zuvor ein Baby im Arm hatte. Aber offenbar hatten sowohl Mensch als auch Sim einen gut funktionierenden Instinkt, wenn sie ihn nur zuließen.
|
|
|
|
|
|
Adam konnte nicht anders als das duftende Kleine zu herzen. "Willkommen, mein Sohn. Wie bist du nur auf die Idee gekommen, dir ausgerechnet diese unschöne Welt auszusuchen, hm?", seufzte er. "Aber du bist ein Tallis, Kleiner, mein Stammhalter, ich weiß es ganz sicher", sprach er flüsternd.
|
|
|
|
|
|
Aber was, wenn nicht? So ganz sicher war er sich doch nicht, aber er verdrängte seine Zweifel so gut es eben ging.
|
|
|
|
|
|
Naike war inzwischen durch das Geplätscher wieder aufgewacht. "Schau mal, wer hier ist, ganz frisch gebadet! Wie geht es dir?!"
|
|
|
|
|
|
"Danke, ganz gut. Ich wäre trotzdem froh, wenn bald mal jemand vorbeischaut."
|
|
|
|
|
|
Naike betrachtete ihren neugeborenen Sohn und fühlte sich in diesem Moment wie der Ursprung der gesamten Welt. Hungrig sah er aus, und seine Lippen bewegten sich bereits instinktiv suchend in die richtige Richtung. Schnell hatten sie eine Brustwarze gefunden und saugten sie gierig ein. "Ob ich da wohl gleich auch mal probieren darf?", witzelte Adam. Naike rollte gespielt vorwurfsvoll mit den Augen und lachte dankbar.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Als Paul gegen fünf Uhr morgens vom Dienst kam, konnte er kaum glauben, was er da sah.
|
|
|
|
|
|
"Mensch, da bist du ja endlich, ich habe es schon mehrmals auf deinen Handy versucht! Herzlichen Glückwunsch, Paul!"
|
|
|
|
|
|
Paul staunte wie er noch nie in seinem Leben gestaunt hatte. "Wo ist Naike?", fragte er Adam dann sichtlich aufgeregt. "Sie hat alles bestens überstanden und war sehr tapfer. Eben war Doc Blythe da, der Blödi war doch tatsächlich ausgerechnet diese Nacht auf Achse, ich hab' Blut und Wasser geschwitzt, das kannste mir glauben."
|
|
|
|
|
|
"Na hier, nimm' ihn schon!"
|
|
|
|
|
|
"Mein Gott, ist der klein! Und er sieht aus wie Naike, die gleichen braunen Augen - ein Wunder!" Paul kriegte sich kaum noch ein.
|
|
|
|
|
|
War Adam zuerst relativ ruhig geblieben, merkte er jetzt doch bei diesem Anblick, wie ihm zunehmend die Fassung entglitt. Er gönnte seinem Freund das große Glück sehr, sehnte sich selbst insgeheim aber ebenfalls danach.
|
|
|
|
|
|
Als Naike dann auch noch die Treppe herunterkam und sich fröhlich auf Paul und den Kleinen stürzte, biss er sich so fest er konnte auf die Lippen und machte sich auf die Suche nach seinen Klamotten.
*
|
|
|
|
|
|
"Darf ich kurz stören. Ich bin dann mal jetzt weg, ok?!"
|
|
|
|
|
|
"Adam, ich danke dir für alles, was du für uns getan hast, das werde ich dir nie vergessen. Es tut mir so leid, dass ich dich gestern so blöd angemacht habe." Er lächelte zaghaft. "Wir geben morgen einen kleinen Empfang, ich würde mich freuen, wenn du dabei bist, ja?!"
|
|
|
|
|
|
Auch Paul bedankte sich überschwänglich bei seinem Freund und brachte tief gerührt zum Ausdruck, wie unbezahlbar seine Anwesenheit in der vergangenen Nacht gewesen war. Dann verließ Adam das Haus und konnte endlich seinen Tränen freien Lauf lassen.
*
|
|
|
|
|
|
"Wie kann es sein, dass du schon wieder so toll aussiehst, Schatz? Die Geburt ist doch gerade mal einige Stunden her." - "Na, ein Haufen Schminke halt", grinste Naike, und Paul schüttelte lachend den Kopf. "Du, es tut mir so leid, dass ich nicht dabei war, aber mein Einsatz hat sich wenigstens gelohnt, ich bin jetzt Unteroffizier!"
|
|
|
|
|
|
"Wirklich?", staunte Naike voller Stolz und küsste ihren Paul innig.
|
|
|
|
|
|
„Hey, guten Morgen, ihr Turteltäubchen, was ist denn hier lo... DAS BABY!!!", rief Julia begeistert, als sie von der Übernachtung bei ihren Schulfreundinnen zurückkam.
|
|
|
|
|
|
"Es ist ein gesunder Junge", verkündete Paul stolz. Dein Vater hat ihn auf die Welt geholt." Julia schaute Paul entgeistert an: "Wie jetzt? Adam?"
|
|
|
|
|
|
"Ei, ist der süüüß! Darf ich ihn mal nehmen? Bitte!"
|
|
|
|
|
|
Entzückt betrachtete sie das niedliche kleine Gesicht.
|
|
|
|
|
|
"Huch, er nuckelt an meinem Haar!", kicherte sie überrascht. Naike lachte herzlich und wünschte sich in diesem Moment, Julia würde bleiben statt in den USA zu studieren. "Wie heißt er eigentlich?", fragte Julia dann. Paul schaute Naike an und sagte: "Ich würde ihn gerne nach meinen Großvater benennen, wenn du nichts dagegen hast, er war ein sehr charismatischer Mann. Er hieß Sean." Naike starrte Paul an und ihr brauch augenblicklich der Schweiß aus. Sie konnte kaum glauben, was sie da gerade gehört hatte. "Nicht gut?" Paul sah sie fragend an. "Doch, sehr schön", murmelte Naike entgeistert und kratzt sich nachdenklich am Kopf.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Am nächsten Tag luden die Le Normand-O`Mearas also ihre Freunde zu einer kleinen Geburtsparty ein. "Jessica, wie geht es dir!?" - "Danke, ich komme ganz gut klar, Voodoo Mom ist mir eine große Stütze, und gestern waren wir in einem herrlichen Hotel, so ein bisschen esoterisch angehaucht, kennst das ja. Mei, haben wir uns verwöhnen lassen, der Masseur war ... ach, was quatsche ich dich hier voll, du und der Kleine stehen doch heute im Mittelpunkt! Ich freue mich so für euch, Naike, er ist wirklich supersüß!", sagte Jessica entzückt.
|
|
|
|
|
|
Die Seniorin hatte nach dem Drama mit Armin offenbar tatsächlich recht schnell ihre Fassung wieder gewonnen, auch wenn Außenstehende natürlich nicht wirklich in sie reinschauen konnten. Aber dass sie nun begann, mit Voodoo Mom gleich wieder über die Tallis-Brüder zu lästern, war definitiv ein gutes Zeichen in Sachen Seelenzustand.
|
|
|
|
|
|
"Also du kannst sagen was du willst, ich hätte diese Verbrecher-Bande nicht eingeladen!“, schimpfte sie zum Glück relativ leise. "Jess, Adam war der Geburtshelfer, falls du es noch nicht mitbekommen hast, und außerdem ...“, räusperte sich Voodoo Mom, „ähem ... apropos Verbrecher ...“ Jessica verzog es den Mund: "Ok, ich sag ja schon nichts mehr, du ja Recht - wo die Liebe halt hinfällt!" Voodoo Mom drückte ihrer Freundin liebevoll die Hand.
|
|
|
|
|
|
"Herzlichen Glückwunsch, Naike - ein Prachtkerl!", gratulierte Joseph herzlich. Naike nickte und lachte fröhlich.
|
|
|
|
|
|
"Also kann er eigentlich nur von mir sein, hm?!" Augenblicklich stellte sie das Lächeln wieder ein. "Halt den Rand!", flüsterte Adam durch die Zähne, ohne seinen Bruder dabei anzusehen. Joe kicherte.
|
|
|
|
|
|
Adam gab Sean an Naike und packte Joe daraufhin kurz am Kragen, so dass dieser seine Kicherei umgehend einstellte.
|
|
|
|
|
|
Auch Carla war gekommen und kriegte sich kaum darüber ein, wie klein und zart so ein Baby doch war. Sean wirkte richtig fröhlich und es schien, als würde er der Späße machenden Freundin seiner Mutter sogar schon zuwinken. Wer weiß, vielleicht konnten Sim-Babys das ja tatsächlich schon im zarten Alter von einem Tag?
|
|
|
|
|
|
Aber dann gähnte er plötzlich herzhaft, kein Wunder nach dem ganzen Besuchstrubel, und Naike legte ihn in seine Wiege.
|
|
|
|
|
|
"So, jetzt wird fein Heia gemacht, ja?" Sean war offenbar einverstanden, denn er ließ seine Mama und Carla ohne Protest ziehen.
|
|
|
|
|
|
Naike war froh, jetzt einmal in Ruhe ein paar Worte mit Carla wechseln zu können. Im Arbeitszimmer trafen die beiden auf Paul, der wie immer mit einem Lehrbuch in der Hand am Schreibtisch saß und lernte. "Ach hier bist du, ich habe dich eben schon vermisst. Kannst du deine Bücher nicht wenigstens mal beiseite legen, wenn wir Gäste haben?", meckerte Naike enttäuscht. Paul entschuldigte sich, betonte aber die Wichtigkeit einer Prüfung am nächsten Tag. Was sollte sie dagegen schon sagen?
|
|
|
|
|
|
"Ich kann ihn schon verstehen", meinte Carla, "seine Arbeit ist ihm halt sehr wichtig und General zu werden ein hehres Ziel. Aber er wird es bestimmt schaffen, wenn du im die nötige Zeit gibst." Naike runzelte die Stirn. "Ach, du bist doch auch so ein Arbeitstier, kein Wunder, dass du deshalb leicht Verständnis für ihn aufbringen kannst. Mir wäre es viel lieber, wenn er ein bisschen träte, General kann er noch sein ganzes Leben lang sein, Papa eines Kleinkindes nur für eine begrenzte Zeit, sie wachsen doch sooo schnell!" - "Hm, das stimmt schon." – „Du, sag mal, ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber was ist jetzt mit einem Test? Ich meine, ihr müsst doch wissen, woran ihr seid, oder?! Was hat Paul eigentlich dazu gesagt, dass er nur einer von vier Männern ist, der Seans Vater sein könnte?"
|
|
|
|
|
|
"Er weiß es gar nicht", seufzte Naike, "aber ich bin mir eh sicher, dass er der Vater ist, warum also die Pferde scheu machen?" Carla sah sie zweifelnd an: "Bist du wirklich ganz und gar sicher?" Das Gesicht ihrer Freundin sprach Bände. "Es ist zumindest sehr wahrscheinlich." - „Ja, so wahrscheinlich wie Adam dir aufs Dach steigen wird bis es endlich offiziell ist. So wie er das Kind anschaut, ist er total vernarrt in den Jungen, er wird die Wahrheit wissen wollen. ... Aber nun gut, du musst es selbst wissen. Aber ich würde es mir an deiner Stelle noch einmal gut überlegen."
|
|
|
|
|
|
"Und wie schaut es bei dir aus? Denkst du noch an die Sache mit Armin?", fragte Naike Carla, die damals ja beinahe ein Opfer des Serientäters geworden wäre. "Sollte ich das? Es ist vorbei, mir ist nichts passiert. Wenigstens eine gute Sache, die von Jack kam. Aber Halina tut mir von Herzen leid, weißt du wie es ihr inzwischen geht?" Naike verneinte, wollte sie aber in den nächsten Tagen mal aufsuchen. Inzwischen war sie mit ihrer Tochter vorübergehend bei Familie Kappe untergekommen.
*
|
|
|
|
|
|
Nachdem Carla gegangen war, schnappte sich Jessica Naike. "Ist es wirklich wahr, dass Adam bei der Geburt dabei war?", fragte sie ungläubig. "Ja, das stimmt, ohne ihn hätte ich ein dickes Problem gehabt, denn weder der Doc noch Voodoo Mom noch eine Festland-Hebamme waren greifbar." - "Hm … das war ja sehr freundlich von ihm, manchmal scheint er doch menschliche Züge zu haben, aber ich möchte dich dennoch warnen, ich habe ihn nämlich beobachtet!" Jessica sagte diese Wort sehr ernst und Naike erschrak. Was mochte sie bloß meinen? "Er scheint schwer begeistert von eurem Kleinen zu sein, lass ihn bloß nicht zu oft ins Haus, der Kerl ist ja nun wirklich kein Umgang für den Jungen!", sagte sie belehrend. Naike seufzte, halb erleichtert, halb schmunzelnd, weil sie feststellen musste, dass ihre Freundin sich seit Jahr und Tag nicht geändert hatte. Aber sie wusste ja, dass sich die beiden nie hatten ausstehen können und reagierte deshalb mit einem beiläufigen Nicken, was Jessica sehr erfreut zur Kenntnis nahm.
|
|
|
|
|
|
Richtig beobachtet hatte Jessica aber auf jeden Fall, denn just im gleichen Augenblick vergnügten sich die beiden Herren im Kinderzimmer. Sean war mit vollen Windeln wieder aufgewacht und hatte sich lautstark bemerkbar gemacht, was Adam zu sofortigem Eingreifen veranlasst hatte.
|
|
|
|
|
|
Aber von einem schlechten Einfluss war nichts zu bemerken, im Gegenteil. "Soooo, Zeit für die Heia, mein Junge. Ja jaaaa, der Papa kommt wieder, keine Sorge! Aber jetzt muss er arbeiten. Meine Studenten warten sicher schon auf mich."
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Julia vermisste Ramon sehr und chattete daher regelmäßig mit ihm. So riss der Kontakt nicht ab, denn schon bald würden sie auf dem College wieder vereint sein. Julia wusste noch nicht so recht, ob sie schon reif für eine richtige Beziehung war, aber ein bisschen verliebt war sie in den jungen Mann schon. Freudig berichtete sie ihm heute von Seans Geburt.
|
|
|
|
|
|
Alvarez007: Naike war schwanger? Sternenjulia: Ja klar, hatte ich dir doch erzählt! Alvarez007: Nee, du irrst dich, das wusste ich gar nicht. *staun* Sternenjulia: Er ist ganz süß, hat wunderschöne braune Augen und heißt Sean. Alvarez007: Und wer ist der Vater? Sternenjulia: Ja wer schon, Paul natürlich! Alvarez007: Aha. Sternenjulia: Ramon? Alvarez007: Ja? Du, ich muss jetzt off und noch was für meine Seminararbeit tun. Bye! Sternenjulia: Bye. Alvarez007 is offline.
|
|
|
|
|
|
Nanu? Julia war ein bisschen pikiert. Sonst war er doch nie so schnell vom Bildschirm verschwunden, dachte sie beim Zubettgehen frustriert. Was sie jedoch in diesem Moment nicht wusste: Ihr Freund konnte sehr gut rechnen.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Sean schlief zwar nachts einigermaßen und war auch generell ein relativ pflegeleichtes Kind, dennoch empfand Naike den Babyalltag als sehr anstrengend, weil er sie pausenlos forderte. Mal hatte er einen solchen Riesenhunger, dass er vor lauter Brüllen das fertige Fläschchen gar nicht bemerkte ...
|
|
|
|
|
|
… dann ließ er sich nach der Mahlzeit oft eine halbe Stunde Zeit mit dem Bäuerchen, was aber völlig normal war, wie sie aus einem anderen Leben wusste. Deshalb genoss sie die meiste Zeit mit ihm trotz Anstrengung und Schlafentzug.
|
|
|
|
|
|
Als aber dann die Drei-Monats-Koliken begannen und Sean dauernd Bauchweh hatte, stieß sie an ihre Grenzen.
|
|
|
|
|
|
Er war nur schwer zu beruhigen ...
|
|
|
|
|
|
... und wenn er dann endlich im Hängebettchen lag, kam Naike trotzdem nicht richtig zur Ruhe, da sie stets in Hab-Acht-Stellung blieb, dem typischen "Mutter-Standby-Zustand", der auf Dauer doch erheblich schlauchte.
|
|
|
|
|
|
Paul half zwar außerhalb seiner Dienstzeiten so gut es ging und griff ihr ein wenig unter die Arme, aber dennoch war sie innerhalb kürzester Zeit zu einer Dauermüden geworden ...
|
|
|
|
|
|
... ebenso wie er, da er nachts durch das Geschrei kaum ein Auge mehr zu bekam und tagsüber natürlich trotzdem volle Leistung erbringen musste. So blieben weitere Beförderungen vorerst aus.
*
|
|
|
|
|
|
Und dann erwischte die kleine Familie auch noch ein heftiger grippaler Infekt mit kräftigem Husten, was dazu führte, dass Sean deutlich weniger schlief als sonst, weil er im Liegen schlecht Luft bekam. Naike fühlte sich dem Ende nahe.
|
|
|
|
|
|
"Jessica, dich schickt der Himmel!!" - "Ja, mein Gott - wie seht ihr denn aus?", rief Jess verwundert, „ich dachte, hier läuft alles bestens, weil du dich nicht meldetest."
|
|
|
|
|
|
"Ach Mann, wir haben uns alle einen fiesen Infekt angelacht, Sean hustet wie ein alter Seebär, der zuviel geraucht hat, und spuckt dauernd." Kaum hatte Naike zu Ende gesprochen, überfiel auch sie sogleich ein kräftiger Hustenanfall.
|
|
|
|
|
|
"Komm, ich nehme dir den Kleinen mal ab und mache ihm einen sehr wirksamen Wickel. Und du tust mal was für dich, ja?" - "Danke, das ist sehr lieb von dir, ich kann echt nicht mehr." Dann schlurfte Naike aus dem Kinderzimmer und Jessica suchte sich aus der Wickelkommode ein paar Windeltücher für die Heilanwendung heraus.
*
|
|
|
|
|
|
Als sie in der Küche Wasser heiß machen wollte, sah sie die junge Mutter inmitten lauter klebrigem Geschirr in der Küche stehen und sich beinahe die Seele aus dem Leib husten. Zum Glück klang er recht locker. "Mensch, jetzt leg' dich doch mal hin statt hier weiterzuwuseln, ich mache das schon gleich, wenn Sean schläft. Dann füllte sie eine Schüssel und ging mit Sean zurück ins Kinderzimmer. Aber Naike störte die Unordnung so sehr, dass sie doch weiter aufräumte statt sich ein bisschen Ruhe zu gönnen.
|
|
|
|
|
|
"Huppsa, jetzt habe ich mich aber erschrocken, wo kommst du denn auf einmal her?", wunderte sie sich, als Adam plötzlich in der Küche stand. "Eure Tür war nicht richtig zu. Aber jetzt frage ich mich gerade, ob ich wirklich in dem Haus gelandet bin, wo ich eigentlich rein wollte. Wer sind Sie denn bitteschön?" Naike lachte. "Du bist gemein, ich weiß dass ich furchtbar aussehe, wir haben uns alle einen fiesen Husten geholt, besonders der Kleine röchelt Tag und Nacht." - "Aber warum bist du dann nicht im Bett, sondern räumst hier in dem Dreck herum?“ - "Na, einer muss es doch machen, Julia ist fast den ganzen Tag in der Schule, wie du weißt, und Paul schleppt sich jeden Morgen in der Früh in die Kaserne. Zum Glück ist Jess eben gekommen, die gute Seele." - "Und du bist nicht in der Lage, das Telefon zu benutzen und bei mir anzurufen?", sagte Adam vorwurfsvoll. "Jetzt stell' auf der Stelle die Teller hin und setz' dich in die heiße Wanne, ich übernehme hier das Kommando, keine Widerrede!"
|
|
|
|
|
|
Diesmal kam Naike der Aufforderung nach, weil sie eindeutig als Befehl formuliert war, und Adam schritt sogleich zur Tat und brachte unter vielen gestöhnten "Baaah" und "Iiiihh" die Küche wieder auf Vordermann.
|
|
|
|
|
|
"Tach, ich bin jetzt da und übernehme, Sie können gehen." Jessica dachte, sie höre nicht recht.
|
|
|
|
|
|
"Danke, ich komme gut zurecht", erwiderte sie kühl, "der junge Mann ist jetzt bereits deutlich entspannter und hustet weniger, er wird gleich ruhig schlafen." Aber dann begann Sean zu schreien. "Da sehen Sie es! Von wegen entspannt, der hat ordentlich Hunger!" Mit diesen Worten nahm Adam Jessica den Jungen einfach aus dem Arm und trug ihn in die Küche.
|
|
|
|
|
|
„Ja jaaa, ich weiß ja, du hast Hunger, nicht wahr?!" Sean gluckste, weil er es liebte zu "fliegen" ...
|
|
|
|
|
|
... und spuckte dann eine Ladung warmer, säuerlich riechender Suppe auf seinen großen Spielkameraden. Jessica, die die Szene beobachtet hatte, schüttelte verständnislos den Kopf und machte schnell die Tür hinter sich zu. Sollte sich der Besserwisser doch weiter kümmern, dachte sie beleidigt und räumte weiter auf.
|
|
|
|
|
|
Naike saß derweil entspannt in einem herrlich warmem Schaumbad und bekam von alledem nichts mit.
|
|
|
|
|
|
Danach nahm sie ein paar homöopathische Globuli für ihren Husten und kroch unter erschöpft unter ihre Bettdecke. "Nai, schläfst du?" - "Ja", murmelte sie. "Es tut mir leid, aber Sean hat Hunger und will kein Fläschchen, du musst ihn anlegen." - "Guck ma innen Kühlschrank, da is abgepumpte Milch", gähnte Naike, "aber vorher im Wasserbad auf Trinktemperatur, bloß nich zu heiß."
|
|
|
|
|
|
So kam Adam doch noch zu seiner Muttermilchverköstigung, denn er probierte vorsichtshalber einen Schluck, bevor er sie verfütterte, damit sie auf keinen Fall zu heiß war. Sie schmeckte irgendwie wässrig und leicht süß, ganz anders als Kuhmilch. Er befand sie für gewöhnungsbedürftig, konnte sich aber vorstellen, dass sie frisch vielleicht besser schmeckte und auf diese Weise auch angenehmer zu trinken war. Nachdem Sean satt war, befreite er sich von den Überresten der Sean'schen Kötzelattacke.
*
|
|
|
|
|
|
"Hi ... äh ... Dad." Julia schaut zutiefst verwundert, als sie Adam in Unterwäsche die Treppe herunter kommen sah. "Pssst ... mach' schnell die Kiste aus, sonst wacht Sean auf!" Aber da war es auch schon zu spät.
|
|
|
|
|
|
"Entschuldige bitte, ich hatte ihn überhaupt nicht gesehen als ich rein kam." - "Ach, ist nicht so schlimm, ich kriege ihn auch noch ein zweites Mal zum Schlafen. Naike pennt, sie war völlig alle und da habe ich mal übernommen. "Das ist aber lieb von dir!" Adam lächelte ...
|
|
|
|
|
|
... und legte seiner Tochter das kleine Baby in die Arme. "Wie findest du deinen Bruder, hm?!" Julia starrte ihren Vater verständnislos an. "Das wäre schön, wenn er mein Bruder wäre, aber ich bin nun mal weder mit Naike noch mit Paul verwandt und demnächst nicht mal mehr in seiner Nähe", sagte Julia traurig. Aber vielleicht erinnert er sich ja noch an mich, wenn ich wiederkomme." - "Julchen, ich meinte das schon so, wie ich es sagte, er ist dein Halbbruder, denn ich bin sein Vater." Julia überlegte, ob Adam sie jetzt verarschen wollte oder ob er durchgedreht war. "Äh ... aber sonst alles frisch bei dir, Papa, ja?"
|
|
|
|
|
|
"Alles absolut superfrisch", erwiderte Adam über sich selbst nun ärgerlich, dass er es überhaupt erwähnt hatte. "Ist das sicher oder glaubst du es nur?", begann Julia nun nachzubohren. "Für mich ist es sicher, guck dir doch mal sein Gesicht an!" Sie kam der Aufforderung sogleich nach. "Hm ... er hat braune Augen, ja - aber sonst?! Kein Bart und keine Haare auf den Zehen", lachte Julia. "Ach, leck' mich verdammt", murrte Adam und ließ seine Tochter mit vielen Fragezeichen stehen.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|
|
|
|
|
|
Am nächsten Tag kam Jessica bereits recht früh am Morgen wieder und übernahm die erste "Schicht". Zumindest dachte sie, sie wäre die Erste ...
|
|
|
|
|
|
"Oh nein, bitte nicht!" stöhnte sie genervt, als sie Adam lesend im Arbeitszimmer vorfand. "Was wollen Sie denn schon wieder hier?", brummte Adam ungemütlich, "ich habe alles bestens im Griff!" Er zog angriffslustig die Augenbrauen zusammen und blähte seine Nasenlöcher auf. "Das sollte ich besser Sie fragen, werter Monsieur Tallis. Ich bin schließlich Naikes beste Freundin und helfe ihr selbstverständlich in solchen Notzeiten wie jetzt", plusterte sich Jessica auf so gut sie konnte.
|
|
|
|
|
|
"Und ich bin Seans Vater", bemerkte Adam trocken. Jessica öffnete ihren Mund, klappte ihn aber sofort wieder zu und starrte den unverfroren frechen Mann an, als wäre er ein Wald-und-Flur-Schädling. "Wo ist Naike? Weiß sie, was Sie hier für einen Mist verzapfen?" Adam wurde ein wenig nervös, ließ sich aber nichts anmerken. "Sie ... äh, sie schläft noch. Und jetzt machen Sie einen Abflug, sonst werde ich ungemütlich." Jessica sah keine andere Möglichkeit, als zu gehen, und nahm sich vor, Naike später am Telefon brühwarm von ihrem offenbar ausgetickerten "Babysitter" zu berichten.
*
|
|
|
|
|
|
Aber Naike schlief bis zum frühen Abend durch und war selbst dann immer noch müde.
|
|
|
|
|
|
Mit wachsender Sorge beobachtete Adam das Verhalten seiner Ex.
|
|
|
|
|
|
"Alles klar bei dir?" - "Ja, schon gut, ich bin nur so unheimlich müde, tut mir leid." – „Kein Problem, ich habe ein paar Tage Urlaub genommen, meine Studenten kommen auch mal ohne mich aus. "Tschuldige, ich war total auf mich fixiert in letzter Zeit, zuerst die Schwangerschaft und jetzt der Junge, ich konnte dich noch gar nicht loben, dass du wieder zurück an der Uni bist." - "Aber wir haben doch darauf angestoßen, vor einiger Zeit in Rick's Café." Naike hatte das völlig vergessen. Das Telefon klingelte.
|
|
|
|
|
|
"Ach je ... ja klar, kein Thema ... natürlich bleibe ich hier, ich hab' eh Urlaub. Ok, Paul, dann bis morgen. Eine wenigstens einigermaßen gute Nacht wünsche ich dir!"
|
|
Kapitel 26 - Das Wunder des Lebens Kapitel 28 - Kariöse Träume
|
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
  |
 |
 |
 |
|
|