Kapitel 25 - Erzeugerzirkus



"Oh Mann, das ist ja schon eine richtige Bombe! Wann ist es denn soweit, Naike? Komm, setz' dich erstmal", sagte Jessica Jung fürsorglich.





Naike wusste es selbst nicht genau. Wie lang dauerten Sims-Schwangerschaften? Es waren jedenfalls ein paar Monate vergangen, seit ihr schlagartig klar wurde, dass sie nicht einmal wusste, wer überhaupt der zukünftige Vater ihres Kindes ist. "Also Jess, ich bitte dich, einen so hübschen Kugelbauch "Bombe" zu nennen, ist aber nicht gerade angemessen", meinte Voodoo Mom tadelnd.





"Aber sowas sieht nun mal immer so aus", lachte Naikes ehemalige Mitbewohnerin, "war natürlich nicht böse gemeint!"





"Habe ich auch nicht so aufgefasst, Jess, ich kenne dich doch", zwinkerte Naike, "ich freue mich so, dass ihr gekommen seid, wir haben uns so unglaublich lange nicht gesehen!" Jessica lächelte freundlich. "Du, irgendwann ist über jede noch so unschöne Sache Gras gewachsen, ich kann doch nicht ewig sauer auf dich sein, zumal du dich inzwischen offenbar entschlossen hast, ein ordentliches Leben zu führen und nicht mehr des Nachtens anderer Leuts Hab und Gut aus ihren Häusern zu stehlen", stellte Jessica zufrieden fest. "Hast du eigentlich noch Kontakt zu diesen Männern? Joe und Adam, oder wie die hießen", tat sie absichtlich dumm.





Adam. Seit Naike von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte, hatte sie nichts mehr von ihm gehört. Sie wollte auch nichts mehr von ihm hören und hatte jeden noch so kurzen Gedanken an ihn verdrängt. Paul war jetzt ihr Leben - und in Kürze auch der Mann, mit dem sie ein gemeinsames Kind verband.





"Nein, Jess, ich habe keine Ahnung, was die beiden treiben, und es ist mir auch völlig egal." Das entsprach zwar nicht ganz der Wahrheit, entlockte Jessica jedoch einen zufriedenen Seufzer. "Und wo ist nun dein Paul? Ich dachte, wir lernen ihn heute mal kennen?"





In diesem Moment entstieg Paul O'Meara vor dem Haus mit stolz geschwellter Brust seinem Dienstfahrzeug, denn er war soeben befördert worden.





Er trat ins Haus, stieß auf die fröhlich plappernden Kaffeeklatsch-Damen und winkte freundlich in die Runde. Jessica fragte sich ein wenig irritiert, wo sie ihn schon einmal gesehen hatte, er kam ihr irgendwie bekannt vor.





"Schatz, ich bin befördert worden, ist das nicht genial?" Naike sprang auf und fiel ihrem Freund um den Hals. "Wie wunderbar! So kurz vor der Geburt, jetzt hast du doch sicher günstigere Dienstzeiten, oder?!" Paul verneinte und verwies kurz eher auf das Gegenteil. Naike seufzte.





"Darf ich vorstellen, das ist Jessica, meine ehemalige Mitbewohnerin, mit der ich damals die erste Zeit auf der Insel verbrachte habe. Sie ist auch Wahrsagerin wie ich, schreibt aber inzwischen sehr erfolgreiche Romane. Und das ist Voodoo Mom, von ihr habe ich dir ja bereits die haarsträubendsten Geschichten erzählt, sie ist eine sehr erfahrene Hexe." Paul hätte es nie zugegeben, aber er fürchtete sich ein bisschen vor der schwarzen Dame mit dem durchdringenden Blick, er kam sich in ihrer Nähe vor wie auf einem Röntgentisch. Aber Jessica fand er auf Anhieb sympathisch. Nach der Begrüßung schnappte er sich ein Stück Kuchen und trollte sich ins Arbeitszimmer.





"Der war aber jetzt schnell wieder weg, Naike, ob wir ihn verschreckt haben?", fragte Jess ein wenig besorgt. "Aber nein, Paul ist ein echter Workoholic, er lernt schon seit einiger Zeit von früh bis spät. Bis zum General will er es neben seinem eh schon großen Engagement in der Medizin bringen. Einerseits finde ich das ja bewundernswert, aber ich hoffe auch, dass er noch genug Zeit für unser Kleines aufbringen wird, ich will das ungern alleine durchziehen." Die beiden älteren Damen fanden Naike Sorge unbegründet. "Warte erst mal ab bis das Kind auf der Welt ist, die meisten Männer fangen dann automatisch Feuer."





"Apropos Nachwuchs, was ist eigentlich aus Halina Fiechter geworden? Weiß man inzwischen, wer der Übeltäter war?", fragte Jessica. Da Halina in Naikes Geburtsvorbereitungskurs war, wusste sie Bescheid und klärte Jessica auf, dass das Kriminalamt einen Speicheltest plante, dem sich alle Männer der Insel und Umgebung nach der Geburt von Halinas Kind zu unterziehen hätten, falls herauskäme, dass der Mann, der derzeit in Untersuchungshaft saß, nicht der Vater wäre. Auch Voodoo Mom wusste noch nichts von diesem Vorhaben, alle waren auf das Ergebnis mehr als gespannt und spekulierten wie wild, wer als Täter in Frage käme.

Jetzt kam auch Julia nach Hause, schmiss ihren Rucksack in eine Ecke und rief nur kurz Hallo, um sich danach sofort in ihr Zimmer zu verkrümeln. "Seid ihr nicht böse, sie muss unheimlich müde sein, die Abi-Prüfungen schlauchen und dann hängt sie oft viel zu lange mit ihrem Vater herum, weil sie nach dem Abitur ja zu ihrer Mutter in die USA ziehen wird, um dort zu studieren. Na ja, es ist nicht mein Recht, da einzugreifen und Pauls auch nicht." Jessica runzelte die Stirn, aber sie wusste, dass Naike Recht hatte.





"Und was ist jetzt mit Armin, Jess?" Zu diesem Thema wollte Jessica offenbar gar nichts sagen, denn sie grummelte nur ein wenig vor sich hin. Voodoo Mom meinte trocken: "Ich glaube, sie trifft sich wieder mit dem Kerl, jedenfalls ist sie öfter abends weg. Jessi, den VHS-Kurs "Schutzengel filzen" nehme ich dir nicht ab, außerdem habe ich in die Kristallkugel geguckt", warf sie dann noch ein. Jessica wurde rot und kaute plötzlich besonders kräftig an ihrem Kuchen herum, ließ sich aber von ihrer Freundin zu keiner Rechtfertigung provozieren. Naike war die Situation unangenehm und so schlug sie schnell vor, ihren beiden Besucherinnen das zukünftige Kinderzimmer zu zeigen, welches sie mit Paul eingerichtet hatte.

*





"Das habt ihr wirklich toll hingekriegt, der Kleine wird sich sicher sehr wohlfühlen", lobte Voodoo Mom. "Ja, und wenn es doch ein Mädchen wird, müsst ihr nicht mal umdekorieren", meinte Jessica, die Naikes hellseherischen Fähigkeiten nicht so ganz über den Weg traute.





Dann bedankte sich Voodoo Mom für den schönen Nachmittag und verabschiedete sich, denn sie hatte noch einiges in der Stadt zu besorgen. "Grüß mir Paul!" - "Mache ich", lächelte Naike, „vielen Dank dir für dein Kommen!“





Eine Weile standen Naike und Jessica schweigend vor der Wiege, in der es bald fröhlich quieken, schnarchen, aber auch ordentlich schreien würde.





Die alten Freundinnen zwinkerten sich verschmitzt an und fielen sich dann in die Arme. "Ach Jess, ich bin so froh, dass du wieder mit mir sprichst. Bitte komm' wieder öfter vorbei, ja?!" Jessica nickte.





Als Naike dann wieder einmal den Weg zur Toilette angetreten hatte, in letzter Zeit tat sie dies zig Mal am Tag, schaute sich Jessica in dem Haus um, in dem sie ein lange Zeit gewohnt hatte. Vieles war noch so wie früher, einiges hatte sich aber auch verändert seit sie ausgezogen war. In ihrem ehemaligen Arbeitszimmer traf sie auf Paul. "Na, junger Mann! Wie ich sehe, sind Sie sehr fleißig." Paul grinste. "Aber ich hoffe, dass Sie darüber nicht vergessen, sich zukünftig ausreichend um Frau und Kind zu kümmern, das Privatleben sollte stets vor dem beruflichen Schaffen kommen!", konnte sie sich nicht zurückhalten, den ihr noch fremden Mann in ihrer typischen Art zu belehren. Paul nahm die Rede ein wenig irritiert auf, ging aber davon aus, dass es ein freundlich gemeinter Ratschlag war.





"Jessica, sie können davon ausgehen, dass ich mein Bestes tun werde. Aber ich bin mir ebenso bewusst, dass man beim Militär auf mich zählt und ich die Pflicht habe, zur Verfügung zu stehen, wenn ich gebraucht werde. Naike versteht das, denn sie war ja selbst früher bei uns und wird auch nach der Geburt unseres Kindes wieder in der Kaserne tätig sein, der Vertrag ist bereits unterschrieben." Jess zog eine Schnute, toll fand sie diese Aussicht nicht. Eine Mutter hatte bei ihrem Kind zu bleiben, war ihre Ansicht, aber sie war froh, dass sich ihre Freundin wenigstens von ihrer Einbrecher-Karriere losgesagt hatte.

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Einige Tage später im Haus der Tallis-Brüder, die sich in den vergangenen Monaten wieder zusammengerauft hatten. "Hast du's schon gelesen, Eva, das Baby der Frau, die vor einigen Monaten von dem Serientäter vergewaltigt wurde, ist geboren worden und der bisher Inhaftierte ist nicht der Vater! …





Heute Nachmittag ab 15 Uhr haben sich alle Männer der Insel und des näheren Festlands zur Praxis von Doc Blythe zu begeben, der Speichelproben vornehmen wird. - Mensch, keine Mayonnaise, ich hasse das glibbrige Zeug, das müßtest du inzwischen doch nun wirklich wissen!!"





Eva nahm eine neue Toastscheibe. "Und? Wirst du guten Gewissens hingehen, Schatz?" fragte Adam sie mit leicht unbehaglichem Unterton in der Stimme. "Klar, ich werde meiner zweiten Gefängnisstrafe eh nicht entgehen können. Ist doch klar, daß ich der Tante den Sprößling untergejubelt habe." Eva hielt abrupt im Streichen der Brote inne und starrte Adam mit offenem Mund an.





"Jetzt guck' mich nicht an wie eine Kuh", lachte er, "natürlich war ich es nicht, Rothaarige passen gar nicht in mein Beuteschema, diese Haarfarbe mag ich genausowenig wie Mayonnaise." Eva lächelte erleichert und servierte ihrem Freund das Sandwich wie gewünscht ohne die schmierige weiße Paste, die in ihren Augen ein Sandwich erst genießbar machte.





"Guten Morgen zusammen!" Joseph kam frisch geduscht die Treppe herunter und wanderte gleich zum Kühlschrank, denn Eva's "Kochkunst" lag im überhaupt nicht. "Was gibt's Neues?" - "Nimm dir mal für heute Nachmittag nichts vor, Bruderherz, man fordert deine Spucke ein", witzelte Adam. "Häh, wie jetzt? Ach so, ist das Baby etwa da?" Sein älterer Bruder nickte.





Da der Kühlschrank fast gähnend leer war, setzt sich Joe an die Bar und biß mißmutig in eines von Evas Sandwiches. "Bah, da ist ja gar keine Mayonnaise drauf, das Teil ist so trocken, dass es staubt. Deine Liebste ist unfähig zu kochen, Adam, sie hängt den ganzen Tag im Bad herum und kauft unser Konto leer. So viele Klamotten hatte ja nicht mal unsere Schwesterlein gebunkert!" - "Joe, bitte, ihre Kreditkarte ist von meinem Konto und die darf sie auch so viel nutzen wie sie mag. Reiß dich mal zusammen, du bist echt unverschämt", schimpfte Adam. Eva schluckte und begab sich mit ihrem Frühstück ins Wohnzimmer. Joe konnte Eva vom Augenblick des ersten Kennenlernens nicht leiden und wußte selbst nicht warum.





"Na, bald werde ich ja eh wieder alleine hier wohnen, der Richter setzt dich nach dem Test garantiert gleich wieder hinter Gitter", witzelte Joe. "Haha, sehr komisch ...





... aber wer glaubst du war es wirklich?" Joe zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung, woher soll ich das wissen? Bestimmt jemand, den wir gar nicht kennen."





"Hm, vielleicht jemand von den Modernen Jesus Nachfolgern? Dieser schmierige Kappe oder Gerd Gieke?", überlegte Joe. "Gerd Gieke! So wie der aussieht, hat er sein Teil in seinem bisherigen Leben noch gar nicht gefunden", lachte Adam. "Na, sag das mal nicht, solche sind oft die schlimmsten Typen. Oder was ist mit Armin Sims?" Auch daran glaubte Adam nicht, den der hatte, wie sich bereits um zehn Ecken herumgesprochen hatte, gleich mit drei Damen angebändelt.

Eva hatte ihr Sandwich bei ein wenig Frühstücksfernsehen verdrückt und verspürte nun ein leichtes wohliges Ziehen in ihrem Leib, als sie auf Adams breiten Rücken sah. "Kommst du mit mir nach oben, Schatz, bitte! Du hast doch noch eine halbe Stunde bis zur Vorlesung, oder?!" wisperte Eva ihrem Liebsten ins Ohr. Prompt schnurrte Joseph wie ein Kätzchen, verstellte seine Stimme hoch und klimperte dabei seinem Bruder mit den Wimpern entgegen: "Ach Adam-Schatzi, bitte vögele mich doch auch nochmal kurz durch, statt nach der Vorlesung wieder Unsummen von Simoleons im Puff zu lassen."





Adam schaute seinen schamlosen Bruder bitterböse an: "Troll' dich besser, ehe ich dir die ganzen restlichen Sandwiches ohne Mayonnaise in den Schlund stopfe." Joe grinste und beschloss, der Aufforderung lieber umgehend nachzukommen. "Tut mir leid, Eva, bitte höre nicht auf ihn, ich werde später nochmal mit ihm reden, ok?!" Eva schaute Adam mit ihren hilflos dreinblickenden großen braunen Augen an, was ihn augenblicklich dazu bewegte, sie zu schultern und ins Schlafzimmer hinaufzutragen.

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"Ach, Monsieur Tallis, guten Tag!" Adam grummelte sich ein "ebenfalls" in den Bart und bat forsch um schnelle Abwicklung.





"Tallis, Adam Richard, geboren am 5. April 1968 in Thionville, Frankreich. Ist das korrekt?" Adam nickte. „Ihr genetischer Fingerabdruck ist bereits erfasst, wir können uns den Test also sparen.“





"Wie, bereits erfaßt? Dem habe ich nie zugestimmt, da haben wohl damals diese verfluchten Knastärzte ..." Wütend dachte Adam an die teilweise sehr unschönen Behandlungen, die er während seines Gefängnisaufenthalts über sich ergehen lassen mußte. "So ist nun mal die Rechtslage, Monsieur, schließlich haben sie damals genau das getan, worum es jetzt auch im Fall Halina Fiechter hier geht, also steht es ihnen auch nicht zu ..." Adam stand mitten in Doktor Blythes Erklärung auf und verließ das Untersuchungszimmer. Gilbert tippte sich an den Kopf, gab ein paar Befehle in seine Tastatur ein und verglich Adams Daten mit denen von Halinas Tochter. Sie waren so unterschiedlich, dass ihn keinerlei Verdacht mehr treffen konnte.





Kurz zuvor war auch Paul in der Praxis eingetroffen.





"Grüß dich, Paul! Na, warst du es?", grinste Joe. Paul lachte. Pfarrer Albert Kappe empörte sich und belehrte die Anwesenden, dass man über so etwas keine Witze macht, und Jack Sparrow, der extra aus dem Hafen Genua anreisen mußte, ging das ganze Theater am Arsch vorbei. Zum Glück gab es wenigstens guten Kaffee.





"Na, Brüderchen, jetzt bist du dran mit Becherwichsen", neckte Adam Joe, als er aus dem Behandlungsraum kam, der daraufhin äußerst erschrocken dreinblickte. "Wie jetzt - muß man echt?" Die anderen lachten und verneinten, nur Albert Kappe machte erneut ein entrüstetes Gesicht, hätte es aber nie gewagt sein Wort gegen einen Mann wie Adam Tallis zu erheben.





"Der Nächste bitte!" rief Doc Blythe. "Hi Paul, lange nicht gesehen, was hast du in letzter so getrieben? Wollen wir nicht mal wieder zusammen etwas unternehmen?", fragte Adam. "Sehr gerne, aber im Moment habe ich ziemlich viel am Hut, bin in Fortbildung und seit Naike schwanger ist, möchte ich natürlich so oft es geht bei ihr sein", entgegnete Paul und gab Albert Kappe den Hinweis, ruhig vor ihm ins Behandlungszimmer zu gehen.





Adam machte große Augen. "Was??? Du nimmst mich auf den Arm jetzt, oder?!"





"Aber nein, das ist kein Witz, wir sind bald eine Familie, ich vermute, dass es keine vier Wochen mehr dauert. Das ist ja'n Ding, daß du das noch nicht wußtest. Ich dachte, Julia hätte es dir längst erzählt." Für einige Sekunden sagte Adam gar nichts mehr, er war derart perplex, dass er den fröhlich lächelnden Paul mit offenem Mund anstarrte.





"Wußtest du das, Joe?" Sein Bruder bejahte und war ebenfalls völlig erstaunt über Adams Unwissenheit.





„Du hast es mir mit Absicht nicht gesagt, oder?! Los - gib es zu!" Joseph wich ein Stück zurück und schüttelte den Kopf: "Nein ... nein, wirklich nicht. Ich habe irgendwie gar nicht mehr daran gedacht, sie ist mir auch nicht mehr begegnet. Und du hattest eh nur deinen Job und Eva im Kopf!"





"Ok, ist schon gut. Aber warum hat Julia mich nicht informiert, sie wußte doch, dass ..." - "Das was?", fragte Paul. "Ach was, vergiß es! Wie weit ist sie, sagtest du?" Paul war sich nicht ganz sicher. "Vielleicht im 7. oder 8. Monat? So genau kann man das ja nie wissen."









Adam überlegte kurz und rannte dann einfach ohne ein weiteres Wort aus der Praxis.





"Ja, sag mal ... hat den jetzt 'ne Tarantel gestochen oder was?" Paul kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Ach, laß' ihn laufen, ich glaube er ist stinkbeleidigt, dass es im keiner gesagt hat." Dann nahm Joe Paul beseite. "Du, wir hatte beide mal was mit deiner Naike, vor dir selbstverständlich, ist schon einige Zeit her. Ich gehe mal davon aus, dass er sie schon noch sehr gerne hat, auch wenn er inzwischen anderweitig gebunden ist." Paul nickte nur.

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Naike buk sich, wie so oft in letzter Zeit, mal wieder einen Pfannkuchen. Mit besonders guter Laune, denn soeben hatte sie das erste Mal in der Sims-Welt Schneeflöckchen entdeckt, die den nahenden Winter ankündigten.





Währenddessen lief jemand schnellen Schrittes über die frische dünne Schneedecke auf das Haus zu.





Als sie die duftenden frischen Teigfladen gerade auftischen wollte, klingelte es an der Tür. Wer mochte das sein? Paul hatte doch einen Schlüssel und Besuch war nicht angesagt.





Sie öffnete und hielt für einen kurzen Moment den Atem an, denn mit ein paar wirbelnden Flocken im Schlepptau trat Adam Tallis ein. Die beiden starrten sich an.





"Hallo", sagte er leise, es klang fast ein bißchen schüchtern, und schaute dann auf ihren Bauch. Naike errötete und lächelte vorsichtig. Adam war kein Freund langer Worte: "Es ist unseres, stimmt's?!" - "Aber nein, wie kommst du darauf?"





"HALLO??" Diesmal sagte er es sehr laut und nicht als Begrüßung gedacht. "Weil ich bis drei zählen kann, meine Liebe!" So hatte sich Naike ein Wiedersehen nicht vorgestellt. "Adam, du ..."





"Moment, moooment - laß mich mal rechnen. Es war Anfang April, als ich beinahe wegen dir vom Dach gesprungen wäre, kurz danach hast du Paul kennengelernt. Vorher war also definitiv genug Zeit für mich, dir den Braten in die Röhre zu schieben." Naike schüttelte bestürzt den Kopf. "Ad ... hör zu, es ..."





"Und theoretisch kommt auch mein Bruder in Frage, wenn man mal scharf nachdenkt - verdammte Scheiße!!!, zischte Adam böse.





"Was ist eine verdammte Scheiße?", fragte plötzlich eine zweite Männerstimme. "Paul!! Da bist du ja!", rief Naike erleichtert. "Alles ok hier bei euch?", fragte er sichtlich irritiert weiter. Adam schaute Naike mit seinem durchdringenden Blick an, den sie nur zu gut kannte und so antwortete sie: „Ja ja, alles bestens, Ad ist nur kurz vorbeigekommen, um mal Hallo zu sagen, es scheint ja sehr aufregend gewesen zu sein bei eurem Test." Paul lächelte. "Ja, unglaublich wer alles da war, so trifft man endlich mal ein paar Leute wieder, die man sonst im Alltag nie sieht, nicht wahr, Adam?! Ich gehe mich jetzt aber mal duschen, bin noch ganz verschwitzt vom Dienst." Paul winkte und ließ die beiden stehen.





"Du vertust dich", flüsterte Naike Adam entrüstet zu. Er ging einen Schritt auf sie zu und streichelte wagemutig ihre Wange. "Nein, mit Sicherheit nicht, du erinnerst dich doch an die Wahrsagerin damals im Museum, oder?"





Naike wich zurück und schüttelte seine Hand ab. "Seit wann glaubst du an Prophezeiungen? Dazu noch von einer Wald- und Wiesenhexe, die hier zuhauf durch die Gegend streifen, häh?"





"Und seit wann stellst du deine eigene Tätigkeit in Frage, liebste Naike?" - "Tue ich nicht, es gibt halt solche und solche!" Adam lachte laut auf. "Na, wir werden es ja sehen. Wenn das Kind auf der Welt ist, lassen wir es testen. Wie einfach sowas geht, haben wir ja heute erfahren." - "Nichts dergleichen werde ich tun, mein Kind ist Pauls, worauf du einen lassen kannst!" Eine altbekannte Hitze stieg ihn ihm auf und signalisierte ihm, dass es nun besser sei zu gehen. "Das werden wir dann noch sehen!" Mit diesen harschen Worten verließ er festen Schrittes das Haus und knallte die Tür zu. Naike ging in die Küche, nahm ihren Pfannkuchen, schmiß ihn in den Mülleimer und biß sich auf die Lippe, um nicht loszuheulen.

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Nachdem sie sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, fuhr Naike ohne Pfannkuchen im Bauch zu Halina Fiechter, um sich deren neugeborene Tochter anzuschauen. "Hi! Das ist aber lieb, daß du vorbeikommst!", freute sich die junge Frau.





"Mensch, bei dir ist es aber auch bald soweit, hm?! Hast noch mal ordentlich zugelegt nach unserem letzten Kurstreffen." Naike rollte mit den Augen. "Ach, ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich den dicken Bauch endlich wieder los bin, langsam wird es beschwerlich. Du hast es gut, schon alles überstanden, und ich kann dir nur ein großes Kompliment machen, du siehst toll aus!"





"Danke! Wollen wir gleich hoch gehen? Ich höre sie schon gurren, sie scheint gerade aufgewacht zu sein."





Ein Babyzimmer hatte Halina nicht einrichten können, denn sie wohnte noch immer bei ihrer Freundin Melissa Fuller und deren Freund Armin Sims, finanziell war ein Stehen auf eigenen Beinen zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht möglich für sie. Aber es hatte auch Vorteile, mit Freunden zusammenzuwohnen, denn die beiden unterstützten sie tatkräftig. Besonders Armin hatte einen Narren an dem kleinen Mädchen gefressen und kümmerte sich rührend um sie, was Melissa ziemlich nervte, aber sie fühlte sich noch immer nicht in der Lage, eine klare Entscheidung über ihre Zukunft zu treffen.





"Hier, magst du sie mal halten? Das ist meine kleine Susanne!"





"Was ist? Gefällt sie dir nicht?", fragte Halina vorsichtig. "Aber nein, wie kommst du denn darauf, sie ist supersüß! Und so weich und winzig - und duftig! Ach, jetzt erinnere ich mich wieder daran wie meine Zwill ..." Halina schaute ein wenig verwundert. "Deine was?" - "Äh, ich meinte meine Nichten, Zwillinge", log Naike, der beinahe eine Info herausgerutscht wäre, die Halina nicht verstanden hätte, da sie nichts von Naikes kurioser Herkunft wußte.





"Halina ... äh ... nimm es mir bitte nicht übel, wenn ich so direkt frage, aber hast du inzwischen eigentlich erfahren, wer ..." Naike traute sich kaum zu fragen, starrte aber unentwegt auf Susanne, die doch recht "speziell" aussah. "Ach, du das ist mir egal. Ich will die Sache endlich vergessen. Ich hatte befürchtet, dass ich mein Kind wegen der Zeugungsumstände nicht lieben könnte, aber diese Sorge war sofort in dem Moment verflogen, in dem ich sie das erste Mal im Arm hatte. Es hat wohl so sollen sein, ich möchte sie um nichts in der Welt mehr hergeben und traue mir durchaus zu, sie alleine zu aufzuziehen. Und Freunde habe ich ja auch noch, die mir so lieb helfen. Die MJN sammelt sogar für uns!" Naike staunte über die Tapferkeit ihrer neuen Freundin, ahnte aber gleichzeitig, dass Halina der Super-GAU noch bevor stand.

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Als sie wieder daheim angekommen war, konnte sie sich nicht zurückhalten und legte Halinas Kartenbild. Alles war so klar, und jetzt, da Naike die kleine Susanne gesehen hatte, gab es sowieso keinerlei Zweifel mehr. Welch ein unglaublicher Skandal!

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Die folgenden Tage vergingen ohne Neuigkeiten, Naike dachte viel an Halina und merkte nun am eigenen Leib, wie sich Unwissenheit anfühlt. Sich selbst hatte sie seit Entdeckung der Schwangerschaft nie die Karten gelegt, einfach zu groß war die Gefahr, sich die Aussagen so zurechtzudeuten, wie sie ihr am besten in den Kram paßten. Aber Adam hatte ihre selbst aufgebaute Sicherheit, dass Paul der Vater ist, kräftig ins Wanken gebracht.





Paul lernte unentwegt, sogar morgens beim Zähneputzen bereitete er irgendwelche Ansprachen vor und übte ein überzeugendes Auftreten. "Mensch Paul, schau doch mal ..."





"... es schneit wieder! Hoffentlich bleibt er diesmal liegen." - "Ja ja, mein Schatz, ganz sicher", sagte Paul, obwohl er nicht mal einen Blick nach draußen geworfen hatte.





Naike langweilte sich und probierte deshalb die Playstation aus, aber irgendwie machte ihr das Spielen keinen richtigen Spaß, da sie mit der Steuerung nicht zurecht kam. Für sie mußte immer alles möglichst schnell und einfach gehen, um die Lust nicht von vorneherein zu verlieren.





Also legte sie das Pad wieder beiseite und loggte sich ins Simforum ein, was jedoch fehlschlug, da offenbar Real-Naike gerade on war, die sicher nichts davon ahnte, dass auch ihr Sim ab und zu diese Möglichkeit der Verständigung nutzte. "Du Paul, magst du mit mir einen Film schauen? Wir machen es uns ganz gemütlich, so mit Kaminfeuer, Knabberzeug, was Leckerem zum Trinken, ok?!" Paul schüttelte den Kopf. "Nai, erstens haben wir seit dem kleinen Brand letztens gerade kein Sofa mehr, wie du weißt, und außerdem muß ich gleich zu einem Sonderdienst." Naike wurde entschieden muffig. "Och Mann, schon wieder?!", fragte sie jammernd. "Es könnte sich finanziell lohnen, Schatz, ich habe so das Gefühl, dass ich bald wieder befördert werde." Sie seufzte und ging in die Küche, um sich einen Pfannkuchen zu backen - und dieses Mal würde sie ihn auch ganz bestimmt essen!



Kapitel 24 - Das kleine Ei
Kapitel 26 - Das Wunder des Lebens