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 | Kapitel 24 - Das kleine Ei |
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Am nächsten Tag hatte Albert Kappe eine Großversammlung der MJN einberufen, netterweise in Fullers Haus, obwohl Armin und Melissa überhaupt nicht darauf vorbereitet worden waren. Sofort musste es sein, gleich am Morgen. Und alle waren sie pünktlich wie die Maurer beisammen, sogar Nicolas samt Hund Siegfried. Und Armin widmete seine ganze Aufmerksamkeit wieder einmal Halina und ihrem langsam schon deutlich kugelig werdenden Bauch, als Albert das Wort ergriff: "Meine lieben Jünger, ich habe uns heute hier versammelt, um mit euch die endlich gelungene Ergreifung des Serientäters, der die Frauen unserer Insel und Umgebung seit Wochen bedroht hatte, zu feiern. Aber nicht nur das ...
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... besonders hervorheben und ehren möchte ich auch noch einen Mann aus unserem Kreis, der uns Modernen Jesus-Nachfolgern ein besonders Beispiel war und noch immer ist: Armin Sims, der sich seit dem Unglück unserer lieben Freundin Halina barmherzig und selbstvergessen für sie eingesetzt hat und nun sogar die Patenschaft für ihr Baby übernimmt, für welches Gott unter solch widrigen Umständen dennoch das Leben vorgesehen hat!" Melissa glaubte ihren Ohren nicht zu trauen und auch Armin schaute nach dieser Ansprache völlig verdutzt aus der Wäsche. Aber Albert Kappe hatte noch nicht geendet. "Mein lieber Armin, hiermit ernenne ich dich zum "Jünger des Jahres"! Mit diesem Titel verbunden ist eine Prämie von fünftausend Simoleons, die du der Hilfsorganisation deiner Wahl spenden darfst." Armin war, soweit das bei seiner sehr dunklen Haut überhaupt möglich war, blass geworden und fühlte sich offensichtlich nicht besonders wohl in seiner neuen Rolle. Aber alle, bis auf seine Freundin Melissa, zollten ihm ihre Anerkennung, und das tat auch irgendwie gut.
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Dann ging Albert zur Fuller'schen Küchenzeile und köpfte die bereitgestellte Champagner-Flasche. Es war zwar kein sündhaft teurer Pommery Cuvée Louise, wie ihn Adam für den einen oder anderen Anlass in seinem Besitz parkte, sondern der vom Aldi. Aber immerhin echter Champagner!
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Während sie gemeinsam anstießen, sah Melissa wütend zu Halina rüber, obwohl sie wusste, dass diese für das ganze Theater am wenigsten konnte, und zog sich dann ins Obergeschoss zurück, was niemand in dem Trubel bemerkte.
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Traurig und enttäuscht schaute sie aus dem Schlafzimmerfenster. Albert hatte Armin belohnt und nicht sie, obwohl sie sowohl ihm als auch Halina viel länger als ursprünglich geplant ein Dach über dem Kopf bot und ebenfalls viel Aufmerksamkeit, Zeit und Geld investiert hatte, um ihrer Freundin beizustehen. Wie ungerecht das doch war! Noch lange dachte sie über ihre zukünftigen Handlungsoptionen nach.
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Und dann war der letzte gemeinsame Tag in der Simlane gekommen, morgen würde Nicolas Kappe abreisen. Naike machte sich am Vormittag auf den Weg in die Stadt, da sie noch ein persönliches Abschiedsgeschenk kaufen wollte. Irgendwie fühlte sie sich nicht gut, eigentlich schon seit einigen Tagen nicht. Sie empfand sich wie ein Gespenst, als sie im Spiegel ihr Aussehen überprüfte.
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"Haha, eine Sonnenbrille bei völlig verhangenem Himmel mit Gewitterneigung, das nenne ich mal coolen Style, Ziehmama!", witzelte Julia. "Ach, ich fühle mich irgendwie mau heute, will aber noch kurz ein Geschenk für Nic holen, beteiligst du dich eigentlich dran?" "Logo! Also dann bis nachher!" - "Bis späterli!" Nach dem Einstieg ins Taxi zögerte Naike einen Moment. Sollte sie nicht doch lieber zuhause bleiben? Aber dann entschied sie sich doch gegen ihre Intuition zur Fahrt nach Downtown.
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Nachdem Naike Nicolas nicht nur eines, sondern gleich mehrere schöne Geschenke gekauft hatte, wollte sie noch einen Kaffee in der Stadt trinken gehen, blieb aber abrupt stehen, als sie vor dem Café einen Motorradfahrer stehen sah, der ihr irgendwie spontan gefiel.
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Während sie kurz beobachtete, wie er sich an seiner Maschine zu schaffen machte, kam eine junge Frau aus dem Starbucks, rannte auf den Mann zu ...
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... und fiel ihm leidenschaftlich um den Hals.
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Schade, dachte Naike, der war offenbar schon vergeben, wobei sie dann gleich grinsen musste, weil Paul ihr plötzlich vor ihrem inneren Auge zulächelte. Sie erwiderte sein Lächeln in Gedanken und freute sich, doch als der Motorradfahrer plötzlich seinen Helm abnahm, dachte sie zuerst, sie sähe eine Fata Morgana und nahm ungläubig ihre Sonnenbrille ab.
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Das offenbar sehr verliebte Pärchen auf der gegenüberliegenden Straßenseite küsste sich innig.
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Naike konnte einfach nicht glauben, was da sah. Ihre Knie wurden weich wie Kaufgummi, die Übelkeit vom Morgen stellte sich wieder ein und leichter Schwindel ließ die Szenerie, die sich ihr bot, ein klein wenig schwanken, als stünde sie in einem kleinen Boot ganz mutterseelenallein auf dem Meer.
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"Ist was, Liebling?" - "Nein, ich überlege nur gerade, ob ich daheim die Espresso-Maschine angelassen habe, es ging eben alles so schnell."
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Eva Montez lächelte ihn verführerisch an. "Selbst Schuld, wenn du deinen Kopf nur bei mir hast." Adam streichelte über ihre Wange und schaute seine Eva verliebt an. "Lass uns lieber schnell noch einmal zurückfahren und nachsehen, ok?!" Und sein Blick verriet, dass er nicht allein vorhatte, nach dem Rechten zu schauen. Evas Blick signalisierte Zustimmung und ebenfalls deutlich die Hoffnung auf mehr.
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Naike konnte das Gespräch nicht hören, aber es zu sehen war bereits zuviel für sie. Adam und seine offensichtlich neue Freundin, die Naike vom Typ her verdammt ähnlich sah, schwangen sich auf sein Motorrad und brausten in Richtung Hafen davon, während ihr Frühstück sich deutlichst anschickte, das Licht der Welt noch einmal zu erblicken.
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Dann erbrach sie mitten auf die Straße ...
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... und fühlte sich in diesem Moment so elend schlapp, dass sie kurz zusammenbrach.
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Nachdem sie sich auf der menschenleeren Strasse wieder aufgerappelt hatte, rief sie Paul über Handy an und bat ihn, sie abzuholen. Wie es der Zufall so wollte, war auch er gerade in der Stadt unterwegs zu einem Immobilienbüro, um sich ein paar Angebote anzuschauen. Keine fünf Minuten später traf er vor dem Starbucks ein und fand seine Freundin in einem äußerst miesen Zustand vor. "Mensch, was ist denn mit dir passiert??!!" - "Mir ist schlecht geworden." - "Ja, das sehe ich." Naike verdrehte ein wenig die Augen und drohte erneut wegzukippen, aber Paul fing sie rechtzeitig auf und stellte sie wieder auf die Beine.
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"Wir gehen jetzt sofort zum Arzt, du gefällst mir gar nicht, mein Liebling", beschloss er ernst. Naike protestierte und relativierte ihren Zustand, aber Paul ließ sich nicht beirren und rief gleich ein Taxi. "Ich weiß doch, dass du dich nicht gerne untersuchen lässt, aber wir fahren zu meinem ehemaligen Studienkollegen, wo ich wohne, er ist supernett und wird dich mit Samthandschuhen anfassen!", versprach er aufmunternd. Naike seufzte, ließ sich aber dann ohne weitere Widerworte ins Taxi packen.
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Eine knappe halbe Stunde später stand sie im kleinen Bad von Dr. Gilbert Blythe und reinigte sich so gut es ging am Waschbecken.
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"Na Spätzle, geht’s dir schon etwas besser?" - "Viel besser, Paul, danke, aber ich glaube, ich könnte ein Bad brauchen." - "Werde ich dir nachher gerne ermöglichen."
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"Hallo zusammen!" - "Hi Doktor Blythe!", rief Naike fröhlich, als sie ihren Arzt nach langer Zeit endlich mal wieder sah. "Ihr kennt euch?", wunderte sich Paul. "Tja, die Welt ist klein", zwinkerte Gilbert seinem Freund zu. "Hätteste ja auch gleich sagen können, dass deine neue Eroberung Mademoiselle Le Normand ist!"
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Paul schüttelte erstaunt den Kopf und lachte über den überraschenden Zufall. Doch dann wurde seine Miene wieder ernst. "Gil, ich mache mir Sorgen um sie, sie ist eben auf der Straße zusammengeklappt und sowieso schon seit Tagen nicht so gut drauf wie sonst, bitte nimm' sie mal unter deine Fittiche, ja?!" Gilbert Blythe nickte ihr freundlich zu: "Kommen Sie, wir werden Sie mal auf Herz und Nieren prüfen." Naike nickte brav. "Sie können ruhig mal langsam du zu mir sagen, wir kennen uns jetzt doch schon eine halbe Ewigkeit!"
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Nach einer knappen halben Stunde hatte Dr. Blythe die Untersuchung abgeschlossen. "Bist du ganz sicher?" - "Na, guck dir den Streifen doch an – superblau, würde ich sagen, und deine Gebärmutter ist auch schon leicht vergrößert."
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Mit einem Mal hatte Naike all ihren Kummer vergessen und hüpfte wie ein übermütiges Kleinkind auf der Untersuchungsliege herum. "JA, JAAA!" - "Vorsicht, Mademoiselle ... äh ... Naike, du willst es diesmal doch sicher gerne behalten, oder?!", lachte Gil ...
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… und fing seine glückliche Patientin anschließend behutsam auf.
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Paul hörte den Lärm im Untersuchungszimmer und klopfte besorgt an die Tür. - "Komm ruhig herein!" - "Was ist los?" - "Rate mal, Schatz!"
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Gilbert zwinkerte seinem Freund zu und schwenkte dabei bezeichnend seine Arme, so als würde er etwas ganz Kleines schaukeln. Für einen Moment stand Paul ganz ruhig und ernst da, beinahe in sich gekehrt. Dann fragte er: "Du bist ... du bist wirklich ... also, wir bekommen ..." - "Ja, wir werden Eltern!"
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Paul strahlte wie ein Christbaum und küsste seine Freundin überschwänglich. Doktor Blythe ging leise an den beiden vorbei in seine Wohnräume und ließ sie ein paar Minuten alleine. Er seufzte erleichtert und war sehr glücklich darüber, dass Naike sich dieses Mal sehr über die Nachricht freute und nun offensichtlich endlich in ihrem Leben die Kurve gekriegt hatte.
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Einige Zeit nachdem sie wieder daheim angekommen waren, betrachtete sich die werdende Mutter im Spiegel und stellte fest, dass sie wieder gut Farbe im Gesicht hatte, und auch der Appetit war inzwischen zurückgekehrt. Sie zog sich an und verabschiedete sich von Nicolas Kappe, der seinen letzten Abend in der Simlane 10 bedauerlicherweise mit seinen Verwandten verbringen wollte, mit dem Verdacht, dass er sie und den zukünftigen Vater ihres Kindes die wundervolle Neuigkeit lieber alleine feiern lassen wollte.
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Naike war mit dem Essen noch nicht ganz fertig, als Paul auch schon in der Tür stand. "Mmmh, Hähnchen! Und du siehst toll aus! Warum hast du nichts gesagt, dass du dich so in Schale wirfst, dann hätte ich mir auch etwas Feineres angezogen!" - "Ach Paul, das macht doch nichts, Hauptsache, wir sind beisammen, hm?!"
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Dann machten sie es sich gemeinsam am Tisch bequem, schwatzten über alles Mögliche, und Paul fragte doch tatsächlich, ob man mit Zauberei eine Schwangerschaft beschleunigen könnte, was Naike lachend verneinte. Verliebt in eine Hexe - das konnte ja was werden, dachte er bei sich und grinste.
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Nachdem sie abgespült und auf ihre gemeinsame Zukunft angestoßen hatten, durfte natürlich ein Tänzchen nicht fehlen, denn beide liebten es sehr, sich zu schöner Musik in alle Richtungen zu drehen und sich auf diese Weise besonders romantisch nahe zu kommen.
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"Du, eigentlich wollte ich mir ein Haus suchen, weil ich ja jetzt mit meiner Ausbildung fertig bin und Gil nicht mehr zur Last fallen möchte. Und deshalb ... ja ... äh ... sollten wir nicht zusammen nach etwas Schönem schauen?" - "Oh Paul ... du ich darf, äh ... will die Simlane nicht verlassen. Ich liebe dieses Haus und wohne hier seit meiner Ankunft auf der Insel, als es noch ein kleiner grüner Schuhkarton war. Ich könnte mir nie vorstellen, woanders zu leben." - "Ach so." Paul blickte nachdenklich zu Boden. "Möchtest du nicht hier bleiben? Nicht über Nacht meine ich, sondern so richtig?", fragte Naike dann vorsichtig. Seine Miene hellte sich im Nu wieder auf. "Würdest du das wirklich wollen?" - "Natürlich, wir werden doch Eltern! Und außerdem ist hier doch Platz satt und ich wollte eh mal wieder ausbauen." - "Darf ich mir etwas ausdenken, wie es ausschauen soll? Architektur ist nämlich mein Hobby!"
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"Ehrlich? Na, da habe ich mir ja den richtigen Kerl an Bord geholt!“, freute Naike sich. „Klar kannst du dich austoben, nur zweckmäßig und kindgerecht sollte es sein." - "Na, das brauchste mir nicht zweimal sagen!" Glücklich umarmte sich das Paar, alles passte wunderbar. Das Leben in der Sim-Welt konnte also doch wunderschön sein!
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"Julchen, jetzt mach doch mal 'ne Pause, du malst ja schon seit heute Nachmittag!" - "Es macht mir halt Spaß, ich denke, ich kriege eine dicke Eins im Kunst LK!" - "Das gönne ich dir von Herzen, Süße, du hast ja in letzter Zeit enorm aufgeholt. Aber jetzt iss’ mal was, in der Küche steht noch Hähnchen mit Gemüse." - "Gerne, werde ich tun. Und was macht ihr zwei Beiden noch diesen Abend?", zwinkerte Julia verschwörerisch. "Wir feiern gerade, dass Paul bei uns einzieht, bist auch herzlich auf ein kleines Glas Schampus eingeladen." Paul protestierte gleich. "Nix da Schampus, du kriegst O-Saft, Schatz, du willst doch kein hyperaktives …?", mahnte er und hielt dabei abrupt inne. Julia bekam sogleich große Augen. So intelligent wie sie war, hatte sie sofort verstanden, was er meinte. Paul schämte sich für den versehentlichen Versprecher und ruderte hilflos mit den Armen. Aber Naike nickte verständnisvoll, wer kann sowas denn schon länger für sich behalten?
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"Oh echt? Dann darf ich euch also gratulieren?" - "Darfst du", strahlte das Paar. Julia freute sich gleich sehr und äußerte ihr Bedauern, dass sie Naikes Baby nicht aufwachsen sehen würde. Aber dann trat sie ebenso versehentlich ins Fettnäpfchen wie Paul zuvor und fragte ihre Pflegemutter: "Und was sagt Papa dazu?" Naike schnappte kurz hörbar nach Luft, fing sich dann jedoch gleich wieder und antwortete sehr geschickt: "Was soll Adam dazu sagen? Sicher wird er doch bald selbst eine Familie gründen mit dieser ... äh ... dieser ..." Sie tat, als würde sie überlegen und war jetzt sehr neugierig. Würde sie von Julia etwas über die Frau vom Café heute Morgen erfahren? "Ach ja, die Eva Montez. Der Papa hat ordentlich Feuer gefangen, dauernd ist er mit ihr unterwegs, er hat sie auf irgendeiner Präsentation kennen gelernt, wo sie modelte." - "Na dann ist ja alles in Butter", bemerkte Naike trocken, nahm hektisch Pauls Hand und führte ihn schnell in den gegenüberliegenden Raum. Dem Gespräch hatte er nicht so recht folgen können, ließ sich aber bereitwillig mitziehen.
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"Du kannst also entweder Jessicas ehemaliges Zimmer haben, in dem Nicolas bisher geschlafen hat, oder es dir hier gemütlich machen, sobald Julia ausgezogen ist. Aber da dies noch eine Weile hin ist, wird wohl erstere Lösung besser sein." - "Ich darf nicht bei dir im Bett schlafen?", guckte Paul betrübt. "Natürlich darfst du das. Aber es soll mein Zimmer bleiben, ich mag keine gemeinsamen Schlafzimmer, mein Mann und ich ...“ Naike stockte und schluckte, selbst erschreckt über ihre Wortwahl. "Häh, wie jetzt? Welcher Mann?", war Paul nun völlig irritiert. "Äh .. hehe … ich hab doch nur einen Spaß gemacht", lenkte Naike den peinlichen Versprecher, der sie nach langer Zeit mal wieder an die Welt erinnerte, aus der sie hierher gekommen war, wieder ins vorherige Gespräch um. "Im Fernsehen war letztens eine Reportage über Langzeitbeziehungen, die zeigte, dass Paare, die getrennt schlafen, deutlich länger zusammenleben als welche, die alles teilen! Ja, ja."
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"Na ja, gut, wenn du meinst, Schatz. Aber heute in der ersten Nacht möchte ich mit dir in deinem Bett schlafen und es ist mir völlig egal ob du willst oder nicht." Naike beschwerte sich scherzhaft. Aber das mochte sie - Männer, die nicht vorsichtig anfragten, sondern klar artikulierten was sie wollten.
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Und so erfüllte sich Pauls Wunsch eine Stunde später. Naike konnte zuerst wieder nicht einschlafen, was aber nicht verwunderlich war, denn als sie hörte wie Nicolas nach Hause kam, wurde sie traurig - morgen würde er endgültig gehen. Außerdem ließ sie ein Name nicht in Ruhe: Eva Montez … Adam und Eva. Naike schloss die Augen.
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Paul bemerkte ihre Unruhe und nahm ihre Hand, die eine sanfte, pulsierende Wärme ausstrahlte und die Aufgewühlte im Nu doch noch in den Schlaf hinüber gleiten ließ.
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Das letzte gemeinsame Frühstück. Naike bekam kaum einen Bissen runter, einerseits wegen Nicolas, andererseits wegen ihrer Morgenübelkeit. Sie sprachen kaum miteinander.
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Dann zog Nicolas sich an und brachte seine Koffer mit den wenigen Habseligkeiten schon mal nach draußen vor die Eingangstür. "Noch mal herzlichen Glückwunsch, Paul, machen Sie was draus, ich will kleine Klagen hören! Wenn sie meiner Naike auch nur ein Haar krümmen, wie ihre Männer zuvor, dann ziehe ich ihnen persönlich die Hammelbeine lang." Was für eine Ansprache!, Naike musste unwillkürlich grinsen. Paul grinste auch, fragte sich allerdings, von welchen "Männern" Nic da wohl gesprochen hatte, denn er wusste von der zukünftigen Mutter seines Kindes bedeutend weniger als sie von ihm. "Werde ich, Herr Kappe, werde ich", versprach er und beide Herren vollzogen einen absolut perfekten Militärgruß, genau wie bei der Verabschiedung im Camp vor vier Wochen. Naike spürte, wie ihre Tränendrüsen unmittelbar aktiv wurden.
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Dann rief Nicolas sein Taxi und Naike verdrückte sich, sich gegen einen Heulanfall wehrend, in ihr Dachzimmer, doch ihr bester Freund kam ihr hinterher. "Auf Wiedersehen, meine Liebe, pass’ auf dich auf, ja?! Ich will aus der Ferne nur Gutes von dir hören und zwar regelmäßig!", befahl Nicolas in sehr harschen Ton, weil auch er gegen seine schmerzlichen Abschiedsgefühle kämpfte."
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Sie gingen Arm in Arm die Treppe hinunter nach draußen, wo bereits Julia mit verheultem Gesicht am gerade eingetroffenen Taxi stand. Siegfried sprang hinein, was den Taxi-Fahrer sofortigst dazu veranlasste, seine Nase zuzuhalten, und dann kletterte auch Nicolas Kappe hinterher und schloss die Tür mit einem beherzten Ruck.
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”Wir sehen ihn bald wieder, ja?" - "Ach Julia!", schluchzte Naike und beide hielten sich noch eine lange Zeit in den Armen.
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Naike fühlte sich durch das unter ihrem Herzen wachsende neue Leben schon wieder müde, es war auch alles ein bisschen viel an diesem Vormittag. Sie ließ sich ein angenehm warmes Schaumbad ein, um sich ein wenig zu entspannen, aber ihre Gedanken hatten offenbar beschlossen, wieder einmal ordentlich Kirmes zu machen und eine Karussellfahrt zu veranstalten, statt sich mit einem kandierten Apfel in die Hängematte zu legen. „Naaaa, eigentlich schon mal naaachgerechnet, meine Gute?“, fragte der erste Affe in scharfem Ton. Naike nahm einen Waschhandschuh und fuhr sich damit über ihre schweißbedeckte Stirn. „Hat sie natürlich niiiicht, die feige Memme“, lästerte der zweite Affe, worauf der dritte einen kleinen Kalender hervor holte und die drei lästigen Viecher daraufhin gemeinsam die gesamten vergangenen zwei Monate durchgingen und heftigst darüber diskutierten, wo denn überall ein rotes Kreuzchen für ein Schäferstündchen zu machen sei. Naikes Kopf kippte zur Seite, der Waschlappen rutschte ihr von der Stirn und fiel ins schaumige Nass - sie war völlig erschöpft eingeschlafen.
Aus weiter Ferne hörte sie es plätschern, obwohl Paul gleich vor ihr stand, während er ein kleines Baby aus dem Wasser holte …
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"Ist sie nicht wunderschön, meine Liebste?!"
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"Ja, das ist sie, wahrhaft göttlich!"
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"Oh ja, wie sehr - meine Tochter ist in der Tat ein Traum!", erklang plötzlich eine dritte Stimme im Raum.
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"Die Eure Tochter? Seid Ihr von Sinnen, Joseph?!"
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"Wie kommt Ihr auf diese aberwitzige Behauptung? Lasst mich und mein Weib in Frieden! Ihr seht doch - sie ist noch kraftlos von der Geburt. Verlasst umgehend unsere Wohnstatt!"
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Während Joseph nicht von der Stelle wich, sondern eine Diskussion begann, sah Naike einen weiteren Mann nahen.
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Zuerst blieb er in einiger Entfernung stehen und zog sich nervös seine Bekleidung zurecht. Aber den Bruchteil einer Sekunde später stand er plötzlich vor ihr, obwohl er sich gar nicht durch den Raum bewegt hatte.
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„Ist das ... ist sie das ... meine Tochter?", fragte er ehrfurchtsvoll.
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Keiner brachte einen Ton heraus, als Adam das Baby in Naikes Armen hingebungsvoll betrachtete. Alle waren wie paralysiert.
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Dann nahm er das kleine Bündel aus ihren Armen und sie ließ es widerspruchslos geschehen, denn ein weiterer Mann zog nun ihre Aufmerksamkeit auf sich. Er kam ihr bekannt vor, aber sie wusste ihn zunächst nicht so recht einzuordnen.
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"Warum … warum habt Ihr mir nichts gesagt? Ist das mein Kind?“, fragte Ramon überrascht.
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"Oh, wie hübsch es ist, meinem Antlitz so gleich", ergänzte der junge Mann noch, woraufhin Adam seinem Bruder Joseph das kleine Wesen mit den großen Augen in den Arm legte.
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"Eurem Antlitz???", ging er dann plötzlich auf den vierten Mann im Bunde los, "Ihr habt doch noch nicht mal Haare am Sack, Alvarez!", und verpasste ihm einen kräftigen Schlag unter sein weiches Kinn.
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"Aber ...", setzte Paul an, schwieg aber dann wieder. Alle sahen sich betreten an.
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Doch dann ging Ramon auf Paul los. "ABER? Was ABER?? Glaubt Ihr wirklich, es ist das Eure? Mich hat sie genauso rangelassen wie Euch!!!", funkelte er sein Gegenüber wütend an. Naike wurde es fiebrig heiß und der Schweiß brach ihr vor Scham aus allen Poren, so dass sie nicht anders konnte als ihr Baby Joseph augenblicklich zu entreißen und sich schnellen Schrittes der sich immer dramatischer zu entwickeln scheinenden Situation zu entziehen, denn deutlich derber wurden nun die vorwurfsvollen Worte der vier Männer, mit denen sie in jüngster Zeit das Lager geteilt hatte.
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Plötzlich war das Baby aus Naikes Armen verschwunden und sie nahm auch sich selbst nur noch als Schatten wahr, während hinter ihrem Rücken um das Recht des Stärkeren gerungen wurde. Wie ein alte, dünne und kalte Hand klammerte sich der Gram um ihr Herz. Langsam wurde das Gebrüll ihrer Männer immer leiser und der Raum verschwamm vor ihren Augen ...
"Naike? Naike!? Hey, NAIKE!!" Sie spürte einen leichten Schlag auf ihrer Wange. "Paul?", fragte sie leise.
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Das Herz ist mir bedrückt, und sehnlich Gedenke ich der alten Zeit; Die Welt war damals noch so wohnlich, Und ruhig lebten hin die Leut'.
Doch jetzt ist alles wie verschoben, Da ist ein Drängen! eine Noth! Gestorben ist der Herrgott oben, Und unten ist der Teufel todt.
Und Alles schaut so grämlich trübe, So krausverwirrt und morsch und kalt, Und wäre nicht das bisschen Liebe, So gäb' es nirgends einen Halt.
(Heinrich Heine)
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Kapitel 23 - Mayday Kapitel 25 - Erzeugerzirkus
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