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 | Kapitel 19 - Hurensöhne |
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Auch am nächsten Tag äußerte sich Naike kein einziges Mal zu den Geschehnissen und es machte auch niemand den Versuch, sie danach zu fragen, denn es hatte augenscheinlich keinen Sinn. Draußen wurde es langsam ungewöhnlich kühl und jeder beschäftigte sich mit seinem eigenen Kram, lediglich Joseph war anzusehen, dass er sich mehr als unwohl fühlte und offenbar nicht wusste, wie er reagieren sollte.
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Armin hatte sich noch immer nicht offiziell von Melissa getrennt, war aber nun häufig Gast im Haus, was weder das stinkende Riesenviech Siegfried ...
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... noch dessen Herrchen Nicolas gefiel. Sie konnten ihn einfach aus ihnen selbst unbekannten Gründen nicht leiden.
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Naike hasste ihre Stelle als Grundschullehrerin, war aber über jede Gelegenheit froh, das Haus verlassen zu können. Nicht einmal über die schrecklich altjüngferliche Schulkleidung regte sie sich mehr auf, alles war ihr irgendwie egal …
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… auch Armins Dauerbesuche. Nach einer knappen Woche Schweigen, als Jessica und ihr wieder einmal bei ihr übernachtender junger Liebhaber längst friedlich schlummerten ...
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... setzte sie sich zu Joseph an den Tisch, der gerade seinen üblichen Espresso trank, bevor er sich zu einem weiteren Einbruch aufmachte. Sie hatte sich die Haare geknotet, ihren alten blauen Pullover angezogen, den Rucksack aufgeschnallt und sogar an ihre Funkkopfhörer gedacht. Joe war völlig überrascht und konnte kaum glauben, was er da sah und konnte erst einmal gar nichts sagen.
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"Ich will endlich mein Café haben, Joe. Wenn ich weiterhin als Lehrerin arbeite, werde ich alt und grau sein bevor es endlich soweit ist."
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"Ich weiß nicht, ob das eine so gute Idee ist", bemerkte er dann , obwohl er sich eigentlich außerordentlich über ihren Entschluss freute und sich wunderte, dass sie ihn nicht längst vor die Tür gesetzt hatte. "Jetzt erst Recht", sagte Naike hart. Joseph Tallis grinste breit …
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… und dann machte er sich mit Mademoiselle Inkonsequent auf den Weg.
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„Warum schmeißt du mich eigentlich nicht raus?“ – „Halt die Klappe, Joe, und fahr!“
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"HALT!! SOFORT STEHENBLEIBEN!!" Naike erschrak bis auf die Knochen und drehte sich ruckartig um.
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"ADAM!! Was tust du hier??", fragte sie völlig entgeistert, nachdem sie ihn erkannt hatte. Und dann kam auch Joe herbeigeeilt und überspielte seinen Schock mit einem umgehenden Verbalangriff.
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"Was willst du denn noch hier?? Tu' mir einen Gefallen und verzieh' dich, JA??!!"
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"Vergiss es, Bruderherz. Ich werde nicht zulassen, dass du Naike in Gefahr bringst, und das nur wegen ein paar lächerlicher Kröten, von denen wir eh schon mehr als genug geerbt haben! Ich weiß was es bedeutet in so einem scheiß Knast zu sitzen, mein Mädchen bringst du da nicht rein!!!" Böse blitzte er ihn an, doch Joe ließ sich nicht beirren. "Sie ist aus freien Stücken mitgekommen, ich ..." - "Ich kann gut für mich selbst reden, Joseph Tallis", empörte sich Naike ...
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... und so diskutierten nun derart eifrig herum, dass sie den Wagen nicht bemerkten, der an ihnen vorbeifuhr, dann langsamer wurde und schließlich anhielt.
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"DAS nennst du Liebe? Schau doch mal wie du dein so genanntes "Mädchen" zugerichtet hast!!!", brüllte Joe seinen älteren Bruder noch an, dann fiel ihm plötzlich auf, dass sie nicht mehr alleine waren. "Guten Abend, meine Herrschaften, Kriminalpolizei", hielten zwei Polizisten in Zivil den drei Streithähnen ihre Ausweise unter die Nasen. "Ihnen ist bewusst, dass Sperrstunde ist, oder?! Darf ich fragen, was sie hier verloren haben? Wir sind auf der Suche nach einem Einbrecher-Trio, und wenn Sie meine ehrliche Meinung hören wollen, sehen sie ganz danach aus."
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Naike sah jetzt genau in die Richtung, in der sie intuitiv Real-Naike vermutete und war sich sicher, dass sie gerade sehr genau von ihr beobachtet wurde. „Das ist jetzt ein Witz, meine Liebe, oder?! Sag mir auf der Stelle, dass du mich nur erschrecken willst!!!“
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Während Joe und Adam heftigst mit den Beamten diskutierten und ihre Unschuld beteuerten, hielt sie sich verzweifelt die Ohren zu. Das war einfach zuviel! Fünf Minuten später saßen sie eng nebeneinander gequetscht auf dem Rücksitz des Polizeiwagens.
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*FLASH* *FLASH* *FLASH*
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"Halt jetzt endlich die Klappe, Joe!", zischte Naike.
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Der Polizist schmiss seinen Kugelschreiber auf den Tisch, rollte genervt mit den Augen und erhob sich von seinem Schreibtisch. "Meine Herrschaften, ich muss kurz etwas erledigen und erwarte von Ihnen, dass sie sich in dieser Zeit absolut ruhig verhalten, alles andere würde gegen Sie verwendet", befahl er dann in schneidendem Ton und verließ strammen Schrittes den Zellentrakt.
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"Mensch, Nai, denk' dir doch irgendetwas aus, wie wir hier wieder rauskommen!" - "Wie belieben? Glaubst du ich kann uns hier wegzaubern oder was?!" - "Hatte ich zumindest gehofft", bemerkte Joseph trocken, "wenn du dir schon Flügel ..." Naike bedachte ihren Co. umgehend mit einem messerscharfen Blick, der in augenblicklich zum Schweigen brachte. Adam sagte nichts, denn er sah vor seinem inneren Auge bereits seinen schlimmsten Alptraum Wirklichkeit werden, die Rückkehr in den Knast.
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Naike holte sich ein Glas Wasser und wirkte nicht halb so nervös wie die Männer. Was sollte sie auch tun? Langsam, aber sicher, machte sich eine tiefe Resignation in ihr breit. "Meint ihr, wir müssen jetzt für Jahre hier drin hocken?", fragte Joe und seine Hände zitterten auffällig.
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"Was für einen Scheiß laberst du? Das hier ist doch eine U-Zelle! Aber ich hoffe von ganzem Herzen, dass du bald in den echten Bau überwechselt, dann kannste für ein paar Jahre vergeblich nach Weibern Ausschau halten!! - Und noch einen Tipp", setzte Adam noch einen drauf, "hebe dann niemals, aber auch wirklich niemals beim Duschen deine Seife auf!!" Naike zuckte bei seinem plötzlichen Ausbruch heftig zusammen und Joseph wurde angesichts dieser Aussichten so blass wie ein Albino-Äffchen.
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"Adam, bitte ... lass uns nicht mehr streiten, das macht doch alles nur noch schlimmer!" Sein älterer Bruder sah ihn verständnislos an. "Ist das etwa alles, was du zu sagen hast?“
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"Nai, sag du doch auch mal was! Bitte mach' ihm klar, dass du freiwillig mit mir gekommen bist, mir glaubt er es sonst nie! Du hast mir doch gesagt, dass zwischen euch Schluss ist. War das nun die Wahrheit oder nicht?!"
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"Es tut mir so leid, es tut mir alles so leid", jammerte er und für Naike klang es echt. Für Adam nicht.
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"Hör sofort mit dem lächerlichen Theater auf, das konntest du schon immer gut", sagte er und Naike stockte der Atem als sie sah, dass sich trotz des Gipsverbands seine Faust ballte. Wo war nur dieser verflixte Polizist hin? Hilflos blickte sie durch die Gitterstäbe.
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Die beiden Brüder steigerten sich nun in wüste Beschimpfungen und Adam begann Joseph rüde zu stoßen.
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"DU GOTTVERDAMMTER HURENSOHN!!!", schimpfte er lautstark. "JETZT FANG DOCH NICHT SCHON WIEDER DAMIT AN!", brüllte Joseph zurück, "DU BIST DOCH SELBST EINER! HAST DU ES IHR EIGENTLICH GESAGT, HÄH?! WEISS SIE ES ÜBERHAUPT!!?" Adam hielt für einen Moment inne und schüttelte kurz den Kopf.
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Dann stürzte er sich ohne Rücksicht auf seinen gebrochenen Unterarm auf seinen verhassten Bruder. Da in dem offenbar unterbesetzten kleinen Knast noch immer niemand zu Hilfe eilte, schrie Naike aus Leibeskräften die beiden Kampfhähne an, um sie auseinander zu bringen.
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Zum Glück half es, sie ließen tatsächlich voneinander ab, fauchten sich aber weiterhin an. "Was redet ihr da eigentlich für ein blödes Zeug? Was weiß ich nicht?", wandte Naike sich verständnislos an Adam.
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Er überlegte fieberhaft, wie er es ihr sagen sollte. "Wir sind in einem eher ungewöhnlichen Haus aufgewachsen", sagte Joe ein und blickte zu Boden.
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"Unser Vater besaß ein gut besuchtes Etablissement, ich denke, du weißt, was ich damit meine. Damals in Thionville. Kannst du dir auch nur im Ansatz vorstellen, was das für drei heranwachsende Kinder bedeutet hat??" Seine Stimme brach. Naikes Mund wurde trocken wie die Wüste der Sahara.
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Dann begann er zu weinen. Adam stand mit völlig ausdruckslosem Gesicht daneben. "Ihr tut mir unendlich leid", unterbrach Naike dann leise in die entstandene Stille. „Aber ich bin weder die Heilsarmee noch irgendeine der Damen, die euch damals offenbar „betreut“ haben, damit müsst ihr schon selbst klarkommen. Sobald wir hier wieder raus sind, verlässt du bitte mein Haus, Joe. Und du kannst die Koffer ebenfalls packen und dein „neues Leben“ anfangen, wie du es eigentlich vorhattest, bevor wir uns wieder trafen. Mehr habe ich nicht mehr zu sagen. Gute Nacht, meine Herren!“ Sie hatte ruhig und gefasst gesprochen, zitterte aber wie Espenlaub, als sie sich auf die harte Matratze legte und eisern versuchte, diesem Wahnsinn wenigstens für ein paar Stunden durch Schlaf zu entgehen.
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Die beiden Tallis-Brüder standen eine paar endlose Minuten lang völlig betreten in der Zelle herum, dann brach der jüngere das eisige Schweigen.
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"Und nun? Was machen wir jetzt?", fragte er kläglich. "Du hast sie nie gehabt, aber ich hab' sie endgültig verloren", antwortete Adam matt.
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"Es tut mir alles so leid, Adam, bitte glaub' mir, ich spiele dir kein Theater vor! Ich liebte sie, seit ich sie das erst Mal sah und tue es noch immer, und ich konnte nicht ertragen, wie du mit ihr umgegangen bist, nachdem du aus dem Gefängnis entlassen warst. Es hat mir damals das Herz gebrochen, als ich sie mit ihrer kaputten Nase und dem blauen Auge sah. Wie hätte ich zulassen können, dass du ihr noch Schlimmeres antust?! Und so kam mir die irre Tat von Nastassja gerade recht - ich muss von Sinnen gewesen sein!"
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"Es war falsch, ich hatte nicht das Recht dazu, das ist mir jetzt endlich klar. Aber du hast dir immer alles genommen, was du wolltest, ohne Rücksicht auf andere. Erinnerst du dich an Marie, die kleine Dunkelhaarige aus Thionville? Ich wollte sie heiraten und den ganzen Scheiß unseres Elternhauses hinter mir lassen, aber du hast dich hinter meinem Rücken mit ihr ausgetobt, als wäre sie eine der Huren gewesen, die dir Tag und Nacht zur Verfügung standen. Du bist genau wie Vater geworden, der nicht einmal in der Lage war, unsere wundervolle Maman zu lieben!!", klagte Joseph und weinte dann bitterlich.
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"Du hast Recht, ich habe mich wohl zu einem Monster entwickelt und war bisher tatsächlich nicht in der Lage zu lieben. Ich fühlte mich immer nur benutzt, weißt du?! Zahlreiche Frauen machten mir schöne Augen, sahen in mir aber offenbar nicht mehr als ein Lustobjekt, denn sobald sich jeweils die erste Leidenschaft verlor und sich Affäre eigentlich in Liebe hätte wandeln sollen, waren sie genauso schnell wieder weg, wie sie gekommen waren - Ex und Hopp. Aber dann begegnete ich Naike. Und eines Tages war sie schwanger, was mich zuerst völlig aus dem Konzept brachte, denn ich befürchtete sofort, dies würde nun mein drittes Kind werden, das abgetrieben würde. Doch sie sagte mir dann völlig entgegen meiner Erwartungen, dass sie mit mir leben wolle. Aber dann kam Nastassja dazwischen und setzte meinem einzigen echten Glück, das ich je hatte, ein jähes Ende. Mein Leben stand auf der Kippe und als ich über den Berg war kamst du und hast mir gesagt, dass mein Kind tot ist und meine Freundin mich wegen meinem Verhältnis zu unserer Schwester nie mehr wieder sehen will." - "Bitte vergib mir!", bat Joseph leise.
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"Joe, ich werde einige Zeit brauchen, um dir verzeihen zu können, aber ich habe ebenso einen Riesenmist gebaut. Wir sind jetzt quitt und fangen von vorn an, ok?!" Sein Bruder nickte, fix und fertig, aber mit einem ersten Anflug von Erleichterung. Adam angelte sich durch die Gitterstäbe das stehen gelassene, noch halbvolle Bier vom Arbeitstisch des Polizisten, der zum Glück noch immer nicht zurückgekommen war, zog Joseph mit hinunter auf den Steinboden, und dann teilten sie es sich Schluck für Schluck untereinander auf, während Naike offenbar den Schlaf der Gerechten schlief. Aber in Wahrheit war sie vollkommen wach und zutiefst erschüttert, Tränen rannen in ihre Ohren.
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Am nächsten Morgen wurde das Trio aus Mangel an Beweisen mit einer Verwarnung wegen Missachtung der Sperrstunde vorerst entlassen. Nicolas, Jessica und Julia waren informiert worden, um ihre beiden Mitbewohner abzuholen und warteten bereits vor der Tür des kleinen Gefängnisses, als Naike als Erste aus dem Gebäude trat und von der hellen Morgensonne geblendet wurde. Während Jessica und Nicolas sie und Joseph mit eisigen Mienen empfingen, sah Julia nun endlich ihren Vater wieder und lächelte, während sich ihre braunen Augen mit Tränen füllten.
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Adam blieb zögernd stehen und schaute voll stillem Erstaunen zu seinem Kind hinüber.
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Und auch Julia verharrte einen Moment in unbeweglichem Schweigen, als sie ihren Vater erblickte.
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Doch dann ging er auf sie zu und bewunderte ihr schönes Gesicht, denn als sie getrennt wurden, war sie noch ein Schulkind, inzwischen aber ein hübscher Teenager. "Fragst du dich nicht, warum ich hier vor dir stehe, obwohl ich mich doch eigentlich in der Hölle befinden sollte?", fragte Adam verwundert, denn Julia schien weder überrascht noch erschreckt, ihn zu sehen. „Mama und Jessica haben mir alles erzählt, ich bin aus der Ohnmacht bereits wieder erwacht", antwortete sie ernst, zwinkerte dabei aber ein wenig mit ihren noch leicht verschwollenen Augen.
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Dies veranlasste ihren Vater augenblicklich, seine wieder gewonnene Tochter fest in die Arme zu schließen, und sie ließen sich minutenlang nicht mehr los, während der Rest der Truppe auf dem Bürgersteig vor dem kleinen Untersuchungsgefängnis lautstark miteinander diskutierte.
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"Naike, das hätte ich niemals, aber auch wirklich nie im Leben von euch gedacht, dass ihr des nachts, während ich immer friedlich schlief, Mitmenschen ihr Hab und Gut gestohlen habt!", wetterte Jessica böse. "Aber ..." - "Nix aber, die Beamten könnt ihr vielleicht an der Nase herumführen, denn sie brauchen handfeste Beweise, aber nicht mich, ich bin nicht von gestern. Und jetzt weiß ich auch endlich, was dauernd diese Kartenkombination "kriminelle Energien" in deinem Kartenbild bedeutet haben", stellte Jessica mit deutlicher Verständnislosigkeit für die Eskapaden ihrer Freundin klar.
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Auch Nicolas war fassungslos. "Ich würde dir raten, sofort die Koffer zu packen und auszuziehen", sagte er enttäuscht zu Joe. Dieser widersprach nicht, denn er wusste ja eh, dass er dies umgehend zu tun hatte.
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Aber als Jessica mit hochrotem Kopf dann ebenfalls ihren Auszug ankündigte, war Naike zutiefst erschüttert, damit hatte sie nicht gerechnet. Waren sie denn bisher nicht immer gemeinsam durch Dick und Dünn gegangen?!
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"Jessi, das kannst du mir nicht antun, bitte, du bist mir die Liebste, ich kann mir unser Haus nicht ohne dich vorstellen!!!", flehte Naike ihre Mitbewohnerin der ersten Tage an, als sie sich noch am gleichen Tag im Internet nach einer neuen Bleibe umschaute, dann aber erst einmal ein Hotelzimmer in der Stadt buchte.
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"Lass sie, du hast ihr Vertrauen missbraucht, es ist die richtige Entscheidung", meinte Nicolas und Naike wusste, dass er damit leider Recht hatte.
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Aber dennoch rannte sie hinter ihr her, als das Taxi kam, um sie abzuholen. "Wohin gehst du jetzt? Wann sehen wir uns wieder???", jammerte sie schrill.
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"Sehen wir dann. Ich wünsche dir viel Glück mit deinem Adam, pass auf dich auf!" - "Aber es ist aus zwischen uns, ich hab' mich längst von ihm getrennt!!!" - "Umso besser, dann wirst du hoffentlich bald einen anderen kennen lernen und endlich wieder zur Vernunft kommen“, sagte Jessica trocken. „Ich hoffe inständig, es gibt nicht noch einen weiteren Tallis auf dieser Welt!" Dann schob sie die Autotür zu und das Taxi fuhr davon.
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"Nic, weinst du etwa?" - "Wie könnte ich es nicht tun, bei diesem Drama? Bin doch auch nur ein Mensch." Julia seufzte und strich ihm liebevoll über seine Schulter.
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Naike erinnerte sich haarklein an jedes Wort, das die Tallis-Brüder in der Zelle gewechselt hatten, als sie eine halbe Stunde später Joseph beobachtete, wie er das Haus verließ. Diesmal fuhr er nicht zur Arbeit oder sonst wo hin, er würde nicht mehr zurückkehren. Ihr Herz war einfach zu groß, um ihm nicht irgendwann verzeihen zu können, das wusste sie, und es fühlte sich an, als würde es in ihrer Brust zerspringen, als der kleine schwarze Jeep, mit dem sie so einige Abenteuer gemeinsam erlebt hatten, in der Ferne verschwand.
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Adam traf sich in den darauf folgenden Tagen zu einem Gespräch mit Julias Mutter Desdemona und die beiden entschieden sich mit Einverständnis von Naike, ihre Tochter vorläufig in der Simlane 10 wohnen zu lassen, damit sie sich darüber klar werden konnte, ob sie in Zukunft mit Mutter oder Vater leben wollte, denn beide lebten ja derzeit auf verschiedenen Kontinenten. Julia stand also eine schwierige Entscheidung bevor, am liebsten hätte sie Papa und Mama in ihrer Nähe gewusst, und ihren geliebten Nicolas noch dazu! Und da war ja auch noch Ramon.
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"Hey Papa, wo kommst du denn so plötzlich her?!", hüpfte das junge Mädchen freudig auf ihren Vater zu. "Hast du Zeit, gehen wir aus?", fragte er. Julia sah zu Ramon. Mit ihm durfte sie wegen der wieder laufenden Fahndung nach dem Serientäter nicht um die Gemeinde ziehen, aber mit ihrem Vater schon. "Ich klär' das eben mit meinem Freund, ok?!“ Adam nickte und schmunzelte. "Mein Freund", wie das klang! Nun war seine Kleine sogar schon verliebt. Für einen Moment fühlte er sich ziemlich alt. Und dann konnte er es nicht lassen, zum Haus zu gehen und anzuklingeln.
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Naike öffnete und er trat, ohne um Erlaubnis zu bitten, herein. "Hi!" - "Hi, was führt dich her?", fragte sie abweisend. "Ich wollte Julia zu einem Spaziergang abholen, ist das ok?!" – „Natürlich ist das ok, jederzeit!" Dann schwiegen sie sich für einen Moment betreten an, bis Adam erneut das Wort ergriff: „Und ich wollte dir noch sagen, dass ich dich liebe - auf Gedeih und Verderb! Wolltest du mir nicht den Hintern abwischen, wenn ich mal achtzig bin?", fragte er traurig, schaute dabei aber ein wenig verschmitzt.
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"Ad, ich .." Naike suchte händeringend nach einer Antwort, aber es wollte ihr einfach nichts einfallen, was sie darauf hätte entgegnen können.
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Adam ergriff ihre Hand, aber in diesem Moment kamen Julia und Ramon ins Haus und sie schüttelte sie ab, während sie ihm einen hilflosen Blick zuwarf.
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"Du, wenn du heute lieber weiter mit Ramon zusammen sein willst, habe ich vollstes Verständnis, Julia. Tut mir leid, dass ich dich so einfach überfallen habe, wir können gerne auch ein anderes Mal etwas miteinander unternehmen, ja?!" Naike starrte auf den großen strammen Hintern ihres Ex und die Affen in ihrem Kopf beschlossen umgehend, sie mal wieder ein bisschen zu foppen. "Na, nun fass’ ihn schon an!", meinte der erste. "Tritt kräftig zu", schlug der zweite vor und rieb sich schon siegessicher die Hände. Aber der dritte kam erst gar nicht mehr zu Wort, denn in diesem Moment ging Naikes Aufmerksamkeit wieder zurück zu Julia. "Papa, es ist doch schon längst alles geklärt, Ramon muss eh gleich heim. Lass uns ruhig gehen, ich möchte zum Bowling, ja?!", freute sie sich. Adam lächelte.
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"Salut, Ramon, dann bis morgen!" Julia gab ihm einen Kuss auf die Wange, nahm dann ihren Vater an die Hand und zog ihn aus dem Haus. Er drehte sich noch einmal kurz um, sah, wie Naike sich auf die Lippe biss, und hob zum Abschied kurz verführerisch seine rechte Augenbraue. Sie biss sich noch fester in ihre Lippe und schmeckte plötzlich Blut.
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Dann ging sie zuerst ins Bad, um sich ein Taschentuch zu holen, und steuerte anschließend den Küchenschrank an, holte den restlichen Party-Tequila heraus und setzte die Flasche wie ein Penner direkt am Mund an - an diesem Tage nicht das erste Mal. Ihre Unterlippe brannte durch die Berührung mit dem Alkohol wie Feuer.
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Inzwischen hatte sich der Himmel völlig zugezogen. Es blitzte und donnerte, und die gesamte Insel wurde nun von kräftigen Schauern heimgesucht.
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Als Ramon von der Toilette kam und sich eigentlich verabschieden wollte, bemerkte er das heftige Wetterchen und schaute besorgt aus dem Fenster. "Haben Sie vielleicht einen Schirm?" - "Ich fürchte nicht, es regnet noch nicht so lange hier in diesem Leben", machte sich Naike ein Späßchen und bekam dabei einen Schluckauf. Aber du kannst gerne noch bleiben, ruf' doch kurz zuhause an. Kannst mir ein bisschen Gesellschaft beim Kochen leisten, Herr Kappe ist zum Arzt, weil ihm der Magen arg drückte. Wenn also heraus kommt, dass ich hier zeitweilig ohne starken Mann war, kriege ich tierischen Ärger", zwinkerte sie. Ramon lachte, fasste Naikes Spruch als willkommenes Kompliment auf und ging schnurstracks zum Telefon.
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"Mögen Sie ein bisschen fernsehen? Gleich kommt El Cid, ein spannender History-Schinken. Er spielt zur Zeit der Reconquista, also der Kämpfe um die Vorherrschaft auf der iberischen Halbinsel durch die christlichen Nachkommen der Westgoten, die seit dem frühen 8. Jahrhundert von aus Nordafrika vordringenden muslimisch-arabischen Eroberern verdrängt worden waren, Mrs. Tallis. El Cid war ..."
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"Ich kenne El Cid, Ramon, aber wenn ich die Filmmusik höre, fange ich immer gleich an zu flennen. Und bitte nenn' mich endlich nicht mehr Mrs. Tallis. Naikes Mundwinkel zuckten besorgniserregend …
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... und dann begann sie hemmungslos zu heulen. Ramon starrte verlegen auf den Bildschirm, auf dem El Cid sich gerade anschickte, für die nächsten drei Stunden zahlreiche mutige Kämpfe zu bestehen. Was sollte er bloß jetzt tun?, überlegte er unsicher.
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Da er kein dummer Junge war, war ihm auch nicht entgangen, dass die "Pflegemutter" seiner Freundin Julia und deren Vater offenbar irgendwelche zwischenmenschlichen Probleme hatten, da sie sich irgendwie seltsam zueinander verhielten. Er schlussfolgerte spontan richtig, dass nicht Julias Onkel Joe, wie er zuerst vermutete, sondern ihr Vater Adam Naikes Problem war. "Na na, Sie werden doch nicht etwa wegen einem Kerl weinen", sagte er dann ziemlich altklug, aber sehr lieb. "Eine so hübsche Frau wie Sie kann doch fünf an jeder Hand haben, oder?!"
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Naike schniefte, hickste und musste lachen - das war ja vielleicht ein Filou, den Julia sich da an Land gezogen hatte! Und sie erschrak dann tüchtig, als er sie plötzlich fest an sich zog. "Jetzt nicht mehr weinen, ja?! Bitte!“
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Dann küsste er sie unvermittelt und ungestüm in den Nacken und Naikes Affen sprangen sofortigst aufgedreht im Quadrat! Aber sie bemerkte sie nicht einmal, sondern kicherte nur albern und ausgelassen, weil Ramon sie mit seiner Aktion tierisch kitzelte und der Raum angenehm schwankte, als befänden sie sich auf einem Boot. "Hey, hör aaauf!", giggelte Naike albern, hörte damit aber spontan auf, als der junge Mann sie küsste, als wäre er El Cid und sie seine Jimena. Sein Gesicht fühlte sich ungewohnt glatt und weich an, aber seine Zunge war überraschend flink.
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"Wie ... wie alt bissu eigentlich?“ - "Achtzehn." - "Gelooogen!", lachte Naike ihn aus. "Yep, ertappt. Ziehen Sie mal zwei knappe Jährchen ab!", grinste Ramon, führte seine Hand unter ihr T-Shirt, schob den BH beiseite und streichelte ihre nackten Brüste.
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Am späten Abend, nachdem Adam sich von seiner Tochter nach dem gemeinsamen Bowling verabschiedet hatte, steuerte er eine sehr spezielle Lokalität an und klingelte an deren Tür.
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"Hallo? Es tut mir leid, wir haben heute geschlossene Gesellschaft, alle Mädchen sind bereits ..." Eine kräftig aufgedonnerte Dame mittleren Alters öffnete die Tür, hielt dann plötzlich inne und schaute für einen Moment völlig irritiert auf den großen, schwarzhaarigen Mann, der Einlass begehrte.
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Und auch Adam traute seinen Augen kaum und war völlig von den Socken.
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Gerda Kappe fing sich als Erste wieder, lächelte süffisant und schmunzelte: "Soso, Totgesagte leben also doch länger. Kommen Sie herein, Monsieur Tallis, für Sie mache ich natürlich eine Ausnahme. Sie dürften es bitter nötig haben.“
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Klagt, Mädchen, klagt nicht Ach und Weh, Kein Mann bewahrt die Treue, Am Ufer halb, halb schon zur See Reizt, lockt sie nur das Neue. Weint keine Trä’n und lasst sie geh’n, Seid froh und guter Dinge, Dass statt der Klag’ und dem Gestöhn Juchheissassa erklinge.
(William Shakespeare, "Viel Lärm um nichts")
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Kapitel 18 - Siedepunkt Kapitel 20 - Entzugserscheinungen
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