Kapitel 16 - Ein ungebetener Gast



"Ich gehe gleich noch mal weg, wenn Nicolas zurück ist. Du weißt wohin, oder?!", fragte Joe so nebenbei. "Einbruch?" - "Jep, mit einem anderen Kollegen, denn Carla zickt total herum, seit sie hier war, und will plötzlich nicht mehr mit mir gehen. Verstehe das nicht, habe ihr doch gar nichts getan! Schade, dass du deine Ausbildung geschmissen hast. Aber beim nächsten Mal bist du wieder dabei, ja?!"





Naike dachte, sie höre nicht recht. "Wie bitte? Ich dachte, das hätten wir längst geklärt. Ich habe da keine Lust mehr drauf, das ist nicht meine Welt, keinen Fuß setze ich mehr in ein fremdes ..." - "Sehen wir dann", entgegnete Joseph kühl. "Denk daran, dass ich über dich soviel weiß wie du über mich, wir haben einige Touren zusammen durchgezogen." Naike war derart fassungslos, dass sie nicht mehr wusste, was sie antworten sollte - das war doch eindeutig Erpressung, wenn auch geschickt ausgedrückt! Wütend schoss sie vom Sofa hoch, knallte ihren Teller auf den Boden und rannte auf ihr Zimmer. Joe schüttelte den Kopf: „Weiber!"





Als er in den frühen Morgenstunden längst von seinem Beutezug heimgekehrt war und bereits schlief, wurde sein eigenes Wohnhaus von einem „Kollegen“ aufgesucht.





Jessica schreckte aus ihrem Schlaf hoch, denn ein komisches Geräusch hatte sie geweckt. Aber es konnte ja nur einer ihrer Mitbewohner sein, besonders Nicolas turnte oft noch nachts durch die Gegend, also ließ sie sich zurück in ihre Kissen fallen, behielt aber ihre Unruhe, so dass sie keinen Schlaf mehr fand.





Nicolas, Nachtmensch, staunte nicht schlecht, als plötzlich ein Mann in albernen gestreiften Klamotten bei ihm auf seiner Wohnterrasse stand und sich suchend umblickte. Das war definitiv ein Verbrecher, aber offenbar nicht der Meistgesuchte, sondern nur ein kleiner Einbrecher-Fisch.





Der Einbrecher wieselte ohne den Herrn Pfarrer bemerkt zu haben zurück ins Haus, da ging plötzlich die Alarmanlage los, die sich eigentlich bereits hätte melden müssen, nachdem er die Eingangstür geknackt hatte. So bemerkte der Fremde Nicolas' Anwesenheit gar nicht, sondern flitzte geschockt zurück in den Flur, wo er völlig verschreckt auf das lärmende Teil starrte. Was für ein Anfänger! Insel-Polizistin Käthe war inzwischen zur Stelle und stürzte sich sogleich auf den Eindringling. Durch deren Schreie und das große Gepolter, was nun losbrach, waren jetzt fast alle aufgewacht.





Nicolas sah sich das Spektakel relativ gelassen an, während Joe, Julia und Jessica aus ihren Zimmern herbei eilten.





Inzwischen war auch Naike wach geworden und taperte verschlafen die Treppenstufen herunter um sich wieder einmal gehörig zu erschrecken. Alle feuerten Käthe an, aber niemand ging ihr zur Hand, wie in der Welt der Sims leider üblich. Die Hilfe von Joe und Nicolas hätte die Polizistin jedenfalls gut gebrauchen können, denn ...





... der Gauner entwischte ihr zum Entsetzen aller Bewohner. Er hatte zwar nicht die Gelegenheit gehabt, etwas zu stehlen, aber immerhin war ihm nun nicht das Handwerk gelegt und er konnte sich dadurch schon bald auf den nächsten Beutezug machen. Joseph war sich nicht sicher, was er deutlicher empfand, Geringschätzung für Polizistin Käthe oder Bewunderung für die gelungene Flucht seines unbekannten Kollegen.





Naike war völlig verstört und schmiss sich unvermittelt zitternd auf Joseph. In diesem emotionalen Moment war es ihr völlig egal, wem die starken Arme gehörten, die sie beruhigend drückten, und wer die tröstenden Worte äußerte. Hauptsache sie war in Sicherheit.





"Was glotzen sie meine Frau und mich so an, Herr "Bodyguard"!?", äußerte Joe mit äußerster Geringschätzung im Ton. Naike starrte Joseph verständnislos an und ließ die beiden Männer stehen, die sich anschließend einen dicken Schnaps auf den Schreck gönnten.





Jessica kam in der folgenden halben Stunde immer wieder zitternd aus ihrem Zimmer heraus, so dass Nicolas sich entschloss, bei ihr im Bett zu schlafen, damit sie sich allein nicht so fürchtete. Sie war sehr dankbar für diese Geste und empfand zum ersten Mal so etwas wie freundschaftliche Zuneigung zu dem Mann, der doch eigentlich ein Gegner sein sollte.

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So positiv sich Nicolas Kappe in der Wohngemeinschaft aber auch entwickelte, es gab doch immer mal wieder Momente, wo er auffällig wurde, zum Beispiel als Joe ihn eines Tages am PC des Beraterbüros von Naike und Jessica vorfand.





Doch er hatte offenbar tatsächlich nur Anno 1701 installiert, wie er beteuerte, was Joseph ungläubig zur Kenntnis nahm.

*





Nur wenige Tage nach dem Besuch von Desdemona, Joseph war gerade dabei die Dusche zu reparieren, kam Julia atemlos ins Bad gerannt und hatte eine mehr als erfreuliche Neuigkeit.





"Onkel Josilein, rate mal was passiert ist!!", strahlte sie wie ein Christbaum am Heiligabend. „Ja, was denn, sag schon!" - "Sie haben ihn gefasst!!!" - "Wie, Adam???" Joseph biss sich erschrocken auf die Lippe. "Bist du bekifft oder was? Den Frauenschänder natürlich! Komm mit, da ist gerade was im Fernsehen über seine Verhaftung!!!"





Im Wohnzimmer genossen bereits Jessica und Nicolas erleichtert die Berichterstattung.





"Jetzt haben sie dem Schwein endlich den Garaus gemacht!", jubelte Nic. "Weiß man denn Näheres über die Umstände? Und wer war es überhaupt?!", fragte Joe vorsichtig und noch immer deutlich blass um die Nase.





"Keine Ahnung, irgend so ein komischer kürzlich Eingewanderter, das Gesicht habe ich jedenfalls noch nie gesehen, sie haben ihn eben kurz gezeigt", meinte Jess. Joe atmete erleichtert auf. Naike taperte mal wieder als letzte noch sehr müde die Treppe hinunter und wunderte sich über die aufgeregt schnatternde Familienversammlung.





Als auch sie dann von dem freudigen Ereignis erfuhr, war wieder Joseph ihr erstes Ziel, das sie überglücklich und erleichtert anhüpfte, was sie aber sogleich wieder unterließ, als ihr Überschwang nachließ und sie ihren erneuten Fauxpas bemerkte.





Dann gönnten sich alle zur Feier des Tages erstmal ein ausgiebiges Frühstück und Jess schlug vor, eine große Party zu feiern, um nun eine fröhlichere Zeit einzuläuten. Alle außer Nicolas, der Partys nicht mochte, waren alle sofort begeistert von der Idee und Julia rief: "Yeah, am besten eine Kostümparty!!"





Joe machte seiner Nichte gleich klar, dass er sich eine späte Party nur mit Erwachsenen wünschte und keine "Baby-Abhänge-Aktion", wie er sich beleidigend ausdrückte. Die Idee mit den Verkleidungen fand er aber witzig. Julia wurde sehr stinkig und verließ endgültig beleidigt den Raum, als ihr Onkel zusätzlich auch noch erwähnte, dass Nicolas ja nun sofort ausziehen könne, wo die Gefahr gebannt sei.





Naike nahm die Diskussion um sie herum gar nicht so recht wahr, denn sie dachte nur noch an einen Sim-Menschen und schämte sich zutiefst. Sie hatte ihm nicht vertraut, aber nun war klar, er war es nicht. Adam war unschuldig. Naikes Herz machte Luftsprünge vor Erleichterung. Nun musste sie sich nur noch von Joe trennen, dann war der Weg ins Glück endgültig frei ...





"Ja, Liebling, ist das nicht wunderbar?! Das Theater hat nun endlich ein Ende und auch wir sind bald frei!" Quirlig wie ein kleines Kind quatschte Naike am Handy auf Adam ein und hörte gar nicht mehr auf zu jubeln. "Ja klar, wir sehen uns gleich morgen, wo wollen wir uns treffen? Diesmal bei dir oder irgendwo draußen? - Ach nee, Moment, morgen geht es ja gar nicht, wir veranstalten eine Kostümparty, um die Festnahme zu feiern. Aber übermorgen dann. Oder soll ich sofort kommen?"





"Nein!! Das geht auf keinen Fall! ... Wehe, Adam! ... Nein, du darfst NICHT teilnehmen. – Adam, vergiss es sofort“, schimpfte sie laut. „Wenn du hier auftauchst, werde ich fuchsteufelswild, damit würdest du alles aufs Spiel setzen, was sich bisher so gut entwickelt hat!“ Es klickte in der Leitung. „Adam?? - Verdammt, dieser Kindskopf!!!“ Naike stampfte mit dem Fuß auf und warf ihr Handy gegen die Zielscheibenwand.

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Am nächsten Tag begann man am späten Nachmittag mit den Party-Vorbereitungen. Jessica hatte sich ihre alte Berufskleidung aus dem Schrank geholt und ging passend als Wahrsagerin, zog aber einen Flunsch, da Armin zwar zugesagt hatte, aber Melissa unbedingt mitbringen wollte. Dann rief noch Doc Blythe nach langer Zeit mal wieder an, hatte aber leider an diesem Abend wegen seines Bereitschaftsdienstes im Krankenhaus keine Zeit zu kommen. Während drinnen schwer gewuselt wurde, hatte Julia noch Besuch von Ramon, die beiden hatten sich in den letzten Tagen schnell angefreundet. Mit ihrem Stiefbruder konnte sie sich wundervoll unterhalten, er war in vielem ebenso interessiert wie sie und auch sehr lustig drauf. Vielleicht ein bisschen schüchtern, aber das war eh eine Eigenschaft, die Julia bei Jungen favorisierte. Sie beklagte sich bei ihm darüber, dass ihr Onkel sie nicht an der Party teilnehmen ließ und erzählte Ramon wie sie Nicolas kennen gelernt hatte.





Ramon wurde ein etwas eifersüchtig, als er hörte, wie sehr sie von ihrem "Wahl-Vater" schwärmte. Aber als er die Gelegenheit bekam, ihn kennen zu lernen - diesmal war er zum Glück vollständig bekleidet - war er sehr angetan von seiner außerordentlichen Präsenz.





"Du willst jetzt schon gehen? Och menno, das ist ja schade. Dann muss ich wohl gleich ganz allein auf meinem Zimmer hocken. Könntest du nicht lieber bei mir übernachten?" Ramon schüttelte den Kopf. "Nein, Julia, das würde deine Mutter nie erlauben. Außerdem fahren wir gleich ihre Familie besuchen, sie möchte mich vorstellen. Aber wir sehen uns sicher morgen wieder, gehen wir vielleicht schwimmen?" Diese Idee fand Julia bestens und stimmte zu. Dann fragte ihr neu gewonnener Freund noch nach der Toilette, bevor er ging. "Gang entlang, erste Tür rechts. nicht die zweite, sonst landest du bei Jess im Schlafzimmer“, kicherte Julia.





Ramon steuerte die richtige Tür an und staunte nicht schlecht, als er dort Naike in außergewöhnlichem Outfit vorfand.





"Äh ... hallo Mrs. Tallis ... 'tschuldigung, ich wollte nur die ... die Toilette benutzen. Naike erschreckte sich tierisch, grinste aber schnell wieder.





"Ist das ihr Kostüm, was sie heute Abend anziehen werden - Ungeheuer von Loch Ness oder sowas?", zwinkerte er plötzlich gar nicht mehr so schüchtern.





Naike lachte ob dieser absurden Idee, was leider dazu führte, dass sie augenblicklich ihr umgebundenes Handtuch verlor. Stille. Naike starrte Ramon peinlichst berührt an …





… und Ramon riss ebenfalls seine Augen auf und starrte - allerdings mehr begeistert als peinlich berührt - auf die runde Pracht vor seiner Brille. Naike hob puterrot - was man unter der Algen-Maske zum Glück nicht erkennen konnte - blitzschnell ihr Handtuch auf und schlang es flink wieder um ihren Körper.





"Das ist jetzt nicht passiert, ok? Du hast nichts, aber auch gar nichts gesehen, ja?!" - "Geht klar, Mrs. Tallis", sagte Ramon eifrig, dessen Gesicht sich jetzt doch noch zartrosa gefärbt hatte. "Le Normand, wie gesagt, ich bin nicht mit Joseph verheiratet. Und jetzt zisch' ab!"





Ramon tat sofort folgsam wie ihm geheißen und lief dabei Joseph in die Arme, dem überhaupt nicht gefiel, was er da sah. "Was hast du Bengel hier im Bad verloren, etwa meine Frau belästigt?" - "Aber sie sind doch gar nicht verheiratet", erwähnte Roman ziemlich frech, was ihm in diesem Moment aber gar nicht bewusst war. "Joe, Mensch, lass den Jungen in Ruhe, er wollte nur zur Toilette, ich hatte vergessen abzuschließen", sagte Naike. Dann schob sie die beiden Herren zur Tür hinaus …





... und grinste sich einen zurecht …





... um anschließend schnell die Treppe hoch zu eilen und sich fertig zu machen.





"Entschuldigung, das war eben ungerecht von mir. Aber wolltest du nicht auf die Toilette gehen?" - "Ja ja“, antwortete Ramon leicht abwesend und marschierte anschließend etwas verwirrt wirkend durch die zweite Tür rechts. Dort befand sich aber kein definitiv kein Klo. Joseph zog die Stirn kraus, murmelte etwas von "frühreifer Jugend" und begann sich dann ebenfalls zu kostümieren.

*





Eine knappe Stunde später hatte Naike eine Menge Sushi bringen lassen und dekorierte die Köstlichkeiten landestypisch auf einem elegantem schwarzen Buffet-Tisch. Die Party konnte beginnen …





"Sie haben das jetzt aber nicht für mich angezogen, oder?! Ich stehe nämlich mehr auf kurze Röcke." - "Das hatte ich befürchtet", lachte Naike, "aber ich glaube, wir können uns langsam duzen, hm?" Nicolas freute sich und willigte ein, nach einem Schnäpschen überkreuz umarmte man sich herzlich. Wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht?





"Na na, die Party hat doch noch gar nicht angefangen und Sie bedienen sich jetzt schon, Herr Kappe?!" - "Nunja, beim Anblick von Männern im Rock kann ich nicht anders, da muss ich mich einfach betrinken, um die Schmach halbwegs erträglich zum machen", witzelte Nic und beide lachten.





Naike hingegen war begeistert von Josephs Schotten-Tracht. Und der angeklebte Schnurrbart erst! Sie verbot sich augenblicklich derartige Empfindungen und widmete sich schnell der Fertigstellung des Buffets. "Da kommen schon die ersten Gäste!", rief Joe plötzlich.





Als erstes trafen Jack, Carla, Armin und Melissa ein. Letztere konnte durch ihre Kostümwahl nur sehr beschwerlich mit den anderen Schritt halten und tapste auf großen Pranken weit hinterher. Armin hatte sich als eine Art venezianischer Prinz verkleidet, Jack kam als Pirat - wobei man sich gleich fragen musste, wie er bloß darauf kam *g* - und Carla trug eines der traumhaftesten Kleider, die Naike je gesehen hatte. Beinahe hätte sie ihre Freundin gar nicht erkannt, da diese auch ihre Brille zuhause gelassen hatte.





"Carla! Das ist ... wow ... das ist unbeschreiblich schön! Du siehst aus wie eine Prinzessin aus dem Märchenbuch. Und der Schmuck - Hamma! Du solltest immer so herumlaufen!", klatschte sie begeistert in die Hände. Carla lachte und freute sich über die Komplimente. "Na, das wäre wohl ein bisschen unbequem, ich kriege ja jetzt schon kaum noch Luft, so eng ist die Korsage, Jack hat eine halbe Stunden daran herumgeschnürt." Naike rollte geheimnisvoll ihre Augen und wisperte leise: "Sag mal, habt ihr jetzt eigentlich .... du weißt schon was ...?" – „Psst“, kicherte ihre Freundin, jaaa! Gerade eben aber erst." - "Und?" - "Sei nicht so neugierig, eine Wucht ist der Typ natürlich! Aber du scheinst ja in Zukunft entsagen zu wollen, wenn ich dich so anschaue“. - "Nee, keinesfalls. Ist lediglich eine Schutzmaßnahme gegen Joe", erklärte Naike und rollte wieder mit den Augen, aber diesmal genervt. "Hm ... wie wäre es stattdessen mit einem einfach klaren Nein?", schlug Carla vernünftig vor. „Schwester“ Naike kratzte sich am Kopf und schaute an die Decke. Carla zeigte ihr einen Piepvogel.





Dann begann die Party zuerst sehr entspannt. Nach der allgemeinen Begrüßung war Zeit für einen ersten Umtrunk mit Smalltalk und nach und nach trudelten auch die restlichen Gäste ein ...





... das einst ausgeraubte Nachbarehepaar Jonas und Sonya Yogeshwar, mit denen man sich jetzt angefreundet hatte, weil sie sehr nett waren, Carlas Halbschwester Fiona, und auch Melissa Fuller hatte es in ihrem "attraktiven" pinkfarbenen Gorillakostüm endlich geschafft, die Stufen zu erklimmen und wirkte sehr fröhlich, war der gefährliche Straftäter, vor dem sie sich so schrecklich gefürchtet hatte, doch nun endlich gefasst. Als Naike den mit einem dicken Bart beklebten Jonas freudig begrüßte, entdeckte sie plötzlich eine unbekannte Person ganz in Schwarz, die gerade Melissa abwimmelte, und fühlte sofort einen heftigen Stich im Herzen.





Der Körper des großgewachsenen Mannes war zwar fast komplett verhüllt und seine Augen dunkel geschminkt, aber den Blick, der sie nun fixierte, kannte sie nur zu gut.





Sie schnappte empört nach Luft und floh auf die Tanzfläche, wo sich einige bereits mit Schlambada vergnügten.





Joseph starrte völlig irritiert auf Melissas überdimensionale Affentitten und konnte sich ein Lachen kaum verkneifen. Und Carlas Schwester Fiona, die sich vorgenommen hatte, Joe als aufreizende Tempeltänzerin anzuflirten, fragte sich, wie sie am besten seine Aufmerksamkeit erringen könnte und ob es nicht besser gewesen wäre, auch so ein Gorillakostüm gewählt zu haben.





Jess freute sie jetzt doch über alle Maßen darüber, das Armin gekommen war, der sich verständlicherweise eh nicht um seinen rosa Brüllaffen kümmerte, sondern lieber mit ihr frech über Naikes Nonnenkostüm lästerte. Sie schienen sich köstlich zu amüsieren. Nicolas gingen Partys grundsätzlich an seinem ehrenwerten Arsch vorbei, nicht im Traum hätte er daran gedacht, sich ebenfalls ins Getümmel zu stürzen, aber er beobachtete amüsiert die Szenerie und mixte dabei undefinierbare Cocktails.





Naike vermied, auch nur in die Nähe des ungebetenen Gastes zu tanzen, bis Carla sie plötzlich fragte: "Du sag mal, wer ist denn eigentlich dieser Tuareg da?" Sie konnte sich ein Lachen gerade noch verbeißen, obwohl sie tierisch sauer war. Aber als dann plötzlich auch noch Jonas Yogeshwar angetanzt kam und zufällig die gleiche Frage stellte, kam sie in bedrohliche Schwulität und ließ sie augenblicklich die Luft anhalten.





Zum Glück war Carla sehr wachen Verstandes. "Das ist ein Kollege von mir, Peter Bockhorn!", sagte sie schnell und rettete damit die brenzlige Situation. Dieser Peter war zwar eigentlich ihr Leibwächter, der die letzten Wochen bei ihr und Fiona gewohnt hatte, um sie zu beschützen, aber das wusste Nachbar Jonas zum Glück nicht. Und so nickte er nur kurz und trollte sich dann wieder, um ein Tänzchen mit seiner Gattin Sonya zu wagen, sie superhübsch als Cowgirl aussah. Naike stieß einen tiefen, erleichternden Atemstoß aus und sah Carla zutiefst dankbar an.





"Das war ein feiner Zug von Ihnen, danke." - "Keine Ursache, ... Adam Tallis", zwinkerte Carla schlau und war ein bisschen aufgeregt, den Sagenumwobenen das erste Mal live vor sich zu haben.





"Bist du von allen guten Gespenstern verlassen?! Ich habe dir doch verboten zu kommen!", zischte Naike anschließend ihren Lover an. "Geister, Schatz - von allen guten Geistern", korrigierte Adam und seine Augen lächelten. "Wie auch immer“, sagte Naike ruppig, du hast hier nichts verloren. Mensch, wenn dich jemand erkennt!!" Dieser Gedanke jagte ihr erneut einen kalten Schauer über den Rücken, denn das würde die Party zum Platzen bringen und garantiert einen Ringkampf zwischen den beiden Tallis-Brüdern heraufbeschwören.





"Ich hab' dich so lange nicht gesehen", sagte Adam sehr liebevoll. "Den einen Tag hättest du auch noch warten können, morgen wäre ich doch gekommen!" Naike kriegte sich gar nicht meht rein und hatte sichtlich Mühe, die Fassung zu waren, während Adam die Ruhe in Person war. "Was willst du jetzt machen? Etwa den ganzen Abend hier herumtanzen? Oder mich wieder oben anketten, während hier unten der Bär tobt?" Er rollte seine Augen zur Decke. Dann sah er sie fest an und sagte: "Du gehst jetzt erstmal hoch, ziehst diesen entsetzlichen Pinguin-Vorhang aus und dann das Kleid an, was ich dir letztens geschenkt habe!"





"Spinnst du? Ich habe die Kutte extra angezogen, damit Joseph sich nicht von mir angezogen fühlt!" - "Ist das etwa immer noch der Fall?" - "Ja ... äh, ich meine Nein ... na ja, könnte ja mal sein!" Naike brach der Schweiß aus. "Dann zieh' es erst Recht an und tanze mit ihm! Los - ich will euch zusammen sehen!!!" Eine masochistische Ader ihres Liebhabers war Naike bisher verborgen geblieben, was sollte der Quatsch bloß? "Du legst es auf einen Kampf an, wie?!" Sie hatte es der lauten Musik im Raum zu verdanken, dass bisher niemand auf ihr Gezeter aufmerksam geworden war. "Wenn es anders nicht geht", seufzte er. "Nein, das mache ich auf keinen Fall, nachher schlagt ihr euch noch tot!" - "Wohl kaum", bemerkte Adam trocken. Naike zeterte weiter: "Ich will aber nicht, dass es ..."





"Los upstairs jetzt - GEH HOCH !!!" Adams Gesicht war nur mehr zwei Zentimeter von Naikes entfernt. Das saß.





Sie verkniff sich weitere Kommentare, hob ihren Rock und eilte die Treppe hoch. Adam drehte sich kurz um. Alles tanzte ausgelassen, Nicolas schüttelte eifrig Drinks. Nur Carla sah mit besorgter Miene in seine Richtung. Er nickt ihr kurz beschwichtigend zu und erklomm dann ebenfalls die Stufen ins obere Geschoss.





Naike hatte das von ihm gewünschte Kleid schnell aus dem Schrank geholt. "Na los, zieh dich aus! Und dann den Fummel da an. Aber keinen Slip bitteschön!“





Doch sie rührte sich nicht. "Was ist nun?" - "Schließ die Tür ab, Adam, und lass' uns hier bleiben, bitte!" - "Nix da, der Abend ist noch jung!" Er zog ihr vorsichtig die Haarnadeln heraus und streifte ihr langsam die Haube vom Kopf. Dann griff er unter den langen Rock, zog ihn hoch und half ihr aus dem Kleid. Als Naike das andere Kleid angezogen hatte, nahm er ihre Bürste von der Kommode und kämmte damit ihr Haar. Auch für den dunkelroten Lippenstift fühlte er sich noch zuständig. Als sie schon dachte, sie könne es keine weitere Sekunde mehr aushalten, ihrem Gegenüber nicht sofortigst das Tuch vom Kopf zu reißen, um ihn endlich zu küssen, schickte er sich an, den Raum zu verlassen. "Den Rest schaffst du schon allein." Er ging und die Tür fiel krachend ins Schloss.





Unten ging indes die Party fröhlich weiter, Fiona hatte sich entschlossen, Joseph mit Hilfe eines Tänzchens auf sich aufmerksam zu machen, aber dieser redete angeregt mit Jonas. Armin und Jessica hatten ihre Lästereien inzwischen eingestellt und waren auf die Tanzfläche gewechselt …





... was Melissa zuerst gar nicht mitbekam, da sie offenbar Gefühle für den unbekannten Wüstensohn entwickelt hatte, der gerade die Treppe heruntergekommen war.





Da dieser jedoch in Folge keinerlei Interesse an ihren Gesprächsversuchen zeigte und stattdessen nur unentwegt zur Treppe starrte, entdeckte sie ihren Freund zusammen mit Jessica plötzlich doch nahe beieinander auf der Tanzfläche.



Kapitel 15 - Male
Kapitel 17 - Des Pfarrers Mixturen