Kapitel 12 - Der Hierophant



Am nächsten Morgen trafen Armin und Melissa pünktlich bei den Kappes im Pfarrhaus ein. Auch Gerd Gieke war gekommen, um sich den neuesten Klatsch der Insel anzuhören, endlich schien mal etwas los zu sein. "Fräulein Katharina!! Passen Sie gefälligst auf, die Bluse war teuer! Beim nächsten Mal sitzen Sie wieder auf der Straße! - Mein Gott, gibt es denn kein fähiges Dienstmädchen auf dieser Welt?!", schimpfte Gerda laut. Katharina schämte sich zutiefst für ihren Ausrutscher. "Entschuldigen Sie bitte vielmals, Frau Kappe, ich bin so ungeschickt.“





Dann trat jemand an den Tisch, den Gerd noch nie gesehen hatte. Aber er sah Pfarrer Albert Kappe verblüffend ähnlich.





"Na endlich, was schläfst du nur so lange, wir haben hier etwas zu besprechen!“, grummelte Albert seinen Zwillingsbruder an. "Nicolas! Setz dich doch zu uns, du hast bestimmt Hunger!", flötete Gerda deutlich erfreuter. Dann stellte sie den Besucher den anderen Mitgliedern der MJN vor, die zuerst etwas betreten dreinschauten, denn eine besonders sympathische Erscheinung war dieser Mann eher nicht. "Darf ich vorstellen, das ist Nicolas Kappe, der Zwillingsbruder meines Mannes. Er ist nur zehn Minuten älter“, kicherte Gerda albern und ergänzte dann ehrfürchtig: „Er ist der Leiter unserer MJN für ganz Europa. Ihm unterstehen etliche Gruppen im In- und Ausland. Ihr dürft euch glücklich schätzen, ihm leibhaftig zu begegnen!"





Jetzt waren Armin, Melissa und Gerd doch sichtlich beeindruckt. Welch eine Ehre! Aber die Freude wurde schnell getrübt, als Gerda die Lobeshymnen auf ihren Schwager vorerst beendete und vom gestrigen Vorfall anfing: "Melissa, Armin hat uns gestern alarmiert, dir sei etwas Seltsames passiert. Bitte schildere uns doch noch einmal genau was los war, damit wir dir helfen können!"





"Nein ... bitte ... ich kann das nicht“, begann die junge Frau sogleich zu wimmern, „es war so schrecklich. Ich habe solche Angst!" - "Och Melissa, geht das schon wieder los?", raunzte Armin, „wir wollen dir doch helfen und die Sache aufklären, dann kannst du auch wieder beruhigt schlafen." – „Aber du weißt es doch und Gerda habe ich es eben auch schon gesagt, ich kann es nicht noch einmal erzählen“, jammerte Melissa weiter. Armin seufzte, dann ergriff Gerda das Wort und erzählte Nicolas, was sich vor einigen Monaten auf der Insel zugetragen hatte.





"Ein Mann namens Adam Tallis war ein Verbrecher, er hat ein Mitglied unserer Familie, die zufällig den gleichen Namen wie unsere Tochter Desdemona trägt, brutal vergewaltigt und ihr dadurch ein Kind verschafft. Die arme kleine Julia ist heute fünfzehn Jahre alt und lebt im Moment mit ihrem Onkel Joseph bei zwei Frauen namens Naike Le Normand, der ehemaligen Geliebten von Monsieur Tallis, und der Seniorin Jessica Jung in der Simlane 10, da sich ihre Mutter auf einem beruflichen Auslandsaufenthalt in den USA befindet. Nicht nachzuvollziehen, wenn ihr mich fragt. Wie kann man sein eigenes Kind dem Bruder eines Frauenschänders und zwei Hexen anvertrauen?" Bei dem Wort „Hexen“, kiekste ihre Stimme vor Empörung.

Nicolas fielen beinahe die Augen aus dem Kopf, er zeigte sich zutiefst entsetzt. Wie verkommen war Bereich D12, wie die Insel in den Akten der MJN bezeichnet wurde? Und Armin wurde nervös, als der Name seiner früheren Freundin Jessica erwähnt wurde. Gerda hatte sich wieder gefangen und fuhr nun fort. "Nun ja, es kommt noch doller, Nic. Adam Tallis hatte seit seiner Jugend ein Verhältnis mit seiner Schwester, offenbar waren die beiden einander inzestuös verfallen, und als Adam sich von ihr löste, um mit Naike Le Normand zu leben, sah die irre Schwester rot und erschoss ihren Bruder!!" Nun musste Nicolas husten, da ihm der Toast im Halse stecken geblieben war. Das war ja schlimmer als in den heutigen Fernsehfilmen, um deren Verbot er sich in letzter Zeit bei der Regierung eingesetzt hatte.





"Und er hat sogar einige Zeit im Gefängnis gesessen!", mischte sich Gerd wichtigtuerisch ein. "Aber sowas ist für mich keine gerechte Strafe, deshalb hat Gott dann auch gehandelt." Armin schluckte, das waren mehr als harte Worte. "Und was ist jetzt nun mit Fräulein Fuller?", wollte Nicolas wissen, nachdem er den Toastkrümel erfolgreich wieder ausgehustet hatte.





Auch darüber wusste Gerda genauestens Bescheid. "Sie hat uns erzählt, dass sie Adam Tallis gestern am späten Abend vor seinem Haus gesehen hat und zwar quicklebendig! Ich war bereits vor Ort, dort ist aber alles wie ausgestorben, sein Bruder Joseph wohnt ja, wie gesagt, derzeit bei den Le Normands, offenbar ist er jetzt Fräulein Le Normands neuer Liebhaber.“ Gerda räusperte sich kurz. „Und die Schwester wurde natürlich in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht. Also ich denke, da hat ihr ihre Phantasie einen derben Streich gespielt. " - "Es ist aber die Wahrheit", sagte Melissa kaum hörbar, aber trotzig, und ihre Mundwinkel zuckten jämmerlich.





Nicolas legte seinen Toast beiseite und überlegte. Der Appetit war ihm nach dieser Geschichte mächtig vergangen. Dann holte er Luft, seufzte beim Ausatmen tief und sagte: „ Ich würde vorschlagen, wir behalten die Insel einfach erst einmal im Auge. Vielleicht hat sich Fräulein Fuller geirrt, aber ich möchte ihre Schilderung nicht einfach so abtun, man muss sich um die Sorgen seiner Schäflein stets kümmern. Also, seid wachsam! Ich für meinen Teil werde dieses Fräulein Le Normand vorsichtig observieren. Ich denke, falls es diesen Mann tatsächlich noch gibt, wird sie sich auch in seiner Nähe aufhalten." - "Aber wenn sie es selbst noch nicht weiß?", gab Armin zu bedenken. "Das könnte natürlich sein, aber wir sollten uns jetzt nicht in Spekulationen verlieren, sondern vorerst nur aufmerksam sein, ok?!" Die Gemeinschaft stimmte zu. Etwas anderes als Zustimmung hätte Nicolas Kappe auch nicht hingenommen.





"Seien Sie unbesorgt, meine Liebe, sie haben doch einen starken Mann an ihrer Seite, der sie beschützt, nicht wahr?!", zwinkerte er Melissa zu. Sie machte auf ihn keinen irren Eindruck, höchstens ein bisschen verwirrt, aber ihre Bekanntschaft war für ihn noch zu jung, um sie richtig einschätzen zu können.

*





Die nächsten Tage verliefen eher ruhig. Nicolas, der sich bei den Kappes auf Zwischenstation einer Reise durch die ihm unterstellten MJN-Bezirke befand, fühlte sich recht wohl bei der Familie seines Bruders. Er quatschte mit dem Papagei: "Na Baldur, komm ... putt, putt ... ich gebe dir ein Leckerchen, wenn du mir den Code zu meines Bruders Tresor verrätst."





Er flirtete mit seiner Schwägerin und auch seine älteste Nichte Miranda hatte es ihm angetan. Trotz ihres noch jugendlichen Alters tat er sich keinen Zwang an, sie mit Komplimenten über ihre hübsche Erscheinung beglücken.





Sein Rottweiler Siegfried hingegen war ruhigerer Natur und machte es sich, wenn er nicht gerade irgendwo hinsabberte und derbe Fürze ließ, den größten Teil des Tages in seinem Mini-Hotel gemütlich, das Gerda hatte liefern lassen, weil sie befürchtete, er könne sich in ihre Kinder verbeißen.





Schlaftechnisch war durch Nicolas' Anwesenheit ein kleines Chaos entstanden. Die gesamte Familie musste samt noch nicht durchschlafendem Kleinkind Elvira im so genannten "Kinderkeller" nächtigen. Dank Elviras fast ununterbrochenem Geschrei war es nahezu unmöglich, nachts ein Auge zuzumachen …





… während Nic hingegen auf aufgrund seiner Führungsposition bei den MJN das Kappe’sche Ehebett im ersten Stock wie selbstverständlich ganz allein für sich beanspruchte und wie ein Engel schlief.





Albert war aufgrund dieser Dreistigkeit ziemlich angepiekt, traute sich aber nicht, Einspruch zu erheben, da er seinen Bruder gut kannte. Zu oft schon hatte er früher in verbalen Auseinandersetzungen gegen ihn verloren. Er unterdrückte seinen tiefen Neid, dass nicht er in der Rangordnung der MJN den höchsten Platz eingenommen hatte. Gerda hingegen erlebte so etwas wie einen zweiten Frühling. Ihr Schwager hatte ihre Hormone deutlich durcheinander gebracht und so träumte sie des Nachts, wenn endlich doch einmal Ruhe im Kinderkeller war, von der Liebe.

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Die Atmosphäre im Hause Le Normand war angespannt und Joe wusste nicht warum. Kaum geredet hatte Naike mit ihm seit ein paar Tagen, er empfand sie als zunehmend kühl und distanziert.





"Darf ich mich zu dir setzen?" - "Klar, bitte." Naike rutschte ein wenig zur Seite, um gar nicht erst in den Dunstkreis des Mannes zu geraten, der sie so brutal belog. Es entstand eine angespannte Stille, die Joe dann als Erster durchbrach: "Du bist ja noch angezogen. Willst du so spät noch mal weg?"





"Und was hast du überhaupt mit deinem Haar gemacht, es war doch gestern nicht mal halb so üppig." Seine Freundin bedachte ihn mit einem scharfen Blick. "Schon mal was von Extensions gehört?!" Joseph sah sie ernst an. "Steht dir nicht. Man sieht dein Gesicht gar nicht mehr richtig. Aber das hat eh schon seit Tagen einen ablehnenden Ausdruck, wenn ich dich sehe. Was ist eigentlich los, hm? War mein Heiratsantrag wirklich eine solche Katastrophe für dich?" Naike zögerte und überlegte, was sie entgegnen sollte. "Aber nein, es ist nur ..." – „Es ist nur was?“ - "Ach Joe, ich bin mir meiner Gefühle für dich nicht sicher“, sagte sie dann leise, und das war nicht einmal gelogen, denn die wohlbekannten Affen traten langsam wieder häufiger auf den Plan. "Immer noch wegen Adam?", fragte Joe mit trauriger Miene. Naike wurde es schwer ungemütlich. "Ja und nein ... ich ... ach, bitte lass uns ein anderes Mal darüber reden, ja?! Ich muss jetzt gehen, bin mit Carla zum Tanzen verabredet.“





"Nix da. Du sagst jetzt ab und bleibst bei mir, ja? Lass uns mal wieder etwas Schönes unternehmen, ich kenne da eine neue Bar in der Stadt." Joe strich Naike zärtlich ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Für einen kurzen Moment verlor sie sich dabei in den sanften hellbraunen Augen ihres Gegenübers. Konnte dieser Mann wirklich so sehr lügen? Dann drehte sie sich ruckartig um und verließ schnell das Haus. "Naike - warte doch!"





„Mist, ich bin keine gute Schauspielerin“, dachte sie im Laufen, als sie Josephs Stimme hörte: "Hey, bitte bleib! Lass mich doch nicht einfach hier stehen. Es tut mir Leid mit dem Heiratsantrag, ich war total bescheuert, so mit der Tür ins Haus zu fallen! Ich liebe dich doch!", rief Joe verzweifelt. Da sich bereits erste Tränen auf den Weg über ihre Wangen machten, startete Naike schnell den Wagen und ließ ihn grußlos im Sand zurück.

*





Ihr Weg führte sie schnurstracks zum Lara Inn Motel, der bisher einzigen Herberge für Gäste auf der Insel. Adam hatte sie am Morgen endlich angerufen, ihr kurz geschildert, was vorgefallen war und seinen neuen Aufenthaltsort genannt. Nun wollte sie keine Minute länger warten.





Dummerweise hatte er aber vergessen, seine Zimmernummer zu erwähnen, deshalb ging sie zuerst in das kleine Vermietbüro des Motels.





"Adam wie? Tallis?“, fragte die Büroangestellte ruppig. „Nie gehört, hier wohnt kein Mann mit diesem Namen.“ - "Muss aber!" Naike wurde sichtlich nervös. "Wer wohnt denn sonst noch hier?" Die junge Frau schüttelte ungehalten den Kopf. "Hey, mal sachte, Kleine, das geht Sie gar nichts an." - "Aber ich ... bitte ... ich muss es wissen“, begann Naike zu flehen, „ich suche ... ach, verdammt!“ Jetzt liefen ihr die Tränen aus den Augen, die sie eben noch erfolgreich zurückhalten konnte. Uns sie erweichten das Herz der Rezeptionistin. "Oh Mann, der Kerl scheint ihnen ja echt wichtig zu sein. Nicht, dass ich nachher noch verantwortlich bin, wenn Sie nicht geheiratet werden", versuchte sie Naike nun zwinkernd aufzuheitern und klopfte ihr auf die Schultern. "Na, ich gucke mal ausnahmsweise auf die Gästeliste.

Hm ... es wohnen im Moment nur drei Gäste bei uns, der Herr hinter Ihnen, der wird es ja wohl kaum sein, sonst hätten Sie ihn sicher schon angefallen." Naike musste unfreiwillig grinsen, der unbekannte Herr auch. "Dann noch eine Frau namens Florence Nightingale - toller Name - und ein gewisser Franco Nero, den habe ich gerade als „Mädchen für alles“ eingestellt, hier gibt es nämlich dauernd was zu reparieren, die Bauherrn haben leider wenig Wert auf die Qualität ihrer Anlagen gelegt", seufzte sie genervt. Aber Naikes Miene hellte sich auf. "Franco Nero?" Sie wischte sich die nasse Nase ab und begann schief zu grinsen. "Verraten Sie mir auch seine Zimmernummer?", fragte sie glücklich. „Hey, gute Wahl, der sieht heiß aus. Es ist die 13, Baby!"





Naike lächelte kurz verschwörerisch zurück, spurtete dann aus dem Büro über den Parkplatz, suchte voller Vorfreude das Zimmer mit der Nummer 13 und fand es dann schließlich im zweiten Stockwerk. Anklopfen erwies sich als unnötig, denn der Bewohner trat genau in diesem Moment auf den Balkon, um nach seinem Mädchen Ausschau zu halten.





„Adam, Adam, Adam!" Überglücklich fiel sie ihrem Liebsten um den Hals. "Häschen, da bist du ja endlich! Komm schnell rein, man muss uns hier draußen nicht sehen."





"Du Doof hast mir die Zimmernummer nicht gesagt. Zum Glück hat die Büroangestellte mir geholfen, zuerst sah es schlecht aus." - "Wie dumm von mir, tut mir leid. Aber ich habe ein Handy, Süße. Dieses mal in Erwägung gezogen?", fragte er verschmitzt. Naike schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. "Ich bin ja sooo blöd, Mr. Franco Nero. Und jetzt lachten sie beide. "Das konntest ja nur du sein mit deiner Fellfresse!", kicherte sie ausgelassen. "Ich gib dir gleich Fellfresse!", tat Adam entrüstet, aber lachte befreit. Naike musterte ihn. "Nun zieh doch endlich mal die Mütze und die Brille ab oder willst du sie die ganze Nacht aufbehalten?"





Adam tat wie ihm geheißen. "Besser so?" - "Viiiel besser!" Sie zog ihn am Latz seiner rustikalen Handwerkerhose aufs Bett, das unter der Last der beiden Körper mächtig ächzte.





"Also wenn das jetzt schon quietscht, wie dann erst gleich?" Adam grinste breit. "Dann müssen wir es eben meiden, junge Dame."





Dann küsste er sie zärtlich und befreite sie dabei diesmal ganz vorsichtig von ihren Klamotten, um sie nicht wieder für immer unbrauchbar zu machen.





Na los, Hintern hoch! Diese Hose - so schön sie auch ist - brauchste du jetzt nun wirklich nicht." - "Ad, darf ich dich was fragen?", stoppte Naike ihn und schaute ein wenig unsicher drein. "Schnell, aber dann nichts mehr." - "Wozu dienen die Handschellen unter dem Nachttisch rechts vom Bett?"





"Abwarten", lächelte Adam verheißungsvoll, worauf ihr ein wenig blümerant wurde. Sie öffnete ihren Mund, um noch einmal nachzubohren, aber Adam legte sanft seine Hand darüber und tauschte sie anschließend gegen seine Lippen, um jegliche weitere Nachfragen zu verhindern. Dann stand er auf und hob sie von dem wirklich derbe quietschenden Ungetüm von Motelbett. Es dauerte nur wenige Minuten und Naike war im Handumdrehen dort, wo sie sein wollte, hoch oben in den Wolken, und bemerkte dabei nicht einmal mehr, wie sie in diesem wolkenwattigen Himmel mit Kopf und Rücken kräftig gegen die Wand schlug.

"Geht's dir gut?", fragte er heftig atmend. Sie lächelte versonnen. "Natürlich geht es mir gut." Und dann stellte er ihr eine Frage, die sie noch mehr verwirrte. "Äh ... wie meinst du das jetzt?“ Er wartete ihre Antwort gar nicht erst ab, sondern drehte sie mit einem äußerst geschickten Griff um einhundertundachtzig Grad.





"Verdammt!", keuchte Adam, als er bemerkte, dass seine Annahme falsch war. Von Naike war nur noch ein erstickter Schrei zu hören, denn sie fühlte sich in diesem Moment wie in tausend Teile zerspringen.





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"Nie wieder gehe ich nach Haus, nie wieder!! Ich lasse Real-Naike die Regeln ändern, so dass meine Simulation für den Rest seiner Existenz im Motel wohnen darf!" - "Was redest du denn für einen Scheiß?", lachte Adam, aber Naike wusste genau, dass er sie eh nicht ernst nahm.





Sie steckten sich ihre Zungen so tief in den Hals, als wollten sie ineinander kriechen, aber nach einigen Minuten wurde Adam deutlich ruhiger, bis er sich schließlich zur Seite rollte und einschlief.





Lange noch betrachtete sie sein Gesicht im Schlaf. Er atmete gleichmäßig und sah so friedlich aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Als sie seine Hand nahm, erwiderte er ihren Griff und murmelte lächelnd etwas Unverständliches. Erst nach einer halben Stunde schlief dann auch Naike mit dem brennenden Wunsch ein, für immer mit diesem Mann zusammen zu sein.

*





Als sie am frühen Morgen aus dem Bad kam, fiel ihr Blick aus dem Fenster. "Adam, schau! Da hinten am Büro, da stehen Gerd Gieke und Albert Kappe!", rief sie erschrocken und hüpfte wie ein aufgescheuchtes Huhn herum. "Ach, die sind bestimmt nur zufällig hier, lass mal sehen." Adam schob den Vorhang noch ein Stück weiter beiseite und wunderte sich. "Huch, Albert Kappe sogar gleich zweimal? Hat der einen Bruder oder wie?! Keine Panik, sie werden wohl kaum hier hoch kommen. Und selbst wenn sie uns entdeckten, wäre das zwar sehr ungünstig, aber sonst auch nix. Bleib halt noch einen Moment hier, bis sie weg sind." Naike fragte sich, woher Adam seine Ruhe nahm? Aber sie hatte ihn ja zwei Tage zuvor auch nicht Hals über Kopf aus seinem Haus flüchten sehen.

*

Die Rezeptionistin des Lara-Inn-Motels war nicht wenig irritiert, als man sich bei ihr bereits zum zweiten Mal nach einem Mann namens Adam Tallis erkundigte. Aber die drei Herren sahen nicht verliebt aus, im Gegenteil, deshalb beschloss sie diesmal, lieber zu schweigen. Und so waren Gerd Gieke und die Kappe-Brüder unverrichteter Dinge wieder abgezogen und Naike konnte beruhigt ihren Heimweg antreten.

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Wieder im Pfarrhaus angekommen machte Albert eine grausige Entdeckung, sein über alles geliebter Papagei Baldur lag tot in seinem Käfig. Sein Bruder versuchte ihn zu „trösten“: "Na komm, ist doch kein Drama, kauf dir doch einfach einen neuen Vogel!" - "Meinen Baldur kann kein neuer Vogel ersetzen, Nicolas, er war einzigartig. Wir haben viele Stunden miteinander gesprochen. Und überhaupt war er noch sehr jung, ich kann mir nicht erklären, warum Gott ins schon jetzt zu sich geholt hat." - "War wahrscheinlich nur Verstopfung oder sowas." - "Nic, du bist herzlos“, entgegnete Albert missmutig seufzend. „Aber in einem Punkt hast du doch Recht, ich werde gleich einen neuen Vogel kaufen. Baldur hätte sicher nicht gewollt, dass ich ob seines Dahinscheidens in Depression versinke."





Während seines Aufenthalts bei der Familie seines Bruders wurde inzwischen zunehmend deutlicher, dass auch der große MJN-Führer alles andere als fehlerfrei war und sich teilweise ziemlich daneben benahm. Nicht nur dass er häufig wie Gott ihn schuf durchs Haus und auch um es herum lief, nein, auch seine Tischmanieren ließen deutlich zu wünschen übrig. Aber Albert und seine Gattin wagten nicht, ihn darauf anzusprechen, sie kannten ihn nur zu gut, seinen Zorn auf sich zu ziehen, musste tunlichst vermieden werden. Außerdem ging man mit dem Thema Nacktheit in den Statuten der MJN relativ freizügig um, denn der blanke Körper war in den Augen der Gläubigen gottgewollt, sonst wäre er ja mit Kleidern geboren worden. Dieser Grundsatz galt allerdings nicht im Zusammenhang mit Sexualität, dahingehend waren die Regeln der MJN noch strenger als die der Baptisten.





Merkwürdigerweise war es draußen wieder einmal ziemlich trübe, was Albert seit einiger Zeit immer öfter auffiel. "Ich habe gehört, dass es auch in unseren Breitengraden bald schneien soll, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, ich kenne die Insel nur mit Sonne und heißem Sand. Aber vor einiger Zeit verdunkelte sich schon einmal der Himmel, es war an dem Tag, als dieser Verbrecher erschossen wurde. Ich erinnere mich noch genau daran. Hoffentlich sind das keine schlechten Vorzeichen.“ – „Es ist doch verständlich, dass Gott uns bei soviel Gräuel auf der Welt irgendwann strafen wird“, meinte Gerda und fühlte sich äußerst unbehaglich, „und es liegt an uns, den MJN, dies zu verhindern und möglichst viele Menschen für unsere Mission zu gewinnen!" Nicolas nickte mit besorgter Miene zustimmend.





Die Stimmung im Hause war also düster. Nicolas entschied sich nach dem Mittagessen, die Teller mit dem nachmittäglichen Agar-Agar-Wackelpudding zu verunreinigen, um wenigstens seine eigene Laune aufzubessern.





Doch niemand bekam etwas von seinen Heldentaten mit, langsam wurde ihm langweilig und er schlief sogar am Esstisch ein, da die Kinder sich stundenlang über die Bedeutung des Fisches im Christentum ausließen.





Aber so dreist er sich oft benahm - er tat grundsätzlich ohne Rücksicht auf Verluste immer das, was ihm gerade in den Sinn kam - war er zu seinem Neffen und seinen Nichten sehr freundlich. Ihm war es zu verdanken, dass die kleine Elvira endlich lernte, das Töpfchen zu benutzen. Die mit ihrer Kinderschar überforderte Gerda war höchst erstaunt, als ihre Jüngste ihre neue Kunst plötzlich demonstrierte.





Ob es allerdings richtig war, das Mädchen mit Siegfried alleine zu lassen?

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In der nächst gelegenen Stadt auf dem Festland saß ein noch sehr frisches Pärchen bei seinem ersten richtigen Rendezvous im Restaurant-Teil der Disco Krypta. Der Abend begann gar nicht besonders gut, denn die dusselige Bedienung versaute bereits in der ersten halben Stunde Carlas Kleid mit einer ungeschickten Servieraktion.





Als das Malheur beseitigt war, stellte Carla fest, dass ihr neuer Augenstern unheimlich schlechte Essmanieren hatte. Jack Sparrow schaufelte das nicht gerade billige Gericht nur so in sich hinein, wodurch ihr Kleid erneut in Mitleidenschaft gezogen wurde. Aber sie erklärte sich sein Verhalten mit seinem harten Job am Hafen. Wer den ganzen Tag Schiffe be- und entlädt, musste abends einfach einen Riesenkohldampf haben, oder?!





"Wollen wir ein hübsches Foto von uns machen lassen, Carla?" Eine schöne Idee, dachte sie und stimmte sofort zu, denn so hätte sie für immer eine Erinnerung an diesen ersten Abend und könnte ihre Schwester ein bisschen eifersüchtig machen. Aber Jack war weniger an einem Foto als an Grabbeleien zum Nachtisch interessiert, wie sich dann herausstellte. So scharf Carla auch auf ihn war, das ging ihr doch ein wenig zu schnell, sie erinnerte sich gleich an Naikes Schilderung ihres Ersten Mals mit Adam, das auch beinahe diesen ungemütlichen Hergang genommen hätte. Warum waren Männer nur immer so unromantisch? „Och komm, jetzt sei doch bitte nicht beleidigt“, meinte Jack, aber Carla sah ihn enttäuscht an. „Mir geht das alles etwas schnell, ehrlich gesagt.“ - "Du hast es dir mit mir romantischer vorgestellt, hm?!" Sie nickte nur nur zaghaft, was sonst gar nicht ihre Art war und erkannte sich selbst kaum wieder. Aber offenbar verhielt man sich anders, wenn einem an einem anderen wirklich etwas lag. Und so schien es auch Jack zu gehen, denn statt verstimmt abzuhauen, lächelte er schon wieder. Unter seiner rauen Schale verbarg sich offenbar ein großes Herz. „Na, dann lass uns tanzen gehen!“ Dazu brauchte er Carla kein zweites Mal aufzufordern und so steuerten die beiden die Tanzfläche an.





„Wow, schöner Kerl, da hat die Gute ja einen tollen Fang gemacht“, freute sich Naike und beobachtete das knutschende Pärchen.





Auf dem Weg zur Toilette entdeckte Carla ihre Freundin dann und schaute sie erstaunt an. "Hey, was machst du denn hier? Die Welt ist doch kleiner als ich dachte!" – „Hi Süße, schön dich zu treffen. Im Gegensatz zu dir bin ich nicht zum Tanzen hier, wie du an meinem Outfit sicher schon erkannt hast“, sagte Naike sichtlich genervt. „Ich suche nur Julia, sie ist mit einer Freundin irgendwo unterwegs und sollte längst daheim sein." - "Na, dann drücke ich die Daumen, dass du sie bald findest, hier habe ich sie bisher aber nicht gesehen." - "Danke! Und dir drücke ich die Daumen für etwas ganz anderes, nämlich das, was da hinten ganz offensichtlich auf dich wartet." Carla kicherte und Naike zwinkerte ihr verschwörerisch zu, dann trennten sich ihre Wege wieder.

*





Zwei Stunden später brachte Jack Carla heim. "Kommst du noch auf einen späten Kaffee mit rein?" - "Ich würde gerne, aber ich muss morgen um vier Uhr raus, die Schiffe entladen sich leider nicht von selbst. Bitte sei mir nicht böse, wir treffen uns morgen gleich wieder, diesmal an einem sehr romantischen Ort, was meinst du?!" Carla lächelte glücklich und nickte. Dann gaben sie sich noch einen zärtlichen Abschiedskuss, der beinahe eine Viertelstunde dauerte.





Jack war gegangen und Carla griff automatisch nach ihrem Hausschlüssel. Aber da erinnerte sie sich daran, dass sie ihn ihrem Freund vor der Fahrt in die Stadt zur Aufbewahrung gegeben hatte, weil ihr Kleid ohne Taschen war. Sie rannte ein Stück in die Richtung, in die er verschwunden war, sah ihn aber nirgends mehr. So lief sie zurück, in der Hoffnung, dass ihre Schwester vielleicht die Hintertür aufgelassen hatte. Aber Ebbe, auch an dieser Stelle war die Bude dicht. Carla war genervt, zu gerne hätte sie sich jetzt in ihr weiches Bett gelegt, aber sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass ihre Schwester in nicht allzu langer Zeit ebenfalls eintrudeln müsste und setzte sich derweil an den kleinen Schwimmteich des Grundstücks, die Nacht war angenehm lau.





Carla schaute in die Sterne und hing ihren Gedanken nach, die sich natürlich alle um Jack drehten. In diesem entspannten Moment bemerkte sie die langsam näher kommenden, im Sand knirschenden Schritte hinter ihr zuerst nicht.





Sie sah die dunkel gekleidete Gestalt erst, als sie bereits in geringem Abstand vor ihr stand und bekam einen Heidenschreck: "Wer sind Sie? ... Was wollen Sie?", stammelte sie überrascht und erhob sich ängstlich, ohne eine Spur ihrer sonst eher forschen Art. Der Unbekannte, bis auf seine Augen völlig Vermummte, kam ohne Worte immer näher auf sie zu. Carla wich zurück und wäre beinahe hingefallen, als er antwortete: "DICH!"





„Was?“, rief Carla entsetzt. „Du hast schon richtig gehört!“, brummelte der schwarze Mann hinter seiner Maske.





Dann stürzte er sich ohne weitere Anstalten auf sie und versuchte, ihr das Kleid vom Leibe zu reißen. Carla wehrte sich mit Händen und Füßen und schrie aus Leibeskräften um Hilfe! Zum Glück war diese bereits nahe.





Jack war noch einmal zurückgekommen, da er Carlas Schlüssel in seiner Tasche gefunden hatte, und starrte nun zuerst völlig entsetzt auf die Szenerie, die sich ihm bot. Doch nach kurzer Schrecksekunde, rannte er umgehend seiner Freundin zu Hilfe und trennte sie mit einem beherzten Griff von der unheimlichen Gestalt. Der Angreifer jammerte nun ebenfalls völlig verschreckt irgendetwas von "Entschuldigung" und "im Haus vertan", da Jack ihn lauthals drohend anbrüllte und heftig vor die Brust stieß. Und lief dann überraschend in die Nacht davon. Jack hatte noch nie jemanden so schnell rennen sehen.





Zuerst lief er ihm ein paar Schritte hinterher, entschied sich dann aber gegen eine Verfolgung, da Carla deutliche Anzeichen einer Ohnmacht zeigte. Deshalb ließ er den Kerl laufen, nahm seine völlig aufgelöste Freundin auf den Arm und trug sie behutsam ihrer Schwester entgegen, die gerade mit dem Auto vorgefahren kam. Auch Fiona war blass, denn beinahe war ihr der Flüchtende vor den Kühler gesprungen! Zehn Minuten später war die Polizei vor Ort und nahm sämtliche Aussagen auf.

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Natürlich sprach sich der Vorfall sofort herum, Fiona war schon immer ein Plappermaul gewesen. "Guten Morgen zusammen!" sagte Nicolas mit ernster Miene. "Kinder, bitte esst ausnahmsweise einmal draußen weiter, wir Erwachsenen haben etwas Dringendes zu besprechen." Miranda, Hans und Desdemona folgten brav und räumten sogleich das Feld, so dass sich die drei Erwachsenen setzen konnten. "Hier steht es auch in der Zeitung, Melissa hat diesmal keine Märchen erzählt. Eine Frau aus der Nachbarschaft wurde in der vergangenen Nacht das Opfer einer versuchten Vergewaltigung. Nur der beherzte Eingriff ihres Freundes konnte sie vor Schlimmerem bewahren. Der Täter ist flüchtig." - "Adam Tallis!", rief Gerda sofort. "Melissa hat nicht gelogen, er ist noch am Leben. Und nun streift er hier auf der Insel umher und reißt eine Frau nach der anderen!", bemerkte sie gleich aufgebracht noch dazu.





"Nun mach aber mal halblang, Liebling, das ist ja nun wirklich alles andere als nahe liegend, es kann auch jeder andere gewesen sein! Und ein Fuchs war es übrigens garantiert nicht." Jetzt musste er trotz der ernsten Situation ein bisschen grinsen, da seine Frau zuvor das für einen Menschen doch sehr unpassende Wort "reißen" benutzt hatte. "Ja ja, schon gut“, meinte Gerda ein wenig pikiert, „aber was machen wir jetzt? Nicolas! Sag doch was, dir fällt doch sonst immer etwas ein!" Nicolas kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Ich weiß es nicht, Gerda, wir können uns höchstens von dieser Frau eine Beschreibung des Täters geben lassen und weiter die Augen aufhalten. Schließlich sind wir nicht die Polizei, so viele Möglichkeiten haben wir nicht." Gerda und Albert sahen sich fragend an, da klingelte es an der Tür ...





Es war der völlig aufgelöste Armin. "Herr Pfarrer, wir müssen etwas unternehmen! Melissa dreht völlig durch! …





Sie hat sogar schon gedroht, die Insel zu verlassen und ihr Haus aufzugeben!" - "Ich verstehe ihren Kummer, Herr Sims“, sagte Nic besänftigend, „aber uns sind derzeit die Hände gebunden. Wir können nur weiter die Insel beobachten, vielleicht nachts regelmäßig Rundgänge machen, aber sonst auch nichts. Zum Glück ist es ja nicht zum Äußersten gekommen, ich kann auch nur hoffen, dass die Beschreibung der Frau genau genug ist, um den Täter zu fassen, bevor ... ach, daran mag ich gar nicht denken.“ Er warf einen flehenden Blick nach oben. „Aber durch die Zeitungsmeldung dürften alle auf der Insel gewarnt sein, ich werde den Vorfall auch noch einmal in meiner Sonntagspredigt erwähnen.“ Dann legte er seinen Arm um Armins Schultern und führte ihn ins Wohnzimmer: "Kommen Sie, ich gieße Ihnen mal einen Schnaps ein. Denke, den können Sie jetzt brauchen."





"Ich will am liebsten gar nicht nach Hause zurück, Melissa ist total hysterisch und ... und … ich weiß nicht, ob ich Ihnen das beichten darf ..." - "Sie dürfen mir alles beichten, schließlich bin ich Gottes Stellvertreter auf Erden." Armin wirkte sehr betrübt. "Herr Kappe ... ich ... ich weiß nicht, ob ich Melissa wirklich liebe. Sie ist so ... so schwierig, so unzugänglich. Ich fühle mich vernachlässigt." Traurig sah er zu Boden. "Ich verstehe. Aber das müssen sie selbst mit sich ausmachen. Wenn Sie sie nicht wirklich lieben, sollten sie ihr Haus so schnell wie möglich verlassen, nur unmittelbar Heiratswillige MJN-Mitglieder dürfen zusammen wohnen, das wissen Sie!" - "Ja." Armin schluckte. Und dachte für einen kurzen Moment an Jessica, verscheuchte diesen Gedanken aber umgehend wieder.

*





Nachdem Armin gegangen war, wandte sich Nicolas schnell wieder den angenehmen Dingen des Lebens zu und flirtete völlig offen mit der Dame des Hauses. "Du hast wundervolle Augen, Gerda, und einen echt knackigen Arsch!", hauchte er so gar nicht christlich in ihr Ohr. Gerda wurde seltsamerweise überhaupt nicht rot, sondern verspürte stattdessen ein großes Verlangen, sich ihrem Schwager augenblicklich an den Hals zu werfen.





Doch dann trat Albert in die Küche und machte dem Spiel mit einem bösen Blick ein Ende. Nicolas kicherte nur albern und lobte schnell Gerdas vorzügliche Küche, um sich anschließend ins Bad zu trollen und seinem erotischen Verlangen ein schnelles Ende im Waschbecken zu bereiten. Anschließend befragte er Miranda vorsichtig nach dem Verhältnis ihrer Eltern, was diese sehr verwunderte. Er tat es, weil ihm irgendetwas in diesem Hause faul vorkam, nie sah er Albert und Gerda im zärtlichen Austausch und sie verließ des Öfteren am späten Abend das Haus und kam erst in der Nacht wieder, um angeblich in einem Restaurant zu arbeiten. Warum sollte eine Pfarrersfrau zusätzliches Einkommen aufbringen müssen? Das fand Nicolas schleierhaft. Aber was gab es hier auf der Insel nicht noch alles zu entdecken? Langsam bereute er die Entscheidung für seinen längeren Aufenthalt, das war ihm alles doch ein bisschen zu anstrengend.

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Doch diese Überlegungen fanden bereits am nächsten Tag ihr Ende, denn Miranda brachte ihre Schulfreundin Julia mit zum Pfarrhaus. Sie fand Julia eigentlich nur mäßig interessant - erhoffte sich aber durch den Kontakt von ihrem guten Ruf in der Schule profitieren zu können - aber Nicolas um so mehr. Ein so hübsches Mädchen hatte er lange nicht mehr gesehen, seine Keimdrüsen erfuhren sogleich eine tüchtige Anregung und auch Julia war von der stolzen Erscheinung des Mannes ebenfalls sehr beeindruckt, er erinnerte sie durch sein dominantes Auftreten ein wenig an ihren Vater. Als Siegfried auf sie zu gerannt kam, bekam sie große Angst, denn er fletschte bedrohlich seine großen scharfkantigen Reißzähne!





"SIEGFRIED! AUS! Komm schön her, setzen!", rief Nicolas. "Das ist doch ein sehr liebes Mädchen, du Bastard, wie kannst du nur?“ Siegfried knurrte seinen Herrn an, trollte sich dann aber folgsam in seine Hütte.





Julia schenkte Nicolas ein dankbares Lächeln und winkte ihrer Klassenkameradin Cleo Yogeshwar zu, die gerade des Weges kam. Da Miranda noch im Bad war, um sich ein wenig aufzurüschen, spielten sie eine Runde Footbag, der sich schließlich auch Nicolas anschloss, um zu demonstrieren, wie fit er in seinem Alter noch war.





Doch dann entdeckte Cleo wie alle anderen Menschen, die je auf dem Kapp'schen Grundstück waren, das Spielschiff für sich, und Nicolas hatte Julia für eine kurze Zeit ganz für sich alleine. Sie unterhielten sich angeregt und das junge Mädchen fühlte sich sehr zu ihm hingezogen, denn er gab sich intelligent und humorvoll.





Nachdem Miranda endlich fertig war und Julia ins Haus gerufen hatte, sah man, wie er sich die Hände rieb. Endlich mal eine tolle Frau auf der Insel! Nicolas verwarf seine Pläne, so bald wie möglich weiterzureisen, auf der Stelle.



Kapitel 11 - Der krude Plan
Kapitel 13 - Die Prophezeiung