Kapitel 6 - Gegeben und wieder genommen



"Papa? ... Papaaa!“, rüttelte Julia Adam, der auf dem Dach eingeschlafen war. „Warum liegst du hier, ist dir nicht kalt? Soll ich dir 'ne Decke holen?"





Adam richtete sich auf und fröstelte tatsächlich ein wenig. Seit wann waren die Nächte hier so kühl? Sonst konnte man doch fast das ganze Jahr wegen der lauen Luft kaum schlafen. Er gähnte herzhaft und fühlte dabei seinen unangenehm verspannten Nacken.





"Danke Julia, lieb von dir, aber ich komme jetzt sowieso runter, bin hundemüde. Was machst du überhaupt hier auf dem Dach?" - "Hab dich halt gesucht. Du hast Probleme mit den Frauen, nicht wahr?", sagte sie plötzlich gerade heraus. Adam lächelte überrascht. "Du bist mir ja ein Naseweis! Wie kommst du denn bloß darauf?" - "Mama hat das gesagt. Und du warst nicht lieb zu ihr, das hat sie mir auch gesagt. Warum?", wollte das kleine Mädchen wissen. „Ach Julchen, das ist eine lange Geschichte. Ich erkläre dir alles später mal, wenn du groß bist, ja?!" - "Aber ich bin doch schon groß, bald ein Teenager!" Liebevoll betrachtete Adam seine Kurze. "Na ja, das ist schon noch ein bisschen hin. Sag mal, willst du denn überhaupt weiter mit mir zusammenwohnen, auch wenn ich "Probleme mit Frauen" habe?“ Julia dachte nach. „Solange du mit mir kein Problem hast ... oder hast du vielleicht eins?“





"Nein, niemals! Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst, vergiss das bitte nie! Ich habe schon genug von deinem Leben verpasst, ab jetzt will ich so oft wie irgend möglich dabei sein! Du wirst sicher noch so manches Mal auf mich fluchen, denn ich kann ein Trottel sein, das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Aber wir ziehen das jetzt zusammen durch, ok?!"





"Ich liebe dich, meine Süße." Julia schmiegte sich in die starken Arme ihre Vaters und küsste ihn liebevoll auf seine bärtige Wange. "Ich dich auch, Papa."

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"Einen Moment bitte, Fräulein Le Normand, ich schaue mal, ob die Ergebnisse schon verfügbar sind. Hier auf der Insel gibt es derzeit gleich mehrere Magen-Darm-Virus-Fälle, alle Betroffenen haben im All-in-One-Shop Muscheln gegessen. Damit würde ich an Ihrer Stelle demnächst lieber vorsichtig sein. Meiden Sie den Laden!"





"Aber ich mag gar keine Muscheln und anderen Meeresglibberkram, und ihm All-in-One hab ich schon lange nicht mehr gegessen, in letzter Zeit nur in der kleinen Taverne." Doc Blythe kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Hm … hier sind die Ergebnisse - negativ. Also dieser Darm-Virus kann ausgeschlossen werden. - Aber warten Sie, hier ist noch ein Anhang vom Labor."





"Na, da haben wir ja des Rätsels Lösung!“, ließ der Doktor freudig vernehmen. „Fräulein Le Normand, meinen herzlichsten Glückwunsch, sie sind schwanger!“ – „Äh … ich bin ... was?" - "Sch w a n g e r“, buchstabierte Herr Blythe zwinkernd. „Das heißt, Sie bekommen ein Baby!" Naike schluckte. „Aber das kann nicht sein!!!" Der Doc grinste. „Das wird immer wieder gerne erzählt. Überlegen Sie mal ganz genau. Kann noch nicht allzu lange her sein, Sie sind erst in der 6. Woche."





Nein, das konnte einfach nicht sein, dachte sie, denn sie hatte stets Simdome verwendet, da sie sehr genau wusste, dass selbst bei jedem normalen Techtelmechtel in der Welt der Sims eine 10%ige Chance auf eine Empfängnis bestand. Aber halt – Moment! Der Abend in der Taverne, nachdem sie Adam in der Kirche wieder getroffen hatte, fiel ihr plötzlich wieder ein. Sie waren bis zum frühen Morgen zusammen im Whirlpool gewesen und dann hatte er sie nach Hause gebracht. Das Haus wurde noch besichtigt und dann waren die Simdome alle und ihr alles egal. Oh, shit happens!





"Und? Ist es Ihnen wieder eingefallen?" – „Dr. Blythe, ich will jetzt kein Kind haben, das geht gar nicht.“ Der Doc hob überrascht seine Augenbrauen und stand nun ein bisschen hilflos da. Bisher hatte er es noch nicht erlebt, dass sich eine Frau - zumindest nach dem ersten Schrecken - nicht über eine solche Nachricht gefreut hatte. Aber Naike war froh, dass sie in dieser Welt keine Kinder hatte, denn sie wollte erst einmal ihr freies Leben eine Weile ausgiebig genießen, bevor sie sich wie im Real Life dem Abenteuer Nachwuchs widmete. Und Adam als Vater? War der nicht schon mit Julia überfordert?





"Die Entbindungen macht auf dieser Insel traditionell Mrs. Jones, aber ich möchte Ihnen lieber raten, ins Krankenhaus aufs Festland zu fahren, wenn es soweit ist. Man kann sich auch schon einige Zeit vorher dort einquartieren, um nicht in letzter Sekunde versehentlich auf der Fähre zu gebären. Sekunde, ich suche Ihnen gerade mal die Broschüre der Klinik raus." Naike fing an zu heulen und schluchzte los, als gäbe es kein Morgen. "Och kommen Sie, jetzt hören Sie doch auf zu weinen, das kann ich ja gar nicht mit ansehen!“ Dr. Blythe streichelte ihren Arm. „Hm … also wenn Sie es partout nicht wollen, kann ich Ihnen auch eine gute Adresse für einen Abbruch geben. Aber bitte treffen Sie keine voreiligen Entscheidungen, über so was muss man schlafen. Und bitte sprechen Sie mit dem Vater des Kindes!" Naike wimmerte noch immer. „Kommen Sie, ich bringe Sie nach Hause, Sie sind heute eh meine letzte Patientin, ich mach’ heute mal früher Schluss, die vergangenen Tage hatten es wegen dem Darm-Virus eh ganz schön in sich."

*





Naike setzte sich zuhause auf die Matratze auf dem Heuboden. Jetzt hatte sie die Affen im Kopf, die ihren Freund so gerne quälten. Wer weiß wie viele Male fragte sie sich, wie das bloß hatte passieren können? Sie war doch sonst nicht so dumm! Es klingelte an der Tür. Sie stöhnte genervt, wer klingelt ausgerechnet jetzt? Sie ärgerte sich, dass sie nicht einmal in so einem Moment voller Schmach in Ruhe gelassen wurde. Vorsichtig kletterte sie die Leiter hinunter, rülpste dabei zweimal herzhaft, weil ihr noch immer ein wenig übel war und öffnete dann die Haustür.





Als sie sah, wer da vor ihr stand, stolperte sie gleich an ganzen Schritt wieder zurück. War sie denn heute vom Pech verfolgt? „Äh … guten Tag, Frau Kappe. Es tut mir leid, aber ich habe gerade etwas Wichtiges zu tun, können Sie vielleicht später noch mal wiederkommen? Oder ich rufe sie an, ja!?", schniefte sie. "Tut mir leid, dass ich Sie so überfalle, aber es ist sehr wichtig, kann ich kurz reinkommen?"

Naike überkam das Gefühl, gleich schreien zu müssen. Aber sie entschied sich nachzugeben, da sie es sich ja bereits mit Herrn Kappe verdorben hatte. „Ok, also was liegt an?" - "Wir vom MJN, den Modernen Jesus Nachfolgern, möchten Sie zu unserer nächsten Versammlung im Gemeinde-Raum unter der Kirche einladen. Heute in einer Woche um 18 Uhr. Bringen Sie ruhig ihren Freund mit, wir können dann in Ruhe reden." - "Äh … das ist ja sehr nett“, sagte Naike verwundert, „aber wie komme ausgerechnet ich zu der Ehre?" Gerda lächelte huldvoll. "Ach, wir haben letzten Sonntag getagt und über die Wahl zum Auserwählten des Monats gesprochen. Sie kennen das sicher noch nicht, jeden Monat helfen die MJN einem Menschen in der Nachbarschaft bei der Bewältigung seiner Lebensprobleme. Und diesmal fiel die Wahl auf Sie, ist das nicht wunderbar!“, flötete sie freudestrahlend.





Naike war für einen kurzen Moment perplex, das konnte ja wohl jetzt nicht wahr sein. "Und … äh … vergangenen Monat, war der Auserwählte da zufällig Armin Sims?" Gerda schaute überrascht. "Genau! Woher wissen Sie das? Das bleibt eigentlich nur unter uns“, bemerkte sie wichtigtuerisch. Jetzt konnte sich Naike nicht mehr im Zaum halten. „"Nun ja, der Teufel persönlich hat es mir eingeflüstert“, antwortete sie gehässig. „Er hat nämlich einen Spitzel in ihrer Sekte platziert, der mich regelmäßig informiert. - Und wissen Sie was? Ich werde nicht kommen! Besagten Teufel werde ich tun!!!", rief sie aufgeregt und war erschreckt über ihre eigene Kühnheit.





Gerda riss entsetzt die Augen auf und wich einen Schritt nach hinten. "Oh mein Gott, es ist ja schlimmer als ich dachte, Sie sind ja regelrecht besessen! Um welche Art Dämon es sich wohl handelt?“, überlegte sie laut. „Aber haben Sie keine Angst, wir werden Ihnen helfen, ihn auszutreiben, keine Sorge! Wir sehen und dann bald. Auf Wiedersehen!“, verabschiedete sich die Pfarrersfrau nun wieder in ihrem so typischen flötendem Ton und suchte schnell das Weite. "Auf Nimmerwiedersehen!", schrie ihr Naike respektlos hinterher. Sie zitterte arg. Mannomann, das hatte noch gefehlt, ausgerechnet jetzt! Als sie zurück ins Haus gehen wollte, um sich einen Nervenberuhigungstee aufzubrühen, fiel ihr die außergewöhnliche Farbe des Himmels auf. Warum war es plötzlich so dunkel? Hier regnete es doch nie.





Dicke schwarz-graue Wolken versprachen ein baldiges Unwetter. Naike fragte sich, ob ihr Alter Ego, die Real-Naike vielleicht schon das bereits angekündigte Wetter-AddOn für ihre Sims installiert hatte? Aber war der angekündigte Release-Termin dafür nicht erst im nächsten Monat? Sie beschloss, Adam anzurufen und ihn zu fragen, ob es bei ihm auch so komisch aussah, und nahm sich vor, ihn am besten auch gleich zu sich einzuladen, um ihm von ihrer Schwangerschaft zu berichten. Wahlweise hätte sie noch ein paar Tage heulen können, aber das brachte ja nun auch keine Lösung.

"Hallo, Adam? ... Wie, es donnert doch nur ein bisschen? Siehst du denn die fetten Wolken nicht?! … Nein, ich habe keinen Schnupfen, Schatz, musste nur eben ein paar Mal niesen, deshalb rede ich so geschwollen. - Was ich eigentlich fragen wollte, kommste gleich mal rüber? Ich koche uns was Leckeres, habe dir außerdem etwas zu erzählen. ... Wie, du auch? Na, dann komm’ recht bald, ja?“ Sie legte den Hörer auf, ging erstmal duschen und legte die Teebeutel des Beruhigungstees ins Gefrierfach, um sie in eiskaltem Zustand gegen ihre Augenschwellungen anzuwenden. Nach einer knappen Stunde stand sie hübsch zurecht gemacht im Bad vor dem Spiegel und würgte plötzlich leider den Tee wieder hervor.

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"Wo willst du hin?", blaffte Nastassja ihren Bruder an. "Ich wüsste nicht, dass dich das etwas angeht." Doch so schnell ließ sie nicht locker. "Du gehst zu ihr, nicht wahr??!!" - "Jetzt reg' dich bitte ab, selbstverständlich gehe ich zu ihr, sie ist meine Freundin. Und weißt du was? Ich komme auch nicht mehr zurück“, antwortete Adam steif. „Das wirst du nicht wagen!!!" Die Stimme seiner Schwester klang plötzlich schrill.





"Nastassja, verdammt, was soll das? Du hast mir versprochen, mich jetzt endlich in Ruhe zu lassen, also tu es gefälligst auch!" - "Bitte geh nicht“, flehte die junge Frau nun, „lass uns noch einmal in Ruhe über alles sprechen, ja? Ich will dich nicht verlieren." Adam sah sie traurig und enttäuscht an: "Leb wohl, Nastassja!"





Und damit ging er strammen Schrittes aus dem Haus zu seinem Auto, seine wichtigsten Habseligkeiten befanden sich bereits im Kofferraum, den Rest wollte er später holen. Seine Schwester rannte aufgebracht hinter ihm her.





"Bleib hier!!!“, versuchte sie ihm verzweifelt zu befehlen und zitterte am ganzen Leib. „BLEIB HIER!!!" Adam öffnete unbeirrt die Wagentür, doch Nastassja war nicht bereit aufzugeben. "Wenn du jetzt gehst ... dann ... dann bringe ich mich um!!“, heulte sie verzweifelt. „Das wirst du eh nicht tun, Sister“, sagte Adam kalt. Er wirkte selbstsicher, zitterte aber ebenfalls vor Aufregung. Schnell ließ er sich auf den Fahrersitz fallen, schloss mit Wucht die Tür und bretterte, ohne sich noch einmal umzusehen, Richtung Simlane 10.

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"Hey Nai, du hast dich ja ordentlich in Schale geschmissen, gibt es was zu feiern?" – „Nicht wirklich, Jess“, seufzte Naike, "aber Adam kommt gleich, wir essen zusammen hier zu Abend. Warum bist du noch nicht unterwegs? Du wolltest doch mit Voodoo Mom und noch jemandem zum Bowling, oder?!" - "Ach, mir ist gerade nicht so danach. Habe heute die Nachricht erhalten, dass meine Tante gestorben ist, und Voodoo Mom hatte heute viele Klienten, es geht ein Magen-Virus um." - "Ach je, das tut mir leid mit deiner Tante." Ihre Freundin schüttelte den Kopf. "Braucht es nicht, ich habe sie bestimmt dreißig Jahre lang nicht mehr gesehen. Muss aber morgen zur Beerdigung, wegen Familie und so, du weißt schon, muss mich mal wieder blicken lassen. Und ich hasse Beerdigungen doch so“, jammerte sie. Naike bot an, sie zu begleiten, worüber sie sich sehr freute.





„Aber was ist jetzt mit heute Abend?" - "Och, ich lese ein bisschen was in meinem Zimmer, werde euch schon nicht stören." - "Jess, bitte, ich möchte dich nicht rauswerfen, versteh mich jetzt bitte nicht falsch, aber ich brauche hier heute allen Freiraum, ja?!" - "Ach, mach dir mal keinen Kopf, ich hab doch jetzt die Schallschützer vom Baumarkt", grinste Jessica und wollte sich partout nicht vertreiben lassen. „Aber nein, darum geht es doch gar nicht ..." - "Hihi, erzähl' mir nix“, wusste die Seniorin es natürlich besser, „du hast doch schon wieder diese berühmte Glitzern in den Augen! Tut mir leid, aber ich will heute wirklich nicht zum Bowlen oder sonst wo hin.“ Sie gähnte anschließend sehr laut, um ihren Entschluss zu unterstreichen.





Naike beschloss, ausnahmsweise mal zu einem Zauber zu greifen. Die Manipulation von Sims war ihr eigentlich nicht erlaubt, aber das war ja nun quasi ein Notfall. Also murmelte sie schnell einen bestimmten Spruch und ihre Freundin sah daraufhin für einen kurzen Moment so aus, als müsse sie sich geistig neu sortieren.





"So, jetzt muss ich mich aber langsam mal fertigmachen, Naikelein, sonst komme ich zu spät zum Bowlen. Mal schauen, ob noch jemand kommt heute Abend, sonst klinke ich mich einfach irgendwo in ein Team ein“, verließ sie mit sichtlicher Vorfreude das Sofa. Naike grinste und fiel ihrer Freundin dann stürmisch um den Hals. "Danke, Jess, danke!!!" - "Wieso bedankst du dich denn jetzt?" - "Ach, ich drück dich einfach nur mal, weil ich dich so lieb hab." – „Ich dich doch auch, Süße. Aber jetzt muss ich mich dringend stylen!“ Naike frohlockte, das hatte ja bestens geklappt. Aber so war es auch einfach besser, wer weiß, wie Adam reagieren würde? Sie ging zum Kühlschrank und bereitete das Essen vor, zum Glück ohne dass es ihr dabei übel wurde. Und als es gerade servierfertig war, traf Adam auch schon pünktlich ein.

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"Voila, bon appétit, Monsieur - Spaghetti à la maison!" - "Oh, merci beaucoup, Chérie", bedankte sich Adam freundlich, machte aber einen bedrückten Eindruck. "Was ist los mit dir? Hast du keinen Hunger? Siehst irgendwie frustig aus, „stellte die Köchin besorgt fest. „Ach, ich bin auch frustig. Wir reden gleich darüber, ja? Lass uns erstmal was essen, Hunger hab ich durchaus. Du wolltest mir doch auch noch irgendetwas sagen, hm?"





„Bin auch stinkig, aber wie! Kam doch eben diese olle Gerda Kappe zu mir und lud mich - dich sollte ich übrigens gleich mitbringen - zur nächsten Versammlung ihres absurden Neu-Christen-Vereins ein. Offenbar zur Zwangsbekehrung. Die hat doch nicht alle Taschen im Schrank!" - "Tassen, Schatz, Tassen!“, verbesserte Adam und meinte: „Ach komm, es reicht doch, wenn du einfach nein sagst und gut isses. Reg dich nicht weiter darüber auf. Wir bleiben einfach unmoralisch und gut is?!“, zwinkerte er seiner Freundin verschmitzt zu. „War das denn jetzt etwa das, was du mir so dringend erzählen wolltest. Am Telefon klang es ehrlich gesagt ein bisschen aufregender."





"Nein … da ist noch etwas ganz anderes ...“, sagte Naike zögernd. Adam hob neckisch seine linke Augenbraue: „"Oder willst du etwa gleich auf den Heuboden?" Sie stupste ihn gespielt empört gegen seine Schulter. "Nein, Adam, gerne später, aber ... ja, also ... äh … du musst bitte ab jetzt ein bisschen vorsichtiger mit mir sein, ich bekomme ein Baby“, sagte sie sehr leise.





Aber Adam hatte es definitiv gehört und sprang unmittelbar nach Naikes letzter Silbe vom Stuhl in die Aufrechte und wurde blass. "Du ... du bist ... schwanger??" Sie nickte verzagt.





"Ist es denn von mir???", fragte er dann fast ungläubig.





"Was für eine Frage, du Vollidiot, von wem denn sonst, bitteschön?!“, reagierte die werdende Mutter beleidigt. - "Nenn mich nicht noch einmal Vollidiot! Die Frage darf man ja wohl mal stellen, schließlich waren wir einige Zeit getrennt. Was weiß denn ich, in welchen Armen du in dieser Zeit gelegen hast! Vielleicht bei diesem Bruno Bieri??" Naike sah ihn tief betrübt an. „Adam, du bist wirklich armselig."





Adam hasste es zutiefst, beschimpft oder auch nur im Ansatz beleidigt zu werden. Zornig sah er seine Freundin an, ballte seine linke Faust und hob sie bedrohlich auf Augenhöhe. Das war zuviel für sie.





„Na los, schlag doch zu!!“, schrie sie verzweifelt, „bitte, hier: Freie Auswahl!“ Für einen Moment war es völlig still im Raum.





"Worauf wartest du denn noch?“, begann sie zu schluchzen. Tritt mir doch am besten in den Bauch und die Sache ist ein für alle mal erledigt.“





Unter Tränen sah sie den Vater ihres Kindes fest in seine warmen grün-braunen Augen, aus denen plötzlich das zuvor aggressive Funkeln wich. Er biss sich auf die Oberlippe, wendete seinen Blick von ihr ab und vergrub sein Gesicht für einen kurzen Moment hinter seiner Hand. "Adam? - Adam, weinst du?", fragte sie ihn überrascht.





Er atmete tief durch und zog kurz die Nase hoch. "Nein. Es gibt keinen Grund zu weinen, denn wir haben einen, uns zu freuen." Naike dachte, sie habe sich verhört und blickte ihn ungläubig an. Er fuhr fort: "Ich habe mir vorgenommen, mein Leben neu zu sortieren und bin heute aus meinem Haus ausgezogen. Ich werde vorläufig mit Julia in einem Hotel wohnen und du kannst dir in Ruhe überlegen, ob du uns hier bei dir haben willst. Ich akzeptiere übrigens auch ein Nein!“ – „Ad ... du machst Witze.“ - "Warte, ich bin noch nicht fertig. Ich will ehrlich zu dir sein: Ein zweites Kind ist nicht gerade das, was ich mir im Moment wünsche. Ich bin kein Familienvatertyp und werde es auch nie sein, ich brauche meine Freiheiten. Aber ich habe bereits die Babyzeit von Julia verpasst und bereue das bitter, wir haben einige Zeit gebraucht, um uns überhaupt aneinander zu gewöhnen. Das soll mir nicht noch einmal passieren, verstehst du."

Naike gelang ein hoffnungsvolles Lächeln und auch Adam wirkte plötzlich gelöst. "Ich liebe dich. Wir packen das irgendwie. Ich kann dir zwar für nichts eine Garantie geben, du kennst meine leidige Unberechenbarkeit, aber ich werde mich zumindest bemühen." – „Hoffentlich erbt unser Sohn nicht deinen Chaos-Charakter!", scherzte Naike noch unter Tränen. „"Sohn? Meinst du es wird ein Junge?", erkundigte er sich verwundert. „"Es ist ein Junge. Eine Wahrsagerin braucht dazu keinen Ultraschall“, zwinkerte sie, „ich liebe dich auch, Adam!! Erleichtert ließ sie sich in seine starken Arme nehmen und schmiegte sich an seine Brust.





Nastassja sah wie ihr Bruder seine Freundin umarmte und zärtlich küsste. Ihre Kehle und Lippen waren staubtrocken und ihr Herz schien jeden Moment in der Brust in tausend Teile zu zerspringen. "Aha, hier in dieses lumpige Haus hat es dich jetzt also verschlagen!", rief sie laut und herrisch.





Adam und Naike ließen abrupt von einander ab und starrten erschreckt zur Tür. „Nastassja, verdammt! Was machst du hier??? Verlasse sofort das Haus!!!", dröhnte Adams kräftige Stimme böse durch den Raum und hallte von den Wänden wieder, da es im Haus noch recht leer war.





"Wenn ich dich nicht kriege, wird dich KEINE kriegen!!!", brüllte seine völlig aufgebrachte Schwester zurück. Dann bemerkte Naike die Waffe in Nastassjas Hand und kaltes Entsetzen breitete sich in Windeseile über ihren gesamten Körper aus. Auch Adam hatte sie inzwischen entdeckt und fixierte starr vor Schreck das Schießeisen seines Vaters, was er früher als Junge stets bewundert hatte, wenn es frisch gereinigt und geputzt auf seinem dicken, hölzernen Schreibtisch im Arbeitszimmer lag. Kein Luftzug ging mehr durch das Haus, niemand bewegte sich für unendlich lange Sekunden. Es war, als wäre die Zeit eingefroren, als hätte die berühmte Schneekönigin mit ihrem eisigen Hauch alles zu Eis erstarren lassen.





"Adieu, mein geliebter Bruder", hob Nastassja dann zu allem entschlossen die Stille auf, "wenn ich verzichten muss, werden verdammt noch mal alle verzichten." Sie hob gezielt den Revolver und drückte den Abzug.





Der Schuss löste sich und die Kugel schlug in Adams Bauchdecke ein. Naike hielt den Atem an. Alles erschien ihr in diesem Moment völlig unwirklich.





Adam verzog stöhnend vor Schmerz das Gesicht sank im Zeitlupentempo auf den Küchenboden.





Dann sah Naike das Blut an seinen Händen und wusste, dass es kein Traum war. Wie versteinert stand sie neben ihm und konnte sich vor Schock nicht mehr rühren. Er murmelte noch etwas Unverständliches und brach dann völlig zusammen.





"NEIIIIIINNNNN!!!!", gellte Naikes Schrei durch das Haus.





Und auch Nastassja stand völlig verstört vor ihrem schwer verletzten Bruder und kam zumindest ein Stück weit zu Sinnen. Sie hörte Naikes flehende Schreie wie aus weiter Ferne. Was hatte sie nur getan? Schwindelnd taumelte sie zu Tür, ging hastig hindurch, fiel die Treppe hinunter, richtete sich mit letzter Kraft wieder auf und stolperte dann durch den tiefen Sand in die Dunkelheit.





Naike fiel entkräftet auf die Knie und starrte ihren Liebsten an, der zunehmend Blut verlor. "Bitte … steh auf, STEH SOFORT AUF!!!“, flehte sie ihn völlig sinnlos hysterisch an , „du kannst doch jetzt nicht einfach gehen!!!"





Sie stützte seinen Kopf mit ihrer Hand und weinte bitterlich. Plötzlich fühlte sie seine blutig-feuchte und fast erschlaffte Hand, die ihren Nacken streichelte. "Bring unser Baby zur Welt, Chérie ... und erzähl ihm bitte eines Tages von mir. ... Und sag Ju...“ Seine Stimme versagte. „… Julia noch einmal, dass ich sie sehr liebe“, flüsterte er noch kraftlos. Dann war er weggetreten.





Naikes Verstand kam nun endlich zurück und sie richtete sich ruckartig auf, um zum Telefon zu eilen, doch dabei wurde ihr schwarz vor den Augen. Sie sammelte sich für einen Moment und atmete so ruhig wie möglich tief ein und aus, aber dann durchschlug plötzlich ein schneidender Schmerz ihren Unterleib, beinahe so als wäre sie selbst von einer Kugel getroffen worden. „Adam … das Baby!!!!“ Die Schmerzen wurden in Windeseile immer heftiger, so dass es nun auch ihr unmöglich war, sich weiterhin aufrecht zu halten.





Sie ließ sich neben ihren bewusstlosen Mann auf den Küchenboden sinken, hörte die schwere Haustür am anderen Ende des Raumes knarren und eine von ihr geliebte Stimme waberte suchend durch den Raum: "Naike?" – „Jessica ... hier ...“, brachte sie noch heraus, und dann spürte sie, wie das noch so junge Leben aus ihrem Leib entwich und die kleine Seele sich wieder mit ALLEM-WAS-IST verband.

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"Guten Morgen, Liebling, Frühstück ist fertig! Setz dich doch schon mal hin, der Kaffee braucht noch einen Moment." – „Nichts lieber als das, mein Schatz, einen guten Morgen auch dir!“





"Oh Mann, das ist ja heftig. Weißt du was passiert ist?" - "Nein, was denn, Melissa?" - "Stell dir vor, Adam Tallis wurde von seiner eigenen Schwester beschossen!!" Armin stellte unverzüglich das Kauen ein. "Adam Tallis ...





… Naikes Freund???“, fragte er geschockt nach. „Von seiner Schwester? Oh mein Gott, wie furchtbar ist das denn?!" - "Furchtbar findest du das? Dieser Schwerverbrecher hat es doch nicht anders verdient, war ja klar, dass es irgendwann noch Theater mit ihm gibt. Wenn er nicht mehr hier ist, kann das nur gut für Fräulein Le Normand und die gesamte Insel sein. Ich fühlte mich schon länger nicht mehr sicher", meinte Melissa gleichgültig. "Das ist jetzt nicht wirklich dein Ernst, oder?!“ Armin verschluckte sich an seinem Toast und verschwand hustend im Bad.

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http://www.youtube.com/watch?v=wNAyKL2GHvA
In mir klingt ein Lied, ein kleines Lied,
in dem ein Wunsch von tausend Stunden glüht,
bei dir zu sein.
Sollst mit mir im Himmel leben,
träumend über Sterne schweben,
ewig scheint die Sonne für uns zwei,
sehn dich herbei
und mit dir mein Glück.
Hörst du die Musik,
zärtliche Musik ...









"Willst du mich?" – „Ja“, hörte Naike sich zärtlich hauchen.





Doch dann verzog sich das Gesicht ihres Liebsten. Hilflos sah er sie an, Blut lief aus seinem Mund. "Adam? ADAM - Was ist mit dir???"





"Was tust du denn??“





Steh auf!! Bitte - STEH DOCH AUF!!!“, flehte die Braut und hörte ihre schrille Stimme wie ein Echo aus allen vier Himmelsrichtungen widerhallen.





"NEIIIIIIN, VERLASS MICH NICHT!!!"





Mit einem Ruck saß Naike kerzengerade im Bett. Ihr Herz klopfte wie ein Bohrhammer …





… und ihr Atem ging stoßweise.





Dann wusste sie wieder, wo sie war …





… und wenige Sekunden später drangen auch die schrecklichen Erinnerungen erbarmungslos zurück in ihr Bewusstsein. Sie hatte nur geträumt, aber dennoch war alles wahr. Kraftlos ließ sie sich zurück in ihr Kissen fallen und schloss die Augen wieder, denn in dieser Welt wollte sie nicht mehr sein.





"Naike. Liebling, bitte wach mal kurz auf“, rüttelte sie kurze Zeit später ihre Freundin Jessica vorsichtig an der Schulter. „Wie geht es dir?" - "Danke", sagte Naike matt. "Ich gehe jetzt gleich zur Beerdigung, wollte ich dir nur kurz Bescheid sagen. Schlaf mal ruhig weiter, du bist noch zu schwach. Ich bin mittags wieder da, hab dir etwas zu essen in den Kühlschrank gestellt, brauchst es nur kurz aufwärmen, wenn du Appetit bekommst, ok?!“





"Beerdigung? So schnell? Ich will ihn noch einmal sehen." Jessica erschrak. "Mensch, Naike, nein. Es geht doch nicht um Adam. Meine Tante, ich hatte dir doch gestern von ihrem Tod erzählt, du wolltest mich begleiten, erinnerst du dich?" - "Wo ist Adam?" - "Im Krankenhaus, Schatz, er wird von Dr. Blythe betreut, er und seine Kollegen tun für ihn was in ihrer Macht steht“, versucht Jess Naike zu beruhigen, doch die richtete sich auf. "Ich will sofort hin!" - "Bitte bleib liegen, das schaffst du noch nicht, du musst dich erst erholen." – „Nein, ich will sofort hin.“



Kapitel 5 - Wer ist der Schlimmste im ganzen Land?
Kapitel 7 - Geteiltes Leid