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 | Kapitel 4 - Versöhnungen |
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Am nächsten Tag klingelte es an der Tür. Naike sprang schnell ins Bad, um sich die Lippen nachzuziehen und öffnete dann feierlich die Tür. Aber Adam stand dort definitiv nicht, sondern eine Frau im gleichen Wahrsagerinnen-Kostüm, das Jess einst getragen hatte. "Entschuldigung, wir sind hier keine Aufnahmestation für arbeitslose Wahrsagerinnen", sagte Naike aus Enttäuschung viel zu unhöflich, aber noch so eine Selfmade-Magierin wollte sie auf keinen Fall auch nur für einen kurzen Besuch in ihrem Hause haben. Die grauhaarige Frau protestierte verwirrt: „Wie bitte?! Ich bin hierher bestellt worden! Und arbeitslos schon gar nicht." - “Bestellt? Von wem bitteschön?“
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"Von mir!“, tönte Jessica plötzlich ruhig aus dem Hintergrund und kam aus dem Haus getrottet. „Naike, jetzt hör’ mir erstmal zu, bevor du wie gewohnt an die Decke gehst. Ich hab mir gedacht, du könntest einen wirklich netten jungen Mann brauchen, der deiner Person angemessen ist. Und meine ehemalige Kollegin, Frau Dederichs, kann dir sicher helfen, sie ist eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet der magischen Partner-Beschaffung!" Naike schnappte nach Luft. "Jess!!! Bist du verrückt geworden???" In diesem Moment fing Frau Dederichs bereits mit ihre Beschwörungen an. „Frau Dederichs, hören Sie bitte auf der Stelle damit auf, ich habe bereits einen Mann!", jammerte Naike. "Aber nicht den Richtigen!", flötete Jessica und rollte ihre Augen dabei offensichtlich verständnislos gen Himmel. Und von dort kam wenige Sekunden später auch schon die von ihr gewünschte Lieferung.
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Ein dunkelhaariger Mann fiel den drei Daumen wie aus dem Nichts plötzlich hart vor die Füße. Naike konnte kaum hinschauen, derart brutal war er gelandet und versuchte nun, sich aufzuraffen. Sie bemerkte aus dem Augenwinkel, dass Jessica die Flucht ins Haus ergriff und bekam Panik. "Jess, bitte bleib hier und hilf mir, diesen Kerl wieder loszuwerden! Du kannst doch jetzt nicht ..." - "Kindchen, ich muss dringendst aufs Klo, freunde dich doch in der Zwischenzeit schon mal mit deinem Geschenk an, ja? Er sieht doch wirklich gut aus. Ich sagte ja, Frau Dederichs versteht ihr Handwerk.“ Mit dieser Feststellung flitze sie wie von einer Tarantel gestochen ins Haus und ließ Naike mit dem jungen Mann verstört zurück.
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„Wer will mich hier loswerden?", knurrte der umfangreich tätowierte, aber sehr gut aussehende Mann, der Dank Frau Dederichs gerade schmerzhaft vom Himmel gefallen war. Naike wurde rot - wie peinlich! "Niemand ... äh ... ich meine doch. Also, eigentlich ich! Es tut mir so leid, das Ganze hier ist ein Missverständnis, ich brauche keinen Partner, bin schon mit einem anderen zusammen. Es war bloß eine dumme Idee meiner Freundin, bitte seien Sie mir nicht böse, ja?! Es liegt ganz bestimmt nicht an Ihnen!" - "Tja, das ist ziemlich schade, ich dachte man könnte sich mit dir ein bisschen amüsieren.“ Naike wedelte hilflos mit ihren Armen und wusste nicht, wohin sie sie stecken sollte. "Tut mir echt leid, vielleicht in einem anderen Leben."
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"Ok, ich geh dann mal. Sollten Sie mal Bedarf haben, ich heiße Jack und arbeite zu fast jeder Tages- und Nachtzeit am Hafen." - "Oh, danke. Bis irgendwann dann mal und überhaupt“, stotterte sie verlegen, als das arme Zauber-Opfer leicht humpelnd von dannen zog.
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"Jess, was in Gottes Namen hast du dir dabei wieder gedacht? Ich bin vergeben, verflixt noch mal, ich brauche keinen Jack oder Peter oder Jürgen, ich hab Adam!!! Und er ist der Einzige, den ich will. BASTA!“, brüllte Naike außer sich. "Aber ich wollte dir doch nur helfen!", entgegnete Jessica traurig. "Leb dein blödes Helfersyndrom an anderen aus, ja?! Armin zum Beispiel, ihm muss bestimmt bei irgendetwas geholfen werden!" Jessicas Gesichtsausdruck glich dem nach einem Biss in eine Zitrone. Sie murmelte eine Entschuldigung, schüttelte den Kopf und schlurfte dann in die Küche.
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Hier endeten Naikes Erinnerungen. Ja, so war es gewesen vor dem Schlag. Hätte sie damals nicht doch besser auf Jessica hören und diesen herbei gezauberten Jack daten sollen? Wären ihr dann die angebrochene Nase und das blaue Auge erspart geblieben? Naike nahm einen weiteren Schluck Cappuccino und überlegte, was sie nun tun sollte. Alles hatte so viel versprechend begonnen, sie hatte Adam eine Chance gegeben und er schien sich gewandelt zu haben. Doch offenbar hatte sie sich geirrt. Mitten in ihre unschönen Gedanken klingelte plötzlich das Telefon.
"Le Normand, hallo?! Ach Joseph, grüße Sie … ja ok, dich. Schön mal wieder von dir zu hören! ... Was, jetzt gleich?! Das ist ungünstig, ich ... - In einer Stunde? Ja, das passt besser. - Ok, also dann um 21 Uhr vor dem Chez Poulain. Bis dann!" Adams Bruder. Was konnte der nun von ihr wollen, überlegte Naike.
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Eine Stunde später sollte sie es erfahren. Joseph war ebenfalls pünktlich eingetroffen und begrüßte sie freundlich. Unverschämt gut sah er aus. Was mochten die Tallis-Sims wohl für Eltern gehabt haben? Joe hatte helleres Haar und seine Augen standen nicht so eng beieinander wie die seines älteren Bruders, aber das gewisse Etwas, auf das Naike ansprang, war auch bei ihm nicht zu leugnen. "Hi Naike!“, rief Joseph fröhlich, hielt dann aber inne und macht ein mitfühlend schmerzverzerrtes Gesicht. „Au Mann!" - "Was ist?!“ - "Das fragst du noch??? Schau mal in den Spiegel, du bist ja fürchterlich zugerichtet!!!" - "Ach so, das meinst du. Tja, ich Dussel hab’ mir eine Tür vor den Kopf gehauen, kuriose Geschichte!", log Naike. "Du meinst wohl eher, eine "Tür" hat DIR vor den Kopf gehauen, eine Tür namens Adam nämlich, nicht wahr?!", mutmaßte Joe Tallis ohne den Anflug eines Zweifels an seiner kühnen These. "Äh … du weißt es?", fragte Naike beunruhigt. "Natürlich, deswegen bin ich hier. Adam hat mir erzählt, dass mal wieder die Pferde mit ihm durchgegangen sind. Das waren aber wohl eher Mammuts als Pferde", seufzte Joe.
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"Ach, das ist halb so schlimm, das wird schon wieder", fand Naike. "Sag mal, spinnst du? Wie kannst du das nur so leicht nehmen??? Mein Bruder hat dich schwer verletzt! - Naike, du musst die Finger von ihm lassen, er tut dir nicht gut. Ad war schon immer sehr jähzornig. Er kann sehr lieb und nett sein, aber manchmal ist es dann wieder bei irgendwelchen Anlässen soweit. Glaubst du allen Ernstes, du könntest das ändern!?" - "Du, ich finde es wirklich anständig von dir, dass du mich warnst, aber ich kenne ihn doch auch. Mach dir mal keine Sorgen, ich ziehe schon meine Konsequenzen, vorläufig werde ich ihn sowieso nicht mehr treffen." - "Eine gute Entscheidung, belasse es bloß dabei!", stellte Joseph erleichtert fest.
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"Joe, danke, dass du gekommen bist!" Naike umarmte den jungen Mann und hätte ihn am liebsten nicht mehr losgelassen, so gut fühlte er sich an. Absolut durchtrainiert, aber dennoch weich und warm. "Also dann, bis demnächst!", verabschiedete er sich. "Joseph, warte! Was macht Adam eigentlich gerade?" - "Das interessiert dich echt noch?“ Eine Sorgenfalte bildete sich auf seiner Stirn. Also eigentlich habe ich ihn heute tagsüber nur matt auf dem Sofa herumliegen sehen." Naike vernahm diese Aussage mit Genugtuung. Offenbar litt er. Das hatte er auch verdient.
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Da es noch recht früh am Abend war, entschloss sie sich, noch ein paar Lebensmittel im All-in-One-Shop einzukaufen. Der Bringdienst war für ihre immer noch wenig umfangreiche Haushaltskasse nach dem Hausbau nämlich leider nur im Notfall erschwinglich. Und wer stand plötzlich dort vor dem hell beleuchteten Eingang?! Naike wurde es siedeheiß und ihr Hals schnürte sich zu. Schnell machte sie auf dem Absatz kehrt. "Naike! Was machst du denn hier??? - Ich wollte ... Mensch, jetzt bleib doch mal stehen!" - "Adam, schleich dich, sonst hex' ich dir ein Frettchen in die Hose!", fuhr sie ihn mit grimmiger Miene an. "Liebes, bitte, ich ... - NAIKE, jetzt lass mich nicht hier stehen!!!"
„Lalalala …“, sang Naike sich zur Beruhigung selbst vor und redete dann formelhaft flüsternd auf sich selbst ein: „Nicht hinhören, geradeaus gucken und immer weitergehen. Bis zum Taxi. Nein, er sieht beschissen aus, er ist kein bisschen anziehend und überhaupt keinerlei Aufregung wert. Lalalala ...“. Adam sagte nichts mehr, war er überhaupt noch hinter ihr? Sie traute sich nicht, sich umzusehen und konzentrierte sich stattdessen auf den Taxifahrer, der glücklicherweise gerade mit seinem gelben Wagen vor dem Laden auf der Straße stand. "Guten Abend, bitte bringen Sie mich so schnell wie möglich zur Simlane Nr. 10", bat Naike leicht stotternd. Der Taxifahrer sah sie besorgt an: "Fehlt Ihnen etwas, Miss?" - "Nein, danke, alles in bester Ordnung, mir geht es gut. Mir geht es richtig prächtig! Bitte fahren Sie gleich los! Sie schwang sich schnell auf den Rücksitz und fing nach ein paar Metern Fahrt an zu weinen.
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Am nächsten Tag, Naike führte gerade um sich von ihrem Kummer abzulenken ein paar längst überfällige Reparaturarbeiten im Haushalt durch, hörte sie draußen Lärm und durcheinander redende Stimmen. Ein bisschen genervt, aber auch neugierig lief sie aus dem Haus.
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„Was geht denn hier ab, eine Demo oder was?“ Verwundert entdeckte sie erneut die Wahrsagerin Frau Dederichs, zusammen mit Jessica und einer Art Riesenbaby. "Äh, darf ich die Herrschaften mal fragen, was hier los ist?" - "Es ist vollbracht!", rief Frau Dederichs freudig und warf ihre Arme jubelnd in die Höhe. Naike kratzte sich verwundert am Kopf und konnte sich ein Grinsen nur schwer verkneifen. "Kann mich mal bitte jemand aufklären, was hier abgeht?! Jess, wer ist dieser Thomas-Magnum-Verschnitt in Pampers Trainers?"
Jess klärte sie freudestrahlend auf: „Du, ich dachte, jetzt - wo du dich endlich von Adam getrennt hast - wärst du offen für einen anderen Mann.“ Es folgte eine galante Handbewegung: „Darf ich vorstellen, Herr Bruno Bieri! Tädääää!" Naike wunderte sich langsam über gar nichts mehr und nahm sich vor, sich zukünftig auch über nichts mehr zu ärgern. Offenbar hatte es sowieso keinen Sinn hier in dieser verrückten Welt, in der alle irgendwie durchgeknallt erschienen, aber ganz offensichtlich keiner etwas dafür konnte. Sie runzelte die Stirn. "Jess, ich habe mich nicht von Adam getrennt, wie kommst du darauf? Ich will ihn nur gerade nicht mehr ...“ Plötzlich starrte sie ungläubig Richtung Strasse und ihr Körper verlangte nach einem sofortigen Doppelkorn, um die nun auf sie zu kommende Situation, die sie bereits erahnen konnte, halbwegs durchzustehen. Wenn man vom Teufel sprach …
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Langsam kam Adam dem kleinen Grüppchen vor der Simlane 10 entschlossen näher. Seine Augenbrauen waren derart angespannt zusammengezogen wie Naike es vorher noch nie gesehen hatte. Aber dann forderte erst einmal das Riesenbaby ihre Aufmerksamkeit. "Darf ich mich vorstellen, ich bin Bruno Bieri, darf ich Sie zu einem kleinen Umtrunk einladen, Fräulein Le Normand? Auf was haben Sie Lust?", zwinkerte er ihr fröhlich zu und war ganz offensichtlich kein Stück beleidigt über ihre bisherigen Kommentare über seine Erscheinung. Jetzt hatte Adam die drei Frauen und den kräftigen Mann erreicht und wandte sich zuerst an Naike. "Na, auf was hat Frollein Länourmon Lust, häh?“, provozierte er sie lästernd und hob dabei mit seinem Zeigefinger ihr Kinn. „Vielleicht auf ein lauschiges Tête-à-Tête mit diesem Muskel-Baby? Ging ja schnell mit 'nem neuen Macker bei dir, deshalb hast du mich also gestern ignoriert!“ Er schäumte vor Wut.
"Aber nein, du irrst, Ad“, versuchte Naike die Situation Hände ringend aufzuklären, „Frau Dederichs hat ihn gerade erst herbeigezaubert, ich kenne ihn überhaupt nicht, Jess wollte mich wieder einmal mit einem Date beglücken, da sie dich als ungeeignet für mich empfindet. Und ehrlich gesagt stimme ich ihr inzwischen zu - SCHAU DIR MEINE NASE AN!", brüllte sie ihn laut an. Adam verzog keine Miene. "Herbeigezaubert ... ah ja ... alles klar. Das kann ich natürlich bestens nachvollziehen, keine Frage ... NAIKE, HÖR AUF, MIR SO EINEN MIST ZU ERZÄHLEN!!!" Adams Stimme war deutlich lauter als Naikes und so tief und mächtig, dass ihr ein bisschen mulmig wurde. Sie tippte auf einen ausgewachsenen Bariton und wurde ein wenig schwach auf den Beinen. Dummerweise meldete sich dann Herr Bieri in diesem Moment sehr unpassend, aber mutig zu Wort: "Wie, ich bin herbeigezaubert? Kann mich an nichts erinnern. Wer sind Sie ungehobelter Klotz überhaupt, dass Sie sich hier so aufzuspielen!?“ Adam schnappte nach Luft und seine Augen waren inzwischen unter den Augenbrauen fast nicht mehr zu sehen und blitzten den unbekannten Störenfried böse an. Herr Bieri tat unbeeindruckt. „Und jetzt entschuldigen Sie Fräulein Le Normand und mich bitte, wir wollen zusammen den Tag genießen." Naike verschlug es vor Aufregung den Atem. Das war jetzt zu kühn, das konnte nicht gut gehen.
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Sie sollte Recht behalten. "Ich werde Ihnen jetzt mal zeigen, wer hier mit wem den Tag verbringt!!!", brüllte Adam zum Kampf und stürzte sich mit vollem Körpereinsatz auf den verblüfften Bodybuilder. Jessica wurde blass. "Naike, um Himmels Willen, halt ihn zurück!! Er wird ihn umbringen!!!", rief sie ängstlich.
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"Jess, wie denn bitte?! Denkste, ich spring jetzt mit in diesen Sandhaufen?", jammerte Naike. "Dann ruf wenigstens die Polizei!" Adam prügelte inzwischen ohne Rücksicht auf Herrn Bieri ein, der zwar kräftig war, aber gegen die kalte Wut und die gezielten Schläge seines Gegners nicht viel ausrichten konnte. Wie unter Schock beobachtete Naike die Szene und nahm zwei Stimmen in ihrem Kopf wahr, die wie Affen umher tobten. Während der erste Affe ähnlich wie Jessica angstvoll piepste, schien der andere erstaunlicherweise Vergnügen zu empfinden. „Schau, schau, er schlägt sich für dich. Und dann auch noch mit einem solchen Muskelprotz, ist der mutig!“, tönte dieser Affe Nr. 2 und grinste seinen Artgenossen frech an. "Naike, jetzt tu doch endlich was!", wimmerte Jessica und Frau Dederichs hatte längst das Weite gesucht. "Geh du doch zum Telefon, Jess! Du hast uns schließlich das Chaos hier eingebrockt!", schrie Naike zurück, denn sie traute sich nicht von der Stelle.
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Endlich ließ Adam von Herrn Bieri ab. "So, das wär's! Und jetzt will ich Sie niemals mehr auf diesem Grundstück sehen, sonst wiederholen wir dieses romantische Tête-à-Tête beim nächsten Mal noch etwas ausführlicher, klar?!“, drohte er seinem vermeintlichen Nebenbuhler schwer atmend. „Sie … sie sind ja gemeingefährlich!“, stotterte Bruno Bieri und nahm dann Reißaus, so schnell ihn seine muskelbepackten kurzen Beine tragen konnten.
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Nachdem sie minutenlang wie versteinert die Prügelei verfolgt hatte, fand Jessica schnell wieder zu ihrer alten Form zurück und schaute den Prügelknaben von oben bis unten verachtend an, als wäre er ein ekliger Tatzelwurm, den es schnellstens zu entfernen galt. „HERR TALLIS! - Was fällt Ihnen ein, Ihre … Ihre "Neigungen" hier vor unserem Haus an einem völlig unbedarften Mann auszulassen??? Ich werde persönlich dafür sorgen, dass sie wieder im Knast landen, wenn Sie auch nur ein einziges Mal wieder einen Fuß auf dieses Grundstück setzen!!! "Jess! Hör auf, lass ihn in Ruhe, sonst ...", versuchte Naike die aufgebrachte alte Dame zu beschwichtigen. "Sonst was?“, fiel ihr Adam ins Wort. „Glaubst du etwa, ich schlage auch alte Damen???" Naike sah in seine noch immer funkelnden Augen und zögerte für einen Augenblick, um das Unvermeidliche aber doch noch auszusprechen. "Ja, das glaube ich", sagte sie dann traurig. Die Wut in Adams Augen wich tiefer Enttäuschung. "Es tut mir leid“, sagte er resigniert. „Alles tut mir sehr leid. - Leb wohl." Dann drehte er sich um und ging.
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"ADAM? Wo willst du hin? - AAAADAM, BLEIB VERDAMMT NOCHMAL STEHEN!!!", schrie Naike verzweifelt hinter ihm her. Aber er entfernte sich weiter, ohne sich noch einmal umzudrehen. Naike sackte in den Sand. Heiße Tränen rannen ihre Wangen herab und flossen in ihren trockenen, sich wie zugeschnürt anfühlenden Hals. Sollte das das Ende ihrer leidenschaftlichen Liebe gewesen sein, die doch gerade erst begonnen hatte?
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„Schluss! … Aus - ich spiel nicht mehr mit!!! Das ist doch zum Kotzen hier, einer irrer als der andere! Ich muss in einem fast leeren Haus leben, man wird beim kleinsten Fehler im Job dauernd gefeuert, nagt deshalb am Hungertuch, meine Mitbewohnerin zwingt mir dauernd fremde Kerle auf, und der, den ich haben will, ist ein unberechenbarer Wilder!“
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„HOLT MICH HIER BITTE JEMAND RAUS!!! - Hallo? Keiner da? NAIKE! Siehst du mich nicht leiden???“ Ihre Stimme verhallte im leeren Haus. Nichts passierte. Verzweifelt entschloss sie sich zu einer eiskalten Dusche. Und während das Wasser auf sie herunter prasselte, kam ihr die Idee, die sie bisher noch nie umgesetzt hatte.
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Durch das kalte Wasser wieder gänzlich bei Sinnen öffnete sie Skype, loggte sich mit ihrem vor kurzem eingerichteten Account Naike Simlane ein und tippte in die Suche den Nicknamen, den sie benutzt hatte, als ihre Seele noch mit Real-Naike vereint und sie eine Person waren. Zutiefst erleichtert nahm sie zur Kenntnis, dass es ihn noch gab und – ihr Alter Ego war online!!
Naike Simlane: Hi, Naike. Nimmst du mich auf deine Kontaktliste?
Naike Le Normand: Klar. Hallo, äh … auch Naike! ;o)
Naike Simlane: Muss ich dir erst noch erklären, was hier abgeht?
Naike Le Normand: Nein, ich verfolge doch alles haarklein auf dem Bildschirm mit und drehe ab und zu an einem Rädchen. *zwinker*
Naike Simlane: "Wie kannst du dann noch zwinkern? *jammer*
Naike Le Normand: Wie kannst du nur jammern? Dein Leben ist doch spannend! Und jetzt zieh bitte erstmal diese doofe Brille aus, bist doch nicht Puck, die Fliege! Brauchst sie eh nicht mehr, dein Auge hatte doch kaum was abbekommen!
Naike Simlane: Ja gut, hast ja Recht, ich neige zur Theatralik. So besser?
Naike Le Normand: Wesentlich besser.
Naike Simlane: Du ich will aufhören. Das Spiel hier ist eine körperliche und seelische Tortur, das hält kein Sim aus!
Naike Le Normand: Für eine Tortur warst du aber ziemlich glücklich, als Adam wieder an deiner Tür klingelte, hab dich schwer beneidet! ;o)
Naike Simlane: Ach, das meine ich doch nicht. Ich rede von meinem geschundenen Gesicht und davon, dass ich mit Jess auf keinen grünen Zweig mehr komme. Und Armin hat übrigens Mundgeruch, wollte ich noch anmerken. *urgs* Was denkst du, was ich bisher alles durchgestanden hab! Schau dir das Haus an, stillos und ohne jegliche Gemütlichkeit! Und Adam, er ist weg. Es ist aus! Ich hätte ihn mit Jess sowieso nicht unter einen Hut bringen können. Ach, es hat alles keinen Zweck. Können wir nicht tauschen? Ich will nach Hause! :o(
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Naike Le Normand: Ich sag dir jetzt mal was, Naike No. 2. Das Leben ist ein Spiel mit Höhen und Tiefen, Aufs und Abs. Sowohl für dich als auch für mich. Für uns alle. Der eine ist genauso wenig real wie der andere. Würdest du gerne einen Roman lesen, in dem nur glückliche Menschen vorkämen, die einen Glücksfall nach dem anderen auszuhalten hätten, ohne Anfang und ohne Ende? Wäre es nicht ein bisschen anspruchslos, kein Problem mehr lösen zu müssen? Glaube mir, du würdest dich zu Tode langweilen!!! Kein Sieg ohne Niederlage, keine Liebe ohne Leid. Neutralität wäre die Folge, alles würde dahin plätschern - nein, nicht einmal die Zeit gäbe es mehr! Süße, wenn du es wirklich willst, hole ich dich raus. Aber bitte denke noch einmal darüber nach. Alles wäre vorbei, das Leid und auch die Freud’.
Naike Simlane: Hm, ich glaube, du hast schon Recht. Aber ein Wohlgefühl bekomme ich durch diese Art von Erkenntnis leider auch nicht. Meine Nase tut noch genauso weh und von meinem Herz scheint ein Stück zu fehlen. :o( Was macht er eigentlich gerade?
Naike Le Normand: Ich bin doch im Internet, kann ihn gerade nicht sehen.
Naike Simlane: Ach Scheisse, ich liebe diesen Arsch! *verzweifel*
Naike Le Normand: Ich auch. ;o)
Naike Simlane: *schmunzel*
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Naike Le Normand: Ich mache dir einen Vorschlag: Du spielst noch ein paar Wochen weiter und überlegst dir bis dahin, ob du weitermachen möchtest. Ich bau dir inzwischen das Haus um, damit du dich wohler fühlen kannst. Denk aber daran, dass die Geldmittel noch immer recht knapp sind, du und Jess, ihr müsst echt reinkloppen! Und weiterhin möchte ich dir mal den Tipp geben, darüber nachzudenken, was du bist.
Naike Simlane: Wie, was ich bin?
Naike Le Normand: Na, eine Hexe! Du hast vor lauter Liebe und Leid deine magischen Fähigkeiten völlig vergessen. Naike, du hast einen gewissen Einfluss auf den Lauf der Dinge, nutze das!
Naike Simlane: Doch, ich weiß das schon, aber ich manipuliere ungern. Soll ich Adam etwa verhexen, dass er plötzlich sanft wie ein Schaf wird? Das will ich doch gar nicht! Außerdem geht bei meinem Zaubern dauernd was daneben, ich erinnere dich nur an den peinlichen Auftritt mit den Flügeln oder dem Fischschwanz!
Naike Le Normand: Ja, *lol*. Joseph hat sich köstlich amüsiert!
Naike Simlane: Na prima. *grummel*
Naike Le Normand: Apropos Joseph, schau dich mal auf der Insel um, ich hab dir ein paar heiße Kerle angesiedelt. Und ich meine jetzt NICHT Bruno Bieri! *LOL*
Naike Simlane: Hihi, köstlich! Ich dachte gestern, ich spinne.
Naike Le Normand: Also, sei nicht so monogam! Ist eh unmenschlich bzw. in deinem Fall unsimlisch. *g*
Naike Simlane: *g* War schön, mit dir zu sprechen, jetzt geht es mir schon ein ganzes Stück besser. Wir treffen uns dann wieder in ein paar Wochen, ok?! Und bitte vergiss’ das mit dem Haus nicht, ich hab letztens bei MTS2.com eines mit Heuboden gesehen, das will ich haben!
Naike Le Normand: Was willst Du mit einem Heuboden?
Naike Simlane: Och, warte mal ab ... *breitgrins*
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Es war für Naike sehr seltsam mit ihrem Alter Ego zu reden, aber sie war sehr froh, dass ihr diese Möglichkeit nun wenigstens hin und wieder offen stand. Vielleicht sollte sie ihre magischen Möglichkeiten wirklich mehr ausnutzen? Wenigstens in Notsituationen? Sie beschloss, vorerst abzuwarten und einen Blick in die Karten zu werfen, was die nächste Zeit brächte.
Sie legte ein Großes Blatt aus und entdeckte bei Adams Personenkarte gleich die Wolken, es schien ihm also tatsächlich alles andere als gut zu gehen. Aber das wusste sie eh schon von Joseph. Wirklich interessant war aber, dass die Wolken nicht zwischen seiner und ihrer Personenkarte lagen, das war ein gutes Zeichen! Die Sense hingegen, der Hinweis auf seine Neigung zu Gewalttätigkeit, lag allerdings nach wie vor ungünstig in seiner Nähe. Nur was bedeutete die Lilie daneben, das Symbol für Sexualität? Naike rätselte, wie sie immer rätselte, wenn sie sich selbst die Karten legte. Und als sie dann noch die Schlange in der Nähe dieser Kombination entdeckte, wurde sie unruhig. Gab es etwa noch eine andere Frau in seinem Leben? Sie beschloss, zukünftig erheblich wachsamer zu sein, denn die Aussage der Karten war dahingehend eigentlich eindeutig.
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"Adam, warum isst du nur das Brot, keinen Hunger heute? Hab mir echt Mühe mit der Suppe gegeben." - "Ach, Schwesterherz, ich danke dir, aber ich kriege nichts runter, vielleicht hab’ ich mir den Magen verdorben."
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"Du siehst auch irgendwie total käsig aus, soll ich dir einen Kräutertee machen?" - "Kräutertee? Sehe ich so aus, als ob ich so 'ne fiese Brühe trinken würde?" - "Jetzt sei doch nicht gleich so ruppig, würde dir bestimmt gut tun.“ Nastassja lächelte ihn zärtlich an. „Oder … hm … ich wüsste auch noch etwas anderes, was dir garantiert gut täte." Sie nahm die Hand ihres Bruders und zog ihn vom Stuhl.
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"Nasti, lass das bitte, ich hab’s dir jetzt schon zig Mal gesagt. Ich will das nicht, ok?!" Nastassja seufzte. "Was ist bloß los mit dir, Ad, du warst doch sonst nie so negativ drauf. Bitte … komm’, ich habe noch eine Stunde Zeit, bis ich zur Arbeit muss." Wie eine Schlange glitt ihr Arm um Adams Hals.
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"Hörst du nicht?! Lass deine Finger bei dir, ich sage Nein! Ein für alle Mal NEIN!", begehrte er auf und ballte seine linke Faust. "Hui, mein kleiner Bruder gerät in Rage. Ach, wie ich das liebe!“, schnurrte sie ihn wie ein Kätzchen an und verdrehte dabei genießerisch ihre Augen. „Na los, komm … schlag mich doch!“, hänselte sie ihn. Als er darauf nicht reagierte, zog sie sich lasziv ihren Slip die Beine hinunter, schlüpfte schnell und geschickt heraus und warf ihn Adam an den Kopf. Mit aller Macht versuchte er sich unter Kontrolle zu halten und begann unruhig zu zittern. "Nasti, bitte ..." - "Also, ich gehe schon mal hoch, du kannst dir ja überlegen, ob du nachkommen willst", sagte sie beleidigt. "Nastassja, warte, ich ..." Sie stolzierte ohne sich noch einmal umzusehen die Treppe hoch und Adam konnte ihr dabei zwangsläufig unter den Rock sehen.
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Kaum eine halbe Stunde später wurde Adams Tochter Julia durch seltsame Geräusche wach, krabbelte aus dem Bett und taperte müde durch den Flur bis ins Schlafzimmer, wo sie ihren Vater fand. "Papa, ich kann nicht schlafen ..." Adam reagierte nicht, denn er nahm ihre leise Stimme gar nicht wahr. Julia verließ das Zimmer ein wenig verwundert und krabbelte wieder zurück in ihr Bett. Sie hatte nichts Schlimmes gesehen, im Gegenteil, ihr Papa war offensichtlich sehr zärtlich um ihre Tante bemüht, aber irgendwie wusste sie, dass sie ein Geheimnis gesehen hatte, von dem sie besser niemandem erzählen sollte.
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Am nächsten Morgen saß Adam auf seinem Bett und nun war ihm wirklich speiübel. Er hatte bereits geduscht und sich angezogen, fühlte sich aber noch immer grauenvoll in seiner Haut und sehnte sich in diesem Moment danach, sein Leben gegen ein anderes eintauschen zu können.
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Aber auch eine weitere Reinigungsprozedur brachte nicht die ersehnte Erlösung. Unzählige wirre Gedanken gebärdeten sich wie kleine Affen, brachten das totale Chaos in seinen Kopf und ließen sich einfach nicht beruhigen. Dennoch schlief er kurz darauf erschöpft ein und sank mit seinem Kopf in das heiße Nass. Adam rang nach Luft, doch er schluckte nur mehr und mehr Wasser. Laut prustend kam er schließlich mit einem Ruck an die Oberfläche und hustete kräftig, bis er wieder gleichmäßig atmen konnte. Als er sich endlich völlig beruhigt hatte, wünschte er sich, er wäre ersoffen.
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Zur gleichen Zeit ging es in der Simlane 10 deutlich fröhlicher zu, Doc Blythe kam überraschend zu Besuch. „Hi Doktor Blythe, was verschafft uns die Ehre!?“, staunte Naike. "Entschuldigen Sie bitte die Störung, aber ich hatte in der Nähe zu tun und dachte, ich schaue mal bei Ihnen vorbei, ob Ihre Nase inzwischen gut abgeheilt ist. Wie ich sehe, haben Sie das Pflaster immer noch drauf, warum sind Sie nicht längst vorbei gekommen, um es abnehmen zu lassen?" - "Huch, das hatte ich ganz vergessen, hab mich irgendwie an das Ding gewöhnt." Doktor Blythe runzelte die Stirn. „Na, jetzt sollte es aber wirklich schleunigst ab, sonst leidet die Haut darunter, wollen wir mal gucken?" - "Ja, natürlich gerne. Wo Sie schon mal hier sind."
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Der Doc grinste verlegen und Naike schaute ihn prüfend an. „Das ist doch nicht der einzige Grund, weshalb Sie hergekommen sind, oder?!" - "Doch, doch. Es gehört doch zum ärztlichen Service, dass man seine Patienten jederzeit betreut, wenn es notwendig ist ..."
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"Hihi, geben Sie’s zu, Sie wollen sich die Karten legen lassen, stimmt es?!" Gilbert Blythe sah sich unsicher um. "Äh, ja … also vielleicht ..." Naike lachte herzlich. "Na, jetzt seien Sie doch nicht so schüchtern, was ist denn dabei?! Mach ich doch gerne." - "Gut. Aber bitte verraten Sie Voodoo Mom nichts, ok?!" - Wieso sollte ich das? Sie haben als Arzt ihre ärztliche Schweigepflicht und ich bin als Kartenlegerin ebenso zur Geheimhaltung verpflichtet, wir haben auch unseren Kodex. Also kommen Sie ruhig rein, es bleibt alles unter uns", sagte Naike verwundert. Was hatte der Doc wohl auf dem Herzen? Aber zuerst ging es ins Bad zur Entfernung des Gipspflasters.
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"Und? Wie gefällt sie Ihnen? Ist sie wieder so wie vorher?" Naike schnüffelte, wackelte ein bisschen an ihrer Nase und bohrte - zum Glück ohne Ergebnis - kurz ein bisschen darin herum und grinste dann breit. "Ja! Ach danke, Doc! Sie sind spitzenklasse!!" Mit diesen Worten fiel sie dem jungen Arzt dankbar um den Hals. "Hey, nichts zu danken, ich habe doch bloß die Blutung gestillt und das Pflaster angebracht." - "Finde ich trotzdem ganz prima. Und besonders auch, dass sie vorbeigekommen sind", zwinkerte Naike und genoss wieder einmal das Gefühl, einen attraktiven Mann im Arm zu haben. "Na, dann kommen Sie mal mit rüber ins Arbeitszimmer, ein Stündchen hab ich noch Zeit zum Legen, dann muss ich mich langsam für die Arbeit fertig machen, aber das dürfte ja reichen."
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"Na, was haste mit dem Doc im Arbeitszimmer getrieben?", flachste Jessica frech. Naike fand das beleidigend. "Ich habe ihm die Karten gelegt, ob du es glaubst oder nicht." - "Das sagen sie dann alle“, kam ungläubig gemurmelt zur Antwort. "Nein, das ist wirklich wahr“, rief Naike entrüstet. „Sag mal, hältst du mich für ein Flittchen oder was?!" Jessica zog ihre Nase kraus.„Na ja, süß ist er schon irgendwie“, gab Naike anschließend zu, was ihre Mitbewohnerin nun doch überraschte: "Hast du wirklich ernsthaft was für ihn übrig?" - "Ich weiß nicht, kann das nicht so recht einordnen. Ich mag ihn, er ist mir sympathisch, aber mehr? Hm …“ - "Also, mir wäre es sehr recht. Er ist gebildet, sieht gut aus, war nicht im Knast und schlägt sich auch nicht durch den Tag. Single ist er auch, und ich vermute schwer, dass er nicht nackt durch die Wohnung läuft, wenn Fremde anwesend sind. Denk doch mal darüber nach!"
Naike war froh, dass Jessica wenigstens wieder mit ihr redete, auch wenn nicht viel Vernünftiges dabei herum kam, offensichtlich kam sie von der Verkupplungsidee einfach nicht los – sie war einfach eine Art ältere Version von Emma. Aber sie wusste, dass sie es gut meinte und hoffte sehr, dass sie sich eines Tage wieder aufrichtig mögen würden. Und da Jess gerade kurz vor der Veröffentlichung ihres zweiten Romans stand, was gute Aussichten auf einen ordentlichen Geldeingang brachte, musste sich die beiden auch dringend überlegen, ob sie nun zusammen wohnen bleiben wollten oder nicht.
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Zufrieden und mit bester Laune putzte Naike ein paar Wochen später ihre neuen Küchenmöbel. Vorher hatte sie mit Jessica nach dem Hausumbau - der wie immer sehr fix ging, sobald genug Geld in der Kasse war - tapeziert, eingeräumt und gestaltet – alles ins Selbstarbeit. Lediglich für die Installationen wurde ein Handwerker engagiert. Adam hat sich seit der Prügelei mit Bruno Bieri nicht mehr bei ihr gemeldet und sie hatte ihn ebenfalls nicht angerufen, auch wenn sie mehrere Male den Hörer dazu bereits in der Hand gehabt hatte. Naike litt sehr unter ihrer beziehungstechnisch völlig ungewissen Zukunft. Aber sie wusste genau, dass er ihr eines Tages wieder über den Weg laufen würde, besonders groß war die Insel schließlich nicht.
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Der zweite Hausumbau war deutlich besser gelungen als der erste. Das Geld hatte zwar noch nicht für die komplette Innen- und Außengestaltung gereicht, aber jetzt hatte die Simlane 10 gute Aussichten, zukünftig Charakter zu entwickeln.
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„Wo sind bloß meine zehn Jahrgänge der Zeitschrift Zukunftsblick geblieben? Hoffentlich hat sie beim Umbau niemand weggeworfen“, dachte Jessica laut jammernd und wühlte suchend in der alles andere als wohlriechenden Mülltonne. "Mensch, sei doch froh, wenn sie weg sind. Da steht eh immer nur derselbe Mist drin!", lachte Voodoo Mom neckend, die gerade neugierig auf das neue Domizil des Weges kam.
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Jessica freute sich sehr, ihre Freundin zu sehen und die beiden begrüßten sich mit einem herzlichen Knuddler.Frau Jones gefiel das neue Haus sehr gut. "Schön habt ihr es hier jetzt, hat sich ja unheimlich was getan. Geht in die mediterrane Stilrichtung, oder?!" - "Ja, Naike wollte das so. Sogar einen Heuboden hat sie sich im Wohnraum angelegen lassen, ganz schön hoch. Weiß der Geier, was sie da oben machen will“, grummelte Jess. „Komm doch rein, ich mach uns was Leckeres zu essen." - "Gerne! Sag mal, habt ihr euch immer noch nicht wieder vertragen?“, fragte Voodoo Mom, obwohl sie die Antwort bereits wusste und entschloss sich dann zu einem Vermittlungsversuch, wo sie schon mal da war.
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"Na, genug gearbeitet für heute, Naike? Herzlichen Glückwunsch zur neuen Behausung! Was macht der Job? Schon genug Geld für das Wahrsage-Café zusammen?" - "Danke, Frau Jones! Nein, leider noch lange nicht, wir mussten unser Geld ja jetzt erstmal ins Haus stecken. Aber es wird schon“, sagte Naike, klang aber eher wenig überzeugt. Voodoo Mom lächelte mild. "Komm, setz dich doch zu uns, brauchst doch nicht stehen!" - "Hm, ich glaube nicht, dass Jess das will."
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"Ihr habt doch nicht etwa immer noch Knies wegen Adam Tallis? Mensch, Jess, jetzt mach’ doch nicht so ein Gesicht, reiß dich mal zusammen!" - "Sie wissen davon?", fragte Naike verwundert. "Natürlich, ich bin schon seit Jahrzehnten Jess' beste Freundin, wir sind zusammen zur Schule gegangen." Jessica sah ablehnend zu ihr herüber. „Meine Liebe, es tut mir leid, aber ich bin strikt dagegen, jetzt hier über diese Sache zu reden, sonst schmeckt mir mein Essen nicht mehr."
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Voodoo Mom schüttelte verständnislos den Kopf. „Jetzt hab dich nicht so, wie alt bist du eigentlich?" Doch sie erntete nur einen beleidigten Blick.
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"Naike, erzähl mal deine Sicht, wenn Jess sich schon weigert.“ - „Ach, da gibt es nicht viel zu erzählen, sie versucht mir dauernd meinen Freund schlecht zu reden und mich mit irgendwelchen anderen Typen zu verkuppeln. Außerdem beschwert sie sich, wenn sich Adam hier wie zuhause fühlt, obwohl ich wochenlang ihre Schmusereien mit Armin in unserer kleinen grünen Bruchbude ertragen musste.“ - „Ich wollte dir doch nur helfen, damit du auch glücklich sein kannst!“, fiel ihr Jessica ins Wort. „Aber ich bin glücklich!“, rief Naike. „Zumindest war ich es“, schob sie kleinlaut hinterher. Voodoo Mom dachte einen Moment nach und versuchte sich dann nach besten Kräften als Vermittlerin, und nach ein paar ernsthaften Worten funkelten sich die beiden Streithähne schon nicht mehr ganz so schlimm an.
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Plötzlich unterbrach Naike völlig verdutzt das Gespräch. "Äh … seht ihr auch, was ich sehe?" Jessica bekam große Augen. "Ach du Sch... - die Schüssel! Die ... die isst sich ja von alleine!!!" Voodoo Mom lachte dröhnend. „Tja, das sind eure Energien, ihr habt da wohl gerade so einiges freigesetzt. Achtet die nächsten Tage mal auf weitere derartige Phänomene, vielleicht ist es aber auch mit diesem bereits erledigt. Also, geht auf einander zu, sonst fliegen hier demnächst noch Teller und Tassen durchs Haus!“
Naike fühlte sich erleichtert und Jessica fragte Voodoo Mom: „Hast du noch ein wenig Zeit, um mir die Karten zu legen, ich hab ein kleines Problemchen mit Armin und will wissen, was in Sachen Liebe demnächst auf mich zukommt. Und ob mein dritter Roman ebenso erfolgreich wie die ersten beiden wird, ja?!" - "Mache ich gerne, Jess, aber in einer halben Stunde muss ich spätestens los, hab noch drei Termine heute, eine Essstörung, einmal Läusebefall und jemand mit Erektionsstörungen." - "Warum gehen die Leute nicht zum Arzt, wir haben doch unseren Doc Blythe, er hat meine Nase bestens wieder hingekriegt", meinte Naike. "Ach, der Insel-Quacksalber. Er braucht für alles Wochen, ich krieg das viel schneller hin!“, grinste Frau Jones. "Manchmal allerdings mit einigen Nebenwirkungen, meine liebe Freundin, ich erinnere mich mit Grausen an den einen oder anderen Fall in den letzten 30 Jahren", warf Jessica amüsiert ein.
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"Ich bin wie immer ehrlich zu dir“, sagte Voodoo Mom betrübt, „das sieht nicht gut aus mit deinem Herzensmann." Jessica rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. „Hat er … also, ich meine … hat er …“ - „Eine andere? Jess, du siehst es selbst, hier liegt die Schlange im Bild! Ich bin mir nur nicht ganz im Klaren über die Bedeutung des Kreuzes, das daneben liegt, habe aber im Urin, dass das Kreuz in diesem Fall als Eigenschaft der Schlange gedeutet werden muss und nicht auf dich bezogen ist.“ - "Seltsam. Da kann ich wohl nur abwarten." - "Ja. Das Bild bezieht sich auf die nächsten 3 Monate, aber da die Schlange sehr nah bei dir und Armin liegt, gehe ich davon aus, dass sich alsbald etwas tut. Aber jetzt schau doch nicht so betrübt, guck mal hier: Dein Roman wird auf jeden Fall wieder ein Hit!“
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"Du, Jess?“
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Jessica hatte sich nicht getraut, dass Thema Adam noch einmal direkt anzusprechen, aber jetzt spürte sie, dass der Moment gekommen war, den Streit endgültig zu beizulegen. "Verzeihst du mir, dass ich mich so heftig in dein Leben eingemischt habe? Ich glaube, ich bin ordentlich mit Schuld dran, dass du jetzt so unglücklich bist."
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„Aber nein, Adam hat mich verletzt, nicht du. Ach, komm mal her, meine Mama“, scherzte Naike, „ich hab dich wirklich ganz schrecklich lieb!" Jessica fiel ein Stein vom Herzen. „Ich dich auch. Wenn ich für dich und Adam irgendwas tun kann, sag mir bitte Bescheid. Ich möchte, dass du endlich mal wieder strahlst!“, herzte Jessica ihre wieder gewonnene Freundin. „Ach, lass nur, ich krieg das schon alleine wieder hin, ist aber ganz lieb von dir.“
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Es hatte sich zwar in den vergangenen Tagen viel Positives getan, das neue Haus, die Versöhnung mit Jessica und eine Beförderung war ins Haus geflattert, aber so einsam wie jetzt hatte sich Naike lange nicht mehr gefühlt. „Adam - wo steckt er bloß?“, dachte sie betrübt und ärgerte sich über sich selbst, dass sie ihn trotz seiner üblen Tat nicht ablehnte. Sie beschloss, sich etwas Gutes zu tun, statt sich zu grämen und gleich einen ganzen Haufen Bücher bei Amasim.de zu bestellen. Doch selbst das konnte sie nicht von ihren trüben Gedanken abbringen und deshalb ging sie am Abend noch einmal aus dem Haus. An einen Ort, wo sie sich sammeln konnte.
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In der kleinen, stillen Kirche der Insel war es kühl und es roch angenehm nach Weihrauch. Obwohl die Bänke recht hart waren, sog Naike die Atmosphäre in sich hinein und entspannte sich augenblicklich.
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Was wollte sie eigentlich überhaupt? Was sollte im besten Fall geschehen? Sie wusste es nicht. Mit Adam hatte sie nur Stress, ohne ihn war es auch unerträglich. Gab es keinen Zauberspruch, sich zu entlieben? Naike überlegte, ihre Beziehungsbalken mit SimPe zu manipulieren, wenn das auch im Spiel ginge. Aber dies war nicht wirklich eine Option, denn die Herzchen wären eh nach der nächsten Begegnung wieder an Ort und Stelle. Als nächstes kam ihr der Gedanke, mit Doc Blythe, Joseph Tallis oder Jack, dem Hafenarbeiter, auszugehen. Aber würde das ihre Gefühle ändern?
Es grenzte an ein Wunder, wie echt sich alles in der virtuellen Sim-Welt anfühlte. Naike identifizierte sich die meiste Zeit vollständig mit ihrem Körper und vergaß dabei völlig wer beziehungsweise was sie eigentlich war. Sie haderte mit ihrem Wissen, warum nur blieb sie nicht dauerhaft des Scheins bewusst, sondern ließ sich allein vom Geruch eines leckeren Chilis, von dem Gefühl des lauen Lüftchen auf der Haut, das hier stets wehte, oder einem kurzen Blick in Adams Augen täuschen und in eine Geschichte verwickeln, die von einem Teil ihrer selbst doch lediglich erdacht wurde?!
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Ein Rascheln aus dem Seitenschiff riss sie aus ihren Gedanken. Plötzlich raste ihr Herz wie der TGV von Paris nach Lyon, denn Adam trat aus dem Beichtstuhl. Aber war es wirklich ihr Herz, welches raste? Obwohl es sie gar nicht wirklich gab und alles nur eine traumähnliche Wahrnehmung durch ein Ausdruckswerkzeug namens Körper war? „Vergiss das nicht, vergiss es nicht, vergiss es nicht“, hämmerte sie sich selbst immer und immer wieder ein, als er auf sie zusteuerte. „Schau einfach durch ihn hindurch, es ist alles nur ein Traum, ein Traum ... ein verflixter Traum!!!“
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"Führst du Selbstgespräche oder redest du mit Gott, wenn ich fragen darf?" - "Es gibt keinen Gott, Adam, oder hast du ihn schon mal irgendwo gesehen?" - "Ja, überall. Schau dich doch um, hier drinnen und dort draußen, er ist in jeder Faser." Naike war verblüfft. „Du glaubst nicht an den Mann mit dem langen weißen Bart, sitzend auf einer Wolke, mal liebend, mal strafend?" - "Nein, du?", antwortete Adam mit fester Stimme. "Nein, ich auch nicht. Aber warum gehst du dann beichten?" - "War ich doch gar nicht. Unten im Gemeinschaftsraum ist die Toilette kaputt und da ..." - "ADAM!!!", rief Naike völlig entsetzt. "Nur ein Scherz“, grinste er. „Ich wollte einfach nur meine Ruhe haben, hier im Schiff lief eben eine Gruppe von Leuten durch, die die Kirche besichtigten, die haben den totalen Radau gemacht. Magst du mit runter in den Gemeinschaftraum kommen? Dort gibt's einen feinen Kaffee."
Naike spürte deutlich, dass sie wollte. Und diese Tatsache entlockte ihr einen tiefen Seufzer. "Tja, das ist wohl der Lauf des Wassers, niemand vermag es zu bremsen, es sucht sich unentwegt seinen Weg, was bleibt mir also anderes übrig, als zu schwimmen?" - "Komm, kleine "Laotsin", jetzt nicht philosophieren, ich hab Durst." Sie konnte es kaum fassen, Adam kannte Laotse. Hatte sie etwas verpasst, weil sie sich bisher fast immer nur seinem Körper gewidmet hatte? Sie wurde sich bewusst, dass sie so gut wie gar nichts von ihm wusste, nicht einmal seinen Beruf.
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"Zwei Kaffee bitte, einen schwarz, den anderen mit Milch und Zucker!" - "Trinkst du mit Milch und Zucker?", fragte Adam verwundert, weil Naike ganz selbstverständlich für sie beide bestellt hatte. "Ja klar." - "Aber woher weißt du, dass ich es nicht tue?" Jetzt wurde sie aber rot, wieder einmal hatte sie nicht aufgepasst und ihr Wissen versehentlich demonstriert. „Naikischer Instinkt halt", redete sie sich geschickt heraus und grinste breit.
"Sag mal, was ist das hier überhaupt für ein komischer Verein, wo wir gelandet sind? Guck’ dir mal das ganze Zeug an, vom Rosenkranz bis zum Mini-Kreuz fürs Auto, alles erhältlich. Und ausschließlich christliche Zeitungen, keine BILD, keine SimTouch und nicht mal die PC Games, das ist doch seltsam!“, wunderte sie sich. "Das weißt du nicht? Hier residieren die MJN." - "MJN?" "Na, die Modernen Jesus-Nachfolger, nie gehört?" - "WIE BITTE?" Naike schnappte vor Überraschung nach Luft. „Etwa die mit dem Tagesjünger???" - "Psst, nicht so laut, warum regst du dich denn so auf?", fragte Adam. "Melissa Fuller mit Anhang? Die ... die spinnen doch! Du bist doch nicht etwa Mitglied bei denen?", flüsterte sie aufgeregt. "Aber wo, frei ist der Geist. Aber der Kaffee hier ist gut und günstig." - "Na, du hast Nerven“, stöhnte Naike erleichtert. „Komm, lass uns rausgehen, sonst kaufe ich nachher noch einen Gipsengel!“
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"Schau, die Madonna! Ist sie nicht wunderschön?", fragte Naike Adam wie verzaubert. "So schön wie du", lächelte er sie zärtlich an. "Adam, bitte. Fang gar nicht erst an. Lass uns einfach Freunde sein, alles andere hat doch keinen Sinn." Warum kam ihr ausgerechnet jetzt der Text von La vie en rose von Edith Piaf in den Kopf? Schau misch bitte nisch so'an, du weißt es ja isch kan dirr dan nisch wiederstää-hen. Schau mir nischt so auf den Muund, du kennst genau den Gruund, so kanns nisch weiter gää-hen .Ihr wurde äußerst mulmig. "Meinst du das wirklich ernst? Verzeihst du mir nicht?", fragte Adam und sah sie dabei traurig, aber hoffnungsvoll an. "Ja, doch, ich ... aber …" Naike zögerte, denn sie wusste genau, der Geist ist willig, aber das Fleisch stets schwach. Und jetzt setzte er auch noch einen drauf: "Bitte sei mir nicht mehr böse, es tut mir so unendlich leid, ich wollte dich nicht so schrecklich verletzen."
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Naike zauderte noch genau zwei Sekunden, dann ließ sie sich in Adams starke Arme sinken und gab sich seinen warmen Lippen hin.
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"Schlag mich nie wieder, hörst du?!" - "Nie wieder? Auch nicht ein kleines bisschen, nur so zum Spaß?", zwinkerte Adam, worauf er einen empörten Knuffer kassierte. "Möchtest du, dass ich dich jetzt nach Hause bringe?" - "Nein, lass mich bitte heute nicht mehr los, ja?!" Adam lächelte zärtlich und wusste in dem Moment, dass er gewonnen hatte. "Komm, ich lad dich zum Essen ein, hier auf der Insel gibt es jetzt endlich ein richtiges Restaurant, eine kleine Taverne, hab ich letztens entdeckt. Ich hole uns ein Taxi, ok?!“ "Nicht nötig, ich hab den Besen dabei", sagte Naike völlig selbstverständlich. "Den Besen? Welchen Besen?"
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"Achtung, auf Drei springen wir ab. Aber bitte gleichzeitig, du kannst dich auf dem Ding bestimmt nicht allein halten“, rief Naike Adam zu, als sie angekommen waren.
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"Uuuuahhh!!“ Adam taumelte kurz, fand aber dann wieder Boden unter seinen Füssen. „Prima, du hast Talent!" - "Sag, dass ich das jetzt geträumt hab!", sagte er völlig verwirrt.
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"Hihi, ich glaube, das wünscht sich die Kellnerin da hinten auch. Guck mal, wie die aus der Wäsche schaut!", lachte Naike, beschloss dann aber vorsichtshalber die Erinnerungen beider Beteiligten ausnahmsweise auf magische Weise zu löschen. "Ad, alles klar? Du bist ein bisschen blass um die Nase!" - „Hm, ich weiß auch nicht. Glaube, der Taxifahrer hatte einen im Tee, so wie der eben in Schlangenlinien gefahren ist!“
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Sie setzten sich anschließend an einen Tisch im Außenbereich des kleinen Restaurants und bestellten Drinks und Lasagne, aber trotz des angenehmen lauen Lüftchens an diesem Abend fühlte sich Naike nicht hundertprozentig wohl. Nämlich weil sie sich darüber ärgerte, dass Real-Naike wieder einmal vergessen hatte, die Hauswände hochzuklappen.
"Hast du nachher vielleicht noch Lust auf Theater? Auf dem Festland gibt es heute eine Premiere von Hamlet.", schlug Adam vor. "Im Prinzip schon, aber schau uns mal an, da müssten wir uns ja jetzt schon auf den Weg machen und vorher auch noch umziehen, das schaffen wir nie." - "Jo, da hast du allerdings Recht, können wir ja bei Gelegenheit mal nachholen." - "Gerne. Sag mal, was machst du eigentlich so den Tag über? Also, jobmäßig?", freute sich Naike über die günstige Gelegenheit, ihren Auserwählten endlich einmal danach fragen zu können. "Ich kümmere mich um meine Tochter Julia, gehe mit dem Hund raus und nehme die Post entgegen." - "Und damit verdienst du deinen Lebensunterhalt, ja?!", lachte Naike über diesen offensichtlichen Witz. "Nein, das brauche ich nicht“, grinste Adam, „meine Geschwister und ich haben geerbt und damit relativ gut ausgesorgt. - Ah, da kommt das Essen!" Naike war sich sicher, dass Adam lediglich die halbe Wahrheit erzählt hatte. Aber da er sich nun kauend über seinen Teller her machte, bohrte sie vorerst nicht weiter nach.
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Nach dem Essen entdeckte man in den Innenräumen der Taverne eine Karaoke-Anlage und beide gaben mit viel Freude ihr Können zum Besten. Naike hatte früher einmal ein Jahr klassische Gesangsausbildung genossen und war nach einem herben Stimmverlust wieder recht fit, aber dass Adam auch alles andere als übel klang, überraschte sie doch sehr.
Klick: http://www.youtube.com/watch?v=4nmz6RX9gUQ
"I know I stand in line Until you think you have the time To spend an evening with me And if we go some place to dance I know that there's a chance You won't be leaving with me
Then afterwards we drop into a quiet little place And have a drink or two And then I go and spoil it all By saying something stupid Like I love you"
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"Du kannst singen??" - "Na, du doch auch! Ist das so ungewöhnlich?" - "Nein, eigentlich nicht“, gab Naike zu, „aber du hast mich heute schon mehrmals überrascht." - "Was hat dich denn noch so überrascht?" - "Nun ja, du kennst Laotse, hast Interesse an Shakespeare und singst eines der Lieder auf Spanisch ..." - "Du hast mich ja bisher nie nach meinen Interessen gefragt und bist stattdessen davon ausgegangen, ich sei ein ungebildeter Klotz, der nur ans Poppen und Prügeln denkt", entgegnete Adam frech. "Akkurat, ja!", kam Naike nach dieser Feststellung nun kaum mehr aus dem Lachen heraus. Adam verzog gespielt beleidigt seine Miene: „Also, ich habe Romanistik studiert, mein Vater war Franzose, meine Mutter Spanierin, da hat sich das damals so ergeben. Aber genug davon, lass uns den Abend nicht mit Familiengedöns verquatschen, ich hab dich so lange nicht berührt."
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"Ist der Blick von hier oben nicht einfach nur traumhaft schön? Er lässt einen alles vergessen, was gestern war, es gibt jetzt nur diesen einen stillen Moment“, sagte Adam leise und Naike fühlte sich wie im Märchen, dabei war sie doch erst gestern noch so unheimlich traurig und einsam.
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Noch immer wollte keiner der beiden den Versöhnungsabend beenden, und so beschlossen sie, dem nahe liegenden Sauna-Club noch einen Besuch abzustatten. Bevor das bestellte Taxi kam, ging Naike noch schnell in der kleinen Taverne zur Toilette, in deren Vorraum sie auf jemanden traf, den sie bereits zig Male gesehen hatte. Allerdings nur auf dem Bildschirm!
"Ja, hallo … hallooo, wen haben wir denn da?", flötete Albert Kappe und Naike durchzuckte ein dicker Schreck. Sie musste nun sehr aufpassen, sich nicht zu verraten, dass sie ihn und seine unangenehme Art bereits vom Sims-Spielen her kannte. "Ich bin Naike Le Normand, mit wem habe ich das Vergnügen?" - "Dachte ich mir es doch gleich“, frohlockte Albert, „genau so sind Sie mir beschrieben worden! – Oh, Entschuldigung, meine Name ist Albert Kappe, normalerweise kennt mich hier jeder auf der Insel, ich wohne schon lange hier und bin entsprechend ... äh ... engagiert", bemerkte er mit schleimigem Unterton. "Äh ja … schön. Entschuldigen Sie mich, ich müsste dann mal dort hinten zur Tür, mich ein bisschen frisch machen." - "Aber junge Frau, sie sind doch bereits schon so frisch wie der Morgentau. Wie wäre es, wenn wir zwei beide zusammen ein Glas Wein trinken würden? „Ich kenne eine entzückende Laube hier ganz in der Nähe, dort sind wir auch ganz ungestört“, schlug Herr Kappe mit verschwörerischem Zwinkern vor und fuhr sich mit seiner Zunge über die Oberlippe. Naike war völlig perplex. „Soll das jetzt ein Scherz sein?"
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"Was bilden Sie sich denn ein?“, schnaubte sie, „glauben Sie allen Ernstes, ich gehe einfach so mit jedem mit, der sich mir anbietet, oder was?" - "Ja, dachte ich eigentlich schon, man erzählte mir ..." - "Was bitte erzählt man?“
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"Mensch, jetzt tun Sie doch nicht so unschuldig! Es weiß doch jeder hier auf der Insel, dass sie eine unterwürfige Ader haben und sich sogar von Straftätern grün und blau …“ Albert schüttelte sich gespielt, als könne er diesen Gedanken kaum ertragen. „Also mit anderen Worten, ich bin hier derjenige, der über Sie entrüstet sein muss, denn Sie untergraben mit ihrem Verhalten die Moral auf diesem heiligen Fleckchen Erde. So etwas ist hier NICHT willkommen, damit Sie Bescheid wissen!!!“ Naike klappte nach dieser Ansprache die Kinnlade herunter.
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„Naike, wo bleibst du?“, kam Adam suchend in die Taverne und fand seine Freundin im Dialog mit dem Pfarrer der MJN. Sie schimpfte inzwischen richtig laut: "Ach, lassen Sie mich doch in Frieden, Sie ... Sie ... GEPIXELTER HANSWURST!" - "Was geht denn hier ab“, wunderte sich Adam, „kann ich irgend helfen?" Er betonte das Wort Helfen äußerst grimmig, so dass Naike bereits die nächste Prügelei vor Augen hatte. "Adam, nicht aufregen, alles in bester Ordnung", tätschelte sie ihn kurz beruhigend. Albert Kappe schnappte vor Empörung sichtlich nach Luft: „Hanswurst? Hanswurst???? Entschuldigen Sie sich sofort. Auf der Stelle!!“
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Doch Naike dachte nicht daran, sondern lachte ihn auch noch aus, weil er einfach zu komisch aussah, wie er sich prustend echauffierte. Doch war das nicht ein bisschen zu gewagt? Was sollte nun in Zukunft passieren? Sie hatte sich immerhin mit dem mächtigsten Mann der Insel angelegt. Eine denkbar schlechte Voraussetzung für das doch relativ enge Zusammenwohnen auf diesem „kleinen Fleckchen Erde“.
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Adam verzog entnervt seinen Mund. „Komm jetzt hör doch auf mit dem Kappe, willst du dir wegen dem Heini etwa die Nacht verderben lassen und mir gleich mit? Was hat er eigentlich zu dir gesagt, das dich so wütend gemacht hat?" Naike flüsterte ihm die Antwort ins Ohr. "Ach, du liebe Güte! Und das alles nur wegen mir?“, stellte er seufzend fest und fühlte sich schuldig. „Jetzt bin ich auch noch für deinen schlechten Ruf verantwortlich. Vielleicht ist es doch besser, wenn du dir einen anderen ..." - "Nein! Willichnich“, schniefte Naike. "Gut, dann musst du da jetzt durch. Wir werden uns wehren, wenn es gröbere Problem gibt. Ich kann mir nach meiner Gefängnisstrafe auch kein Gerede leisten. Zusammen packen wir das, egal wie einflussreich die Kappes auch sind, ja?!"
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"Du bist lieb!", sagte Naike. Adam entdeckte ein Tränchen in ihrem Auge und leckte es zärtlich mit seiner Zunge auf. „Ich hab's! Nun ist es meins!" - "Hey, ich will es wieder! Es ist mein persönliches Eigentum, du Tränendieb!" - "Na, dann hol es dir doch, noch hab ich es nicht geschluckt", kicherte Adam, „bäh, es ist salzig!“ Naike versuchte ihr Bestes, das Tränchen zurückzuerobern, sie lieferten sich einen Ringkampf und irgendwann wich das Ringen dem Gefühl, im Himmel zu sein.
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Kapitel 3 - Zukunftsschau Kapitel 5 - Wer ist der Schlimmste im ganzen Land?
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