Kapitel 3 - Zukunftsschau



Das Café Petit veranstaltete einen kleinen Trödelmarkt. Da Naike mit Herumhüpfen, Salat mampfen und Abführtee trinken beschäftigt war, ging Jessica alleine dorthin, denn sie liebte es, stundenlang in alten Dingen zu schnöwen und Schätze darunter zu finden. Und auch dieses Mal wurde sie fündig und entdeckte unter lauter Tand ein wunderschönes altes Orakel-Kartenspiel, ein Lenormand-Deck, und feilschte mit dessen Besitzerin wie ein mit allen Wassern gewaschenes Marktweib, bis diese es seufzend für ein Drittel des ausgeschriebenen Preises herausgab. Dann zog sie zufrieden lächelnd mit ihrer Beute von dannen.





War dieser Salat aus Gummi oder warum musste man zehn Minuten auf einem einzigen Blatt herumkauen, bis es schluckfertig war? Oder malmte Naike nur halbherzig, weil sie wieder einmal an ihren peinlichen „Flügel-Auftritt“ dachte? Sie fragte sich, ob Joseph seinem Bruder wohl von weiterem Kontakt zu ihr abgeraten hatte, weil sich keiner mehr meldete, und bekam dabei ein Gefühl, als hätte sie einen schweren Stein im Magen. "Hallo Naike!! Ich habe eine Überraschung für dich!!!“, kam ihre Mitbewohnerin plötzlich überschwänglich in das kleine grünes Hau gepoltert und legte ihr ein kleines Päckchen vor die Nase.





"Waf if daf denn?", fragte sie wenig damenhaft mit vollem Mund und inspizierte dann in Ruhe das Mitbringsel. "Jess- wow! Das ist ja ... boah ... genial!!!“ - "Du warst doch so traurig, dass du dein Deck auf der Reise hierhin verloren hattest. Ich dachte, es wird Zeit, dass du endlich mal wieder loslegst." Naike strahlte über ihr ganzes Gesicht. "Tausend Dank, du machst mir eine Riesenfreude damit!" Und dann begann sie gleich mit einer Auslage.

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"Nein, sie ist nicht zu sprechen“, tönte Jessica einen Nachmittag später barsch am Telefon. „Sie ist mit ihrem neuen Freund unterwegs beim Shoppen und wird auch den Abend über unterwegs sein. Und morgen, ganz in der Früh’, fahren die beiden in ein romantisches Hotel in den Bergen, Sie wissen schon." In diesem Moment betrat Naike das Haus und es begann unmittelbar in ihrem Kopf zu rattern: "Jess!! Was um Himmels Willen erzählst du da? Und wer war da gerade am Apparat???"





"Ach, keine Ahnung, irgend so ein Kollege von dir, konnte mir den Namen nicht merken. Ich leg mich mal `ne Runde hin, hab’ Kopfweh heute, die Wetterlage …" - "Kopfschmerzen? - Ich pfeif auf deine Kopfschmerzen!!“, raunzte Naike wütend. Sag mir sofort die Wahrheit! Wer war das am Telefon? Und warum erzählst du dem Anrufer so einen Mist, hä?!" Jessica seufzte theatralisch. "Also gut, ja, dein Adam war es. Er war bereits einmal hier und ruft dauernd an, meist wenn du in der Kaserne bist. Es tut mir leid, ich ... ich ... wollte dich nicht belügen. Aber du zeigst einfach kein Einsehen, dass er der falsche Mann für dich ist. Ich kann nicht mit ansehen, wie du in dein eigenes Unglück rennst. Der Gefängnisaufenthalt ist doch die beste Chance für dich, ihn aus deinem Leben zu streichen, bitte nutze sie doch!! - So, das war meine Meinung. Tritt mir von mir aus in den Hintern, ich hab's verdient - ja - aber ich stehe dazu, so wahr ich Jessica Jung heiße!“





"Jess, wie konntest du nur?! Ich dachte, du bist meine Freundin!“ Mit Tränen in den Augen, lief sie tief enttäuscht aus dem Haus und knallte die Tür so fest zu, dass der morsche Rahmen splitterte.

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In den kommenden Tagen hatten die beiden Streithähne keinen Kontakt, denn der Hausumbau hatte endlich begonnen und Jessica sich entschlossen, ein paar Tage in einem Hotel zu verbringen, da es ihr schwer fiel, das Durcheinander zu ertragen. Naike hingegen genoss das erste Mal die Abgeschiedenheit auf ihrem Grundstück und vertrieb sich die Zeit mit Zeitung lesen, dösen und ein bisschen Sport, wenn sie nicht gerade in der Kaserne war.





Vom Ergebnis der Umgestaltung und Erweiterung war sie allerdings dann entsetzt, die Simlane 10 war zwar um drei Räume erweitert worden, sogar ein Arbeitszimmer stand Naike nun zur Verfügung, aber die Ausgestaltung ließ sehr zu wünschen übrig und hatte keinerlei Stil. Nicht einmal das gewünschte zweite Stockwerk konnte verwirklicht, geschweige denn tolle neue Möbel angeschafft werden, da das Geld vorne und hinten nicht gereicht hatte. Der Blick in die nun fast leere Haushaltskasse brachte die eh schon angeschlagene junge Frau wieder einmal zum Heulen.

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Eine Woche später redeten Jessica und Naike wieder miteinander, wenn auch nur über unverbindliche Alltäglichkeiten, denn Jess hatte hoch und heilig versprochen, sich zukünftig aus dem Liebesleben ihrer Mitbewohnerin herauszuhalten.





Auch finanziell taten sich nun Veränderungen auf. Naike entdeckte, dass ihre Kleinanzeige geschaltet worden war, mit der sie um Kunden warb, denen sie die Zukunft voraussagen wollte. Jessica hingegen hatte sich immer schon gewünscht, neben dem wenig einträchtigen Glaskugel-Orakel und der Heiratsvermittlung, die auch eher wenig Geld einbrachte, mit ihren Bildern oder gar einem Roman ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Also wurde von Naikes gerade frisch eingegangenem Gehalt ein Computer angeschafft, in der Hoffnung, dass dies eine lohnende Investition sein würde.





Kurz darauf klingelte auch bereits das Telefon. Es war Armin, der sich die Karten legen lassen wollte – welch eine Überraschung! Naike war so erfreut über ihren ersten Kunden seit langem, dass sie gleich einen Tag Urlaub nahm, um ihn sofort empfangen zu können. Armin fühlte sich bei ihr gut aufgehoben - kein Wunder, sie hatte ihm ja auch nur Gutes prophezeit - und entlohnte sie reichlich für ihren Dienst.





Das stachelte Jessica an, neben dem Schreiben an ihrem ersten Roman hin und wieder auch spirituelle Telefonberatungen durchzuführen, was die Haushaltskasse langsam aber sicher wieder füllte.





Und auch die gute Laune kehrte durch die beruflichen Erfolge wieder zunehmend ins Haus zurück, auch wenn sich zwischen den beiden Freundinnen noch immer eine dünne Wand befand. Aber so richtig glücklich war Naike trotz der Veränderungen und zurück erlangter Fitness dennoch nicht. "Was ist, Kleines? Kommst du nicht voran? Siehst doch schon wieder richtig fit aus, ich bewundere dein Durchhaltevermögen!" - "Ach Jess, das ist es nicht“, sagte sie leise, „… ich will dass Adam jetzt sofort anruft!“ und begann zu weinen. Die Seniorin reagierte ungehalten. "Komm’, hör’ bitte auf, da bist du bei mir an der falschen Adresse. Du weißt, wie ich über die Sache denke", entgegnete sie trocken, und damit war für sie das Gespräch beendet.

*





Am nächsten Tag brachte Naike ihre Arbeitskollegin Manuela Bretz mit nach Hause, die auch sehr neugierig auf ihre Zukunft war. Aber diesmal sprach aus den Karten nichts Gutes und Naike musste ihr dies mit viel Fingerspitzengefühl vermitteln, was ihr zum Glück auch gelang.

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Abends fuhr sie frustriert zum All-in-One-Shop, weil ihr daheim die Decke auf den Kopf fiel. Aber alle anderen Kunden und Restaurant-Gäste waren mit sich selbst beschäftigt, jeder hatte irgendetwas Wichtiges zu tun und ging seinen Aufgaben nach. Sind die denn alle bekloppt hier, dachte sie bei sich. Warum rennen die alle hier herum und tun so geschäftig, obwohl sie nicht echt sind?





"Hey du, komischer Typ! Weißt du eigentlich, dass du nur eine Simulation bist!? Es gibt dich gar nicht, dies hier ein virtueller Ort in einer von unzähligen Parallel-Welten!" - "Waaaas? Um Gottes Willen! Ist das wirklich wahr?!", antwortete der angesprochene Mann mit augenscheinlich erschreckter Miene. Naike stand mit offenem Mund vor dem jungen Sim. Hatte er jetzt tatsächlich erfasst, was Sache ist?





Nein, hatte er nicht, denn plötzlich brach er in lautes Lachen aus und bog sich dabei regelrecht. "Du bist ja ganz hübsch, ich hätte dich glatt auf `n Bier eingeladen, aber wohl leider nicht ganz dicht, Kleine, wa?!“ Naike rollte genervt mit den Augen. „Schon gut, war nur ein Witz. Ich geh dann mal einkaufen, besten Abend noch!" Mit diesen Worten ließ sie ihn stehen und suchte schnell das Weite. Sollte er doch weiterhin an sein angebliches reales Dasein glauben, dieser Depp, dachte Naike wütend, aber ihre Wut hatte eine gewisse hilflose Färbung.





Im Laden fand sie zu ihrer Überraschung ausnahmsweise mal eine sehr hübsche Klamotte, Polyester zwar, aber sehr schön geschnitten. Vorsichtig sah sie sich um. Die rothaarige Verkäuferin hatte ihren Blick fest auf sie geheftet, als hätte sie geahnt, was nun gleich passieren würde. Keinen Simoleon bezahle ich jetzt für dieses rote Pixel-Gebilde, beschloss Naike, und verließ schnurstracks den Laden mit dem hübschen Shirt am Leib. Niemand folgte ihr. Danach versackte sie bis in die späte Nacht im Café Petit, ohne zu antworten, wenn sie jemand ansprach.

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"Boah, weißt du, was der Tagesjünger schreibt!?" - "Wie kommst du denn jetzt wieder an den Tagesjünger“, wunderte sich Jessica, „ …das lästige Abo, was Melissa Fuller dir aufs Auge gedrückt hatte, ist doch längst abgelaufen?" - "Ach, man muss seine Feinde ja im Auge behalten." - "Feinde? Jetzt übertreibst du aber, Melissa und ihre Truppe haben halt ein anderes Weltbild, lass’ sie am besten einfach in Ruhe." - "Sei dir da mal nicht so sicher. Hier - sie schreibt in ihrer Kolumne über die Gefahren der zahlreichen neuen und alten Hexen, die sich auf "ihrer" Insel eingenistet hätten. Und warnt dann eindringlich vor sämtlichen okkulten Praktiken. Namen sind zwar nicht genannt, aber es ist ja wohl klar, dass sie uns damit meint, oder?!" - "Diese Muggel-Tante hat ja wohl `nen Vogel!", schimpfte Jess. "Sag ich ja, aber nimm’ es lieber ernst, es wird mit Sicherheit nicht bei dieser Art Verbal-Attacken bleiben, da bin ich sicher! Die sind bestimmt sauer, dass ich ihrer Einladung nicht gefolgt bin. Sag mal, warum schreibt sie eigentlich von "vielen" und "alten und neuen“ Hexen? Viele sind wir zwei ja nun wirklich nicht. Und alt - im Sinne von schon länger vor Ort - auch nicht. Das verstehe ich nicht.“ - “Hm …“, überlegte Jess, „… du kennst Voodoo Mom noch nicht, oder?“ - „Voodoo wer?“, fragte Naike neugierig.

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Am nächsten Tag lief sie mit einem Zettel in der Hand einmal quer über die Insel, Jessica hatte ihr darauf die Adresse einer Frau notiert, die angeblich über hervorragende Fähigkeiten auf ihrem Gebiet bekannt war. Naike erhoffte sich von Herzen, ihr ein paar Informationen über Adam erhalten zu können, denn die Kontaktaufnahme mit Real-Naike per PC war leider bisher fehlgeschlagen, sie stand stets auf „offline“, wann immer Sim-Naike es auch probierte.





Als Naike durch die offene Tür des urig aussehenden Hauses trat und zögernd durch einen winzigen Flur in einen fast ebenso winzigen Wohnraum hinein ging, sah sie plötzlich eine rundliche schwarze Frau vor einem gut gefüllten Bücherregal stehen und unverständliche Worte murmeln. Sie wunderte sich, dass das Haus von außen viel größer aussah, als es innen war. Dann wurde sie unmittelbar von der schwarzen Frau angesprochen, obwohl sie ihr zunächst noch den Rücken zuwandte. "Mademoiselle Le Normand, ich bin Frau Jones, was kann ich für Sie tun?" - "Hallo“, erwiderte Naike ziemlich erschrocken und zögerte einen Moment. „Äh … ich habe gehört, Sie könnten mir vielleicht beim Abnehmen helfen“, log sie verunsichert, „zwei Zentimeter weniger Taille hätte ich gerne und das möglichst schnell." Frau Jones drehte sich um. "Sind Sie sicher?“, lachte die ältere Dame dröhnend und zeigte dabei unzählige strahlend weiße Zähne. „Dann bleibt doch kaum noch etwas übrig!"





In diesem Moment betrat ein junger Mann die altmodisch eingerichteten Räumlichkeiten, der sich gleich entschuldigend wieder zurückziehen wollte, als er sah, dass Frau Jones bereits Besuch hatte. Aber diese bat ihn mit einer freundlichen Geste zu bleiben, gab Naike eine Papiertüte mit Teekräutern und erläuterte ihr kurz deren Verwendung.





"Guten Tag, mein Name ist Blythe, es tut mir leid, dass ich hier so reingeplatzt bin, aber ich habe einen Termin und muss gleich wieder weg." - "Nicht so bescheiden, Doc!“, grinste Frau Jones. „Naike, darf ich Ihnen vorstellen, das ist unser Insel-Quacksalber, Dr. Gilbert Blythe. Für jedes Wehwehchen hat er immer gleich einen bunten Medikamentencocktail zur Hand!" - "Frau Jones, jetzt tun sie mir aber Unrecht“, protestierte Dr. Blythe und setzte zum gespielten Gegenschlag an: „Fräulein Naike, darf ich vorstellen, das ist unsere Voodoo Mom, die mir dauernd die Patienten klaut, seit ich hier ansässig wurde." Frau Jones gab erneut ihr dröhnendes Lachen zum Besten und man merkte gleich, dass sie und der Doc zwar offenbar tatsächlich ein paar berufliche Querelaien miteinander hatten, sich aber durchaus nicht unsympathisch waren. Jedenfalls schienen beide denselben Humor zu haben und schauten sich herausfordernd grinsend an.





Voodoo Mom entschuldigte sich für einen Moment, um das Bad aufzusuchen und ließ ihre beiden Klienten allein, was Dr. Blythe dazu nutzte, ein Gespräch zu beginnen. "Sie sind eine von den beiden Frauen, die Karten legen, nicht wahr?" Oh weh, dachte Naike, hatte er etwa den Artikel neulich im Tages-Jünger der Modernen Jesus Nachfolger gelesen? "Ja, das stimmt. Und bei uns gibt es sogar Geister“, witzelte sie. Aber sie hatte sich verschätzt, der Doc wollte sie mit seiner Frage nicht verschaukeln oder gar angreifen. Er war offenbar kein Mitglied der MJN, denn er stellte nun offen und interessiert einige Fragen über ihre Tätigkeit, was sie sehr positiv überraschte.





Dann kam Frau Jones zurück ins Zimmer und Naike verabschiedete sich von ihr, während beim Doktor in der Hosentasche etwas piepte. "Frau Jones, es tut mir leid, ich kann nicht bleiben, ein Notfall. Ich rufe Sie für einen neuen Termin an, in Ordnung?!" - "Geht klar, Doc, bis dann. - Auf Wiedersehen, Naike! Und denken Sie daran, drei Mal am Tag zwei Tassen aufgießen und möglichst heiß trinken, das bringt bald Erfolg.“ Dann drückte Sie die junge Frau kurz und flüsterte in ihr Ohr: „Und haben Sie noch ein klein wenig Geduld, er wird bald kommen.“ Naike zuckte zusammen und sah Voodoo Mom überrascht an. Doch diese zwinkerte nur und schob sie zur Tür hinaus.





Draußen wurde es bereits dunkel. Wie lange mochte sie in dem Haus gewesen sein? "Auf Wiedersehen, Dr. Blythe! War nett, Sie kennen zu lernen.“ - „Auf bald, Fräulein Naike!“, erwiderte er freundlich und Naike nahm dies als gutes Vorzeichen, denn Dr. Blythe war nach Adams Bruder Joseph der erste Mann hier auf der Insel, der wirklich gut aussah.

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"Jess, jetzt mach doch mal `ne Pause und guck dir meine Taille an! Der Tee ist echt genial, ich glaube, von dieser "Voodoo Mom" Jones kann ich noch einiges lernen. Adam wird Augen machen, wenn er mich sieht!" - "Pass lieber auf mit Frau Jones, ihre Maßnahmen sind nicht ganz ohne, ich kenne sie schon lange. Aber sie ist eine gute Seele. Hätte sie bloß nicht so viele Schwierigkeiten mit ..." - "Mit Doc Blythe?", fiel ihr Naike ins Wort. "Wer ist Doc Blythe?", äußerte Jessica fragend. "Der Inselarzt, habe ihn bei Frau Jones zufällig kennen gelernt. Dachte, du meinst ihn wegen den erwähnten Schwierigkeiten, die beiden kabbeln sich ganz schön, wie ich miterleben durfte", lachte Naike, als sie sich daran erinnerte. "Nein, den meine ich nicht, aber das ist eine zu lange Geschichte, die erzähle ich dir später mal, ich muss jetzt dringend mit dem letzte Roman-Kapitel fertig werden, wir brauchen das Geld, Häschen.“

Doch Naike ließ ihre Freundin nicht in Ruhe. „Weißt du, was Voodoo Mom noch gesagt hat?!“ Jess schüttelte ungeduldig den Kopf. „Dass Adam bald kommt!!“ - “Ach, du spinnst. Unglaublich, dass du das nach so langer Zeit noch immer glaubst!“ - "Jess, leg’ mir bitte die Karten, dann werden wir wissen, ob und wann." - "Mann, Naike, du nervst echt“, jammerte ihre von diesem Thema schwer gebeutelte Mitbewohnerin, lenkte dann aber doch ein. „Also gut, aber nur wenn du mir versprichst, mich danach damit endlich in Ruhe zu lassen!"





"Nix zu sehen von einem heimkehrenden Frauenschänder!", murmelte Jessica provokant, nachdem sie die Karten ausgelegt und den entsprechenden Themenbereich angeblich interpretiert hatte. "Jess“, drohte Naike ihrer Freundin, „du weißt, dass ich selbst deuten kann, also erkläre mir mal bitte diese Kombination hier ganz genau!" Naike tippte fest auf eine bestimmte Stelle des Kartenbildes und brachte damit ihr Gegenüber zum Schwitzen. "Äh ... ja ... hm …“ - "Kannst gleich aufhören mit deinem Theater, liebe Jessica. Da liegt eindeutig, dass er wiederkommt, und zwar in den nächsten 24 Stunden. Schau, der Klee liegt hier direkt neben dem Herzensmann und dem Reiter!" - "Aber hier liegen noch die Mäuse ..." - "Ja, aber in einer Position, die der Gesamtaussage keinen Abbruch tut."
Jessica zuckte mit ihren Schultern und trollte sich zurück an ihren PC. Naike fragte sich, ob sie tatsächlich richtig gedeutet hatte? Aber das Kartenbild ließ eigentlich keine Zweifel zu.

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Abends - Naike war gerade wieder einmal ein magisches Ritual missglückt, diesmal hatte sie sich einen Fischschwanz angehext, obwohl sie eigentlich die Dusche repariert haben wollte - klingelte das Telefon. Es war nicht ganz einfach, sich mit einem solchen Fischschwanz fortzubewegen und sie stolperte zweimal auf dem Weg zum Telefon. "Hallo? Hier Tallis, könnte ich bitte Naike Le Normand sprechen?" - "Joseph? Hey … endlich kriege ich dich an den Apparat!", rief Naike überglücklich. "Liebling, ich bin es, Adam. Naikes Kinnlade klappte gen Boden und verharrte einige Sekunden in dieser unattraktiven Position, bevor sie wieder Worte fand. "Oh mein Gott, Adam, wo bist du?"





"Ich gehe gerade auf dein Haus zu, zieh sich schon mal aus!", witzelte seine schöne dunkle Stimme aus dem Hörer.





„Äh … ich bin schon fast nackt“, erwiderte Naike völlig überrumpelt, doch Adam hatte bereits wieder aufgelegt. Keine zehn Sekunden später klingelte es auch schon an der Tür.





Und dann stand er tatsächlich in seiner ganzen Größe vor ihr. Sie wusste nicht, ob das jetzt ein Traum war, Realität, oder wie auch immer man das nennen wollte.





Adam lachte, als er sein Mädchen sah: "Was ist das für ein komischer Aufzug? Ich dachte, derzeit wären Flügel in Mode?" Naike wurde tiefrot, erwiderte aber schlagfertig: "Nee, jetzt sind Fischschwänze der letzte Schrei!" - "Na, Hauptsache ist, ich hab nicht soviel auszuziehen!“ Er zwinkerte ihr erwartungsvoll zu.





"Jetzt hör aber auf“, kicherte nun auch Naike. „Komm erstmal rein, ich versuche das Malheur schnell zu beheben."





Adam hatte nun aufgehört zu lachen und traute seinen Augen kaum, als er seine Freundin vor sich her schwänzeln sah. Er kratzte sich fragend am Kopf, ob er solche Mätzchen auf Dauer wohl verkraften konnte.





Als sie aber kurz darauf hübsch herausgeputzt mit ihrer geklauten Bluse vom All-in-One-Shop in der Küche erschien, hatte Adam seine Zweifel bereits wieder vergessen und lud sie spontan ein, tanzen zu gehen. Allerdings hatte er dabei nicht mit Jessica gerechnet...





"Hallo, junge Frau, meine Name ist Tallis, ich bin ..." - "Tallis? - Adam Tallis? Wollen Sie mich verarschen, der sieht doch ganz anders aus!" Naike war zuerst verblüfft über Jessicas Reaktion, aber nach einem wortreichen Hin und Her wurde allen klar, dass sie Adam mit seinem Bruder Joseph verwechselt hatte. Aber die Aufklärung machte die alte Dame nicht weniger angriffslustig: "Was fällt Ihnen ein, hier einfach reinzuschneien? Und wo ist überhaupt ihr Wärter? Sie sind doch gemeingefährlich, man wird Sie doch wohl nicht frei herumlaufen lassen!?", bellte sie ängstlich dreinschauend den verblüfft guckenden jungen Mann an.





Auch Naike traute ihren Ohren kaum."Jess, bitte! Geh ein bisschen spazieren, dir fehlt Sauerstoff, habe ich den Eindruck!" - "Nix frische Luft, ich lass’ dich doch nicht mit diesem Kerl hier alleine im Haus, ich rufe jetzt die Polizei!" Adam blieb erstaunlich ruhig und ergriff mit klarer Stimme das Wort: "Sie werden nichts dergleichen tun. Ich bin wieder ein freier Mann und ich werde hier ab sofort sooft ein- und ausgehen, wie Naike es will."





"Naike, nun tu doch was! Schmeiß ihn raus, bitte!“, wimmerte Jessica, als würde sie unmittelbar bedroht. Naike wusste für einen Moment nicht, ob sie Wut oder Mitleid mit ihrer Mitbewohnerin haben sollte, aber dann gewann die Wut Oberhand, denn sie erinnerte sich daran, wie viel Kummer ihr Jess durch ihre Überbesorgnis bereits gemacht hatte. "Adam, entschuldige uns bitte, nimm’ dir einen Tee, ich kläre das eben."





"Jessica, jetzt nimm verdammt noch mal Vernunft an! Es ist nicht dein Recht, Adam derart zu beleidigen. Der Richter hat ihm eine Gefängnisstrafe für die Vergewaltigung von Desdemona Kappe aufgebrummt, das ist leider Tatsache, ja! Aber die hat er jetzt abgesessen und die Tat bereut, er ist wieder ein freier Mann. Und ich bin glücklich, dass er endlich hier ist, du wirst mir mein Glück jetzt nicht weiter madig machen, sonst kannst du gleich zu Armin und seiner Mama ziehen!!!“ Jessica zitterte und flüchtete dann ohne ein weiteres Wort ins Arbeitzimmer.

"Ad, komm, wir gehen. Hier hält mich gerade gar nichts mehr", bemerkte Naike bitter. "Da hast du dir ja einen ganz schönen Drachen an Land gezogen“, lachte Adam, „schmeiß sie doch einfach raus!" - "So einfach ist das nicht, ich habe sie nämlich zufällig sehr gern. Sie ist meine liebste Freundin und stand mir in einer sehr einsamen Zeit zur Seite, wir gehen lediglich was dich angeht nicht konform. Ich denke, sie will mich einfach nur beschützen, deine persönliche Geschichte ist ja nun nicht gerade Vertrauen erweckend." Adam sah sie zärtlich an. "Sag jetzt nichts mehr, küss’ mich!" Naike ließ sich in Adams Arme sinken und als sie seine warmen Lippen auf ihren spürte, löste sich ihre unangenehme Anspannung mehr und mehr. Auf diesen Moment hatte sie ewig gewartet.

*





Sie fuhren zu einem Tanzlokal auf dem Festland namens Krypta,aßen etwas und tanzten, und trotz der unschönen Vorfälle gelang es beiden, diesen ersten gemeinsamen Abend nach der langen Trennung zu genießen und sich wieder näher zu kommen.





„Kommst du noch mit zu mir? Meine Tochter schläft bestimmt schon, Joseph und Nastassja sind aus."





Hatte Naike richtig gehört? "Deine Tochter?", fragte sie verwundert. "Ja, Julia. Sie wohnt jetzt für einige Zeit bei mir. Desdemona möchte sich um ihre bisher vernachlässigte Karriere kümmern und ist der Meinung, ich könne mich jetzt mal um unser Kind kümmern. Ich stehe in ihrer Schuld und außerdem habe einiges nachzuholen, sie ist schon so unheimlich groß.“ Naike nahm erfreut zur Kenntnis, dass er elterliche Verantwortung übernahm, aber ein Mann mit Kind? War das etwas, was sie wollte? Auch auf längere Sicht? Der Gedanke fühlte sich eher fremd an. "Adam, ich weiß nicht recht, lieber ein anderes Mal, ja? Deine Rückkehr kam für mich heute fast überraschend, dann der Streit mit Jess ..." - "Fast überraschend?", fragte er leicht irritiert. „Sagte ich wirklich fast?“, antwortete Naike und sie bekam augenblicklich einen heißen Kopf. Sie nahm sich vor, zukünftig zu denken, bevor sie sprach. “Nein, wirklich, ich möchte jetzt lieber nach Hause gehen. Wir treffen uns ein anderes Mal wieder, in Ordnung?" - "Morgen?" Da war er - sein berühmter Hundeblick. Naike lächelte. "Vielleicht morgen, ja."





Sie nahm das nächste Taxi nach Hause und fühlte sich sehr verwirrt. Was war los? Warum war sie nicht zu hundert Prozent glücklich? Vielleicht wegen des Verlaufs des Wiedersehens, das sie sich in den vielen vergangenen Monaten stets unproblematischer vorgestellt hatte? Oder wegen Julia? - Liebte sie Adam überhaupt noch? Doch ja, da war sie sich sicher, nahm sich aber dennoch vor, am nächsten Morgen die Karten zu befragen, deren Aussagen sie nun noch mehr vertraute als zuvor.

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Aber dann verzichtete sie doch auf ihr Orakel, denn inzwischen hatten sich die altbekannten Schmetterlinge in ihrer Magengegend wieder fröhlich flatternd eingestellt, obwohl sie seit dem überraschenden Wiedersehen nur zweimal mit ihm telefoniert hatte, in der Kaserne gab es viel zu tun. Auch ihre Handgelenke vibrierten stark - für Naike ein untrügliches Zeichen: Sie war nach wie vor schwer verliebt! Offenbar beflügelte das neue Glücksgefühl auch ihre beruflichen Leistungen, denn sie wurde zur ihrer großen Freude zur Spionageabwehr befördert.





Auch Jessicas schriftstellerische Bemühungen erreichten in diesen Tagen ihren Höhepunkt, sie hatte endlich ihren ersten Roman vollendet und das Manuskript per Express-Kurier einem Verlag zugesandt, der romantische Liebesgeschichten mit esoterisch-mystischem Einschlag veröffentlichte. Nur einen Tag später erhielt sie telefonisch die Nachricht, dass man bereit sei, ihr Erstlingswerk Sinnliche Sinn-Suche zu veröffentlichen. Jessica war erleichtert, endlich konnte sie einen achtbaren Beitrag zum bisher noch immer eher mageren Haushaltseinkommen beisteuern. Und wer weiß, vielleicht würde sie eines Tages sogar berühmt werden?

Doch richtige Feierlaune wollte sich im Hause Simlane 10 trotz der Erfolge der beiden Bewohnerinnen nicht einstellen, da zwischen Naike und Jessica seit dem Streit noch immer eisiges Schweigen herrschte. Jess spielte mit dem Gedanken an einen Auszug, aber im Grunde wohnte sie viel zu gerne bei Naike, als sich von diesem Ekelpaket (Original-Ton Jess über Adam) aus dem Haus drängen zu lassen. Abwarten und Tee trinken, lautete vorerst ihre Devise.

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An diesem Dienstag Abend fuhr Naike zu einem auf der Insel neu eröffneten Geschäft mit dem wohlklingenden Namen Chez Poulain, von dem sie am Pinnbrett im All-in-One-Shop gelesen hatte, und wollte sich für die morgige Verabredung mit ihrem Herzensmann ein schickes Outfit zulegen. Der Laden machte einen einladenden Eindruck, interessierte unsere Naike aber bald nicht mehr, denn ...





"ADAM!!! Mensch, was machst du denn hier!?", rief sie hoch erfreut, als ihr im Chez Poulain ihr Schatz über den Weg lief. "Das frag ich dich, Süße!“, rief auch Adam begeistert und herzte sie innig. Naikes Hände trauten sich kaum, seinen Po zu berühren, aber dann taten sie es doch und sie konnte kaum glauben, dass sich ein Haufen bunter Pixel so geil anfühlte. Doch lange konnte sie diese Nähe nicht genießen, denn es nahte erneut überraschend ihre persönliche, selbsternannte „Retterin“!





"Ach sieh an, sieh an … hier trefft ihr euch also nun heimlich!" - "Jess, wie bitte? Wieso heimlich? Hat jemand auf der Insel ein Date-Verbot für uns verhängt, was mir noch nicht zu Ohren gekommen ist?", rief Naike entrüstet. Adam schnaubte und seine Augenbrauen zogen sich bedrohlich zusammen, was sie sehr beunruhigte. "Schatz, ist ok, ich regele das schon selbst. Lass’ mich bitte kurz allein mit Jess, ja?!" Jetzt mischte sich aber auch noch die Verkäuferin des Ladens ein, Naike brach der Schweiß aus – wie peinlich! "Nein, danke, ich brauche keine Hilfe, nett von Ihnen, ich komm' schon klar, nur ein kleines Missverständnis unter Freunden“, lächelte sie die ziemlich unsympathisch wirkende Frau ein wenig hilflos an, die sich daraufhin mit zweifelndem Blick wieder trollte.





"Jess, was zum Teufel treibst du überhaupt hier? Spionierst du mir jetzt auch noch nach oder was?!", flüsterte sie aufgebracht. "Nana, ist ja schon gut, jetzt reg dich mal nicht so auf. Ich wollte mir bloß mal den neuen Laden anschauen, wusste ja nicht, dass du dich mit dem Kerl hier triffst." - "Hatte ich auch nicht vor, es war zufällig. Wollte mir auch nur den Laden anschauen!" - "Ach so, na, dann will ich nichts gesagt haben, entschuldige bitte. Kommst du mit nach Hause?", lenkte Jessica plötzlich erstaunlich freundlich ein. Offenbar war ihr ausnahmsweise mal klar geworden, dass sie einen Fehler begangen hatte, was Naike ziemlich überrumpelte, aber sie lehnte dennoch beleidigt ab. Jessica fühlte sich äußerst unwohl, als sie ins Taxi stieg, denn es quälten sie die gleichen Gedanken wie zwei Tage zuvor. Sollte sie ihre Freundin mit diesem Mann wirklich alleine lassen? Bald würde es dunkel. Aber was blieb ihr anderes übrig?

*

Während sich die alte Dame so furchtbar sorgte, fuhren Adam und Naike noch auf ein Gläschen Wein zum Hafen, denn dort konnte man auch zu späterer Stunde noch ein freies Plätzchen an der Theke finden. Nach einem halben Glas pulsierte das Blut in Naikes Beinen. Nach einem weiteren halben fing sie an zu kichern. Und bereits nach dem zweiten Glas hatte sie den Eindruck, sich auf einem sanft schaukelnden Schiff mitten auf dem offenen Meer zu befinden. Sie sah ihrem Gegenüber tief in seine warm glänzenden grün-braunen Augen. "Adam, duuu? - Weißt du eigentlich, dass wir noch gar … äh … also dass wir noch nicht haben?", säuselte sie ihn verlegen an. "Ja, weiß ich. Willst du denn, dass wir das ändern?" - "Wie meinst du das? Jetzt gleich? Hier? An Ort und Stelle?"





"Quatsch, komm mit ...!", grinste Adam und hob Naike vom Barhocker, trug sie in den Vorraum der Hafenkneipe, setze sie in den dort stehenden Fotoautomat und … "HEY! Bist du noch ganz dicht???“, protestierte sie und fühlte sich völlig überrumpelt. „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich jetzt und hier ... nicht mal der Vorhang geht richtig zu! Nervös nestelte sie an seinem Gürtel herum, um ihn ja schnell wieder zu schließen.“ - "Wenn Du meinst ...", sagte Adam bedauernd und setzte wieder seinen Spezialblick auf. "Jetzt mach doch bitte nicht so ein Gesicht wie ein geprügelter Hund. Mensch, Adam, das ist unser erstes Mal und das hab ich mir ehrlich gesagt schon ein bisschen romantischer vorgestellt“, maulte Naike und beschloss, das Rendezvous unter diesen Umständen lieber zu vertagen. "Bitte bring mich jetzt nach Hause und komm morgen gegen neun Uhr zu mir, ok? Dann hat Jess einen Termin bei ihrem Verlag und wir sturmfreie Bude, ich glaube, das ist ein wenig gemütlicher als hier“, zwinkerte sie nun, obwohl ihr der Schreck noch immer in den Knochen saß. Zum Glück hatte niemand die Aktion mitbekommen.

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„Bonjour Monsieur, sie sind ja pünktlich wie die Maurer“, wisperte Naike am nächsten Tag genau eine Minute nach neun Uhr in das Ohr des Mannes, auf den sie bereits gewartet hatte. "Nix Maurer – ich bin der Postmann, der zweimal klingelt“, grinste Adam verheißungsvoll, „sag mal, ist der Anstands-Wauwau wirklich ausgeflogen?" - "Jo, die Luft ist rein, jetzt komm endlich!“





Niemand störte sie an diesem Morgen. Naike konnte nicht glauben, dass dieser Mann einer Frau Leid angetan hatte, so zärtlich wie er sie nahm. Was mochte bloß damals der Grund gewesen sein, dass er die Kontrolle über sich verloren hatte? „Was denkst du?“, unterbrach er ihre Gedanken. Sie schüttelte nur lächelnd den Kopf und ließ noch einmal völlig los.





Das erste Mal schien für Adam, der lange Zeit einsam und verlassen in einer kleinen Gefängniszelle gehaust hatte, der Startschuss für viele weitere „Male“ gewesen zu sein, denn ab sofort kam er öfter zu Besuch. Sehr oft. Bereits am nächsten Tag, als Naike ziemlich abgespannt aus der Kaserne kam, gastierte ihr Don Juan bereits wieder mit verlangendem Blick vor der Simlane Nr. 10 und ließ ihr keine Hoffnung auf einen gemütlichen Nachmittag mit Kaffee und einem guten Schmöker. Aber Naike musste sich eingestehen, dass ihr das eigentlich so furchtbar unangenehm nun auch nicht war, denn sie hatte während der Arbeit sowieso dauernd an ihn gedacht.





"Na? Heute etwas streng gekleidet, die Dame, hat das etwas zu bedeuten?" Schon fast unheimlich anziehend wirkte er auf sie, aber sie behielt die Contenance. "Gefreiter Tallis - Klappe halten und auf zum Appell! Folgen Sie mir bitte unauffällig!" - "Jawohl, Frau General. Stets zu Ihren Diensten!" grinste Adam breit, denn er liebte fast jede Art solcher Spielchen.





Doch im Schlafzimmer erwartete die beiden Turteltauben ein überraschender Anblick. "Hey, Jessica, was machst du hier im Bett? Es ist Mittag! Und wolltest du nicht heute zu Mrs. Jones?", fragte sie ihre Mitbewohnerin frustriert.





Jessica erhob sich benommen, gähnte herzhaft und schlurfte im Nachthemd Richtung Bad, so müde, dass sie nicht einmal Adam bemerkte, der ziemlich genervt schaute. "Jaja, mach mal keinen Aufstand, Süße, ich geh ja schon." Naike war die Situation furchtbar peinlich und sie fürchtete einen weiteren Aufstand der älteren Dame.





"Das Weibstück geht mir gehörig auf den Zeiger, der gehört mal ordentlich der Hintern versohlt! Dauernd schleicht sie um uns herum!", schimpfte Adam ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Jetzt bist du aber ungerecht, Jess konnte doch nicht wissen, dass du tagsüber hier aufkreuzt. Wahrscheinlich hat Mrs. Jones das geplante Treffen abgesagt und dann hat sie die Mittagsstunde halt für ein Schläfchen genutzt." - "Ich glaube, dann gehe ich besser nach Hause!", knurrte er unbehaglich und setzte zu einem Abschiedskuss an, doch das passte Naike überhaupt nicht. "Nichts dergleichen wirst du tun, Adam! Los, aufs Bett - und zwar dalli!" - "Hola, was ist denn plötzlich in dich gefahren, Naikchen? Gestern noch so schüchtern und heute?" - "Gestern ist gestern, heute ist heute. - Mensch, du bist ja immer noch angezogen!", schimpfte sie frech und begann ihm das Hemd aufzumachen. "Hey, lass meine Knöpfe heil, ich brauche das Hemd noch!“, lachte Adam. Aber Naike ließ keinen Einspruch gelten: "Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Halt jetzt endlich die Klappe, ich will dich jetzt nur noch sehen, fühlen, riechen und schmecken! Na gut, ein paar Töne darfst du auch noch von dir geben, aber ich will kein Wort mehr hören, verstanden?!"

Während Naike daraufhin sämtliche Alltagsgedanken für gute zwei Stunden abstellte und sich nahm, was sie sich seit Monaten glühend gewünscht hatte, saß Jessica mit ihren Fingern in den Ohren im Arbeitszimmer und beschloss, das Haus für einen Einkauf zu verlassen, da sie ein wenig geräuschempfindlich war.

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"Bist du etwa schon müde?" - "Ach nee. Mann, ich hab bereits einen langen Arbeitstag hinter mir, ich muss auch mal meine Beine hochlegen und etwas essen." - "Ach, du bist doch noch jung, essen kannste auch später noch, jetzt bin ich doch gerade mal da“, fand Adam sich überaus wichtig. Naike überlegte, ob dieser Mann beziehungsweise Sim vielleicht irgendwo an einem Körper eine Art Refresh-Button versteckte, aber bisher hatte sie nichts dergleichen gefunden. "Schatz, ich muss jetzt mal für kleine Mädchen, ob du nun willst oder nicht, das geht nun mal nicht hier."





"Na gut, ich akzeptiere. Dann geh mal. Aber schnell bitte!" Im Gegensatz zu Sims, die nicht wussten, dass sie Sims sind, sah Naike jegliche Denkblasen über allen Köpfen und grinste breit, als sie über ihrem Liebhaber das lilafarbene, breit grinsende Techtelmechtel-Herz erblickte. “Na, was grinst du denn jetzt? Geh schon! Sonst steht Miss Knautschgesicht gleich wieder auf der Matte!" - "Du meinst doch jetzt nicht Jess damit, oder?!" Naikes Grinsen wechselte augenblicklich in Entrüstung, was Adam nicht entging. "Jetzt guck doch nicht so böse, war nur ein Spaß. Ich kann sie halt nicht leiden, ja, ich gebe es zu! Sie ist total überdreht, aber für ihr Alter hat sie sich ganz gut gehalten. ... Äh, du stehst ja immer noch hier!"





"Ich kann nicht gehen", sagte Naike plötzlich verschmitzt. "Ja, warum das denn jetzt plötzlich nicht mehr?" - "Dann bist du ja nicht mehr bei mir", jammerte sie wieder mit Spielstimme. "Soll ich mitkommen?" Naike kicherte wie eine 12jährige. "Hm ... nee, ich hätte da eine andere Idee ..."

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Nachdem Adam sich endlich ausgetobt hatte, vergnügte er sich mit American Football, während Naike, inzwischen völlig entkräftet, aber glücklich, zur allgemeinen Stärkung ein paar Hamburger briet. Bereits draußen vor der Tür roch Jess, die gerade vom Einkaufen kam, den köstlichen Geruch nach gebratenem Fleisch und stürmte mit großem Appetit Richtung Wohnküche. Doch was sie da sah, ließ sie beinahe gleich wieder zurück in den Flur stolpern.





Zuerst rang sie nach Worten, aber dann fielen ihr doch noch passende ein: "Herr Tallis, bitte bitte bitte ziehen Sie sich sofort etwas über! Ich wohne auch hier in diesem Haus und empfinde es als Zumutung, mich mit dem unbekleideten Freund meiner Mitbewohnerin in einem Raum aufzuhalten zu müssen." Sie schüttelte sich dabei wie schwer gegruselt, um ihr Unbehagen so deutlich wie möglich zu machen.





"Hm, also eine Zumutung hat mich bisher noch keine Frau genannt“, entgegnete Adam frech lächelnd und schien sich keinen Deut zu schämen. „Sehe ich denn wirklich derart schlimm aus?"





Jessica warf hilflos rudernd ihre Arme in die Luft. "Aber darum geht es doch gar nicht! Sie sind für mich ein Fremder, und Fremde will ich nun mal nicht nackt sehen, Punktum. Und zwar weder Sie noch Mr. Universum!" Diesmal wählte sie ein paar Schluchzer zur Untermalung ihrer Forderung. "Ist ja schon gut, es gibt keinen Grund zu heulen, ich zieh mich ja schon an“, schüttelte Adam genervt den Kopf und überlegte, wo er seine Unterhose wohl hingelegt hatte.





Nach dem Essen, das Jessica wieder einmal alleine im Arbeitszimmer einnahm, verabschiedete er sich zu ihrer Erleichterung und ging nach Hause. Allerdings ohne Unterhose unter der Jeans, denn die hatte er selbst nach langer Sucherei nicht finden können. Naike hatte sie nämlich aus Rache unter Jessicas Kopfkissen versteckt und freute sich schon jetzt diebisch auf den Moment, wo diese sie fand.

"Hallo Armin, ein Segen rufst du an! Stell dir nur vor, ein Schwerverbrecher geht neuerdings bei uns ein und aus und läuft hier nackend herum! ... Ja, richtig, Naikes Freund ist zurück. ... Lange Zeit, genau. Er war im Knast, hat eine junge Frau vergewaltigt. ... Himmel, Armin! Ich bin mir meines Lebens nicht mehr sicher! Und was ist, wenn er Naike etwas antut? ... Nein, Du brauchst nicht hierher ziehen, das würde doch die Lage nur noch verschärfen, da komme ich lieber zu dir. ... Wie? Deiner Mutti wäre das nicht recht? Du wohnst wirklich noch bei deiner Mutter??? Ich dachte, das sei ein Scherz gewesen?“



Kapitel 2 - Aus Einem werden Zwei
Kapitel 4 - Versöhnungen